{"id":9009,"date":"2010-06-17T07:06:40","date_gmt":"2010-06-17T05:06:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9009"},"modified":"2010-06-17T07:06:40","modified_gmt":"2010-06-17T05:06:40","slug":"where-the-wild-things-are","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=9009","title":{"rendered":"Where the Wild Things Are"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/wherethewildthingsare.jpg\" alt=\"\" title=\"wherethewildthingsare\" width=\"380\" height=\"561\" class=\"alignnone size-full wp-image-9014\" \/><br \/>\n<em>\u00a9 Warner Bros.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0386117\/\">Where the Wild Things Are<\/a> (Wo die wilden Kerle wohnen, USA\/D 2009, 101 min)<\/p>\n<p>Darsteller\/Originalstimmen: Max Records, Katherine Keener, Mark Ruffalo, James Gandolfini, Chris Cooper, Catherine O&#8217;Hara, Paul Dano, Forest Whitaker, Lauren Ambrose, Michael Berry Jr.<br \/>\nMusik: Carter Burwell, Karen Orzolek<br \/>\nKamera: Lance Acord<br \/>\nDrehbuch: Spike Jonze, Dave Eggers<br \/>\nRegie: Spike Jonze<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/trailers.apple.com\/trailers\/wb\/wherethewildthingsare\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wherethewildthingsare.warnerbros.com\/dvd\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>Ich hatte mich sehr \u00fcber die Ank\u00fcndigung der Buchverfilmung von <em>Where the Wild Things Are (Wo die wilden Kerle wohnen)<\/em> gewundert, denn das <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/325700513X\/\">Buch<\/a> ist wahnwitzig kurz: Ich habe es direkt nach dem Film nochmal aus dem Regal gezogen und in gesch\u00e4tzt zwei Minuten durchgelesen. Was mich allerdings noch mehr gewundert hat: Der Film schafft es wirklich, die kleine Botschaft des Buchs auf anderthalb Stunden aufzublasen, ohne dabei zu langweilen. Oder zumindest fast.<\/p>\n<p>Die Geschichte ist in Grundz\u00fcgen die gleiche: Der kleine Max streitet sich mit seiner Mutter, die ihn auffordert, still zu sein, was ihm nicht passt, woraufhin er in seinem Monsterkost\u00fcm aus dem Haus rennt, an einem See ankommt, der zum Meer wird, das ihn und sein Segelboot zu einer Insel f\u00fchrt, auf der Monster wohnen. Die Wuschelnasen, die ihn um 17 K\u00f6pfe \u00fcberragen, wollen ihn zun\u00e4chst fressen, aber er kann sie davon \u00fcberzeugen, ein K\u00f6nig zu sein und geheime Kr\u00e4fte zu haben. So lassen die Monster ihn bei sich wohnen, weil sie hoffen, dass er sie vor Traurigkeit und Einsamkeit besch\u00fctzt. Woraufhin der neue K\u00f6nig versichert, er habe ein Schutzschild, das Traurigkeit abhalten k\u00f6nne. Und da war bei mir der erste Klo\u00df im Hals.<\/p>\n<p>Das Buch lebt von seinen quietschbunten Farben und eben den fantasievollen Monstern, die eher nach Picasso als nach b\u00f6sen Ungeheuern aussehen. Der Film h\u00e4lt sich ziemlich genau an die 2D-Vorlagen und setzt sie sehr gekonnt in 3D um: Die Viecher (und Viecherinnen) sind eine charmante Mischung aus der Restekiste von Jim Hensons Muppetshow und einem Kinderbastelkurs, wo den Kids leere Klopapierrollen, ne Menge Kleister und ein Haufen Teppichflusen vorgesetzt wurden. Ich habe nicht recherchiert, wieviel von den Fusselnasen CGI war und wieviel echt, weil es mir ehrlich gesagt egal war. Ich fand sie so herzzerrei\u00dfend flausig, dass ich dauernd in ihrem Fell rumpuscheln wollte. Und dabei sahen sie niemals niedlich aus, also auf Knuddelmarketing im Happy Meal getrimmt, sondern eher zottelig, filzig, dreckig, als ob sie dauernd auf dem Waldboden rumt\u00fcmmeln und die H\u00e4lfte des nadeligen Erdreichs mit in ihre h\u00f6lzernen Wohnh\u00f6hlen schleppen. Kein Wunder, dass man sich da als Kind sofort wohlf\u00fchlt. Schei\u00df auf Geradesitzen und H\u00e4ndewaschen.<\/p>\n<p>Schade, dass der Film sich nicht auch bei den Farben an die Vorlage gehalten hat. Denn aus dem bunten Dschungel wurde eine sehr br\u00e4unliche Farbpalette. Alles d\u00e4mmert in beige, ocker, khaki und umbra vor sich hin, die Monster sowieso, die Erde, die W\u00fcste &#8230; ich war selten so gl\u00fccklich, mal f\u00fcr einen kurzen Moment das Meer zu sehen wie hier im Film. Endlich mal wieder eine andere Farbe, die mich aus der Tristesse dieses Eilands herausgeholt hat. Vielleicht war es auch die Farbigkeit, die mir den Film nach gut einer Stunde ein wenig verleidet hat. Denn wie gesagt, die Botschaft des Buchs ist einen Satz lang: Zuhause ist es am sch\u00f6nsten, und Familie ist toll. Der Film reitet ziemlich auf dem Familienteil rum, und anfangs macht er das sehr, sehr gut: Da