{"id":34417,"date":"2020-05-12T08:27:54","date_gmt":"2020-05-12T07:27:54","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=34417"},"modified":"2020-05-12T08:27:54","modified_gmt":"2020-05-12T07:27:54","slug":"tagebuch-montag-11-mai-2020-sinnkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=34417","title":{"rendered":"Tagebuch Montag, 11. Mai 2020 \u2013\u00a0Sinnkrise"},"content":{"rendered":"<p>Dusche, Flat White, <em>Masterchef Australia<\/em>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Am Schreibtisch erstmal eine Dissertation einer Kommilitonin gelesen, in der zwei Ausstellungen vorkamen, mit denen ich mich auch besch\u00e4ftigt habe. Die Diss hatte einen anderen Forschungsschwerpunkt, aber nat\u00fcrlich hat sie mich trotzdem in eine kleine Sinnkrise geschmissen. Ich habe im Bundesarchiv anscheinend ein oder zwei Akten \u00fcbersehen, die vielleicht interessant gewesen w\u00e4ren, aber jetzt komme ich gerade nicht hin, um sie mir auszuheben zu lassen. Und die Sprache der Diss klang f\u00fcr mich so viel besser als meine eigene. Immerhin vom zweiten Punkt konnte ich mich selbst entkriseln, indem ich mir stundenlang vorsagte: \u201eIn jedem Feedback auf jede wissenschaftliche Arbeit, die du in den letzten acht Jahren eingereicht hast, wurde deine Sprache gelobt. Scheint okay zu sein, verst\u00e4ndlich zu schreiben.\u201c <\/p>\n<p>Aus dem zweiten Punkt konnte mich F. abends per Pep-Talk-DM holen: \u201eResearch never ends, it is never finished.\u201c Nicht alles, was irgendwo in Archiven rumliegt, muss in eine Arbeit. Ich habe genug, um meinen Punkt zu machen, und das wei\u00df ich auch. Und ich wei\u00df auch, dass ich Dinge gefunden habe, die in der von mir gelesenen Diss als \u201ehabe ich nicht finden k\u00f6nnen\u201c bezeichnet wurden (akademischer formuliert).<\/p>\n<p>Beim Rausschmei\u00dfer von F. musste ich sehr lachen, weil ich gerne Witze dar\u00fcber mache, dass ich eigentlich bei allen Dingen, die ich in der Diss anrei\u00dfe, einen Aufsatz vom Doktorvater h\u00e4tte zitieren k\u00f6nnen, weil der halt alles wei\u00df und \u00fcberall war: \u201eForschung erg\u00e4nzt sich auf einem Gebiet. Wenn eine Person alles alleine rausfinden k\u00f6nnte, h\u00e4tte euch [Doktorvater] nichts mehr \u00fcbrig gelassen.\u201c<\/p>\n<p>Innere Danksagung wird immer l\u00e4nger.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ansonsten emsig die Kapitel 1940 bis 1944 zum zweiten Mal korrigiert und im Abbildungsverzeichnis 100 Bilder erg\u00e4nzt (grob gesch\u00e4tzt). Je weiter ich nach hinten in die Arbeit komme, desto besser gef\u00e4llt sie mir. Ich ahne, dass ich im vorderen Teil nochmal den Rotstift ansetzen muss, wobei das Gef\u00fchl auch an der Sinnkrise gelegen haben k\u00f6nnte. Bin ansonsten doch recht zufrieden mit dem Brocken.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Zu essen gab es gestern in Etappen <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/news\/voraciously\/wp\/2020\/05\/10\/take-bean-dip-from-ho-hum-to-fabulous-with-harissa-mint-and-carrots\/?itid=hp_food-right-4-0_voraciously-recipe-feed%3Ahomepage%2Fstory-ans\">P\u00fcree aus wei\u00dfen Bohnen und Karotten<\/a>, die ich mit einem Berg Harissa und Knoblauch im Ofen weichgeschmort hatte. Dann wurde alles mit ein bisschen Minze, Oliven\u00f6l und Zitronensaft p\u00fcriert. Harissa war super, vom Rest habe ich quasi nichts geschmeckt au\u00dfer ab und zu ein bisschen frische Zitrone. F\u00fcrs n\u00e4chste Mal merken: von allem mehr reinhauen oder gleich weglassen. Und immer mehr Salz als angegeben. Mehr mehr.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_6711.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"485\" class=\"alignnone size-full wp-image-34419\" \/><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2020\/05\/18\/igor-levit-is-like-no-other-pianist\">Igor Levit Is Like No Other Pianist<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Wer den <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2020-04\/gor-levit-interviewpodcast-alles-gesagt\">langen ZEIT-Podcast<\/a> geh\u00f6rt hat, f\u00fcr den ist wenig neues Biografisches \u00fcber Igor Levit dabei, aber f\u00fcr die Beschreibungen der musikalischen Entwicklung lohnt sich dieses Portr\u00e4t aus dem <em>New Yorker<\/em> sehr. Ich fand an den Hauskonzerten sehr sch\u00f6n, dass Levit ein paar S\u00e4tze zur Einf\u00fchrung sprach, was meine innere musikalische Bibliothek sehr erweitern konnte. Alleine f\u00fcr <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/The_People_United_Will_Never_Be_Defeated!