{"id":34642,"date":"2020-06-25T06:25:47","date_gmt":"2020-06-25T05:25:47","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=34642"},"modified":"2020-06-25T07:06:47","modified_gmt":"2020-06-25T06:06:47","slug":"was-schon-war-freitag-bis-mittwoch-19-bis-24-juni-2020-zweiter-archivendspurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=34642","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Freitag bis Mittwoch, 19. bis 24. Juni 2020 \u2013 Zweiter Archivendspurt"},"content":{"rendered":"<p>Freitag: letzte Fu\u00dfnoten in der <a href=\"https:\/\/www.deutsches-museum.de\/bibliothek\/\">Bibliothek des Deutschen Museums<\/a> erledigen. Danach bekam ich von einer Blogleserin eine top-exklusive Privatf\u00fchrung durch das Magazin der Bib (danke!) und durfte im Rara-Lesesaal ein paar alte und tolle B\u00fccher anschauen, zu denen mir der Leiter der Bibliothek etwas erz\u00e4hlte. Beim Bild einer 20 Zentimeter gro\u00dfen Vogelspinne, die einen Kolibri frisst, in Maria Sibylla Merians <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Raupen_wunderbare_Verwandelung_und_sonderbare_Blumennahrung\">Der Raupen wunderbare Verwandelung und sonderbare Blumennahrung<\/a><\/em> (die <a href=\"https:\/\/www.deutsches-museum.de\/bibliothek\/unsere-schaetze\/biologie\/merian\/\">Ausgabe<\/a> im Deutschen Museum ist von 1719) habe ich memmig weggeguckt, wo Merian lustig kupferstichte. In einem Buch von Alexander von Humbold bewunderte ich die clevere Zeichnung eines Berges, in den Pflanzen eingeschrieben wurden, je nach H\u00f6henlage. An der Legende an der Seite entdeckte ich \u201eCaff\u00e9\u201c und \u201eKartoffeln\u201c, aber dann ging&#8217;s schon weiter. Mit dem Buch w\u00e4re ich gerne noch ein bisschen alleine geblieben. Es gab eine Enzyklop\u00e4die, die vor der Diderots erschien, ein Buch mit Abbildungen der Mondoberfl\u00e4che und den Rest habe ich schon wieder vergessen, aber es war gro\u00dfartig, diesen <a href=\"https:\/\/www.deutsches-museum.de\/bibliothek\/unsere-schaetze\/\">Sch\u00e4tzen<\/a> so nahe kommen zu k\u00f6nnen. <a href=\"https:\/\/www.deutsches-museum.de\/bibliothek\/auskunft-service\/kennenlernen\/rara-fuehrungen\/\">Theoretisch k\u00f6nntet ihr das auch<\/a>, aber jetzt gerade nicht. (Die SITUATION!)<\/p>\n<p>Im Magazin lernte ich, dass die Erwerbungen hier nicht nach Sachgebiet stehen, sondern nach dem Jahr des Eingangs. Daraufhin wollte ich dringend irgendwas zwischen 1933 und 1945 sehen, guckte mich kurz 1939 (?) fest und sah als erstes komplette Jahrg\u00e4nge einer Zeitschrift, die wir im ZI nur als Rara-Bestand haben, die ich aber hier anscheinend innerhalb von einer Stunde auf dem Tisch gehabt h\u00e4tte. Ich untersch\u00e4tze diese Bibliothek ganz ungemein. Macht nicht denselben Fehler wie ich! Gleich mal eine Lesekarte holen! Kostet nix! Ich lernte n\u00e4mlich auch, dass die Bibliothek von Anfang an <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsches_Museum\">beim Museum<\/a> mitgedacht wurde: Wer im Museum noch Fragen hatte, sollte einfach nach nebenan gehen und sich ein Buch aus dem Regal ziehen k\u00f6nnen. Deswegen ist die Bib auch \u00f6ffentlich und am Wochenende ge\u00f6ffnet, genau wie das Museum. Bei mir hatte die Bibliothek schon gewonnen, als ich sah, dass Scans nichts kosten. Daf\u00fcr gibt so so gut wie keine Steckdosen, aber irgendwas ist ja immer.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Samstag. Kopf ausgemacht, Curry gekocht, mich \u00fcber den Klassenerhalt von Augsburg gefreut. Mich von der langen letzten Woche ausgeruht. Konnte mich nicht auf den Bachmannpreis konzentrieren, der mir im letzten Jahr so viel Freude gemacht hatte. Nur eine Lesung und eine Jurybesprechung nachgeholt und einen der neuen Juroren gleich mal backpfeifen gewollt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Sonntag. Kopf wieder angemacht und das Abbildungsverzeichnis runtergerockt. Jetzt aber wirklich. Dabei nat\u00fcrlich noch einen Fehler gefunden \u2013 irgendwie in den 60er-Nummern verz\u00e4hlt, woraufhin ich 140 Folgenummern in Diss und Verzeichnis \u00e4ndern musste. Zum ersten Mal kapiert, warum mir alle Leute gesagt haben: Automatisier das! Mach nicht deine \u00fcbliche Handarbeit. Ihr hattet alle recht, und beim n\u00e4chsten langen Text h\u00f6re ich auf euch.