{"id":36416,"date":"2021-03-24T09:49:21","date_gmt":"2021-03-24T08:49:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=36416"},"modified":"2021-03-24T09:53:05","modified_gmt":"2021-03-24T08:53:05","slug":"dienstag-23-marz-2021-grunes-curry","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=36416","title":{"rendered":"Dienstag, 23. M\u00e4rz 2021 \u2013 Gr\u00fcnes Curry"},"content":{"rendered":"<p>Gef\u00fchlt war gestern einer der \u201eGetting things done\u201c-Tage, das tat zur Abwechslung ganz gut. Damit meine ich nicht die Dokumente auf meinem Laptop, bei denen man nie <em>sieht<\/em>, dass man etwas geschafft hat, man wei\u00df es nur, weil man acht Stunden an ihnen rumgepuschelt hat. Ich meine Dinge wie Altglas wegzubringen oder \u00e4hnliches.<\/p>\n<p>Ich koche im Moment meist nichts bloggenswertes, weil es grunds\u00e4tzliche Dinge sind, mal ein Sandwich, die \u00fcbliche Gem\u00fcse-mit-irgendwas-Pfanne, der Kram halt, den ich koche, wenn was weg muss, was dauernd ist. Auch aus Infektionsschutzgr\u00fcnden versage ich mir den Asialaden recht oft, weil ich mich in ihm immer noch nicht gut genug auskenne, um blind mein K\u00f6rbchen zu bef\u00fcllen, wie ich das im Edeka nebenan mache, um so schnell wie m\u00f6glich wieder drau\u00dfen zu sein. Aber gestern wollte ich dann doch mal wieder hin. Ich redete mir ein, dass ich dringend das gr\u00fcne Curry aus dem wunderbaren <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0449017052\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0449017052&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=d2d994242cd499efa620a198af5fb526\">Hot Thai Kitchen<\/a><\/em> von <a href=\"https:\/\/hot-thai-kitchen.com\/about\/\">Pailin Chongchitnant<\/a> nachkochen m\u00fcsse, wo ich das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=M7lmXO_zC08\">rote<\/a> und das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9FNlS4UOJcE&#038;t=0s\">schlammfarbene<\/a> schon bew\u00e4ltigt hatte (und nicht verbloggt habe, wie ich gerade irritiert feststelle). Ich notierte alles, was ich nicht im Haus hatte \u2013 Zitronengras, Galangal, Thai-Basilikum und vor allem gr\u00fcne Chilies. Korianderwurzeln waren noch vom letzten Besuch im K\u00fchlschrank, Shrimp Paste, Palmzucker, Fischsauce, Schalotten und Knoblauch sind immer da, wobei die Fischsauce zur Neige ging.<\/p>\n<p>Aber zun\u00e4chst sortierte ich das Altglas und bekam sieben gr\u00fcne Flaschen in den Rucksack, wie praktisch, dass die meisten Weinflaschen gr\u00fcn sind. Dann verpackte ich endlich ein paar Klamotten f\u00fcr den Altkleidercontainer. Mehrere Blusen, zwei R\u00f6cke und ein Pulli waren schon in einem Extrakarton vor zweieinhalb Jahren mit mir umgezogen, vor zwei Wochen hatte ich alles nochmal gewaschen und geb\u00fcgelt und jetzt wollte ich sie endlich wegbringen. Was sind schon 30 Monate unter Freunden. Ich legte die Kleidung in eine M\u00fcllt\u00fcte, verpackte diese in meine \u00fcbliche Einkaufstasche, setzte die FFP2-Maske f\u00fcr den Gang durch das Treppenhaus auf und schlenderte zum Altglascontainer. Danach ging&#8217;s zum Kleidungscontainer, und der liegt quasi auf direktem Wege zum Asialaden, weswegen ich \u00fcberhaupt auf die Idee kam, noch einen Abstecher dorthin zu machen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_8078-1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"465\" class=\"alignnone size-full wp-image-36418\" \/><\/p>\n<p>Alle Zutaten bis auf Thai-Limettenbl\u00e4tter bekommen, schade, aber dann reibe ich eben die Schale einer Bio-Limette ins Curry. Au\u00dferdem musste ich dringend Majo nachkaufen und wenn ich schon mal da bin, gibt es auch immer eine T\u00fcte indischen Knabberkram.