{"id":9667,"date":"2010-08-03T08:50:18","date_gmt":"2010-08-03T06:50:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9667"},"modified":"2010-08-11T11:01:15","modified_gmt":"2010-08-11T09:01:15","slug":"inception","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=9667","title":{"rendered":"Inception"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/inception.jpg\" alt=\"\" title=\"inception\" width=\"380\" height=\"563\" class=\"alignnone size-full wp-image-9669\" \/><br \/>\n<em>\u00a9 Warner Bros.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1375666\/\">Inception<\/a> (USA\/UK 2010, 148 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Ken Watanabe, Marion Cotillard, Tom Hardy, Cillian Murphy, Dileep Rao, Tom Berenger, Michael Caine, Pete Postlethwaite, Lukas Haas<br \/>\nMusik: Hans Zimmer<br \/>\nKamera: Wally Pfister<br \/>\nDrehbuch: Christopher Nolan<br \/>\nRegie: Christopher Nolan<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/trailers.apple.com\/trailers\/wb\/inception\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/inceptionmovie.warnerbros.com\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>Als beim letzten Bild des Films die Leinwand dunkel wurde, st\u00f6hnte das ganze Kino gequ\u00e4lt auf \u2013 um direkt danach zu klatschen. Was die Stimmung ganz gut zusammenfasst, mit der ich aus <em>Inception<\/em> gekommen bin: schei\u00dfe oder sch\u00f6n? Ich habe weder gest\u00f6hnt noch geklatscht \u2013 ich war mir zun\u00e4chst einfach nicht sicher, wie ich den Film fand. <\/p>\n<p><em>Inception<\/em> macht erstmal eine riesige Wundert\u00fcte auf. Leonardo DiCaprio kann sich mithilfe eines lustigen Ger\u00e4ts in anderer Menschen Tr\u00e4ume einschleichen, um ihnen dort Geheimnisse zu entlocken. Dummerweise l\u00e4uft ihm in den Traumwelten dauernd seine Frau \u00fcber den Weg, die selten der gleichen Meinung ist wie er. Was seinen Job nicht unbedingt einfacher macht, f\u00fcr Firmen an Safekombinationen oder Dokumente zu kommen, an die seine Objekte gerade denken. Der Film wirft einen sehr zielstrebig in die irrsinnige Idee, in anderer Leute Unterbewusstsein rumzumarschieren und diese Welt st\u00e4ndig ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen, denn es ist ja nichts echt. Schon in den ersten zehn, f\u00fcnfzehn Minuten \u2013 ich habe jedes Zeitgef\u00fchl im Kino verloren \u2013, befinden wir uns in mindestens zwei gedanklichen Ebenen &#8230; oder sind es sogar drei? \u00dcber diese Frage gr\u00fcbelt man zwei Stunden sp\u00e4ter nochmal nach, obwohl man da sowieso damit besch\u00e4ftigt ist, die einzelnen Traumebenen zu ordnen, in denen wir uns jetzt gerade befinden. Falls wir uns in einem Traum befinden. Man wei\u00df ja langsam nicht mehr so genau, wo jetzt gerade was ist.<\/p>\n<p>Und genau das ist das Faszinierende an <em>Inception<\/em>: Immer wenn ich geglaubt habe zu wissen, wo&#8217;s langgeht, verschachtelt sich der Film noch ein bisschen weiter. Das ganze garniert mit h\u00fcbschen Effekten wie eine Stra\u00dfenszene in Paris, wo sich die Erde mal eben um 180 Grad nach oben faltet und so Dach auf Dach liegt. \u00dcber einem und neben einem fahren Autos, und dazwischen spazieren Leo und Ellen Page als Ariadne (talking names, anyone?) und unterhalten sich dar\u00fcber, wie viel oder wie wenig man Dinge im Traum ver\u00e4ndern sollte, um sich selbst nicht zu verwirren. Zus\u00e4tzlich schweben wir schwerelos in Hotelfluren und Fahrstuhlsch\u00e4chten, erleben wilde Autojagden mit und ballern in einem abgelegenen Skigebiet den Beton aus den W\u00e4nden. Die Actionsequenzen sind gut, keine Frage, aber ich fand sie ein wenig zu weltlich, um perfekt in die Fantasie zu passen, in der <em>Inception<\/em> sich eher zuhause f\u00fchlt. Die Szenen, in denen wir klar in einer Traumwelt sind, fand ich hingegen sehr gelungen: eine absolut ausgewogene Mischung aus Elementen, die man kennt und Dingen, die das ganze unwirklich gemacht haben, ohne einen v\u00f6llig aus der Bahn zu werfen \u2013 zum Beispiel die Hochh\u00e4user, die ins Meer st\u00fcrzen oder die Geb\u00e4ude, die eben nicht ganz zusammenpassen in Leos und Marions Fantasie. <em>Inception<\/em> entwirft keine ganz neue Welt, die man sofort als Science-Fiction abhaken k\u00f6nnte, sondern schafft stattdessen eine Umgebung, die einem bekannt vorkommt. Was den ganzen Zauber mit dem Weg ins Unterbewusstsein von anderen etwas leichter verdaulich macht.