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Montag. Endlich war mein im Mai beantragter Perso in M\u00fcnchen angekommen, was ich online jeden Tag hektisch abgefragt hatte, denn das Pr\u00fcfungsamt h\u00e4tte gerne eine Kopie desselben. Die Frist zur Anmeldung zur Promotionspr\u00fcfung geht bis heute; notfalls h\u00e4tte ich meinen ung\u00fcltigen Ausweis kopiert, den Abholschein der Stadt und das Schreiben der Personalausweisbeh\u00f6rde, das mir PIN und PUK mitteilte und das sinngem\u00e4\u00df begann: \u201eIhr neuer Perso wird gerade hergestellt\u201c, um irgendwie zu vermitteln: Ich habe theoretisch einen Ausweis, nur jetzt noch nicht! Das war netterweise nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Ich radelte zum online vereinbarten Termin bei Kreisverwaltungsreferat, wartete f\u00fcnf Minuten, wurde aufgerufen und gab am Schalter meinen alten Perso und den Abholschein ab \u2013 beides vorher nicht kopiert, wozu auch, ich krieg ja jetzt meinen neuen Ausweis. Oder auch nicht. Jedenfalls vorerst nicht.<\/p>\n<p>\u201eWurden Sie von uns \u00fcber irgendwelche Probleme benachrichtigt?\u201c N\u00f6. \u201eHaben Sie das Schreiben der Personalausweisbeh\u00f6rde bekommen?\u201c Jepp. \u201eHm.\u201c *schwitz* \u201eIch komme gleich wieder, ich muss da was kl\u00e4ren.\u201c Ich ergab mich meinem Schicksal, die Diss erst im Oktober abzugeben, wurde dann aber in ein B\u00fcro gerufen, wo man mich dar\u00fcber aufkl\u00e4rte, dass meine Unterschrift nicht f\u00e4lschungssicher sei und dass ich daf\u00fcr etwas unterschreiben m\u00fcsste, dass ich dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt wurde. Ich fragte lieber nach, ob ich mit meinem nicht f\u00e4lschungssicheren Schn\u00f6rkel unterschreiben sollte oder in Sch\u00f6nschrift, aber ich durfte schn\u00f6rkeln und dann hatte ich einen neuen Ausweis, der an Papas 92. Geburtstag auslaufen wird.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Nachmittags durfte ich dann ins Depot der Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen. Diese Story wird mir bis an mein Lebensende peinlich sein: Ich hatte im Lenbachhaus und den Staatsgem\u00e4ldesammlungen um farbige Abbildungen von einigen Werken Protzens gebeten, die die beiden H\u00e4user besitzen. Das Lenbachhaus schickte nur eine Mail zur\u00fcck, dass sie gerade unterbesetzt sind, dauert, aber ich ahne, dass da eh nichts Farbiges zu holen sein wird (mir ging&#8217;s auch nur um zwei Werke, eins kenne ich nicht, ist aber nicht so wichtig, das andere ist eine Autobahn, die habe ich nur in schwarzwei\u00df). Die Staatsgem\u00e4ldesammlungen mailten irre schnell zur\u00fcck: Sie h\u00e4tten nur eine farbige Aufnahme, immerhin die Autobahn, aber die h\u00e4ngt ja f\u00fcr mich zug\u00e4nglich in Saal 13. Die ist auch die Autobahn, von der ich am meisten Abbildungen gefunden habe, daher hatte ich da sogar eine farbige Aufnahme. Man fragte mich, ob ich die Schwarzwei\u00dffotos von den anderen Werken haben wollte, w\u00fcrde aber ungef\u00e4hr acht Wochen dauern, was ich verneinte.