{"id":9465,"date":"2010-07-22T09:56:07","date_gmt":"2010-07-22T07:56:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9465"},"modified":"2010-07-22T11:29:56","modified_gmt":"2010-07-22T09:29:56","slug":"moon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=9465","title":{"rendered":"Moon"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/moon.jpg\" alt=\"\" title=\"moon\" width=\"380\" height=\"560\" class=\"alignnone size-full wp-image-9467\" \/><br \/>\n<em>\u00a9 Sony Pictures<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1182345\/\">Moon<\/a> (Moon, UK 2009, 97 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario<br \/>\nMusik: Clint Mansell<br \/>\nKamera: Gary Shaw<br \/>\nDrehbuch: Nathan Parker &#038; Duncan Jones<br \/>\nRegie: Duncan Jones<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/trailers.apple.com\/trailers\/sony\/moon\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sonyclassics.com\/moon\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>In <em>Moon<\/em> ist Sam (Sam Rockwell) seit fast drei Jahren einziger Bewohner einer Raumstation auf dem Mond. Er \u00fcberwacht den Abbau von Helium-3, der zurzeit wichtigsten Energiequelle der Erde. Daf\u00fcr muss er t\u00e4glich mit seinem Rover zu einem riesigen Abbauger\u00e4t fahren, das sich im Schritttempo \u00fcber den Mond fr\u00e4st, und die Ausbeute zur Erde schicken. Sein einziger \u201eKumpel\u201c auf der Station ist ein sprechender Computer, Gerty, der in mehreren Ausf\u00fchrungen um ihn herumf\u00e4hrt, von der Decke h\u00e4ngt, ihm das Essen w\u00e4rmt und ihn mit sonor-beruhigender Stimme fragt, wie&#8217;s ihm so gehe und ob er \u00fcber etwas reden m\u00f6chte: &#8220;It might help to talk about it.&#8221;<\/p>\n<p>Sam hat noch zwei Wochen vor sich, bis er endlich seine Frau und seine junge Tochter wiedersehen kann, mit denen er seit dem Beginn seines Jobs nicht gesprochen hat. Die direkte Funkverbindung zur Erde ist gest\u00f6rt, und er bekommt daher nur aufgezeichnete Botschaften, die er ebenso nur als Aufzeichnung beantworten kann.<\/p>\n<p>Das Leben auf der Station geht seit Jahren seinen Gang: Sam macht seinen Job, joggt auf dem Laufband, bastelt an einem Modell einer Kleinstadt, redet mit den Pflanzen, die er gleichzeitig liebevoll bepr\u00fcht und die mit klassischer Musik beschallt werden, l\u00e4sst sich von Gerty per Flowbee die Haare schneiden und z\u00e4hlt die Tage, bis der Job rum ist. Es wird Zeit, dass er nach Hause kommt, denn seit einer kleinen Weile sieht er seine Frau bei sich im Quartier, eine andere unbekannte Frau auf der Station, die Botschaften seiner Frau scheinen auf einmal zusammengeschnitten zu sein \u2013 kurz: Er ahnt, dass es seiner geistigen Gesundheit zutr\u00e4glich w\u00e4re, endlich auf die Erde zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Bei seinem n\u00e4chsten Ausflug zum Abbauger\u00e4t sieht er wieder die junge Frau, diesmal mitten auf dem Mond, er konzentriert sich, starrt \u2013 und kracht mit seinem Rover in das Abbauger\u00e4t. Es wird dunkel. Er verliert das Bewusstsein. Und wacht auf der Krankenstation wieder auf. Seltsamerweise ohne das Pflaster, das er sich vor ein paar Tagen nach einer Brandwunde draufgeklebt hatte. Seine Beine wollen ihn nicht tragen, auch wenn Gerty ihm versichert, er sei nur ganz kurze Zeit krank gewesen. Und er kann sich partout nicht an den Unfall erinnern, der ihm angeblich zugesto\u00dfen sein soll. <\/p>\n<p>Um es kurz zu machen: Sam ahnt, dass irgendwas faul ist, schnappt sich den zweiten Rover und f\u00e4hrt zum Abbauger\u00e4t, wo er den ersten Rover unber\u00fchrt vorfindet. Und in ihm \u2013 findet er sich selbst. Ist der zweite Sam sein Klon? Ist er selbst ein Klon? Der Zuschauer wei\u00df genauso wenig, was er von den beiden Sams halten soll, die sich gegen\u00fcberstehen und beide behaupten, seit drei Jahren hier zu sein. Komisch nur, dass der eine Sam weitaus verbrauchter aussieht als der andere. <\/p>\n<p><em>Moon<\/em> nimmt sich eine ganze Weile Zeit, die seltsame Situation zu etablieren. Aber genau das macht den Film so dicht: Man \u201ekennt\u201c Sam einfach und wei\u00df, dass der zweite nicht der echte sein kann. Oder etwa doch? Genau wie Sam auf der Station fragen wir uns, was zum Teufel dort oben los ist. Und bis wir die Aufl\u00f6sung serviert bekommen, d\u00fcrfen wir Sam Rockwell bei einer sehr ordentlichen Schauspielleistung zusehen.<\/p>\n<p>Obwohl er den gleichen Menschen spielt, f\u00fchlt sich jeder Sam anders an. Der eine, j\u00fcngere, ist recht j\u00e4hzornig, was der \u201ealte\u201c Sam wissend kommentiert: &#8220;I used to be like you.