{"id":9426,"date":"2010-07-20T09:26:23","date_gmt":"2010-07-20T07:26:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9426"},"modified":"2010-07-20T14:16:54","modified_gmt":"2010-07-20T12:16:54","slug":"the-damned-united","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=9426","title":{"rendered":"The Damned United"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/the_damned_united.jpg\" alt=\"\" title=\"the_damned_united\" width=\"380\" height=\"564\" class=\"alignnone size-full wp-image-9430\" \/><br \/>\n<em>\u00a9 Sony Pictures<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1226271\">The Damned United<\/a> (The Damned United \u2013 Der ewige Gegner, UK\/USA 2009, 98 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Michael Sheen, Colm Meany, Timothy Spall, Jim Broadbent, Maurice Ro\u00ebves, Stephen Graham, Peter McDonald<br \/>\nMusik: Robert Lane<br \/>\nKamera: Ben Smithard<br \/>\nDrehbuch: Peter Morgan, nach einem Roman von David Peace<br \/>\nRegie: Tom Hooper<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/trailers.apple.com\/trailers\/sony\/thedamnedunited\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sonypictures.co.uk\/movies\/thedamnedunited\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>In <em>The Damned United<\/em> geht es um Brian Clough, &#8220;the best manager England never had&#8221;. Cloughs Biografie kann man auf der <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Brian_Clough\">Wikipedia<\/a> nachlesen; er galt als einer der besten Trainer, der in der englischen Liga gearbeitet hat, und sein zweifacher Gewinn des Europapokals der Landesmeister hintereinander (heute Champions League) mit Nottingham Forest 1979 und 1980 ist bis heute <strike>nicht<\/strike> erst einmal wiederholt worden. Gleichzeitig galt Clough aber auch als absoluter Egomane, der nie ein Blatt vor den Mund nahm und f\u00fcr den Erfolg wahrscheinlich seine tote Mutter verkauft h\u00e4tte. F\u00fcr seine Spieler war er allerdings ein Held: ein erfolgreicher Jugendspieler, der nur durch eine Verletzung an der ganz gro\u00dfen Karriere gehindert wurde, und ein Motivator sondergleichen.<\/p>\n<p>Im Film spielt der wie immer wundervolle Michael Sheen die Hauptrolle, und wenn man sich Originalaufnahmen anschaut, ist es gespenstisch, wie nah er Clough kommt, in seiner Mimik, Gestik, den Akzent, selbst die Sprachmelodie kann er imitieren, ohne dabei wie eine schlechte Kopie auszusehen. <em>The Damned United<\/em> beruht auf dem gleichnamigen <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Damned-Utd-David-Peace\/dp\/0571224334\/\">Buch<\/a> von David Peace, das sich relativ viele Freiheiten bei der Geschichte nahm (sagen jedenfalls Angeh\u00f6rige und Menschen, die im Buch vorkommen). Der Film bleibt etwas n\u00e4her an der Realit\u00e4t, \u00fcberspitzt aber nat\u00fcrlich auch.<\/p>\n<p>Er konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1969 und 1974; 1969 war Clough Trainer bei Derby County, das am Ende der zweiten Liga herumkrebste. Zusammen mit seinem Freund und Assistenten Peter Taylor brachte er den Verein in wenigen Jahren an die Spitze der ersten Liga \u2013 aber soweit sind wir noch nicht. Es ist 1969, und im Rahmen eines Pokalspiels erwartet Derby einen der Spitzenvereine: Leeds United, das damals von Don Revie trainiert wurde (die Jahre von Revie in Leeds werden heute als die \u201eGlory Years\u201c bezeichnet). Clough bereitet nicht nur die Mannschaft auf diese Ehre und das gro\u00dfe Spiel vor, nein, er putzt eigenh\u00e4ndig das \u201eVisitors\u201c-Schild an der G\u00e4stekabine, legt dort selbst die Handt\u00fccher raus und stellt sogar jedem Spieler liebevoll eine Orange samt Kristallsch\u00e4lchen f\u00fcr die Schalen an den Platz. Dann geht er in sein B\u00fcro, holt die guten Gl\u00e4ser aus dem Schrank und dreht die Flasche franz\u00f6sischen Weins mit dem Etikett zu dem Stuhl, auf den er Revie einladen m\u00f6chte. Bei jedem Handgriff wird klar, wie sehr sich Clough auf die Begegnung mit dem Meistertrainer und dem gro\u00dfen Verein freut, und der Film zelebriert diese Vorfreude in sehr liebevollen, ruhigen Einstellungen, die ganz ohne Musik auskommen.