{"id":459,"date":"2004-12-10T08:13:33","date_gmt":"2004-12-10T07:13:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=459"},"modified":"2004-12-11T12:57:25","modified_gmt":"2004-12-11T11:57:25","slug":"the-incredibles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=459","title":{"rendered":"The Incredibles"},"content":{"rendered":"<p><em>The Incredibles (Die Unglaublichen, USA 2004, 121 Minuten)<\/p>\n<p>Originalstimmen: Craig T. Nelson, Holly Hunter, Samuel L. Jackson, Jason Lee, Spencer Fox, Sarah Vowell, Elizabeth Pe\u00f1a, Brad Bird<br \/>\nMusik: Michael Giacchino, Tim Simonec<br \/>\nKamera: Andrew Jimenez, Patrick Lin, Janet Lucroy<br \/>\nDrehbuch und Regie: Brad Bird<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/disney.go.com\/disneypictures\/incredibles\/index.html\">Offizielle Seite<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pixar.com\/theater\/trailers\/incredibles\/\">Trailer<\/a><\/em><\/p>\n<p>Die Incredibles sind eine ganz normale Familie \u2013 wenn man davon absieht, dass Daddy ein b\u00e4renstarker Superheld im ungewollten Ruhestand ist, sein Sohn wahnsinnig schnell laufen kann, aber nicht darf, die Tochter sich unsichtbar machen kann, aber nicht darf, und Mama dehnbarer als Gummi ist, aber nicht will, weil auch sie eine Superheldin im Ruhestand ist. Der Film hat wundervolle Charaktere, erz\u00e4hlt eine schr\u00e4ge und doch sehr menschliche Geschichte, hat fast durchg\u00e4ngig ein hohes Tempo und fasziniert mal wieder mit unglaublichen Bildern komplett aus dem Rechner. Also alles, was man eben von Pixar gewohnt ist und von <em>Finding Nemo, Toy Story<\/em> und <em>A Bug&#8217;s Life<\/em> kennt und liebt. Ist<em> The Incredibles<\/em> also genauso gut wie die angesprochenen Pixar-Filme? Falsche Frage. Denn <em>The Incredibles<\/em> ist anders.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal spielen nicht Fische oder Ameisen oder Spielzeug die Hauptrolle, sondern Menschen. Gut, Menschen mit besonderen F\u00e4higkeiten, aber immer noch Menschen. Zum ersten Mal konnte Pixar sich nicht auf die Niedlichkeit von glubsch\u00e4ugigen Tieren verlassen oder total knuffigem Pl\u00fcschzeug, um ein Publikum zu begeistern. K\u00f6nnen Menschen niedlich sein? Bestimmt, aber das wollen die Incredibles gar nicht. Stattdessen zeigen sie uns eine straffe Helden- und gleichzeitig Familiengeschichte und \u00fcberzeugen mit sehr menschlichen Z\u00fcgen: Die Eltern haben Eheprobleme, die Kinder zicken sich an, der Sohn hat Stress in der Schule &#8230; der \u00fcbliche Alltag eben. Und genau das ist ungewohnt f\u00fcr Pixar. <\/p>\n<p>Waren es bisher immer \u201eStellvertreter\u201c, die uns menschliche Probleme n\u00e4her gebracht haben, so sind es diesmal wirklich \u201eMenschen\u201c. Klar hatte auch Nemo mit seinem Papa \u00c4rger, und Woody und Buzz mussten lernen, was Freundschaft bedeutet, aber die Geschichten blieben immer Parabeln. Die Incredibles sind keine Metaphern mehr, sie sind wie wir. Genauso fehlbar, genauso gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig, genauso liebevoll und genauso \u2013 unglaublich.<\/p>\n<p>Dieses fehlende Metaphernsein macht den Film etwas ernster, etwas d\u00fcsterer als die bisherigen bunten Abenteuer. Die Incredibles bewegen sich statt unter Wasser oder im Spielzeugland in einer realen Szenerie: Mr. Incredible arbeitet in einer Versicherung, die Kinder gehen ganz normal zur Schule, Mrs. Incredible k\u00fcmmert sich um den Haushalt. Der Film f\u00fchlt sich wahrhaftiger, erwachsener an als die bisherigen, und deswegen erlebt man ihn ganz anders. Die Figuren kommen n\u00e4her an einen heran als ein Fisch oder ein Plastikastronaut je an einen herankommen k\u00f6nnten, und daher beeindrucken die Themen des Film auch mehr. Es geht um alte Tr\u00e4ume, die man wieder aufleben lassen will; Talente, die man nicht mehr verstecken m\u00f6chte aus Angst, anders zu sein und damit ein Au\u00dfenseiter; es geht darum, eine Familie zu sein, eine Gruppe, eine Gang und diese gegen alle Widerst\u00e4nde zu bewahren, und es geht darum, einfach man selbst sein zu d\u00fcrfen, ja zu m\u00fcssen, um gl\u00fccklich sein zu k\u00f6nnen. Und obwohl diese Motive so schwer sind, l\u00e4dt sich der Film nicht zuviel auf, denn nat\u00fcrlich strotzt er von kleinen und gro\u00dfen Ideen, die aus ihm keine Moralpredigt machen, sondern eine spannende, aufregende und mitrei\u00dfende Geschichte.