Ein mülliges Dankeschön …

… an eine:n unbekannte: Leser:in, der oder die mich mit Christian Krachts Eurotrash überraschte. Das Buch lag im Laufe der vergangenen Woche in der Packstation, von wo es der liebe F. auf meinen Küchentisch transportierte, damit ich etwas Schönes hatte, das auf mich wartete nach der Woche im Norden. Der gute Mann legte gleich noch ein paar Nougatherzen und frische Brötchen vom Lieblingsbäcker dazu, hach!

In meiner Twitter-Timeline kommt Kracht nicht ganz so gut weg, aber was soll ich sagen, ich lese den Mann offensichtlich ganz gerne. Vor wenigen Wochen las ich Faserland noch einmal, das hat sich meiner Meinung nach als eine Art Zeitkapsel recht gut gehalten. Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut und für heute eine schöne Tagesbeschäftigung.

Mittwoch, 3. März 2021 – Unerwarteter Muskelzuwachs

Die Ergotherapeutin, die mich seit November nicht mehr gesehen hatte, fragte, ob ich abgenommen hätte. Ich weiß inzwischen schon gar nicht mehr, wie ich auf diese Frage reagieren soll, weil ich mich von Menschen, die sowas fragen, sehr weit entfernt halte. Ich verneinte wie schon tausendmal in meinem Leben, woraufhin sie meinte, vielleicht wären die Klamotten gerade sehr schmeichelnd.

Ich trage hier im Norden die ältesten Shirts und Hosen, die ich habe, weil ich hier den halben Tag rumlaufe, koche, schwitze und Zeug mache, was ich zuhause nicht in diesem Tempo erledige bzw. da eher am Schreibtisch sitze. Gekocht wird zuhause in Rumschlumpfklamotten, denen es egal ist, ob sie Tomatensauce abkriegen; mit Schürzen bin ich nie zurecht gekommen, ich suche immer noch eine, die mich nicht wahnsinnig macht, zum Beispiel durch Bänder im Nacken. Vielleicht sollte ich mal eine Art Dirndlschürze ausprobieren, ich kleckere sowieso eher unterhalb der Gürtellinie rum bzw. will meine Hände irgendwo abwischen, weswegen ich beim Kochen immer ein Leinentuch über der Schulter habe.

Was ich sagen wollte: An den Klamotten dürfte der anscheinend positive Gesamteindruck nicht gelegen haben. Dann fiel mir ein, dass F. ja auch mal meinte, ich würde mich anders anfühlen nach den launigen Sportprogrammen. Gestern bat mich das Mütterchen um Hilfe beim Abtauen der Truhe, was wir im letzten Jahr schon einmal gemeinsam erledigt hatten. Und dabei merkte ich dann auch, wofür die ganzen seltsamen Ausfallschritte, das Balancieren, Dehnen, die Planks, Liegestütze, die weiteren Bauchmuskelübungen und das Rumgezerre an Therabändern gut gewesen waren. Ich beugte mich ständig nach vorne, um aus den Tiefen der Truhe Zeug zu holen, was meinem Rücken völlig egal war. Danach schleppte ich wannenweise Gefrorenes in die Garage, wo es zwischenlagerte, wobei ich auf einem Bein stehend die Türen öffnete, ohne dabei umzufallen (das war nett). Nach dem Abtauen wischte ich die Truhe mit Handtüchern trocken, und auch dabei zickte der Rücken nicht ein einziges Mal, während ich erneut auf einem Bein stehend kopfüber in der Truhe steckte. In die Truhe hatten wir zwei Eimer mit heißem Wasser gestellt, um das Abtauen zu beschleunigen. Die hob ich nun wieder hinaus, wrang ein Dutzend Handtücher mit dem Abtauwasser in ihnen aus, was sie noch schwerer machte – und trug dann beide gleichzeitig und innerlich achselzuckend, weil piece of cake, aus dem Keller.

So anstrengend die Zeit hier auch immer ist und so sehr mein Knie die ganzen Treppen hasst – das fand ich ausgesprochen schön zu merken, dass ich anscheinend wirklich an Kraft, Stabilität und Mobilität zugelegt hatte, ohne es wirklich mitzukriegen.

Und eben beim Frühstück guckte ich einer keckernden Elster zu und einem Eichhörnchen auf seinem lustig gehüpften Weg über zehn Bäume, die hier halt rumstehen. Das war auch schön.

