Was schön war, Dienstag, 21. Januar 2020 – Originale angucken

Viel kann ich nicht zum gestrigen Tag schreiben, das muss – ein wenig überraschend für mich – alles in die Diss. Eigentlich wollte ich mal wieder in epischer Breite über meinen Maler berichten, aber das hebe ich mir jetzt doch für die Wissenschaft auf. So sorry!

Ich hatte den Hinweis auf ein paar originale Protzens bei der Autobahndirektion Südbayern bekommen, was nicht so irre überraschend war, weil einige Behörden oder Dienststellen der Vorläuferorganisation, die sich um die Reichsautobahn gekümmert hatte, vor 1945 Werke von ihm erworben hatten. Trotzdem wusste ich bis vor kurzer Zeit nicht, wo sich die meisten seiner RAB-Bilder befanden. Wenigstens einige kann ich jetzt verorten, und, und das war das Überraschende, mehr als diejenigen, von denen mir mein freundlicher Archivkontakt schon vorher erzählt hatte.

Das erste Werk hing netterweise schon in einem gut ausgeleuchteten Bürogebäude, in dem wir unsere Tour begannen.


Carl Theodor Protzen: Baustelle an der Burg Gleichen
(1940, Werkverzeichnis Nr. 380, Tempera, 95 x 160 cm).

Ich fand es sehr lustig, dass ein paar Autobahnbilder Protzens – laut Lehrbuch böse, böse NS-Kunst – einfach so auf den Fluren hängen. Andererseits befindet sich vermutlich die Hälfte aller Bilder der GDK heute in irgendwelchen Behörden und Krankenhäusern, weil Landschaften und Blumen so nett sind und die Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin des „Dritten Reichs“ nicht so recht wusste, wohin mit dem motivmäßig unverdächtigen Zeug. Das wurde größtenteils an die Länder überstellt, und die hatten genug Behörden, die Bilderschmuck brauchten.

Dieses Bild hängt sonst auf einem anderen Gang, aber in dem Stockwerk waren gerade Malerarbeiten, weswegen es kurz auf dem Dachboden zwischengeparkt wurde:

Carl Theodor Protzen: Saalebrücke bei Hof im Bau (1940, WV 382, Tempera, 121 x 200 cm). Das ist übrigens nicht sein größtes Autobahnbild, das hat er 1939 gemalt. Aber sie waren gestern alle recht großformatig, weswegen ich sie unter anderem im Original sehen wollte; das ist dann doch etwas anderes als die Thumbnails auf meinem Handy.

Nach Büro und Zwischenlager hatte ich noch viel Spaß woanders, aber wie gesagt: Das kommt alles in die Diss. Ich grinse seit gestern sehr breit vor mich hin und war kurz davor, mittags einen kleinen Champagner zu öffnen.

Vorderes Bild hinter dem leeren Rahmen: Carl Theodor Protzen: Autobahndreieck Niederaula (1940, WV 384, Tempera, 100 x 165 cm), dahinter noch zwei weitere Autobahnen des Herrn aus Kaiserslautern und Köln. Könnt ihr jetzt schlecht erkennen, haha. Und ja, ich weiß, dass alle Kurator*innen gerade einen Herzinfarkt bekommen, weil die Bilder da einfach so rumlehnen. Aber jetzt, wo ich sie aus der Nähe gesehen habe, muss ich leider sagen: Das passt schon so. Ich möchte Protzen 80 Jahre später noch in die Seite knuffen und ihm zuraunen, hey, Malerboy, damit wird sich später die Wissenschaft beschäftigen, kannst du dir bitte mal EIN BISSCHEN mehr Mühe geben beim Farbauftrag?

Zur Überbrückung, bis ihr die Diss lesen könnt, an der ich gestern den Resttag mit leuchtenden Äuglein getippt habe, hier ein paar Kühe.

Carl Theodor Protzen: Am Waginger See (1942, WV 411, 120 x 200 cm). Dahinter noch eine Autobahn. Wir hams ja.