{"id":8721,"date":"2010-06-30T07:41:26","date_gmt":"2010-06-30T05:41:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=8721"},"modified":"2010-06-30T07:41:26","modified_gmt":"2010-06-30T05:41:26","slug":"bucher-juni-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=8721","title":{"rendered":"B\u00fccher Juni 2010"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/buecher_juni10.jpg\" alt=\"\" title=\"buecher_juni10\" width=\"380\" height=\"382\" class=\"alignnone size-full wp-image-9186\" srcset=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/buecher_juni10.jpg 380w, https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/buecher_juni10-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p><strong>Gregor Weber \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Kochen-ist-Krieg-deutschen-Profik\u00f6chen\/dp\/3492052932\/\">Kochen ist Krieg!<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Weber, gelernter Koch, besucht neun verschiedene K\u00fcchen \u2013 von der Riesengastronomie der O2 World in Berlin \u00fcber die Schiffskomb\u00fcse auf der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern bis zum 3-Sterne-Tempel Schloss Berg. Jede K\u00fcche folgt eigenen Regeln, 30 G\u00e4ste m\u00fcssen logischerweise anders bekocht werden als 300, aber allen gemeinsam ist der Wunsch nach dem bestm\u00f6glichen Ergebnis. Und wenn ein Verwaltungsmensch bei der Bundeswehr meint, der gemeine Soldat auf der Mecklenburg-Vorpommern muss mit 5,20 Euro am Tag ausreichend versorgt sein, w\u00e4hrend im Schloss Berg f\u00fcr ein Men\u00fc schon mal 250 Euro f\u00e4llig werden, dann zeigt das die Bandbreite des Buchs sehr anschaulich. <em>Kochen ist Krieg!<\/em> erz\u00e4hlt aber nicht nur von den verschiedenen K\u00fcchen, sondern viel mehr von den Menschen, die sie bev\u00f6lkern. Wir lernen ehemalige Gastarbeiter kennen, die inzwischen aus einer kleinen Pizzeria ein Familienunternehmen gemacht haben, bewundern die steile und zielstrebige Karriere von Jan-G\u00f6ran Barth, der mit gerade 30 Jahren f\u00fcr die K\u00fcche in Schloss Bellevue zust\u00e4ndig ist, und werden eingef\u00fchrt in die lange Tradition der Bremer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schaffermahlzeit\">Schaffermahlzeit<\/a>. Ich fand das Buch sehr liebevoll geschrieben; man merkt Weber an, wie gerne er in der K\u00fcche steht und wie wichtig es ihm ist, dass dem Beruf des Kochs oder der K\u00f6chin (die fehlte leider fast v\u00f6llig, Chefs waren nur Kerle) Respekt entgegengebracht wird. Allerdings zeigt <em>Kochen ist Krieg!<\/em> nat\u00fcrlich nur die K\u00fcchen, die sich in die T\u00f6pfe gucken lassen. Geschichten \u00fcber Kakerlaken und Gesundheits\u00e4mter findet man hier nicht. (Daf\u00fcr gibt&#8217;s ja auch RTL 2.)<\/p>\n<p><strong>Siri Hustvedt \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Enchantment-Lily-Dahl-Siri-Hustvedt\/dp\/031242339X\/\">The Enchantment of Lily Dahl<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das ist das dritte Buch von Hustvedt, das ich gelesen habe, und ich kann allm\u00e4hlich sagen: Ich mag den Stil der Verfasserin so gerne, das mir fast egal ist, worum sich die Geschichte dreht. <em>Enchantment<\/em> erz\u00e4hlt von einer jungen Frau in einer Kleinstadt in Minnesota. Sie m\u00f6chte Schauspielerin werden, arbeitet aber erstmal als Kellnerin und spielt in einer Amateurproduktion des <em>Sommernachtstraums<\/em>. Ihre alte Nachbarin hilft ihr, die Rolle besser zu ergr\u00fcnden; gegen\u00fcber im Hotel zieht ein Maler ein, und ihre G\u00e4ste im Caf\u00e9 hinterlassen mehr Eindruck bei ihr als erwartet. <\/p>\n<p>Das Buch kreist fast ausschlie\u00dflich um Lily, was die Geschichte sehr konzentriert wirken l\u00e4sst. Wir erfahren \u00fcber niemanden mehr als \u00fcber sie, aber trotzdem bleibt auch sie seltsam