<\/p>\n<p>Alleine der Look ist das Eintrittsgeld wert. Er macht den Film in seiner Vielf\u00e4ltigkeit zeitlos; das Haus der Incredibles sieht aus wie eine wohlwollende Version der 60er Jahre mit seinen eckigen, spinnenbeinigen M\u00f6beln und den gro\u00dfen Panoramafenstern. Das Versicherungsb\u00fcro, in dem Mr. Incredible vor sich hinleidet, ist eine Reinkarnation der 80er-Jahre Cubicle-H\u00f6lle, die Autos sind entweder stromlinienf\u00f6rmige Batmobile aus den 40er oder 50er Jahren oder kleine K\u00e4sten, wie sie heute in Nordkorea gebaut werden (wenn da \u00fcberhaupt Autos gebaut werden). Und die Insel, auf der der obligatorische b\u00f6swillige B\u00f6sewicht seine b\u00f6sartigen Bosheiten ausheckt, ist ein futuristischer Traum mit einer Monorail und gleichzeitigem Steinzeiturwald.<\/p>\n<p>Apropos Urwald: Das Rennen, das sich Sohnemann Incredible mit seinen Verfolgern dort liefert, l\u00e4sst das Pod Race aus <em>Episode I<\/em> wie einen Zeitlupenfilm aussehen. War das Wasser in <em>Finding Nemo<\/em> schon fantastisch, so ist es hier \u2013 fast logisch \u2013 unglaublich. Gerade die Elemente wie Feuer, Wasser, Eis und s\u00e4mtliche Oberfl\u00e4chen haben mich begeistert und manchmal sogar kurzfristig von der Story abgelenkt. Als das Ehepaar Incredible ungef\u00e4hr hundertmal dem sicheren Tod entkommen ist und sich wieder vers\u00f6hnt, streicht Frauchen dem Gatten liebevoll \u00fcber die starke Schulter. Und ich hab nicht gedacht, ach sch\u00f6n, sie haben sich wieder gern, sondern ich hab gedacht, wow, sieht dieser Lackhandschuh auf dem glitzernden Heldenkost\u00fcm klasse aus.<\/p>\n<p>Das ist auch der einzige Punkt, \u00fcber den ich ein winziges bisschen meckern m\u00f6chte. Die Optik war so wundervoll und stimmig, dass sie manchmal in den Vordergrund getreten ist. Jedenfalls dann, wenn das Tempo ein wenig gem\u00e4chlicher wurde und die Szenen kamen, in denen man merkte, dass sie nur im Film sind, weil die Programmierer sich solche M\u00fche gegeben haben. Zum Beispiel die Auftritte der Designerin der Heldenkost\u00fcme. Ein wunderbarer Charakter, viel Charme, viele sch\u00f6ne Details \u2013 aber alles einen Hauch zu lang ausgewalzt. In diesen Momenten habe ich auf die Haare geachtet, die fast zu perfekt um die Pixelk\u00f6pfe fielen, auf die Finger, die bei jedem \u201eDarsteller\u201c anders aussahen, auf die riesigen Kulleraugen, die trotz Kleinkindschema galore ein so differenziertes Minenspiel widerspiegelten, dass ich gar nicht mehr weggucken wollte. S\u00e4mtliche Details haben mich begeistert, aber manchmal waren sie so atemberaubend, dass ich dar\u00fcber die Story ein wenig vergessen habe.<\/p>\n<p>Der Film sieht unglaublich modern aus und erz\u00e4hlt doch eine sehr altmodische Geschichte. Man f\u00fchlt sich st\u00e4ndig an James Bond erinnert, an die klassischen B\u00f6sewichter und die strahlenden Helden, den Schwarzwei\u00df-Zusammensto\u00df von Gut und B\u00f6se \u2013 und \u00fcberraschenderweise passt es perfekt zusammen. <em>The Incredibles<\/em> hat weniger kleine Spielereien am Rand, weniger <em>throwaway jokes<\/em>, die man fast nebenbei wahrnimmt wie z.B. in <em>Finding Nemo<\/em> die tintenpupsende Krake oder die bayerisch radebrechende Raupe in <em>A Bug&#8217;s Life<\/em>. Er l\u00e4sst einen ab und zu Luft holen anstatt in einem Irrsinnstempo an einem vorbeizurauschen. Und er ist nicht so unwirklich bunt und laut wie die anderen Pixars, sondern f\u00fchlt sich ausgereift und konsequent an. Er legt weniger Wert auf die kleinen Gags der einzelnen Charaktere, sondern konzentriert sich auf den gro\u00dfen Bogen, der stringent erz\u00e4hlt wird. Deswegen vermisst man die sonst obligatorischen Outtakes im Abspann auch nicht, denn sie h\u00e4tten einfach nicht gepasst; sie h\u00e4tten den Film aus seiner seltsam realen Irrealit\u00e4t wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Der Abspann ist \u00fcbrigens nochmal eine Welt f\u00fcr sich: die satten 60er Jahre-Orchesterarrangements, die ein bisschen wie aus <em>Batman<\/em> (die Serie) klingen, f\u00fchren den Film fort und lassen einen nicht los. <\/p>\n<p><em>The Incredibles<\/em> f\u00fchlen sich an, als ob Pixar erwachsen geworden w\u00e4re. Und so gerne ich aus allen anderen Pixar-Filmen mit leuchtenden Kinderaugen gekommen bin und nur noch begeistert zusammenhanglos vor mich hingebrabbelt habe, so gerne bin ich diesmal voll stiller Bewunderung aus dem Kino gegangen; voller Bewunderung f\u00fcr die Kunst, mich in jeder Sekunde gefangen nehmen zu k\u00f6nnen \u2013 durch ein \u201ebisschen\u201c schn\u00f6de Rechnerleistung, aus der echte Menschen mit einer echten Story geworden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Incredibles (Die Unglaublichen, USA 2004, 121 Minuten) Originalstimmen: Craig T. Nelson, Holly Hunter, Samuel L. 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