{"id":565,"date":"2005-01-16T19:58:14","date_gmt":"2005-01-16T18:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=565"},"modified":"2005-01-17T09:17:47","modified_gmt":"2005-01-17T08:17:47","slug":"closer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=565","title":{"rendered":"Closer"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/closer.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0376541\/\">Closer<\/a> (Hautnah, USA 2004, 98 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman, Clive Owen<br \/>\nKamera: Stephen Goldblatt<br \/>\nDrehbuch: Patrick Marber, nach seinem gleichnamigen B\u00fchnenst\u00fcck<br \/>\nRegie: Mike Nichols<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.apple.com\/trailers\/sony_pictures\/closer\/international\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sonypictures.com\/movies\/closer\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Closer<\/em> beginnt mit einem Song von Damien Rice; die ersten Zeilen verraten eigentlich schon den ganzen Film: &#8220;And so it is, Just like you said it would be.&#8221; Die vier Personen, die sich in <em>Closer<\/em> aufeinander zu- und wieder voneinander wegbewegen, sprechen die ganze Zeit miteinander und erz\u00e4hlen sich, wie sch\u00f6n die Liebe sei. Aber es f\u00fchlt sich nie so an, als ob sie wirklich w\u00fcssten, wovon sie reden, obwohl sie es sich doch so sehr w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Natalie Portman spielt Alice, eine Stripperin, in die sich Dan (Jude Law), ein Journalist und M\u00f6chtegernschriftsteller, verliebt. Eben noch haben die beiden sich kennengelernt \u2013 wir sehen sie bei ihren ersten Flirtversuchen, bewundern Alices Unkonventionalit\u00e4t und Dans verlegenes Werben \u2013, da macht der Film schon den ersten Zeitsprung. Es ist ein Jahr sp\u00e4ter, die beiden sind ein Paar, Dan hat wirklich ein Buch geschrieben und braucht nun Fotos von sich f\u00fcr den Umschlag. Die Fotografin Anna (Julia Roberts) macht seine Aufnahmen, die beiden sind sofort voneinander fasziniert, und damit beginnt ein langj\u00e4hriges Hin- und Her zwischen den dreien und Annas noch hinzukommenden Ehemann Larry (Clive Owen). Beide Paare geben vor, sich zu lieben und erliegen doch den Reizen des jeweils anderen.<\/p>\n<p><em>Closer<\/em> lebt von seinen Dialogen. Eigentlich lebt <em>Closer<\/em> ausschlie\u00dflich von seinen Dialogen, denn fast alles, was passiert, wird uns erz\u00e4hlt. Oder erz\u00e4hlt und gezeigt, aber selten gibt es mal eine Minute auf der Leinwand, in der einfach Dinge passieren anstatt dass dar\u00fcber geredet wird. Aber genau das macht auch den Reiz des Films aus; anstatt sich auf Action und bunte Bilder zu verlassen (oder auf seine nicht unattraktiven Hauptdarsteller), macht der Film das gesprochene Wort zum Mittelpunkt. Die einzelnen Charaktere definieren sich \u00fcber ihre Sprache, \u00fcber das, was sie sagen, aber auch \u00fcber das, was sie nicht sagen. Die Frage stellt sich auch, wenn das Thema Untreue zur, genau, Sprache kommt: Muss man dem Partner alles sagen? Sollte man? Darf man? So fragt Dan zum Beispiel: &#8220;What&#8217;s so great about the truth?&#8221; <\/p>\n<p>Dadurch, dass sich die vier alles sagen, verletzen sie den anderen dauernd und konsequent. Gleichzeitig schafft die Wahrheit nat\u00fcrlich eine neue Gelegenheit, das Beziehungsgeflecht ein weiteres Mal neu zu kn\u00fcpfen, jetzt, wo man das alte durch die Wahrheit hinter sich gelassen hat. Die Dialoge klingen sehr ausgefeilt und seltsam wahr, obwohl die meisten S\u00e4tze so sicher nicht gesagt werden w\u00fcrden, vor allem nicht mitten im sch\u00f6nsten Beziehungskrach. Aber sie klingen alle wohl\u00fcberlegt, so als ob die Figuren eher an einer Vorstellung von Liebe, einer Vision, eines Entwurfs ihres Lebens und Zusammenseins interessiert w\u00e4ren als an der Wirklichkeit, mit der sie sich auseinandersetzen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im