<\/p>\n<p>Ich war eine gute Stunde damit besch\u00e4ftigt, die ganzen Zutaten kleinzuschneiden und schlie\u00dflich zu zerm\u00f6rsern, wobei mir wieder auffiel, was ein echt gutes Geburtstagsgeschenk gewesen w\u00e4re: endlich einen gr\u00f6\u00dferen M\u00f6rser. Meiner hat lausige 11 Zentimeter Durchmesser, ich k\u00f6nnte aber mindestens das anderthalbfache vertragen (siehe die Curryvideos von Chongchitnant). Ich mag den kleinen Racker trotzdem sehr gerne, denn ich kaufte ihn im Zuge des Foodcoachings 2009, das hei\u00dft, er war so ziemlich eines der ersten K\u00fcchenger\u00e4te, mit denen ich meine Ern\u00e4hrung umgestellt habe \u2013 von Fertigkram und Nudeln zu ALLEM, WAS DIE WELT HERGIBT. Hach! Ich habe mein erstes Pesto in ihm hingematscht, f\u00fcr diverse Ottolenghi-Gerichte kiloweise Gew\u00fcrze zerm\u00f6rsert und neuerdings ist dauernd Fischsauce und Palmzucker in ihm, aber: Er ist f\u00fcr Currypasten wirklich zu klein. Seufz. Wenn ich alles halbwegs zu einer Paste bekommen habe, hebe ich die H\u00e4lfte davon raus und mache aus dem Rest eine <em>richtige<\/em> Paste, wonach die zweite H\u00e4lfte drankommt, und zum Schluss werfe ich wieder alles zusammen. Auf die Yogamatte musste ich gestern nicht, der l\u00e4ngere Spaziergang und vor allem das Arm-Workout am M\u00f6rser haben gereicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_8081-1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-36419\" \/><\/p>\n<p>15 Chilis, die aber gut von der ungewohnt s\u00fc\u00dfen Kokosmmilch eingefangen wurden. Ja, das war scharf, aber gleichzeitig ziemlich okay, wie ich \u00fcberrascht feststellte. Ich trinke trotzdem immer Milch zum Curry, sonst halte ich das nicht aus.<\/p>\n<p>In der <em>Washington Post<\/em> war am Wochenende mal wieder ein <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/food\/2021\/03\/19\/key-lime-pie-recipe\/\">Rezept, das mit einem ewig langen Text eingeleitet wurde<\/a> (m\u00f6glicherweise hinter der Paywall). Das mag ich in Kochblogs genauso wenig: zeilenweise Geschwafel und 15 Fotos vom fertigen Rezept aus drei Perspektiven, wo ich doch nur wissen will, ob ich alles f\u00fcr dieses Rezept im Haus habe und wie lange es dauert.<\/p>\n<p>Der Text gefiel mir aber ausnahmsweise, denn er war lustig und erwischte mich bei einer F\u00e4higkeit, die ich gerne vergesse, wenn ich koche: Intuition durch Erfahrung. Der Text beginnt so:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eOne of the greatest things about having children is that they come out of the womb knowing literally nothing, which means, for a little while at least, they believe you\u2019re the world\u2019s foremost expert on literally everything.<\/p>\n<p>Though I\u2019m perpetually screaming internally over the fact that I have no idea what I\u2019m doing when it comes to parenting, it feels good to be heralded as a genius in the sciences (gravity is magic), the arts (da Vinci was a time traveler), and 18th-century German philosophy (God is a 100-foot tall-robot).<\/p>\n<p>But, eventually, the children get older. They learn to read, they learn to reason, they learn to Google. The cracks in the literacy long con begin to show, and by the time middle school rolls around, those cracks have become craters your kids will gladly lob grenades made of logic and algebra into. While I may no longer be their go-to when it comes to chemistry or Kierkegaard, I have realized there are areas where I am not merely proficient but masterful. For example, I can fold fitted bedsheets. I can fix a leaky faucet. Last year, I kept a basil plant alive for 10 whole months. And, I can cook. Damn well, I may add.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Es geht im Text um Key Lime Pie, f\u00fcr den man unter anderem Cracker zermahlen und mit Butter wieder zu einem Teig verbindet, um ihn in eine Form zu pressen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eThough I\u2019ve had plenty of experiences in the kitchen, this existential epiphany was recently cemented when my 13-year-old son asked me to teach him to make key lime pie. Now as far as pies go, key lime is quite possibly the easiest one to execute in the whole dang taxonomy: You make a graham cracker crust, you do a little stirring, you toss it in the oven, bada bing bada boom you got pie. It\u2019s so simple that I didn\u2019t think there was anything about key lime pie that could qualify as a teachable moment. Then, I let a middle-schooler loose in the kitchen. I will never underestimate key lime pie, and its ability to break a person, ever again.