<\/p>\n<p>Dann ist der Tag da, der Mannschaftsbus von Leeds rollt an, traditionell steigen die Spieler 100 Yards vor dem Stadion aus und gehen den Rest des Wegs zu Fu\u00df \u2013\u00a0und gru\u00df- und wortlos an Clough und Taylor vorbei. Revie (Colm Meany) nickt ihm nicht einmal zu, sondern schaut durch ihn, den kleinen Zweitligavereintrainer, hindurch. Leeds gewinnt und f\u00e4hrt wieder ab. Die Flasche Wein bleibt unge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Der Film nimmt diesen Moment als Ausgangspunkt f\u00fcr die Motivation Cloughs, es Don Revie zu zeigen. Dabei arbeitet er mit einem simplen Kniff, der <em>The Damned United<\/em> ganz einfach sehr spannend macht: Er beginnt 1974, als Clough es scheinbar geschafft hat. Er ist gerade Trainer bei Leeds geworden und gibt schon gro\u00dfspurige Fernsehinterviews, bevor er \u00fcberhaupt mit der Mannschaft geredet hat. Dann springen wir zur\u00fcck ins Jahr 1969, wo der Grundstein f\u00fcr diesen scheinbaren Erfolg gelegt wurde. Und wieder zur\u00fcck ins Jahr 1974, wo Clough feststellen muss, dass er bei Leeds alles andere als willkommen ist.<\/p>\n<p>Um die Pointe vorwegzunehmen: Clough konnte sich gerade 44 Tage bei Leeds halten. Seine Mannschaft spielte von Anfang an gegen ihn, was man ihr aber nicht einmal ver\u00fcbeln kann. Cloughs Antrittsrede lautete (laut Film) folgenderma\u00dfen: &#8220;The first thing you can do for me is to chuck all your medals and all your caps and all your pots and all your pans into the biggest fucking dustbin you can find, because you&#8217;ve never won any of them fairly. You&#8217;ve done it all by bloody cheating.&#8221; Ab sofort wehe ein neuer Wind, man werde jetzt sch\u00f6nen Fu\u00dfball spielen, ehrlichen Fu\u00dfball, <em>the beautiful game<\/em> eben. Das Resultat, wenn ich mich richtig erinnere: sechs Niederlagen, der schlechteste Saisonstart seit 20 Jahren und der vorletzte Platz in der Tabelle. Auch hier wieder eine sch\u00f6ne Idee, die Niederlagen zu zeigen, ohne dauernd Spielszenen einbauen zu m\u00fcssen: Wir sehen die Spieler, wie sie von Clough angefeuert werden, mit frisch-dynamischer Musik den Gang zum Stadion antreten, Clough ballt die Faust, alles wird gut \u2013 und in diesem Moment erscheint am unteren Bildrand trocken das Endergebnis: Leeds 0, Gegnerteam 1.<\/p>\n<p>Das Besondere an <em>The Damned United<\/em>: Er ist ein Sportfilm, der mit sehr wenig Sport auskommt. Die wenigen Momente auf dem Platz verdeutlichen die ruppige Spielweise von Leeds oder Cloughs Treffsicherheit, die auch nach zehn Jahren auf der Trainerbank noch funktioniert. Ansonsten bleibt der Film in den Kabinen, hinter den Kulissen und in Fernsehstudios, wo wir Clough dabei zusehen, vom ambitionierten Trainer zum Gro\u00dfmaul zum kleinlauten Arbeitslosen zu werden. Ebenfalls bemerkenswert: die gelungene Mischung aus Original- und Spielszenen. Man hat sich netterweise ziemlich zur\u00fcckgehalten, was reinmontierte Gesichter in altes TV-Material angeht, aber die wenigen Bilder, die nachgestellt wurden, funktionieren.<\/p>\n<p>Mir hat neben den wirklich gro\u00dfartigen schauspielerischen Leistungen die Ausstattung und Farbigkeit gefallen. Klar sind Filme, die in den 70ern spielen, immer ein bisschen schwerverdaulich, gerade wenn Tapeten oder \u201eelegante\u201c Oberbekleidung im Bild sind, aber <em>The Damned United<\/em> hat f\u00fcr mich ein ganzes Jahrzehnt korrekt bebildert. Ich verbinde mit den 70ern immer eine ganz bestimmte Atmosph\u00e4re, alle Bilder aus der Zeit sehen f\u00fcr mich zu dunkel und zu gr\u00fcn aus, die Gesichter immer zu rot und gro\u00dfporig, und alles wirkt schwer und muffig. Genau diese Farbigkeit hat der Film\u00a0&#8211; und schafft es trotzdem, wunderbare Einstellungen zu finden. <\/p>\n<p>Viele