{"id":33871,"date":"2020-03-08T09:25:28","date_gmt":"2020-03-08T08:25:28","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=33871"},"modified":"2020-03-08T09:25:28","modified_gmt":"2020-03-08T08:25:28","slug":"tagebuch-freitag-samstag-6-7-marz-2020-rausgekehrt-und-heimgekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=33871","title":{"rendered":"Tagebuch Freitag\/Samstag, 6.\/7. M\u00e4rz 2020 \u2013 Rausgekehrt und heimgekommen"},"content":{"rendered":"<p>Freitag fr\u00fch radelte ich ins Hauptstaatsarchiv, wo ich laut Mail auf diverse Akten aus dem Haus der Deutschen Kunst hoffen konnte; die ebenfalls vorbestellten aus dem Kultusministerium erwartete ich erst am Dienstag. Es kam genau anders herum und mir wurden Akten von nach 1945 in die Hand gedr\u00fcckt, was mir aber auch recht war, mir ist in Archiven ja immer alles recht. Ich w\u00fchlte mich durch den K\u00fcnstlerbund Isar, in dem Protzen Mitglied war und der sich nun neu gr\u00fcnden wollte (den gibt&#8217;s, glaube ich, nicht mehr), den Berufsverband Bildender K\u00fcnstler, in dessen Akten ich viel \u00fcber W\u00fcnsche von K\u00fcnstlern 1948 erfuhr (Kohlen, Gips, Eisen, Werkzeuge und bittsch\u00f6n endlich den Telefonanschluss!) sowie die Kameradschaft der K\u00fcnstler M\u00fcnchens, zu der sich 1938 zwangweise alle K\u00fcnstlervereinigungen zusammenschlie\u00dfen mussten. Das war eher pers\u00f6nliche Neugier als diss-relevant und so vertiefte ich mich in diverse Schreiben, als pl\u00f6tzlich die Ansage kam: \u201eBitte zum Schluss kommen, wir schlie\u00dfen gleich.\u201c Und ich noch so, mich k\u00f6nnen die nicht meinen, ich bin ja erst seit f\u00fcnf Minuten (aka drei Stunden) hier. Ich war allerdings doch gemeint, denn der Lesesaal schlie\u00dft freitags um 12, was ich total vergessen hatte. So wurde ich fies aus meiner Arbeit gerissen und stand danach v\u00f6llig hilflos-verloren vor der T\u00fcr, umklammerte wimmernd meinen Laptop und wusste gar nicht, wohin mit mir. (Darstellung f\u00fcrs Blog dramatisiert.)<\/p>\n<p>Im Kopf waren noch Historicum und eventuell Stabi, bei der ich aber ahnte, dass die vorbestellten Dinge noch nicht da waren, und aufs Historicum hatte ich mittags keine Lust, weil da vermutlich eh alle Tische noch von der Vormittagsschicht belegt waren.<\/p>\n<p>Also fuhr ich nach Hause, warf Spinat in die Pfanne, g\u00f6nnte mir einen Mittagswein und l\u00e4utete das Wochenende ein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/5E198D95-069A-4D46-8F87-E2088597CFB8.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-33874\" srcset=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/5E198D95-069A-4D46-8F87-E2088597CFB8.jpg 500w, https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/5E198D95-069A-4D46-8F87-E2088597CFB8-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Ich hatte die letzten beiden Tage doofe R\u00fcckenschmerzen gehabt, was zun\u00e4chst den Griff zur W\u00e4rmflasche und dann den zur Zyklus-App erzeugte. 16 Tage? Hm. Vielleicht doch wirklich R\u00fccken und nicht nur mies ausstrahlender Uterus? Ab Donnerstab abend wusste ich aber: Uterus. Nach zwei herrlichen Zyklen von je 80 Tagen jetzt dann eben einen k\u00fcrzeren. Das nervte zwar, beruhigte mich aber wieder, denn bei R\u00fccken bin ich recht schnell panisch, denn er ist so ziemlich der einzige K\u00f6rperteil, auf den ich wirklich aufpasse. Sobald ich aber wei\u00df, es sind nur die Tage, geht&#8217;s mir besser. Dementsprechend holte mich Freitag dann auch die ebenfalls \u00fcbliche Matschigkeit ein, die ich morgens noch mit Kaffee und Dusche und Archivvorfreude bek\u00e4mpft hatte, der ich aber nun weinselig nachgeben konnte, weswegen ich den Nachmittag so ziemlich komplett mit der W\u00e4rmflasche auf dem Sofa verd\u00f6ste.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Den Arbeitsnachmittag holte ich dann am Samstagvormittag nach, wo ich um f\u00fcnf nach neun zur \u00d6ffnung der Bib im Historicum stand und mir ein paar B\u00fccher an den Platz trug.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_6426.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-33876\" srcset=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_6426.jpg 500w, https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_6426-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Wenn ich Punkt 9 dagewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich vielleicht noch den Platz ganz vorne an der Fensterfront gekriegt, so sa\u00df ich drei Reihen dahinter und hatte ebenfalls einen sch\u00f6nen Ausblick und meine Ruhe.