unscharf. Wir erhalten kurze Einblicke in ihr Leben und ihr Tun, aber warum sie Dinge angeht, wie sie sie eben angeht, erschlie\u00dft sich selten. Trotzdem ist diese Figur f\u00fcr mich unwiderstehlich gewesen, vielleicht weil sie nur kurz an mir vorbeigeweht ist, bevor ich sie festhalten konnte. <em>Entchantment<\/em> hat mich emotional nicht so mitgerissen wie <em><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=6660\">What I Loved<\/a><\/em>, war aber deutlich besser als <em><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=7208\">The Sorrows of an American<\/a><\/em>. <\/p>\n<p>Das Buch f\u00e4ngt so an:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;She had been watching him for three weeks. Every morning since the beginning of May, she had gone to the window to look at him. It was always early, just before dawn, and as far as she knew he had never seen her. On that first morning, Lily had opened her eyes and spotted a light coming from a window across the street in the Stuart Hotel, and once she had moved closer, she had noticed him in the shining square: a beautiful man standing near a large canvas. Stripped down in the heat to only his shorts, he had stood so still for a minute that he hadn&#8217;t looked real to her. But then he had started to move, using this whole body to paint, and Lily had watched him reach, stoop, lunge, and even kneel before the canvas.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>John Carlin \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Playing-Enemy-Nelson-Mandela-Nation\/dp\/1594201749\/\">Playing the Enemy<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Untertitel des Buchs lautet \u201eNelson Mandela and the game that made a nation\u201c und erz\u00e4hlt damit besser, um was es geht: den World-Cup-Sieg 1995 der s\u00fcdafrikanischen <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Springboks\">Springboks<\/a>, die mit Rugby eine eigentlich wei\u00dfe Sportart verk\u00f6rpern, denen pl\u00f6tzlich aber auch alle schwarzen S\u00fcdafrikaner zujubeln \u2013 das erste Mal, das Schwarz und Wei\u00df sich als eine neue Nation f\u00fchlen. <\/p>\n<p>Wenn man nur die kurze Zusammenfassung liest, kann man kaum glauben, dass ein Sportereignis einen so gro\u00dfen Einfluss auf 47 Millionen Menschen gehabt haben soll. <em>Playing the Enemy<\/em> beschreibt, wie wichtig es f\u00fcr den Prozess eines neuen S\u00fcdafrikas war, dass die Schwarzen ihre Wut verlieren und die Wei\u00dfen ihre Angst. Mandela wei\u00df, dass die Schwarzen \u00fcber einen weitaus gr\u00f6\u00dferen Schatten springen m\u00fcssen, indem sie ihren Peinigern vergeben und keine Racheakte ausf\u00fchren. Und er wei\u00df, dass er der wei\u00dfen Bev\u00f6lkerung Mut machen muss. Seine im Nachhinein so simple Idee: ein Sportereignis zu nutzen, um ein Land zu einen.<\/p>\n<p>Die Springboks waren f\u00fcr die schwarze Bev\u00f6lkerung jahrzehntelang ein Symbol der Apartheid. Rugby war ein Sport der Wei\u00dfen, und wann immer die Springboks gegen andere Teams spielten \u2013 solange sie noch im Weltverband spielen durften \u2013, hielt das ganze schwarze S\u00fcdafrika zu ihren Gegnern. Sobald die sportliche Isolation aufgebrochen wurde, stellte sich Mandela sofort hinter das Team, trug das gr\u00fcngoldene Trikot und bat seine Landsleute, sich ebenfalls hinter das Team zu stellen. Die (ausnahmslos wei\u00dfen) Spieler kamen ihm entgegen und sangen ab sofort bei internationalen Spielen nicht nur die alte Hymne des Landes (<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Die_Stem\">Die Stem<\/a>), sondern auch ein Lied, das die Schwarzen jahrelang als \u201eGegenhymne\u201c gesungen hatten: <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Nkosi_Sikelel%27_iAfrika\">Nkosi Sikelele<\/a>. Nach und nach erspielte sich das Team das Vertrauen des ganzen Landes, immer mit Mandela im Hintergrund. Und nach dem World-Cup-Sieg 1995 feierten Schwarz und Wei\u00df zum ersten Mal gemeinsam.