Bilder sehen aus wie Studien f\u00fcr Gem\u00e4lde; wenn Peter und Brian sich \u00fcber den Verein unterhalten, k\u00f6nnte man einfach nur ihre Gesichter zeigen. Man k\u00f6nnte aber auch die sehr grafisch aussehenden, mehrst\u00f6ckigen H\u00e4user im Hintergrund mitnehmen, die die beiden Menschen ganz einfach in eine Arbeiterumgebung stellen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Oder der harte Kontrast zwischen dem d\u00fcsteren Yorkshire und Cloughs n\u00e4chstem Arbeitsplatz Brighton: Auf einmal hat der Film Sonne und Strand und Meer und blauen statt grauen Himmel \u2013 und alles, was Clough dazu sagt, ist: &#8220;We&#8217;re nearly in fucking France.&#8221; Wie sehr sich die Dynamik \u00e4ndert, zeigen kleine Details: Wo wir in Derby jubelndes Publikum haben, durch die Stra\u00dfen rennende Fans, Clough beim Rumwirbeln in den G\u00e4ngen des Stadions, haben wir in Brighton ein \u00e4lteres Ehepaar, das eine Gehhilfe vor sich herschubst.<\/p>\n<p>Meine Lieblingsszene \u2013 die garantiert pure Fiktion ist \u2013 spielt im B\u00fcro von Clough, genau dem B\u00fcro, in dem er vergeblich die Flasche Wein platziert hat. Nur wenige Jahre sp\u00e4ter spielt Derby in der 1. Liga gegen den Erzfeind \u2013 und Clough erlebt das Spiel nicht drau\u00dfen auf der Trainerbank, sondern in seinem B\u00fcro, das unterhalb der Fankurve liegt. Von drau\u00dfen sickert Licht in seinen dunklen, holzget\u00e4felten Raum, und sobald das 1:0 f\u00e4llt, springen die Zuschauer auf und zerteilen das Licht durch ihre Beine in ein flirrendes, vibrierendes Leuchten. Und Clough scheint darin zu baden.<\/p>\n<p>Trotz der sch\u00f6nen Bilder ist der Film ein harter Brocken: Clough ist alles andere als \u201eder nette Herr Trainer von nebenan\u201c. Schon in den ersten Einstellungen wird er einem so richtig sch\u00f6n unsympathisch, und mit seinen noch nicht fersehtauglich rundgetrimmten Gesten kommt er im TV-Interview wie ein kleiner, bl\u00f6der Sonnenk\u00f6nig r\u00fcber. Nach 90 Minuten M\u00e4nnergezicke war ich mir ziemlich sicher, dass auch Kriege aus pers\u00f6nlichen Eitelkeiten begonnen werden, wenn man sich schon in sowas Nebens\u00e4chliches wie Fu\u00dfball so reinsteigern kann. Aber seltsamerweise hat mir genau das so gut an <em>The Damned United<\/em> gefallen: einen Helden zu haben, der absolut keiner ist und dem man zun\u00e4chst w\u00fcnscht, so richtig auf die Fresse zu fliegen. Und wenn er das dann tut, m\u00f6chte man ihm sofort wieder hochhelfen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Bechdel-Test bestanden?<\/em><\/p>\n<p>1. Es m\u00fcssen mindestens zwei Frauen mitspielen, die<br \/>\n2. miteinander reden<br \/>\n3. und zwar \u00fcber etwas anderes als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Es spielen, wenn ich richtig hingeschaut habe, genau zwei Frauen mit, die etwas sagen d\u00fcrfen, n\u00e4mlich die beiden Ehefrauen von Clough und Taylor. Die eine ist drei, die andere 30 Sekunden zu sehen. Das war&#8217;s. Sonst nur Kerle. Nicht mal im Fu\u00dfballpublikum habe ich Frauen gesehen. Be\u00e4ngstigend.<\/p>\n<p>Bechdel-Test bestanden? Aber sowas von \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 Sony Pictures The Damned United (The Damned United \u2013 Der ewige Gegner, UK\/USA 2009, 98 min) Darsteller: Michael Sheen, Colm Meany, Timothy Spall, Jim Broadbent, Maurice Ro\u00ebves, Stephen Graham, Peter McDonald Musik: Robert Lane Kamera: Ben Smithard Drehbuch: Peter Morgan, nach einem Roman von David Peace Regie: Tom Hooper Trailer Offizielle Seite In The [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9426","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9426","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9426"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9426\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9460,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9426\/revisions\/9460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}