klingen die angesprochenen S\u00e4tze wie die mit dem <em>sadness shield<\/em> eben nicht kindisch oder bl\u00f6d, sondern einfach wundervoll. Und wenn die Monster mit ihrem neuen K\u00f6nig ein Fort bauen und alle zusammen arbeiten und sich verstehen und einander helfen, dann macht das den Punkt auch sehr einfach und \u00fcberhaupt nicht kitschig klar. <\/p>\n<p>Leider versucht der Film, noch ein paar weitere simple Botschaften unterzukriegen: dass manche Freundschaften nur eine Zeit lang halten und irgendwann einfach zuende gehen, dass man mehr aufeinander h\u00f6ren sollte oder dass wir tolerant sein sollten, auch gegen\u00fcber Leuten (oder Monstern oder Eulen namens Bob und Terry), die wir erstmal doof finden. Dieser ganze Wust an netten Vorschl\u00e4gen f\u00fcr eine bessere Welt \u00fcberfrachtet die Insel ein wenig, und ich h\u00e4tte mir die Konzentration auf das Wesentliche gew\u00fcnscht. <em>Where the Wild Things Are<\/em> zieht sich irgendwann ziemlich dahin, und die braune Ein\u00f6de macht das Zusehen auch nicht einfacher, und \u2013 aber das ist eine sehr pers\u00f6nliche Anmerkung \u2013 wenn ausgerechnet das Monster, das irgendwann w\u00fctend auf Max wird, die Stimme von James \u201eTony Soprano\u201c Gandolfini hat, dann legt das eine sehr angespannte Atmosph\u00e4re \u00fcber die sowieso gerade kippende Stimmung. Ich habe jedenfalls mehrere Minuten darauf gewartet, dass Carol eine Knarre oder einen Baseballschl\u00e4ger z\u00fcckt und auf italienisch zu fluchen beginnt.<\/p>\n<p>Bis auf diese eine Stimme fand ich alle anderen sehr sch\u00f6n \u2013\u00a0und auch die Dialoge sind so simpel und geradeaus, das man es ihnen einfach nicht \u00fcbelnehmen kann, irgendwann dann doch wie eine zu lange Kiffersession zu klingen. Sobald der Film sich entschlossen hat, zum Ende zu kommen, tut er das auch, und das hat mir fast am besten gefallen. Ich hatte irgendwie darauf gewartet, dass das Verschwinden von Max noch aufgekl\u00e4rt wird, wom\u00f6glich noch mit dusseligen Dialogen \u00e0 la \u201eWo warst du so lange?\u201c oder dass er einen Unfall hatte, im Koma lag, alles getr\u00e4umt h\u00e4tte, was immer man eben so in jahrelangem Soap-Konsum ansammelt an bescheuerten Aufl\u00f6sungen. Netterweise bleibt uns das erspart, und der Film endet genauso konsequent, wie er angefangen hat. <\/p>\n<p>Ein paar weitere Freiheiten nimmt sich die Verfilmung auch noch, aber mit ihnen konnte ich besser leben als mit den Braunt\u00f6nen und den vielen Sinnspr\u00fcchen: Die Monster haben Namen, und immerhin zwei von den sieben (wenn ich richtig gez\u00e4hlt habe) sind weiblich \u2013 weswegen ich den Titel gerne in <em>Wo die wilden Wesen wohnen<\/em> ge\u00e4ndert haben m\u00f6chte, bitte. Besonders die Namen fand ich gro\u00dfartig, weil sie alles andere als gro\u00dfartig waren: Da hei\u00dfen die unverw\u00fcstlichen Herrscher eines Inselreichs eben Judith und Ira und Douglas anstatt, keine Ahnung, Gargamel oder Krimitambo. Vielleicht habe ich ihnen deswegen ihre S\u00e4tze einfach so abgekauft, denn wann immer die seltsam benamten Helden und Heldinnen in anderen Fantasyfilmen ihre Weisheiten aufsagen, wird es irgendwann albern. Hier nicht \u2013\u00a0hier hat der Kontrast zwischen dem fantastischen \u00c4u\u00dferen und der belanglosen Bezeichnung alles erden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Where the Wild Things Are<\/em> ist eine gelungene Buchverfilmung, die so viele Facetten der Kindheit in Bilder und Worte fasst wie es nur gelungene Kinderb\u00fccher (und Erwachsenenfilme) k\u00f6nnen. Das wilde Herumtoben genau wie der kleine Platz f\u00fcr sich alleine, der Wunsch nach Freunden genau wie das zufriedene Alleinsein, die Suche nach dem Dazugeh\u00f6ren genau wie der Wille zur Abgrenzung. Alles da. Alles gut. Nur eben nicht bunt genug und 20 Minuten zu lang.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=8865\">Bechdel-Test<\/a>:<\/p>\n<p>1. Es m\u00fcssen mindestens zwei Frauen mitspielen, die<br \/>\n2. miteinander reden<br \/>\n3. und zwar \u00fcber etwas anderes als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>1. Wir haben die Mutter, Max&#8217; Schwester (die allerdings stumm bleibt) und zwei weibliche Monster, die ich jetzt einfach mal unter \u201eFrauen\u201c verbuche. Leider reden diese Monsterinnen recht wenig miteinander; bis auf ein paar schnippische Worte kann ich mich an keinen vern\u00fcnftigen Dialog erinnern. <\/p>\n<p>Test bestanden? Nein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 Warner Bros. 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