<\/p>\n<p>Das Buch liest sich wie Science-Fiction, weil man es kaum fassen kann, wie gro\u00dfherzig ein ganzes Land gewesen ist, ein so dunkles Kapitel wie die Apartheid zu vergeben. Gleichzeitig liest es sich voller Hoffnung, dass auch andere L\u00e4nder vielleicht einmal die Gr\u00f6\u00dfe besitzen, es S\u00fcdafrika gleichzutun. <\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Five minutes before the kick-off, Nelson Mandela stepped out onto the field to shake hands with the players. He was wearing the green Springbok cap und the green Springbok jersey, buttoned up to the top. When they caught sight of him, the crowd seemd to go dead still. &#8220;It was as if they could not believe what their eyes were seeing,\u201c said <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Louis_Luyt\">Luyt<\/a>. Then a chant began, low at first, but rising quickly in volume and intensity.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Morn\u00e9_du_Plessis\">Morn\u00e9 du Plessis<\/a> caught it as he emerged out of the dressing room and down the players&#8217; tunnel onto the filed. &#8220;(&#8230;) This crowd of white people, of Afrikaners, as one man, as one nation, they were chanting, &#8216;Nel-son! Nel-son!&#8217; Over and over, &#8216;Nel-son! Nel-son!&#8217;, and, well, it was just &#8230; (&#8230;) I don&#8217;t think I&#8217;ll ever experience a moment like that again. It was a moment of magic, a moment of wonder. It was the moment I realized that there really was a chance this country could work. This man was showing that he could forgive, totally, and now they \u2013 white South Africa, rugby white South Africa \u2013 they showed in that response to him that they too wanted to give back, and that was how they did it, chanting, &#8216;Nel-son! Nel-son!&#8217;\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(Noch eine Leseprobe bei <a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Playing-Enemy-Nelson-Mandela-Nation\/dp\/1594201749\/\">amazon.com<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Robert Venditti\/Brett Weldele \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Surrogates-v-Graphic-Novels\/dp\/1891830872\/\">The Surrogates, Vol 1<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Viel besser als der Film \u2013 und wieder zwei Autoren- bzw. Zeichnernamen, die ich mir merke, denn sowohl die S\u00e4tze als auch die Bilder fand ich sehr stimmig und sch\u00f6n. Die Geschichte um die \u201emechanischen Menschen\u201c, die von echten Menschen gesteuert werden und quasi ihr Leben \u00fcbernehmen, ist in Grundz\u00fcgen deckungsgleich zum <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=8828\">Film<\/a>, aber weitaus weniger krawallig. Daf\u00fcr pers\u00f6nlicher und deprimierender. Einen Punkt hat der Film allerdings von mir bekommen, denn dort darf der m\u00e4nnliche Hauptdarsteller immerhin eine weibliche Kollegin haben. Der Comic ist fast ausschlie\u00dflich von Kerlen bev\u00f6lkert, was mir immer mehr auf den Zeiger geht. Trotzdem hat mir <em>The Surrogates<\/em> sehr gut gefallen, weil es unter anderem auf einen simplen Trick zur\u00fcckgreift, der mir zuerst bei den legend\u00e4ren <em><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=3997\">Watchmen<\/a><\/em> begegnet ist: jedes Kapitel mit einem geschriebenen Essay, einem Zeitungsartikel oder wie hier einmal mit einer fiktiven Produktbrosch\u00fcre f\u00fcr die Surrogate abzuschlie\u00dfen. Vielleicht hat die Brosch\u00fcre mich auch nur erwischt, weil ich eben selber welche schreibe und die Zeilen so mit einem anderen Interesse gelesen habe. <\/p>\n<p><strong>Simon Majumdar (Stephan