{"id":4673,"date":"2009-06-17T08:15:50","date_gmt":"2009-06-17T06:15:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=4673"},"modified":"2009-06-17T08:15:50","modified_gmt":"2009-06-17T06:15:50","slug":"fur-emilia-zum-funften-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=4673","title":{"rendered":"F\u00fcr Emilia zum f\u00fcnften Geburtstag"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Emilia,<\/p>\n<p>heute wirst du f\u00fcnf Jahre alt. Ich glaube, in deinen f\u00fcnf Jahren bist du schon fast so viel rumgekommen wie ich mit meinen &#8230; 29. (Diesen Witz wirst du in 24 Jahren ganz f\u00fcrchterlich finden.) Im letzten Jahr wart ihr mal wieder auf Sylt und auf Mallorca, von wo du Plastikseeigel mitgebracht hast, die leuchten und Krach machen. Jedenfalls wenn ich sie in die H\u00e4nde kriege, denn nichts macht mehr Spa\u00df als Kinderspielzeug, das Krach macht. Deswegen wirft deine Mutter auch manchmal so halbb\u00f6se Blicke ins Kinderzimmer, wenn ich da bin. Oder ins Wohnzimmer, wo ich dich und Lotta mit Kissen bewerfe, die nicht zum Werfen gemacht sind. \u00dcberhaupt scheine ich die Wirkung eines Zuckershakes zu haben, denn ihr seid immer lauter, wenn ich da bin als wenn ich nicht da bin. Aber das kann Einbildung sein. ich werde jedenfalls demn\u00e4chst immer Kissen von zuhause mitbringen, mit denen ich euch bewerfen kann. Die liegen bei mir ja eh nur gelangweilt rum und w\u00fcrden bestimmt gerne geworfen werden.<\/p>\n<p>Wenn du mir nicht gerade dein neues Spielzeug zeigst, bastelst du sehr gerne. Eins deiner ersten Werke, das ich bewundern durfte, war ein Fernglas, das du kongenial aus einer leeren Klopapierrolle und buntem Papier gefertigt hast. Nat\u00fcrlich konnte ich prima weit damit gucken. Und ich wette, Lotta hatte an deinem Geburtstagsgeschenk f\u00fcr sie genauso viel Freude. F\u00fcr sie hast du aus einem Eierkarton und einem St\u00fcck Schnur mit einer Perle daran einen Fernseher gebastelt. Schnur und Perle sind nat\u00fcrlich ein Stecker, denn ohne Stecker kein Strom und kein Sandm\u00e4nnchen. Au\u00dferdem hast du Lotta eins deiner Pixib\u00fccher geschenkt, das du doppelt hast \u2013 und du hast es sogar mit eigens bemaltem Papier selbst eingewickelt. Ich war sehr beeindruckt, denn ich bin v\u00f6llig unbegabt zum Geschenkeeinwickeln. Das lasse ich dich in Zukunft machen. Wenn du Lust dazu hast.<\/p>\n<p>Wozu du Lust hast, kannst du inzwischen schon prima sagen. Im Kindergarten wei\u00dft du, wo&#8217;s langgeht und was dir gef\u00e4llt und was nicht. Und das kriegt deine Umgebung schon mit. Auch beim Essen: Von den Fischst\u00e4bchen magst du zum Beispiel nur den \u201eKnusperfisch\u201c. Richtig so, Fisch ohne Knusper ist ja auch langweilig. Bei Smarties magst du die \u201eGummismarties\u201c lieber als die mit Schokolade. Dar\u00fcber k\u00f6nnten wir vielleicht nochmal diskutieren.<\/p>\n<p>Wobei ich ahne, dass ich dir philosophisch total unterlegen w\u00e4re. Vor einigen Monaten haben dein Papa und ich Lotta und dich ins Auto gepackt und sind in einen Wildpark in Hamburg gefahren. Dein Papa sa\u00df am Steuer, und als ich auf den Beifahrersitz kletterte, hast du vom R\u00fccksitz aus gesagt: \u201eDa sitzt Papa.\u201c Heute mal nicht, heute musste Papa fahren, was er nicht oft und nicht gerne macht. Deswegen hast du auch auf der Elbchaussee, als Papa mal ein bisschen schneller als 50 gefahren ist, gefragt, ob hier eine Autobahn sei. Ich m\u00f6chte ja nicht meckern, aber ich ahne, dass du, wenn du den F\u00fchrerschein machst, einer von diesen nervigen Beifahrern wirst, die dauernd Kommentare zum Fahrstil machen. Da k\u00f6nnten wir eventuell aneinandergeraten, denn ich kann genau wie du sagen, was mir gef\u00e4llt und was nicht. Aber da sprechen wir sp\u00e4ter nochmal dr\u00fcber.