{"id":35553,"date":"2020-12-06T10:40:53","date_gmt":"2020-12-06T09:40:53","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=35553"},"modified":"2020-12-06T10:40:53","modified_gmt":"2020-12-06T09:40:53","slug":"tagebuch-samstag-5-dezember-2020-keks-und-lesetag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=35553","title":{"rendered":"Tagebuch Samstag, 5. Dezember 2020 \u2013 Keks- und Lesetag"},"content":{"rendered":"<p>Zu. Viele. Kekse. Gegessen. (\u00c4chz.)<\/p>\n<p>Ansonsten nicht geputzt, nicht nachgedacht, keine Bewerbungen geschrieben, nur mit Tee auf dem Sofa gelungert und gelesen. Ein Geschenk zu meiner Diss war ein Buch (Danke, Mama von <a href=\"https:\/\/regungen.wordpress.com\/\">Nathalie<\/a>), das ich schon mal <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=35441\">hier<\/a> im Blog erw\u00e4hnt hatte: <em><a href=\"https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/das-buch-alice-9783549100080.html\">Das Buch Alice<\/a><\/em>. Es liest sich sehr entspannt weg, wenn mich auch die popul\u00e4rwissenschaftliche Schreibe manchmal irritiert; zu vielem werden Endnoten angeboten, bei genauso vielem aber auch nicht, ich sehe da noch kein System.<\/p>\n<p>Um die Atmosph\u00e4re im Wien der 1920er-Jahre zu verdeutlichen, zitiert Autorin Urbach sehr oft ein anderes Buch: <em>Die Tante Jolesch<\/em> von Friedrich Torberg, auch mal <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=1954\">im Blog erw\u00e4hnt<\/a>. Das Werk kann man quasi komplett zitieren, es findet sich immer etwas Passendes, aber gestern las ich vergn\u00fcgt den folgenden Abschnitt, der dazu diente, die Stimmung im Jahr 1918 zu verdeutlichen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Kaiser verlor zwar \u00fcber Nacht seine Autorit\u00e4t, doch in j\u00fcdischen Familien \u00fcberlebten die Hierarchien, Revolution hin oder her, wie folgende Anekdote \u00fcber Paul und Egon Erwin Kisch zeigt. Der rasende Reporter und gl\u00fchende Kommunist Egon Erwin Kisch versuchte am 12. November 1918 mit der Roten Garde in das Redaktionsgeb\u00e4ude der <em>Neuen Freien Presse<\/em> einzudringen und stie\u00df im Treppenhaus auf seinen Bruder Paul, Wirtschaftsredakteur der <em>Presse<\/em>. Paul versperrte Egon den Weg mit den Worten:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWas willst du hier, Egon?\u201c<br \/>\n\u201eDas siehst du ja. Wir besetzen eure Redaktion.\u201c<br \/>\n\u201eWer \u2013 wir?\u201c<br \/>\n\u201eDie rote Garde.\u201c<br \/>\n\u201eUnd warum wollt ihr gerade die Presse besetzen?\u201c<br \/>\n\u201eWeil sie eine Hochburg des Kapitalismus ist.\u201c<br \/>\n\u201eMach dich nicht l\u00e4cherlich und schau, dass du weiterkommst.\u201c<br \/>\n\u201ePaul, du verkennst den Ernst der Lage. Im Namen der Revolution fordere ich dich auf, den Eingang freizugeben. Sonst &#8230;!\u201c<br \/>\n\u201eGut, Egon. Ich weiche der Gewalt. Aber eins sag ich dir: ich schreib&#8217;s noch heute der Mama nach Prag.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach dieser furchteinfl\u00f6\u00dfenden Drohung zog sich Egon Erwin Kisch zur\u00fcck. Die Authentizit\u00e4t dieser Geschichte ist bezweifelt worden, obwohl die <em>Neue Freie Presse<\/em> tats\u00e4chlich von der Roten Garde kurzfristig besetzt wurde. Zeitgenossen, die Mama Ernestina Kisch noch pers\u00f6nlich kannten, beschw\u00f6ren den Wahrheitsgehalt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Karina Urbach: <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3549100086\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3549100086&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=a68122c6d84fa13f3cc98cc843f920cb\">Das Buch Alice: Wie die Nazis das Kochbuch meiner Gro\u00dfmutter raubten<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3549100086\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em>, Berlin 2020, S. 41. Das Zitat im Zitat: Friedrich Torberg: <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423012668\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423012668&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=ddecadcbe97fb8ee80ac4c9a3636688b\">Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3423012668\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em>, Wien 1986, Teil 1 und 2 (Erstausgabe 1975), S. 29.<\/p>\n<p>Aus dem Buch auch gelernt: Alice Urbach etablierte 1932 Wiens ersten \u201eLieferservice f\u00fcr fertig zubereitetes Essen\u201c. (S. 61)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu. Viele. Kekse. Gegessen. (\u00c4chz.) Ansonsten nicht geputzt, nicht nachgedacht, keine Bewerbungen geschrieben, nur mit Tee auf dem Sofa gelungert und gelesen. Ein Geschenk zu meiner Diss war ein Buch (Danke, Mama von Nathalie), das ich schon mal hier im Blog erw\u00e4hnt hatte: Das Buch Alice. 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