Gebauer, \u00dcbers.) &#8211; <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/All-you-can-eat-Gourmet\/dp\/3550087330\/\">All you can eat<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ein freundliches Geschenk von Herrn <a href=\"http:\/\/floriansiepert.com\/\">Siepert<\/a>, denn sonst h\u00e4tte ich Herrn Majumdar eher im Original (<em>Eat my globe<\/em>) gelesen. Das Buch f\u00e4ngt mit Simons K\u00fcndigung an und befasst sich dann mit seiner einj\u00e4hrigen Reise einmal um die ganze Welt, um eben die ganze Welt zu essen. Er schl\u00e4ft nicht nur in Hotels, sondern vor allem bei Menschen, die er im Internet \u00fcber Foodblogs oder Fressforen kennengelernt hat. Und genau das macht die Mischung des Buchs so angenehm: Es geht nicht nur ums Essen, sondern auch um verschiedene Menschen, Lebensentw\u00fcrfe, kurze Eindr\u00fccke von St\u00e4dten und L\u00e4ndern. Betonung auf \u201ekurz\u201c, denn leider dauert die Reise nicht zehn Jahre, sondern eben nur eins, und in diesem hat Simon immerhin fast 30 L\u00e4nder unter einen Hut bekommen. Von mir aus h\u00e4tte das Buch f\u00fcnfmal so dick sein d\u00fcrfen, denn immer, wenn man sich gerade irgendwo heimisch f\u00fchlt, ist das Kapitel zuende und das n\u00e4chste Flugzeug wartet. Diese Hektik \u00fcbertr\u00e4gt sich logischerweise auch auf den\/die Leser_in, und so bin ich etwas hungrig und mit einem kindischen \u201eMehrmehrmehr!&#8221;-Gef\u00fchl zur\u00fcckgeblieben, als ich das Buch zugeklappt habe. <\/p>\n<p>Majumdar betreibt netterweise mit seinem Bruder das wunderbare Londoner Fressblog <a href=\"http:\/\/www.doshermanos.co.uk\/\">Dos Hermanos<\/a>, und dort kann man mehr von ihm und seinem Bruder, den er nur TGS (The Great Salami) nennt, lesen. \u00dcbersetzt klingt der Mann so:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e \u201eFinnland?!\u201c, kreischte ich. \u201eDas ist das einzige Land, dessen Essen einen schlechteren Ruf hat als das englische!\u201c<\/p>\n<p>Darauf begann Martina, mir die Vorz\u00fcge des finnischen Essens zu schildern. Das war keine leichte Aufgabe, denn die einzige finnische Speise, die ich bis dahin kennengelernt hatte, war etwas mit dem Namen Korvapuusti, ein z\u00e4hes Fr\u00fchst\u00fccksgeb\u00e4ck, das sich eher als Waffe denn als Nahrung eignete. Doch schlie\u00dflich \u00fcberzeugte sie mich mit dem Angebot, einen Jagdausflug mit einem Freund ihrer Famlie zu organisieren, der nur zwei englische Worte kannte. Wie ich herausfinden sollte, war eines davon \u201eWodka\u201c; das andere war \u00fcberhaupt kein englisches Wort.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Jon McGregor \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/If-Nobody-Speaks-Remarkable-Things\/dp\/0747561575\/\">If Nobody Speaks of Remarkable Things<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wundersch\u00f6n. In <em>Remarkable<\/em> werden zwei Erz\u00e4hlstr\u00e4nge miteinander verwoben: Der eine berichtet im Zeitlupentempo von verschiedenen Einwohnern einer Stra\u00dfe in England. Wir erfahren sehr fr\u00fch, dass am heutigen Tage noch etwas Schreckliches geschehen wird, und w\u00e4hrend wir uns diesem Ereignis n\u00e4hern, das wirklich erst kurz vor Schluss aufgel\u00f6st wird, erfahren wir mehr und mehr \u00fcber die Menschen, die daran beteiligt sind. Der zweite Erz\u00e4hlstrang ist aus der Ich-Perspektive geschrieben; eine der Bewohnerinnen erinnert sich an den Tag vor drei Jahren, muss sich aber mit Dingen befassen, die ihr heute passieren. Beide Erz\u00e4hlstr\u00e4nge flie\u00dfen manchmal ineinander; was in einem erz\u00e4hlt wird, taucht im anderen kurz auf, und beide zusammen ergeben ein sehr dichtes Bild \u2013 von Menschen, ihrer Geschichte, ihrer Vergangenheit, was sie bewegt, was sie antreibt. <\/p>\n<p>Ich mochte an dem Buch die st\u00e4ndige Ungewissheit und gleichzeitig