<\/p>\n<p>Ich las viel \u00fcber die direkte Nachkriegszeit und die Zeit bis zur W\u00e4hrungsreform. Mir fiel beim chronologischen Aufschreiben von Protzens Werken und den wenigen noch erhaltenen Einkunftsausk\u00fcnften auf, dass ich schlicht nicht wusste, ob die ganzen sch\u00f6nen Reichsm\u00e4rker, die er f\u00fcr seine Autobahnbilder bekommen hatte, \u00fcberhaupt noch etwas wert waren und wenn ja, wieviel. Und zu welchem Kurs wurde eigentlich umgetauscht? Und durfte er alles umtauschen? Von den gro\u00dfen Fischen wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Hoffmann_(Fotograf)\">Hoffmann<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Speer\">Speer<\/a> wusste ich, dass ihr Verm\u00f6gen eingezogen worden war, bei meinem Maler war ich mir recht sicher, dass er ein kleiner Fisch war, aber belegen kann ich es, wie so oft, nicht.<\/p>\n<p>In einem Buch blieb ich recht lange und fand diesen hervorragend formulierten Satz: \u201eWohl in kaum einem anderen Verwaltungsbereich standen die Amerikaner vor einem so deutlichen Dilemma zwischen Entnazifizierungszielen und den Zw\u00e4ngen einer raschen Krisenbew\u00e4ltigung wie in der Ern\u00e4hrungsb\u00fcrokratie.\u201c (Quelle: Erker, Paul: \u201eErn\u00e4hrungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943\u20131953\u201c, Stuttgart 1990, S. 38.) Ich habe nicht viel notiert, auch nicht f\u00fcrs Blog, daher fasse ich aus dem Ged\u00e4chnis zusammen: Lebensmittelkarten gab es seit 1938 (1939?), den Schwarzmarkt bereits seit 1942. Trotzdem verschlechterte sich die Lage der Bev\u00f6lkerung, was die Versorgung mit Lebensmitteln anging, nach dem Kriegsende weiter. Die amerikanische Milit\u00e4rregierung \u00fcbernahm daher fast komplett die Organisationsstruktur des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsn%C3%A4hrstand\">Reichsn\u00e4hrstands<\/a>, entfernte wenige Beamte oder offensichtliche Parteikader, lie\u00df die meisten aber gew\u00e4hren, damit die Leute was zu bei\u00dfen hatten. Sie erkannten recht fr\u00fch, dass man von einer Demokratie eher \u00fcberzeugt ist, wenn der Bauch voll ist; am \u201eHungerwinter\u201c 1947\/1948 konnten sie aber auch nichts \u00e4ndern, wobei der vornehmlich das Ruhrgebiet betraf. (Totaler geistiger Schlenker, aber: Im Hungerwinter hatten die Menschen so um die 1000 Kalorien an Nahrung zum Verbrauch. Nur so als Gedanke, wenn euch die Influencerinnen mal wieder erz\u00e4hlen, wie locker und gut gelaunt man bei einer 1000-Kalorien-Di\u00e4t drauf ist. Knurr.)<\/p>\n<p>Das war sch\u00f6n, mal wieder bei den Historikerinnen zu sitzen. Auch hier hatte ich nach getaner Arbeit das Gef\u00fchl, huch, das ging viel zu schnell, ich bin doch erst vor f\u00fcnf Minuten gekommen. (Aka drei Stunden.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Geradelt, eingekauft, gelesen, B\u00fcrokram gemacht, zwei Folgen <em>The Chef Show<\/em> gesehen und mich a) \u00fcber den Espresso einer Leserin gefreut, der seit gestern in meiner M\u00fchle ist und b) \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/B9b2SiJH_aW\/\">diesen Insta-Post<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_6431.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"700\" class=\"alignnone size-full wp-image-33877\" \/><\/p>\n<p>Wird f\u00fcr zuk\u00fcnftige Bewerbungsschreiben vorgemerkt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Abends endlich mal wieder mit F. gemeinsam gegessen und einen sch\u00f6nen Blaufr\u00e4nkisch genossen. Die scharfen Peperoni waren dazu eher eine dusselige Idee, wie wir beide feststellten. Ich musste sie trotzdem zwanghaft essen, waren lecker.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/5CEA4BB6-06FE-4653-916E-D9B95EB50CAD.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-33875\" srcset=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/5CEA4BB6-06FE-4653-916E-D9B95EB50CAD.jpg 500w, https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/5CEA4BB6-06FE-4653-916E-D9B95EB50CAD-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag fr\u00fch radelte ich ins Hauptstaatsarchiv, wo ich laut Mail auf diverse Akten aus dem Haus der Deutschen Kunst hoffen konnte; die ebenfalls vorbestellten aus dem Kultusministerium erwartete ich erst am Dienstag. 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