{"id":9539,"date":"2010-07-27T08:18:22","date_gmt":"2010-07-27T06:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9539"},"modified":"2010-07-27T08:18:22","modified_gmt":"2010-07-27T06:18:22","slug":"shutter-island","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=9539","title":{"rendered":"Shutter Island"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/shutter_island.jpg\" alt=\"\" title=\"shutter_island\" width=\"380\" height=\"573\" class=\"alignnone size-full wp-image-9543\" \/><br \/>\n<em>\u00a9 Paramount<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1130884\/\">Shutter Island<\/a> (USA 2009, 138 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Michelle Williams, Patricia Clarkson, Emily Mortimer, Max von Sydow, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas<br \/>\nMusic Supervisor: Robbie Robertson<br \/>\nKamera: Robert Richardson<br \/>\nDrehbuch: Laeta Kalogridis nach einem Roman von Dennis Lehane<br \/>\nRegie: Martin Scorsese<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/trailers.apple.com\/trailers\/paramount\/shutterisland\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.shutterisland.com\/#\/home\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>Alles beginnt auf einem schwankenden Boot, das sich durch schwere See k\u00e4mpft. Der graue Himmel scheint direkt auf dem Wasser zu liegen, das Licht ist tr\u00fcbe und d\u00fcster. An Bord \u00fcbergibt sich Marshal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) zum wiederholten Male, w\u00e4hrend drau\u00dfen sein neuer Kollege Chuck Aule (Mark Ruffalo) stoisch im Wind ihr Ziel fixiert: Shutter Island, eine Insel vor der K\u00fcste von Boston, auf der sich eine Anstalt f\u00fcr geistesgest\u00f6rte Kriminelle befindet. Wir befinden uns im Jahr 1954.<\/p>\n<p>Auch auf der Insel wird der Film nicht freundlicher: Die Mauern der drei Geb\u00e4ude der Klinik gl\u00e4nzen feucht und dunkel, eiserne Tore schnappen ins Schloss, ein Friedhof erscheint kurz im Bild, selbst der gr\u00fcne Rasen und die Blumenbeete leuchten nicht farbenfroh, sondern bedrohlich. Regisseur Martin Scorsese schafft in den ersten Minuten von <em>Shutter Island<\/em> eine sehr unheimliche Atmosph\u00e4re, die aber seltsam unfassbar bleibt. Man wei\u00df nicht genau, warum man sich selbst auf dem heimischen Sofa so unwohl f\u00fchlt, w\u00e4hrend der Film l\u00e4uft, aber die ungewisse, angespannte Stimmung \u00fcbertr\u00e4gt sich sofort.<\/p>\n<p>Mir h\u00e4tte die Stimmung noch besser gefallen, wenn nicht jedes Detail mit TOTAL SPANNUNGSERZEUGENDEN STREICHERN in br\u00fcllender Lautst\u00e4rke unterf\u00fcttert gewesen w\u00e4re, die mir mit dem Holzhammer sagen, LOS, HAB ANGST, DU MEMME, obwohl sich gerade nur Leo eine Zigarette anz\u00fcndet und den Hut gerade r\u00fcckt. Aber es hat funktioniert: Die Nerven reagieren schon auf das kurze Knistern des Gl\u00fchfadens in einer Lampe mit \u201eHuch? Was? Ist da jemand? HALLO?\u201c, w\u00e4hrend im Film die beiden Marshals zum Klinikchef Cawley (Ben Kingsley) geleitet werden. Er erkl\u00e4rt ihnen in seiner freundlichen Samtstimme, dass eine Patientin verschwunden sei. Ihre Zelle sei verschlossen, ihre Kleidung noch vollst\u00e4ndig da, aber sie sei eben weg. Teddy und Chuck (auch so Puschelnamen, die gar nicht zum Ambiente passen wollen) schauen sich die Zelle Rachels an, wo Teddy einen kleinen gefalteten Zettel findet \u2013\u00a0anscheinend eine Botschaft von Rachel, mit der aber niemand etwas anfangen kann: The law of 4. Who is 67?<\/p>\n<p>In der folgenden Filmstunde interviewen Teddy und Chuck die Pfleger und Schwestern und einige Patienten, und je mehr sie \u00fcber die Klinik erfahren, desto mehr ahnen sie, dass hier etwas vor sich geht, das verheimlicht werden soll. Eine Patientin kritzelt Teddy das Wort \u201eRun\u201c in sein Notizbuch, Teddy wird von Migr\u00e4ne und Alptr\u00e4umen geplagt, ein Sturm kommt auf, die F\u00e4hre, die sie auf die Insel gebracht hat, f\u00e4hrt nicht mehr. Die beiden sitzen fest und kommen kein St\u00fcck weiter.