<\/p>\n<p>Trotzdem ist das ganze sch\u00f6ne Augenpulver auch die Schwachstelle des Films: Eben weil nichts echt ist, f\u00e4llt es manchmal schwer, echt mitzuf\u00fchlen, mitzuleiden, mitzufiebern. Im Prinzip sitzen die Protagonisten ja bequem im Flugzeug anstatt gerade von Br\u00fccken zu st\u00fcrzen oder von Lawinen versch\u00fcttet zu werden. Im Prinzip. Denn auch hier baut <em>Inception<\/em> einen Kniff ein: Durch die mehrfache Verschachtelung, durch die Reise ins Unterbewusstsein des Unterbewusstseins werden einige Regeln au\u00dfer Kraft gesetzt, die f\u00fcr die \u201eeinfache Reise\u201c gelten. Das macht es zwar wieder spannender, aber gleichzeitig auch ein bisschen willk\u00fcrlicher; es hat sich ein bisschen angef\u00fchlt wie bei Magiekarten, wo ein Zauber einen anderen schl\u00e4gt, weil der Erfinder des Spiels das so will und nicht, weil Naturgesetze oder Erfahrung es vorschreiben. Deswegen war ich mittendrin etwas n\u00f6lig, weil ich eben eine Stunde lang eine Idee hingenommen habe, nur um jetzt mitgeteilt zu bekommen, ach \u00fcbrigens haben wir hier noch zwei Seiten Kleingedrucktes.<\/p>\n<p>Irgendwann habe ich angefangen, an der Logik zu knabbern \u2013 in welcher Ebene sind wir jetzt und wer muss jetzt wen wieder wachkriegen, damit alle gesund und munter zuhause ankommen \u2013, anstatt mich weiter von wilder Action \u00fcbers Ohr hauen zu lassen. Wahrscheinlich war ich deshalb eher bei der St\u00f6hn- als bei der Klatschfraktion, als der Film zuende war. Weil ich \u00fcber das Ende eben erstmal nachdenken musste, anstatt mit einem \u201eJa, genau, Punkt, fertig, jetzt noch ein Bierchen\u201c-Gef\u00fchl aus dem Kino zu rennen.<\/p>\n<p>Was ich an <em>Inception<\/em> hingegen mochte: dass es nicht nur eine Geschichte war, die erz\u00e4hlt wurde, sondern dass es gleich zwei Ebenen gab, um die man sich geistig k\u00fcmmern musste. Einmal der Auftrag von Ken Watanabe, eine \u201eInception\u201c zu implantieren, also einen Gedanken, eine Idee ins Unterbewusstsein eines Menschen zu bekommen, anstatt umgekehrt eine Information aus ihm herauszukriegen. Und zweitens die Geschichte mit Leo und seiner Frau, die sich erst nach und nach enth\u00fcllt. Der Typ neben mir im Kino war anscheinend eher an der ersten Storyline und dem Geballere interessiert, jedenfalls hat er stets rumgeseufzt, wenn wieder Cotillard im Bild war. (Nebenbei: dass der \u201eAufwachsong\u201c, der Trigger, der den Tr\u00e4umenden das nahe Ende ihrer Reise ank\u00fcndigt, ausgerechnet \u00c9dith Piafs <em>Non, je ne regrette rien<\/em> war, fand ich extrem dusselig, weil Marion Cotillard gef\u00fchlt vor zehn Minuten die Rolle der Piaf oscarpr\u00e4miert gespielt hatte. Kann man als Verbeugung deuten, empfand ich aber als sehr st\u00f6rend.) Im Gegensatz zum Sitznachbarn fand ich gerade die Story des Ehepaars viel spannender als die Inception-Storyline, denn sie gab dem ganzen Film die Tragik und Menschlichkeit, die aus <em>Inception<\/em> mehr gemacht hat als eine gro\u00dfartige Kopfgeburt.<\/p>\n<p>Was ich auch mochte: die Musik. Sie ist mal wieder von Hans Zimmer, dem ich ja gerne vorwerfe, am liebsten mit drei Orchestern gleichzeitig und einer Armee von Kanonen und Feuerwerk Filme zu unterlegen, aber hier war sie perfekt. Sehr unmelodi\u00f6s, sondern eher eine akustische Untermalung. Sie ist mir schon im Trailer aufgefallen, wo sie eindeutig pr\u00e4senter ist als im Film; daher war ich sehr positiv davon \u00fcberrascht, dass Zimmer sich anscheinend auch zur\u00fcckhalten und vor allem der Irrealit\u00e4t noch eine weitere, klingende Seite verleihen kann.