<\/p>\n<p>Netterweise waren das nicht deine einzigen Bemerkungen vom R\u00fccksitz, denn als wir zum Wildpark einbogen, hast du in einem Atemzug zwei Fragen gestellt, die mich davon \u00fcberzeugt haben, dir geistig vielleicht doch unterlegen zu sein: \u201eWieso biegen wir links ab? Woher kommt die Welt?\u201c<\/p>\n<p>Darauf hatten wir gerade keine Antwort, also haben wir uns darauf beschr\u00e4nkt, dir und Lotta lange Grashalme in die H\u00e4nde zu dr\u00fccken, damit ihr die Rehe und Hirsche f\u00fcttern k\u00f6nnt. Du hast die Halme am ausgestreckten Arm durch den Zaun gesteckt und sie sofort fallengelassen, sobald ein Reh sie im Maul hatte. Auch bei Hunden wahrst du gerne einen Sicherheitsabstand und bist nicht so ganz von ihnen begeistert. <\/p>\n<p>Ein Tier gibt es allerdings, das du sehr gerne magst \u2013 zum Schrecken von Mama und Papa, die gerade erst verdaut haben, dass du Rosa toll findest: Pferde. Pferde sind gro\u00dfartig, und du hast \u00fcberhaupt keine Angst vor ihnen. Mit deiner besten Freundin Cleo, ihren Eltern und deinen Gro\u00dfeltern bist du sogar schon mehrmals reiten gewesen. Du durftest longieren und hattest anscheinend viel zu viel Spa\u00df, denn deine Eltern f\u00fcrchten sich seitdem jeden Tag vor deinem Wunsch, ein Pony haben zu wollen. Pssst: Ich habe ungef\u00e4hr anderthalb Regalmeter Pferdeb\u00fccher! Wenn du irgendwann lesen kannst, bringe ich dir die alle mit. Und da du sogar schon deinen Namen schreiben kannst, darfst du den in alle \u201emeine\u201c B\u00fccher vorne reinschreiben.<\/p>\n<p>Immerhin hast du einen halbwegs anst\u00e4ndigen Ersatz f\u00fcr Pferde: ein Fahrrad. Das hast du im letzten Jahr zu Weihnachten bekommen und es auch gleich nackt im Wohnzimmer ausprobiert. Au\u00dferdem teilen sich Lotta und du ein Rollbrett, auf dem die eine von euch sitzt und die andere zieht \u2013 w\u00e4hrend euch Mama mit wachem Auge beobachtet, um euch davor zu bewahren, Treppenstufen oder euren an manchen Stellen absch\u00fcssigen Garten herunterzufahren.<\/p>\n<p>Du magst die Natur sehr gerne. So hast du im Kindergarten \u201eSpringb\u00fcsche\u201c kennengelernt, deren Bohnen aufplatzen, wenn man sie anfasst. Und direkt vor eurem Haus wachsen wei\u00dfe Knallerbsen, auf die man prima drauftreten kann, wie Lotta und du mir ausdauernd gezeigt haben. Ich durfte nat\u00fcrlich auch ein paar kaputtmachen, denn wie gesagt: Krachmachen ist prima. Aber auch die Stille in der Natur hat es dir angetan. So wolltest du im Wildpark gerne auf einen Baum klettern, wobei dir Papa geholfen hat, w\u00e4hrend Lotta und ich es uns auf einem unteren Ast bequem gemacht haben. Du hast weiter oben gesessen, w\u00e4hrend dein Papa dich am R\u00fccken gest\u00fctzt hat, und hast dir den Wald angeguckt. Und die Blumen, den Himmel und das viele Gr\u00fcn. Als ein kleiner Junge mit seinem Vater kam, der lieber auf dem Ast rumschaukeln wollte, bist du wieder runtergeklettert, um anschlie\u00dfend vom Kletterger\u00fcst deine Welt um dich herum in Ruhe anzuschauen.<\/p>\n<p>Liebe Emilia, ich w\u00fcnsche dir weiterhin einen weiten Blick \u00fcber W\u00e4lder und B\u00e4ume und Blumen, eine feine Beobachtungsgabe f\u00fcr deine Mitmenschen, die F\u00e4higkeit, diese Beobachtungen in kluge Worte zu fassen und ein schnelles Rollbrett, das dich \u00fcberall hinbringt, wohin du m\u00f6chtest. Oder ein Fahrrad. Oder ein Pferd. Und ganz vielleicht ein Auto, auf dessen Beifahrersitz ich sitze und dich frage, ob du inzwischen wei\u00dft, woher die Welt kommt.<\/p>\n<p>Alles Liebe von deiner Patentante<br \/>\nAnke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Emilia, heute wirst du f\u00fcnf Jahre alt. Ich glaube, in deinen f\u00fcnf Jahren bist du schon fast so viel rumgekommen wie ich mit meinen &#8230; 29. (Diesen Witz wirst du in 24 Jahren ganz f\u00fcrchterlich finden.) 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