\">The People United Will Never Be Defeated<\/a><\/em> werde ich ihm noch l\u00e4nger dankbar sein. <\/p>\n<p>Was ich auch durch die Hauskonzerte gelernt habe: dass ich mit Soloklavier was anfangen kann. Eigentlich bin ich mehr der Mensch f\u00fcr das 80-k\u00f6pfige Wagner-Orchester, je mehr Klangfarbe, desto besser. Aber so auf Melodie und Begleitung und dem Verwischen von beiden zur\u00fcckgeworfen zu werden wie es eben nur ein Soloinstrument wie das Klavier kann, war f\u00fcr mich sehr bereichernd. Daher auch hier: Danke.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eOne day, Levit sent me a text saying, \u201cMaybe for the first time do I understand what it means to speak of music as something life-keeping. It really keeps me alive. . . . I don\u2019t care if it\u2019s wrong or right, whatever B.S. that means, just as long as I can actually press down the black and white keys. I\u2019ve never, never been freer than now. Never. And I am in tears half the day. Very, very dark. And yet. The existential must of music-making really becomes bigger and bigger by the minute.\u201d<\/p>\n<p>Concert pianists are often stereotyped as remote souls, apt to lose themselves in the palaces of sound they summon at the keyboard. Levit is emphatically not a loner. He has a global network of friends, and transmits countless e-mails, texts, emojis, and gifs every day. He is a cultural omnivore who is as likely to quote from Kendrick Lamar or \u201cSimpsons\u201d episodes as from Kafka or James Baldwin. Outfitted in a hoodie, a T-shirt, and jeans, he blends in easily with other guys on the streets of Berlin. His moderately hip image arouses suspicion in conservative corners of the classical-music world. \u201cJust shut up and play,\u201d he has heard people say, in several languages. From a more radical perch, the Berlin-based online magazine van has suggested that Levit is excessively self-dramatizing: \u201cIn the race for attention, Levit is a bit like Usain Bolt: he always seems effortlessly ahead.\u201d [&#8230;]<\/p>\n<p>Levit introduced himself to the international public in an ostensibly conventional manner, with a recording of Beethoven. The Sony Classical label signed him in 2012, after he had attracted notice as a member of the BBC\u2019s young-artist program. His first Sony project was nonetheless bold in concept, even brazen: where other d\u00e9but pianists might have stuck to the \u201cMoonlight,\u201d the \u201cAppassionata,\u201d or the \u201cWaldstein,\u201d Levit offered a two-disk set of Beethoven\u2019s final five piano sonatas, including the titanic \u201cHammerklavier.\u201d<\/p>\n<p>To some, the gesture smacked of arrogance. He told me, \u201cI know there is this attitude that you are supposed to wait until you are sixty-five and have seen life and the world and suffering before you approach late Beethoven. But I know thirteen-year-olds who know a level of suffering that these full-of-themselves, elegant mid-sixties artists have absolutely no fucking idea about. Give me a break! Anyway, that\u2019s where I started, with late Beethoven. Matti really helped give me that attitude. He would say, \u2018Just go do it. Just be a pianist. I will help you not to be an idiot.\u2019\u201d<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dusche, Flat White, Masterchef Australia. &#8212; Am Schreibtisch erstmal eine Dissertation einer Kommilitonin gelesen, in der zwei Ausstellungen vorkamen, mit denen ich mich auch besch\u00e4ftigt habe. Die Diss hatte einen anderen Forschungsschwerpunkt, aber nat\u00fcrlich hat sie mich trotzdem in eine kleine Sinnkrise geschmissen. 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