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wird Teddy von Flashbacks geplagt: Seine Frau (Michelle Williams), die bei einem Feuer ums Leben gekommen ist, taucht in seinen Tr\u00e4umen auf, die sich mit Erinnerungen an seine Zeit bei der Armee und der Befreiung von Dachau vermischen. Flammen und Schnee, verkohltes Papier, Leichenberge, Blut, Tr\u00e4nen, Elektroz\u00e4une \u2013\u00a0und \u00fcber allem die VERDAMMTEN STREICHER.<\/p>\n<p><em>Shutter Island<\/em> ist eine Stunde lang ein wunderbarer Film: sehr dicht, fast f\u00fchlbar in seine Angespannheit, eine d\u00fcstere und sehr passende Farbigkeit, eine gute Ausstattung \u2013 die Materialien sind so haptisch, dass man sich der Handlung sehr nahe f\u00fchlt und vor allem Teddy aus seinen Apltr\u00e4umen rei\u00dfen will. Dann ergibt sich der Film aber zusehends seinen eigenen R\u00e4tseln. DiCaprio wird im Laufe des Films immer einsamer: Zuerst sehen wir ihn nur im Doppelpack mit Ruffalo, dann gesellen sich viele \u00c4rzte und Schwestern und die auf der Insel stationierten Polizisten dazu, aber je l\u00e4nger Teddy sich auf Shutter Island rumtreibt, desto weniger Menschen begegnen ihm. Stattdessen ist er irgendwann davon \u00fcberzeugt, dass auf der Insel Experimente stattfinden und au\u00dferdem hier der Mann eingesperrt ist, der damals das Appartement angez\u00fcndet hat, in dem seine Frau starb. Je mehr sich Teddy mit seinen Ahnungen, Verd\u00e4chtigungen und Ermittlungen befasst, desto einsamer wird er \u2013 und desto wirrer wird auch der Film.<\/p>\n<p>Wir rennen durch unz\u00e4hlige G\u00e4nge, treffen Menschen, die es eigentlich nicht geben darf, bekommen mehr und mehr Details aufgez\u00e4hlt, von denen wir wissen, dass sie nicht stimmen k\u00f6nnen, so dass ich ganz pers\u00f6nlich irgendwann gar nicht mehr versucht habe, im Kopf mitzukommen. Irgendwann war ich nur noch genervt davon, dass sich der Film nicht entscheiden kann, wo es hingehen soll \u2013 so hat es sich jedenfalls angef\u00fchlt. Selbst die wundersch\u00f6ne Atmosph\u00e4re ging mir irgendwann auf den Keks \u2013 wahrscheinlich sollte sie das \u2013 und ich wollte blo\u00df noch ein Fenster aufmachen und den Kopf aussch\u00fctteln. <\/p>\n<p>Aber kurz bevor ich aufgegeben habe, f\u00e4ngt sich <em>Shutter Island<\/em> wieder und serviert mir die L\u00f6sung auf dem Silbertablett. Die ich ziemlich doof fand. Und dann sagt Leonardo seinen letzten Satz in die Kamera, und auf einmal fand ich alles wieder toll. Weil auf einmal sein ganzer Charakter eine Wendung bekommt, die mich pers\u00f6nlich \u00fcberrascht hat und die dazu auch noch passt. <\/p>\n<p><em>Shutter Island<\/em> hat eine wirklich gro\u00dfartige Exposition, einen elend z\u00e4hen Mittelteil und ein solala-Finale. Wie gesagt, der letzte Satz rei\u00dft ne Menge raus, aber auf den muss man leider zweieinhalb Stunden warten, von denen ich mir gerne eine geschenkt h\u00e4tte. Trotzdem. Alleine f\u00fcr die erste Stunde lohnt sich der Film. Halbgare Empfehlung, ich wei\u00df. Ist aber auch nur ein halbgarer Film.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Bechdel-Test bestanden?<\/em><\/p>\n<p>1. Es m\u00fcssen mindestens zwei Frauen mitspielen, die<br \/>\n2. miteinander reden<br \/>\n3. und zwar \u00fcber etwas anderes als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Es spielen Rachel und Leos Gattin mit, mehrere Schwestern und Patientinnen (keine \u00c4rztin). Von denen redet aber niemand miteinander, sondern nur mit den Kerlen.<\/p>\n<p>Bechdel-Test bestanden? Nein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 Paramount Shutter Island (USA 2009, 138 min) Darsteller: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Michelle Williams, Patricia Clarkson, Emily Mortimer, Max von Sydow, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas Music Supervisor: Robbie Robertson Kamera: Robert Richardson Drehbuch: Laeta Kalogridis nach einem Roman von Dennis Lehane Regie: Martin Scorsese Trailer Offizielle [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9539","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9539","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9539"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9539\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9551,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9539\/revisions\/9551"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}