<\/p>\n<p>Und dann kam abends noch eine weitere Mail vom Sammlungsleiter f\u00fcr die Klassische Moderne, der meinte, bei entsprechenden Vorlauf h\u00e4tte ich mir nat\u00fcrlich auch die Originale im Depot angucken k\u00f6nnen. Ich las und versank vor Scham im Boden, denn das hatte ich nat\u00fcrlich vor ungef\u00e4hr zwei Jahren im Hinterkopf \u2013 und es dann einfach irgendwann vergessen. Ich schrieb eine launige Mail zur\u00fcck von wegen Diss-Stress und egal, schlief schlecht, schrieb am n\u00e4chsten Morgen noch eine Mail und bat piepsig darum, vielleicht folgende zehn oder so Werke angucken zu k\u00f6nnen von den ca. 100, die die Staatsgem\u00e4ldesammlungen besitzen und ergab mich in mein Schicksal, die Diss erst im Oktober abzugeben. Die meisten von Protzens Werken sind an Beh\u00f6rden oder \u00e4hnliches verliehen, so ein sch\u00f6nes Bergpanorama macht sich in bayerischen Ministerien schlie\u00dflich immer gut. Aber f\u00fcnf Werke w\u00e4ren zug\u00e4nglich \u2013 n\u00e4chsten Montag vielleicht? Wo-hoo!<\/p>\n<p>Ich lernte einen freundlichen wissenschaftlichen Mitarbeiter kennen, der mir \u00fcber sein Forschungsgebiet was erz\u00e4hlte und mich Dinge fragte, die wirklich alle fragen, wenn sie das Stichwort \u201eAutobahnmalerei\u201c h\u00f6ren. Merke ich mir f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung. Ein ebenso freundlicher weiterer Mitarbeiter lie\u00df uns ins Depot, wo ich f\u00fcnf Originale ansehen konnte \u2013 ein Werk, das mir angek\u00fcndigt wurde, war nicht dabei, aber daf\u00fcr ein anderes, nehme ich auch. Das ist dann auch das letzte Werk, das ich von meinem Maler, wie ich ihn inzwischen z\u00e4rtlich nenne, in der Diss abbilden werde; das freut mich, dass ich einen bunten Abschluss habe.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Dienstag. Mit Maske und Handschuhen im Stadtarchiv die nun wirklich allerletzten Fu\u00dfnoten nochmal abchecken, bei denen ich mir unsicher war. Das ging schneller als gedacht, das war fast ein bisschen schade. Danach radelte ich zur Post und gab meine Pr\u00fcfungsanmeldung per Einschreiben auf. Als Belohnung radelte ich zum Asiashop und kaufte den dortigen K\u00fchlraum leer, um Tom Kha Gai zu kochen und mich den ganzen Tag dar\u00fcber zu freuen, Chilis essen zu k\u00f6nnen, ohne umzufallen.<\/p>\n<p>Abends sah ich F. endlich mal wieder, er hatte einen winzigen Teil der Diss f\u00fcr mich korrekturgelesen, und ich f\u00fcgte brav fast alles ein, was dem Mann aufgefallen war. Gemeinsam eingeschlafen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern war dann der letzte Termin: In der Bibliothek der Pinakotheken wollte ich die Kopie des Werkverzeichnisses von Protzen einsehen, von der ich einen Scan besa\u00df. Ein paar Dinge konnte ich dort nicht gut lesen, ahnte schon, dass das in der Kopie nicht anders sein w\u00fcrde, aber im Gegensatz zu den Werken wollte ich mir hier nicht nachsagen lassen, h\u00e4ttenSe mal bei uns nachgefragt. Wie erwartet war die Kopie nicht aufschlussreicher als mein Scan, aber gut. Interessiert stellte ich au\u00dferdem fest, dass im winzigen schriftlichen Bestand zu Protzen, der dort verwahrt wird, ein Ausdruck <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=28761\">dieses Blogeintrags vom M\u00e4rz 2018<\/a> von mir lag, in dem ich sehr grob beschreibe, was alles im Nachlass liegt. Dar\u00fcber musste ich sehr lachen, auch wenn mir der Besuch sonst nichts brachte. Au\u00dfer dass ich mal in der Bibliothek der Pinakotheken war. Das ist ja auch was.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Im Laufe des Tages machte ich dann aus meinen ganzen Einzeldokumenten mehrere gro\u00dfe. 359 Seiten reiner Text. 39 Seiten Literatur- und Archivangaben. 94 Seiten Abbildungen. 1884 Fu\u00dfnoten. Einmal lese ich das noch durch und dann lasse ich es los.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag: letzte Fu\u00dfnoten in der Bibliothek des Deutschen Museums erledigen. Danach bekam ich von einer Blogleserin eine top-exklusive Privatf\u00fchrung durch das Magazin der Bib (danke!) und durfte im Rara-Lesesaal ein paar alte und tolle B\u00fccher anschauen, zu denen mir der Leiter der Bibliothek etwas erz\u00e4hlte. 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