die Gewissheit, dass sich am Ende alles \u00e4ndern wird. Zudem hat mir der fast poetische Stil sehr, sehr gut gefallen. Die Beobachtungen sind sehr pr\u00e4zise, aber nie simpel beschreibend. Alles, was gesagt wird, gibt dem Erz\u00e4hlten einen tieferen Sinn, eine neue Ebene. Mir f\u00e4llt es gerade etwas schwer, diesem Buch gerecht zu werden, denn obwohl es fast sezierend geschrieben ist, hat es f\u00fcr mich sehr viel Gef\u00fchl transportiert. Und alles, was ich zitiere, wird dem Werk ebenfalls nicht gerecht. Ich versuche es trotzdem mal und lege euch dieses Buch ganz dringend ans Herz. <\/p>\n<p>(Auf Deutsch hei\u00dft das Buch <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Nach-dem-Regen-Jon-McGregor\/dp\/3442736811\/\">Nach dem Regen<\/a><\/em> und wurde von <a href=\"http:\/\/www.ankeburger.de\/\">Anke Caroline Burger<\/a> \u00fcbersetzt, aber ich habe leider keinen Text online gefunden, um euch zu sagen, ob die verzaubernde Sprache auch \u00fcbersetzt funktioniert.)<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;The man with the ruined hands sits in a chair in his front garden and looks at the net curtain wafting in and out of the open window.<br \/>\nThe veil she wore on their wedding day was white, it was like the curtain. It was smooth, silk maybe, and when she breathed it drifted out from her face like a feather. This was many years gone now, their wedding day, but it is like no time at all.<br \/>\nThe look in her face when she lifted the veil, the delight, the pride, the beautiful in her soul, could be yesterday.<br \/>\nHer face, was beautiful.<br \/>\nHer hands, was beautiful.<br \/>\nHer skin, was smooth and clear and unbroken, when she touched him lightly it felt like water trickling across his body. She would move her hand across his face to see if she wanted him to shave before the evening meal, and when she was done his skin would feel clean of the dust of the day.<br \/>\nShe was tall, and strong, and she kept her hair coiled tightly around the back of her head and she had intricate paintings on the secret parts of her body. She was a wonderful woman, but this was not enough to help her. He loved her deeply, but this was not enough to help her. Please, darling, she called out to him, through the door, the closed door. Please darling can&#8217;t you help me she called. He could not reach to her, he was not enough.<br \/>\nThe door was stuck, in the heat, it was swollen, the wood of the door in the frame, the frame it was too small, like a wedding ring on a very hot day.<br \/>\nIt was so very hot.<br \/>\nShe said darling I am very hot I cannot breathe please can&#8217;t you reach me.<br \/>\nThe paint on the door was coming away, it was bubbles, blistering, each time he touched it he felt knives across his skin and into his bones. The metal of the doorhandle, when he touched, it melted his hand like butter, it sunk into his skin like an axe into a tree and the hot air and the poisonous paint in his lungs, he thought he would die but he did not. He did not die.<br \/>\nShe said my God my God what is happening.<br \/>\nHe sits in his garden on a folding wooden chair, this man with the burnt hands, and the sun is shining and his daughter is playing with another girl in the street and he is okay but he is not okay.