Laufe des Films verschieben sich die Schw\u00e4chen und St\u00e4rken der Charaktere und damit auch, was sie sagen und wie sie es sagen. War zum Beispiel Alice anfangs unabh\u00e4ngig und stark, wandelt sie sich durch die Beziehung zu Dan zu einer klammerigen, schwachen Frau. Strippt sie aber f\u00fcr Larry, hat sie wieder die Oberhand und kann ihm diktieren, was sie will. Larry selbst ist anfangs nur das Anh\u00e4ngsel von Anna, klingt pseudo-draufg\u00e4ngerisch und ist doch in Wirklichkeit ein armes W\u00fcrstchen. Nur in einer Szene darf er stark sein, und das ist auch die, die mir pers\u00f6nlich am besten gefallen hat: Larry gesteht Anna, dass er auf seiner Gesch\u00e4ftsreise mit einer Prosituierten geschlafen hat \u2013 ob sie ihn jetzt verlassen wolle? Worauf Anna fast erleichert meint, dass das schon okay sei und ob er einen Tee wolle. Nat\u00fcrlich vermutet Larry richtig, dass sie eine Aff\u00e4re mit Dan habe, und er beginnt sie nach Details ihrer Liebesn\u00e4chte auszufragen: wo sie es getan h\u00e4tten, ob sie gekommen sei, wie er schmecken w\u00fcrde. Ich fand es sehr spannend, den Megastar Julia Roberts \u00fcber so etwas Profanes wie den Geschmack von Sperma reden zu h\u00f6ren; komischerweise hatte ich seit langem mal wieder das Gef\u00fchl, ihr eine Rolle abzunehmen. Wahrscheinlich, weil die Diskussion sich so echt anf\u00fchlte, weil man, wenn man verletzt ist, eben Bl\u00f6dsinn fragt und eigentlich gar keine Antwort h\u00f6ren will, man aber trotzdem fragt. Vielleicht um des Fragens willen, um den Abschied hinauszuz\u00f6gern, ich wei\u00df es nicht. Dass er all das eigentlich gar nicht h\u00f6ren will, wird auch Larry klar und er beendet das Gespr\u00e4ch schlicht und passend: &#8220;Thank you for your honesty. And now fuck off and die.&#8221;<\/p>\n<p>Clive Owen ist der einzige, der nicht ganz blutleer daherkommt. Man nimmt ihm ab, wenn er verletzt ist; wenn Jude Law dagegen Tr\u00e4nen vergie\u00dft, sieht das alles gestellt aus, eben passend zu seiner Figur, die auch von ihren Geschichten lebt anstatt von der Wahrheit. Natalie Portman gelingt es, beide Seiten von Alice glaubhaft darzustellen, auch wenn es mich nicht \u00fcberw\u00e4ltigt hat. Julia Roberts hat sicherlich den unsympathischsten Charakter erwischt, und ich fand es sehr sch\u00f6n zu sehen, dass bei der spr\u00f6den Anna der \u00fcbliche Roberts-Schnulzen-Charme versagt und sie dadurch wirklich mal eine echte Person darstellen darf \u2013 und das auch noch hinbekommt (trotz sehr undankbarer Kost\u00fcme).<\/p>\n<p>Zum Schluss bekommt jeder die Beziehung, die er sich herbeigeredet hat. Ob diese nun gut ist oder schlecht, wissen wohl nur die Figuren selbst. <em>Closer<\/em> entl\u00e4sst einen etwas ersch\u00f6pft, weil man in zwei Stunden mehr Beziehungsarbeit abbekommen hat, als man eigentlich in zwei Jahren haben m\u00f6chte. Und dummerweise haben es die Charaktere trotz ihrer Eloquenz nicht geschafft, mich auch nur f\u00fcr einen von ihnen zu begeistern. Ich fand den Film gut, ich fand ihn angenehm abgehoben, nicht so runtergedummt wie das meiste, was an Filmdialogen eben da ist, aber ein bisschen mehr W\u00e4rme h\u00e4tte nicht nur den Personen, sondern auch dem ganzen Film gut getan. \u00dcber Herzensangelegenheiten zu reden, ist gut und sch\u00f6n. Aber sie nachempfinden zu k\u00f6nnen, w\u00e4re noch besser gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Closer (Hautnah, USA 2004, 98 min) Darsteller: Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman, Clive Owen Kamera: Stephen Goldblatt Drehbuch: Patrick Marber, nach seinem gleichnamigen B\u00fchnenst\u00fcck Regie: Mike Nichols Trailer Offizielle Seite Closer beginnt mit einem Song von Damien Rice; die ersten Zeilen verraten eigentlich schon den ganzen Film: &#8220;And so it is, Just like you [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/565\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}