{"id":9581,"date":"2010-07-30T09:22:00","date_gmt":"2010-07-30T07:22:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9581"},"modified":"2010-07-30T14:04:10","modified_gmt":"2010-07-30T12:04:10","slug":"reaktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=9581","title":{"rendered":"Reaktionen"},"content":{"rendered":"<p>Was mir den gestrigen Vormittag versaut hat, habe ich bereits <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9573\">aufgeschrieben<\/a>. Was mich dann abends richtig w\u00fctend gemacht hat, waren die Kommentare im Lawblog und einige Mails, die bei mir aufliefen. Ich verlinke nicht nochmal zum Lawblog, der Link ist im gestrigen Eintrag, und ich habe nach dem zehnten (oder so) Kommentar nicht mehr r\u00fcbergeklickt, weil ich mir das nicht auch noch antun wollte. Wird wahrscheinlich unter \u201ememmig\u201c abgebucht; ich nenne es Selbstschutz. (Edit: Danke, <a href=\"http:\/\/twitter.com\/katjaberlin\/status\/19891981903\">katjaberlin<\/a>: \u201eimmer diese verh\u00e4rmten, ungebumsten maskulinisten\u201c.)<\/p>\n<p>Was mich so w\u00fctend gemacht hat: Dass die Kommentatoren und (einige) Mailschreiber mich zum zweiten Mal klein gemacht haben. Indem sie mir das Recht absprechen, mich verletzt und besch\u00e4mt zu f\u00fchlen. Indem sie es als hysterische \u00dcberreaktion einer Feministin hinstellen (das Wort funktioniert prima als Schl\u00fcsselreiz), wo der nette Mann doch nur die arme, dicke Frau anflirten wollte (die offensichtlich nicht alleine wohnt). Eine Mailschreiberin hat es sehr sch\u00f6n ausgedr\u00fcckt: \u201eGrenzen werden nicht von demjenigen bestimmt, der sie \u00fcbertritt.\u201c<\/p>\n<p>Ich hoffe, mir wird niemand widersprechen, wenn ich sage: Er hat sich schlicht und einfach nicht korrekt in seiner Funktion als Postbote verhalten. Sein Job ist es, mir ein Paket zu \u00fcberreichen, wenn&#8217;s geht, p\u00fcnktlich und wenn der Tag richtig gut ist, auch noch h\u00f6flich. Es ist <em>nicht<\/em> sein Job, mich anzuflirten, ganz gleich wie gut er gerade gelaunt ist und wie total sympathisch er mich spontan findet. Ich bin Kundin des Unternehmens, das er gerade dienstlich vertritt, und auf dieser Basis erwarte ich einen professionellen Umgang miteinander. Nicht mehr und nicht weniger. Ich will nicht geduzt werden und ich will ums Verrecken nicht um die Lieferung <em>bitten<\/em> m\u00fcssen, die er mir gerade in seiner Funktion als Postbote, herrgottnochmal, zu \u00fcberreichen hat. Wenn das ein Pizzabote gewesen w\u00e4re, w\u00fcrde ich bei dem Laden nie wieder was bestellen. Bei der Post habe ich diese M\u00f6glichkeit leider nicht.<\/p>\n<p>Wie ich pers\u00f6nlich auf seinen nicht-professionellen Umgang reagiere, liegt nat\u00fcrlich bei mir. Ich h\u00e4tte das ganze schulterzuckend ignorieren, mich noch ein wenig \u00e4rgern und mir im Geiste all die schlagfertigen Bemerkungen zurechtlegen k\u00f6nnen, die ich ihm besser direkt gesagt h\u00e4tte anstatt hilflos \u201eBitte?\u201c zu stammeln, als er mir mein Paket reichte, um es dann wieder wegzuziehen. H\u00e4tte ich machen k\u00f6nnen. Habe ich aber nicht, weil ich \u00fcberfordert von der Situation war. Weil ich einfach nicht darauf vorbereitet war, wie hier mit mir umgegangen wird. Klar wissen die Kommentatoren da dr\u00fcben alles besser, aber \u2013\u00a0und ich wiederhole mich da gerne \u2013 ich habe das Recht, mich so zu f\u00fchlen wie ich  mich eben gef\u00fchlt habe. Und niemand kann mir das absprechen, indem man mir g\u00f6nnerhaft sagt, der wollte doch blo\u00df flirten.<\/p>\n<p>Ich war selbst von der Heftigkeit meiner Reaktion \u00fcberrascht: dass mir, direkt nachdem ich die T\u00fcr geschlossen habe, die Tr\u00e4nen in die Augen schossen und ich selbst erstmal nachsp\u00fcren musste, was da eigentlich gerade so verletztend war. Aber ich habe gelernt, eben nicht alles einfach abzutun und zu schlucken und zu vergessen, sondern mich ernst zu nehmen. Und das hat dazu gef\u00fchrt, dass ich meine erste Beschwerdemail abgeschickt habe. Auch das fanden die weiblichen Mailschreiber v\u00f6llig in Ordnung, die meisten m\u00e4nnlichen eher \u00fcberzogen und sinnlos. (Edit, circa vier Stunden nach Online-Stellen dieses Beitrags: Inzwischen sind fast gleich viele Mails von M\u00e4nnern und Frauen aufgelaufen, die beide das Verhalten des Postboten unter aller Sau fanden. Das ruiniert die Statistik, und ich freue mich sehr dar\u00fcber.)<\/p>\n<p>Das Negative an der Situation: Es scheint schwerer zu sein, als ich dachte, auf Alltagssexismen hinzuweisen, weil das sofort mit \u201eStell dich nicht so an\u201c abgeb\u00fcgelt wird. Das Positive: Jetzt bin ich sauer. F\u00fchlt sich deutlich besser an als verletzt.<\/p>\n<p>Trotzdem w\u00fcrde ich mich an meiner eigenen Haust\u00fcr ganz gerne wieder einfach wohl f\u00fchlen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Edit, 30.07., 13.55: DHL hat gerade angerufen und sich f\u00fcr den Zusteller entschuldigt. Danke daf\u00fcr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was mir den gestrigen Vormittag versaut hat, habe ich bereits aufgeschrieben. Was mich dann abends richtig w\u00fctend gemacht hat, waren die Kommentare im Lawblog und einige Mails, die bei mir aufliefen. 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