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>(Noch eine Leseprobe bei <a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/If-Nobody-Speaks-Remarkable-Things\/dp\/0747558337\/\">amazon.com<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Brian Wood\/Becky Cloonan \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Demo-v-1-Brian-Wood\/dp\/184576921X\/\">Demo<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Demo<\/em> versammelt zw\u00f6lf Geschichten, die als Einzelhefte erschienen sind. Als die Serie begann, ging es haupts\u00e4chlich um junge Menschen, die \u00fcber besondere Kr\u00e4fte verf\u00fcgen \u2013 sie sind aber keine Superhelden, sondern \u201enormale\u201c Menschen, die mit ihren F\u00e4higkeiten mehr oder weniger auf Kriegsfu\u00df stehen. Meist machen diese Kr\u00e4fte ihnen das Leben eher schwer anstatt es zu erleichtern. Je l\u00e4nger die Serie dauert, desto mehr verschiebt sich der Schwerpunkt hin zu Beziehungen, dem Erwachsenwerden, gro\u00dfen Entscheidungen. Mir haben fast alle Geschichten gefallen, einige waren etwas schw\u00e4cher, andere hingegen hatten eine sehr clevere Idee, wie zum Beispiel die von Kate, deren \u00c4u\u00dferes sich st\u00e4ndig \u00e4ndert, je nachdem, wer sie anschaut bzw. wer welche Erwartungen an sie hegt. Sie ist auf der Suche nach dem Menschen, der sie so sieht, wie sie ist. Klassisches Thema, intelligent umgesetzt. Zus\u00e4tzliches Schmankerl: Die Zeichnungen von Betty Cloonan \u00e4ndern sich ebenfalls von Story zu Story; man erkennt zwar ihren Stil immer wieder, aber trotzdem passen sich die Bilder den Protagonist_innen an.<\/p>\n<p><strong>Tim O&#8217;Brien \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Things-They-Carried-Tim-OBrien\/dp\/0618706410\/\">The Things They Carried<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>O&#8217;Brien war als gut 20-J\u00e4hriger in Vietnam als Soldat, und 1990 erschien diese Kurzgeschichtensammlung, die sich mit seiner Zeit im Krieg besch\u00e4ftigt. Was mich an dem Buch so fasziniert hat, ist seine Form: Es erz\u00e4hlt nicht eine Geschichte nach der anderen, sondern schiebt Erkl\u00e4rungen ein, verwirrt, indem es Dinge in Frage stellt, die eine Seite vorher gegeben scheinen und berichtet nicht nur \u00fcber die Kriegszeit, sondern auch \u00fcber die Jahre davor und danach. Man wei\u00df bis zum Schluss nicht, welche Geschichte jetzt wahr ist und welche nicht, aber das ist nat\u00fcrlich egal, denn es macht die einzelnen Begebenheiten nicht weniger faszinierend, absto\u00dfend, spannend, beeindruckend, was auch immer. <\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Things_They_Carried\">The Things They Carried<\/a><\/em> stand auf der Auswahlliste zum Pulitzerpreis und klingt so:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Often in a true war story there is not even a point, or else the point doesn&#8217;t hit you until twenty years later, in your sleep, and you wake up and shake your wife and start telling the story to her, except when you get to the end you&#8217;ve forgotten the point again. And then for a long time you lie there watching the story happen in your head. You listen to your wife&#8217;s breathing. The war&#8217;s over. You close your eyes. You smile and think, Christ, what&#8217;s the <em>point<\/em>?<\/p>\n<p>This one wakes me up.<\/p>\n<p>In the mountains that day, I watched Lemon turn sideways. He laughed and said something to Rat Kiley. Then he took a peculiar half step, moving from shade into bright sunlight, and the booby-trapped 105 round blew him into a tree. The parts were just hanging there, so Dave Jensen and I were ordered to shinny up and peel him off. I remember the white bone of an arm. I remember pieces of skin and something wet and yellow that must&#8217;ve been the intestines. The gore was horrible, and stays with me. But what wakes me up twenty years later is Dave Jensen singing &#8220;Lemon Tree&#8221; as we threw down the parts.