<\/p>\n<p><em>Inception<\/em> wird, glaube ich, wieder einer der Filme werden, \u00fcber den man sich in diversen Foren Argumente um die Ohren hauen kann: Was genau bedeutet das Ende denn nun? Ich habe inzwischen eine Meinung, aber die kann ich nur hinter einer riesigen Spoiler-Warnung verstecken, daher behalte ich sie f\u00fcr mich. Ich glaube aber, dass das Ende genau das richtige war. Es passt zu den vielen m\u00f6glichen Welten, die der Film \u00fcber zwei Stunden aufbaut und l\u00e4sst trotzdem Raum f\u00fcr Interpretationen. Wie eine Traumdeutung. Nach ein, zwei Stunden \u00dcberlegen bin ich sogar recht dankbar daf\u00fcr, dass ich eben nicht mit dem \u201eJa, genau, Punkt, fertig, jetzt noch ein Bierchen\u201c-Gef\u00fchl aus dem Kino gekommen bin.<\/p>\n<p>Ich halte <em>Inception<\/em> trotzdem nicht f\u00fcr so gro\u00dfartig wie Nolans Erstling <em>Memento<\/em>, denn der kam ohne das vorhin angesprochene Kleingedruckte aus, das mal eben Grunds\u00e4tzliches \u00fcber den Haufen wirft, damit die Story wieder passt. Aber es sind wirklich nur Kleinigkeiten, die ich an <em>Inception<\/em> zu bem\u00e4ngeln habe. Ich fand ihn sehr clever, er hatte eine f\u00fcr mich neue Grundidee, und besonders Leonardo DiCaprio gef\u00e4llt mir von Film zu Film besser. Empfehlung f\u00fcr einen Film, den man danach dringend mit ein paar Freunden besprechen sollte. (Ich habe auf der Busfahrt nach Hause die ganze Zeit den Kerl gekniffen, um zu gucken, ob er echt ist. Und ich warte auf die iPhone-App mit einem Kreisel.)<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=8865\">Bechdel-Test<\/a> bestanden?<\/em><\/p>\n<p>1. Es m\u00fcssen mindestens zwei Frauen mitspielen, die<br \/>\n2. miteinander reden<br \/>\n3. und zwar \u00fcber etwas anderes als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>In <em>Inception<\/em> spielen zwei Frauen und sechs bis sieben M\u00e4nner auf gleicher Ebene mit \u2013 also acht bis neun Personen, die ich gleichberechtigt in ihrer Wichtigkeit f\u00fcr die Story ansehe. Das Verh\u00e4ltnis h\u00e4tte ruhig ausgewogener sein k\u00f6nnen, denn wer m\u00e4nnlich und wer weiblich ist, ist bis auf die offensichtliche Konstellation \u201eEhefrau \u2013 Ehemann\u201c v\u00f6llig egal. So haben Ellen Paige und Marion Cotillard gerade eine Szene, in der sie miteinander reden, der Rest der Dialoge ist gemischtgeschlechtlich bzw. nur zwischen M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Bechdel-Test bestanden? Eine Szene in zweieinhalb Stunden Film? Das reicht nur f\u00fcr ein: nein.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.findingberlin.com\/\">Sara<\/a> hat mir ein sehr sch\u00f6nes <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UVkQ0C4qDvM\">YouTube-Video<\/a> geschickt, in dem der Zusammenhang zwischen <em>Je ne regrette rien<\/em> und dem von mir so gelobten Zimmer-Score hergestellt wird. Ich finde den Song immer noch unpassend, aber den Score daf\u00fcr jetzt noch besser.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.christianfahrenbach.de\/\">Christian<\/a> hat mir den <a href=\"http:\/\/www.wired.com\/wiredscience\/2010\/07\/the-neuroscience-of-inception\">Link<\/a> zu einem <em>Wired<\/em>-Artikel geschickt, der sich mit der &#8220;Neuroscience of <em>Inception<\/em>&#8221; befasst. Ich zitiere den Einstieg: &#8220;Stop reading if you have not seen <em>Inception<\/em>, because 1) I will reveal major plot points and 2) It will make no sense.&#8221;<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/twitter.com\/mywayhome\">@mywayhome<\/a>: After watching INCEPTION there is <a href=\"http:\/\/i.imgur.com\/JiPqw.jpg\">one big question<\/a> left.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 Warner Bros. 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