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Autorin beschreibt, wie ihr Kind damit Schwierigkeiten hatte, die richtige Teigkonsistenz zu finden oder mit einem Schneebesen eine Masse zu vermischen. Sie erinnert sich daran, wie es ihr als Anf\u00e4ngerin \u00e4hnlich erging: Wie muss sich der Teig anf\u00fchlen, um richtig zu sein, wie presse ich ihn in die Form \u2013 eher locker, eher Beton? \u2013 und wie bewege ich mein Handgelenk, um dieses komische Silberding in meiner Hand zu einer vern\u00fcnftigen Bewegung zu kriegen?<\/p>\n<p>Ich mochte den Text sehr, das Rezept war mir schon egal, weil es mich daran erinnerte, dass auch ich inzwischen diese Erfahrung habe, ohne es wirklich mitzukriegen. Das merke ich am meisten, wenn ich einen Hefeteig zubereite. Bei anderen Kuchenteigen verlasse ich mich meist auf die Rezepte und gucke, was dabei rauskommt. Bei Hefe wei\u00df ich aber genau, wie er sich anf\u00fchlen muss (beim Hefezopf arbeite ich immer nach Gef\u00fchl), wie er aussehen muss (beim Pizzateig will ich eine ganz bestimmte Konsistenz, die anders ist als beim Zopf), wie er sich ausrollen lassen muss (bei Croissants eh das Wichtigste). Auch bei Saucen gucke ich inzwischen eher, bevor ich koste, ich wei\u00df durch einen Blick und nicht durch das, was auf dem L\u00f6ffel ist, ob sie noch einkochen m\u00fcssen oder nicht (meistens). Ich wei\u00df halbwegs, wie man ein Messer h\u00e4lt und damit umgeht, ich wei\u00df, wie man Kr\u00e4uter hackt und Zwiebeln schneidet, ich kann einen Kuchen im Ofen anschauen und wei\u00df, dass er noch nicht durch ist (ebenfalls meistens). Und wenn ich mir Videos anschaue, in denen K\u00f6chinnen Thai-Currys zubereiten, wei\u00df ich auch, was ich alles noch nicht kann, weswegen Videos super sind. Und Kochb\u00fccher, die mir sagen, wie Dinge aussehen oder sich anf\u00fchlen m\u00fcssen, damit ich wei\u00df, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Oder Kochblogs, die nicht nur Fotos vom fertigen Produkt zeigen, sondern auch den Zwischenschritten \u2013 wie sieht ein Teig aus, wenn er vom L\u00f6ffel flie\u00dft? Wie st\u00fcckig ist st\u00fcckig? Diese Fotos spare ich mir immer, weil ich alleine vor mich hinkoche und niemanden habe, der meine Hand beim R\u00fchren aufnimmt, und ich au\u00dferdem alle Konzentration f\u00fcr den Koch- oder Backvorgang brauche, gerade jetzt im Corona-Matschbirnen-Zustand. Aber ich bin dankbar f\u00fcr alle, die mir das anbieten k\u00f6nnen, damit ich hier locker vor mich hinplaudern kann, Kirschkuchen, kein Ding, hier Teig, da Streusel, zack, fertig. Bis ich das hingekriegt habe, musste ich auch erstmal zehn halbgare Kuchen produzieren und ich koche immer noch Rezepte nach, die so gar nicht klappen, oder lasse Milchreis anbrennen (das war eine Lektion in Demut) und werfe Pfannkuchen aus der Pfanne (okay, das war \u00dcbermut). <\/p>\n<p>Ich merke beim Kochen, genau wie in so ziemlich allen anderen Lebensbereichen auch, was ich mir beim Weintrinken irgendwann mal gemerkt habe: If you want to develop a palate, develop a palate. Wenn du irgendwas k\u00f6nnen m\u00f6chtest, dann mach&#8217;s einfach dauernd. Trink mehr Wein, guck mehr Kunst, schlag mehr Mayonnaise auf, und irgendwann wendest du Pfannkuchen in der Luft, ohne dir vorher selbst Mut zusprechen zu m\u00fcssen. Bada bing bada boom.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gef\u00fchlt war gestern einer der \u201eGetting things done\u201c-Tage, das tat zur Abwechslung ganz gut. Damit meine ich nicht die Dokumente auf meinem Laptop, bei denen man nie sieht, dass man etwas geschafft hat, man wei\u00df es nur, weil man acht Stunden an ihnen rumgepuschelt hat. Ich meine Dinge wie Altglas wegzubringen oder \u00e4hnliches. Ich koche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-36416","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36416"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36426,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36416\/revisions\/36426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}