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>(Noch eine Leseprobe bei <a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Things-They-Carried-Tim-OBrien\/dp\/0618706410\/\">amazon.com<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Gerbrand Bakker (Andreas Ecke, \u00dcbers.) \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Juni-Roman-Gerbrand-Bakker\/dp\/3518421395\/\">Juni<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Nachfolger vom wunderbaren <em><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=5342\">Oben ist es still<\/a><\/em>. <em>Juni<\/em> hat mir nicht ganz so gut gefallen wie <em>Oben<\/em>, aber das lag garantiert genau an den Beschreibungen, die das Buch so gut machen (ja, ich wei\u00df, der Satz ist ein Widerspruch, folgt mir bitte). Das Buch spielt nicht nur in einem Juni, sondern in zweien, die 40 Jahre auseinander liegen, aber immer noch eine Verbindung haben. Es geht um eine Familie mit drei S\u00f6hnen und das Dorf, in dem sie leben. Wir begegnen den Personen sehr unmittelbar, ohne jede Einf\u00fchrung, bekommen sie vorgesetzt und m\u00fcssen uns mit ihnen und ihren manchmal seltsam scheinenden Aktionen befassen. Wir erfahren im Laufe der Geschichte immer mehr aus ihrer Vergangenheit, und irgendwann wissen wir auch, was im Juni passiert ist. Gerade die Beschreibungen der Jahreszeit, des Wetters, der Hitze, der knackenden B\u00e4ume, der Windstille haben dem gesamten Buch eine fast f\u00fchlbare Schwere auferlegt; ich habe das Buch meist auf dem Weg zur Arbeit gelesen und dabei fast immer in einem klimatisierten Bus gegessen, und trotzdem hat mich diese sommerliche Schw\u00fcle erfasst, und ich fand es teilweise sehr anstrengend, die Buchseiten umzubl\u00e4ttern. Genau das macht das Buch so gut \u2013\u00a0und eben gleichzeitig so anstrengend. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. Wieder ein Schriftsteller f\u00fcr die Lieblingsautorenliste.<\/p>\n<p>(Leseprobe bei <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/reader\/3518421395\/ref=sib_dp_pt#reader-link\">amazon.de<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Harvey Pekar \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/American-Splendor-Harvey-Pekar\/dp\/0345468309\/\">American Splendor<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Hm. Ja, ich wei\u00df, <em><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/American_Splendor\">American Splendor<\/a><\/em> hat seinen Platz in der Ruhmeshalle der Comics aus guten Gr\u00fcnden: Die Serie hat quasi den autobiografischen Comic begr\u00fcndet, sie besch\u00e4ftigt sich mit dem allt\u00e4glichen Leben, sie findet Geschichten, wo eigentlich keine sind (eben im allt\u00e4glichen Leben), ja, wei\u00df ich alles. Trotzdem hat mich das Buch alles andere als begeistert. Das mag daran liegen, dass ich mir seitenlang das Leben eines schlecht gelaunten Mannes anh\u00f6ren musste, dessen Alltag mir einfach egal war. Nichts gegen allt\u00e4gliche Szenerien und Beschreibungen; dieses Blog macht auch nichts anderes, und ungef\u00e4hr 80% meiner Blogroll erz\u00e4hlen mir auch nur, was sie zum Fr\u00fchst\u00fcck hatten und wie&#8217;s ihnen so geht, und ich lese das sehr, sehr gerne. Aber <em>American Splendor<\/em> fand ich einfach doof. Aus dem Bauch raus doof.<\/p>\n<p>Mir hat allerdings der Einblick in das Cleveland der 60er und 70er Jahre gefallen; teilweise waren die Zeichnungen sehr detailreich, was aus einer belanglosen Story dann eben doch etwas Spannendes gemacht hat. Meistens war ich aber genervt von der Hauptfigur, die ja nicht einmal eine Figur ist. Und wenn ich mich mal als Kostver\u00e4chterin outen darf: Ich mag auch <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Crumb\">Robert Crumb<\/a> nicht, und von ihm stammt ein Gro\u00dfteil der Zeichnungen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gregor Weber \u2013 Kochen ist Krieg! Weber, gelernter Koch, besucht neun verschiedene K\u00fcchen \u2013 von der Riesengastronomie der O2 World in Berlin \u00fcber die Schiffskomb\u00fcse auf der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern bis zum 3-Sterne-Tempel Schloss Berg. 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