&#8221; Was der j\u00fcngere nat\u00fcrlich nicht versteht, denn er ist ja schlie\u00dflich der echte Sam und das Wrack da dr\u00fcben nur ein alter Klon. Make-up und Kost\u00fcme lassen die beiden auch anders aussehen, aber ich behaupte, man h\u00e4tte die beiden auch unterscheiden k\u00f6nnen, wenn sie genau gleich ausgesehen h\u00e4tten, so \u00fcberzeugend stellt Rockwell seine beiden Sams dar.<\/p>\n<p>Der f\u00fcrsorgliche Computer wird im Original von Kevin Spacey gesprochen, dessen samtige Stimme immer gerne einen be\u00e4ngstigenden Unterton hat, wenn er will, was die Enge der Station und die Einsamkeit noch bedrohlicher macht. Zus\u00e4tzlich kommuniziert Gerty per Smileys auf seinem Display, die die ganze L\u00e4cherlichkeit dieser Situation \u2013 ein Rechner, der menschlichen Kontakt ersetzen soll \u2013 wunderbar auf den Punkt bringen.<\/p>\n<p>Die Frage, die sich schon nach wenigen Minuten stellt und die immer bohrender im Hinterkopf wird, je l\u00e4nger der Film dauert: Wieso tut sich ein einzelner Mensch das an? Und welches Unternehmen verlangt dieses Opfer von einem Menschen? Auch das wird Sam und Sam irgendwann klar, und auf einmal sind beide nicht mehr nur ausf\u00fchrende Werkzeuge, die zuf\u00e4llig gebraucht werden, sondern sie entscheiden aktiv \u00fcber ihr Schicksal.<\/p>\n<p>Mir hat <em>Moon<\/em> sehr gut gefallen. Anfangs habe ich wirklich dauernd verglichen \u2013 ist das Wei\u00df der Station das gleiche wie bei <em>2001<\/em>? Die Work-out-Szene durch das Fenster kenne ich doch aus <em>Lost<\/em>? Und die Schrift der Displays aus <em>Star Trek<\/em>? \u2013, aber das legt sich netterweise recht schnell, auch wenn gerade Gerty beim Vergleich mit <em>2001<\/em> richtig schlecht abschneidet. Da h\u00e4tte ich mir doch eine andere Drehbuchidee gew\u00fcnscht, denn ich glaube, sprechende Rechner auf Raumstationen k\u00f6nnen einfach nur HAL sein. Danach kann nichts mehr kommen. (Nein, auch Otto bei <em>WALL-E<\/em> nicht.) Vielleicht ist Gerty aber auch nur eine kleine Verbeugung in Richtung Kubrick, denn \u2013 das vergesse ich manchmal gerne selbst \u2013 2001 ist schlie\u00dflich schon neun Jahre her. Wenn wir den Film als reale Blaupause ansehen, ist Gerty vielleicht die logische Konsequenz daraus. <\/p>\n<p>Neben Rockwells Glanzleistung fand ich die Ausstattung sehr ordentlich, keine bl\u00f6den Special-Effects oder wirre futuristische Ger\u00e4tschaften, die von der Story ablenken. Ich ahne, dass man als Set-Designer bei Science-Fiction-Filmen immer ganz fies juckende Finger hat, aber hier war alles wohltuend stimmig und \u00fcberhaupt nicht aufgesetzt. Was die Geschichte mit den zwei Sams noch eindringlicher wirken l\u00e4sst, weil sich der Rest eben so normal anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Bechdel-Test bestanden?<\/em><\/p>\n<p>1. Es m\u00fcssen mindestens zwei Frauen mitspielen, die<br \/>\n2. miteinander reden<br \/>\n3. und zwar \u00fcber etwas anderes als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Es spielen zwei Frauen mit: die Tochter und die Ehefrau von Sam, die aber beide nur ein paar S\u00e4tze haben. Gerade bei <em>Moon<\/em> ist mir wieder einmal aufgefallen, dass die Hauptrolle locker auch von einer Frau h\u00e4tte gespielt werden k\u00f6nnen, ohne dass die Story gro\u00dfartig anders wird. Und ehe jetzt wieder der Einwand kommt, der gerne von den Studios gebracht wird: Aber mit einer Frau in der Hauptrolle k\u00f6nnen sich die ganzen Kerle nicht identifizieren \u2013 als weibliche Zuschauerin wird von mir ja auch dauernd erwartet, mich mit den m\u00e4nnlichen Hauptrollen zu identifizieren, einfach weil ich keine Alternative habe. Warum sollen M\u00e4nner das nicht auch hinkriegen? Ich behaupte mal, dass sie das schaffen k\u00f6nnten. Ging mit Sigourney Weaver und <em>Alien<\/em> ja auch.<\/p>\n<p>Was mir au\u00dferdem aufgefallen ist: die uralte Rollenverteilung. Daran knabbere ich, seit ich in der Uni vor ungef\u00e4hr 15 Jahren mal ein Seminar zu Science-Fiction-Romanen belegt hatte. Wir haben die ganzen Klassiker von Asimov bis Heinlein gelesen, und in jedem verdammten Buch war die Technik so ausgefeilt wie nie, die politischen Welt- und Planetenordnungen vision\u00e4r und supi, die Menschen konnten fliegen und beamen und hatten telepathische F\u00e4higkeiten \u2013 aber Mama steht zuhause am Herd und Papa verdient im All die Kohle. Bah.<\/p>\n<p>Bechdel-Test bestanden? Nope.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 Sony Pictures Moon (Moon, UK 2009, 97 min) Darsteller: Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario Musik: Clint Mansell Kamera: Gary Shaw Drehbuch: Nathan Parker &#038; Duncan Jones Regie: Duncan Jones Trailer Offizielle Seite In Moon ist Sam (Sam Rockwell) seit fast drei Jahren einziger Bewohner einer Raumstation auf dem Mond. 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