Montag/Dienstag, 1./2. März 2021 – Ankommen, absahnen und aufatmen

Der erste Tag im Norden ist immer erstmal wieder reinkommen, sich an all die vielen Handgriffe erinnern bzw. dafür in der langen Liste nachschauen, die ich irgendwann mal angelegt habe. Die Medikation von Vaddern hat sich seit meinem letzten Besuch im November vor der zweiten Welle leicht geändert, das muss ich anpassen, der Geschirrspüler funktioniert noch wie immer, gut. Papas Zustand ist etwas schlechter, leider erwartbar. Das Mütterchen wartet auf ihre Kur, die ihr zwar bewilligt wurde, für die sie aber nach Sachsen an einen Ort soll, wo jetzt gerade ein Inzidenzwert von über 230 herrscht. Wir sind darüber nicht ganz so glücklich, auch weil man in das kleine Kaff nur mit mindestens dreimal Umsteigen und einer Fahrtzeit von über sechs Stunden kommt; für eine allein reisende Ü80-Dame nicht ganz so entspannt. Es ist auch abgemacht, dass sie erst nach der Impfung fährt, aber Niedersachsen ist ziemlich weit hinten mit dem Impfen. Schwesterchen hat sie auf eine Warteliste bekommen, und daher warten wir.

Bei den Eltern sein bedeutet für mich immer, alten Kram abzusahnen. Dieses Mal war es ein Berg Sammeltassen – im Bild ist die Hälfte zu sehen –, die ich jahrelang total albern fand, aber jetzt gerade total toll. Instagram kann sich schon mal auf viele neue Kuchenfotos freuen. Evil plan: immer dasselbe Stück Marmorkuchen auf 15 verschiedenen Tellern. Wird super.

Gestern nachmittag war eine Helferin bei Vaddern und fuhr mit ihm bei besten Wetter ein bisschen im Rollstuhl um den Block. Daher hatte ich frei, spazierte zur Schwester und knipste ein bisschen Fachwerkromantik. Seit F. den ganzen Tag fotografiert und ich sehe, was mit einer guten Optik machbar ist, kann ich meine iPhone-Fotos nicht mehr so gut leiden.


Aber meine Heimatbibliothek musste ich dann doch ablichten. Ich habe recht wenige Erinnerungen an meine Kindheit – ist auch schon lange her –, aber an die Bibliothek mit am meisten. Ich weiß noch genau, wie es aussah, wenn man reinkam, ich weiß, wo die damalige Multimedia-Ecke war, die vermutlich aus Hörspielkassetten bestand, ich kann mich noch an einige Regale erinnern, weil ich die fast komplett der Reihe nach durchgelesen habe, und ich weiß noch, an welchem Platz ich gerne saß, weil da die Sonne hinschien, ohne zu blenden oder zu heiß zu sein. Hinter einem der Fenster links im Bild.

Ich fragte mich schon öfter, wann das aufhörte, dass ich gerne in Bibliotheken ging, und ich finde es schade, dass ich es erst mit Ende 40 wiederentdeckte. Aber immerhin.

Um kurz nach 22 Uhr abends pingte WhatsApp. Das Schwesterchen schrieb mit diversen Sektglas- und Jubeltröten-Emojis, dass das Mütterchen ihre Impftermine hätte: Ende März den ersten und drei Wochen später den zweiten. Google verriet mir, dass sie dann vermutlich Biontech bekommt, weil das in diesem Abstand gespritzt wird; Moderna im Abstand von vier Wochen, AstraZeneca neun bis zwölf, sagt jedenfalls das Interweb, dem ich ja alles glaube. Das beruhigte sie sehr, denn eine der Pflegenden hatte uns von ihren zwei eher unerfreulichen Tagen nach einer AstraZeneca-Impfung erzählt. Das klang wie eine nervige Grippe, was bestimmt nicht schön war, aber verdammt nochmal ich nehme auch eine Grippe, wenn ich danach einen halbwegs okayen Impfschutz habe. Aber gut. Jetzt ist das Mütterchen dran. Als über 80-Jährige pflegende Angehörige mit einer Lungenvorerkrankung ist sie dann Ende April geimpft. Das läuft alles total supi. Ich will mich nicht mehr aufregen, weil ich eh nichts machen kann, aber ich rege mich trotzdem auf. Egal. IMPFTERMIN! JUBELTRÖTE!

Ach ja, weil Papa eher immobil ist, muss er warten, bis die Hausärzte zu ihm kommen können. Eine Jubeltröte mussen wir leider abziehen.

Sonntag, 28. Februar 2021 – Beim Zugfahren ansatzweise heulen

Ich hatte tagelang Panik vor der Zugfahrt, weil ich es seit einem Jahr relativ konsequent vermeide, in geschlossenen Räumen mit mehreren Menschen länger zusammenzusein. Ich weiß immer noch nicht, wie ich mich in den Tantris-Besuch im November reingequatscht habe. Vermutlich weil es das Tantris ist.

Der ICE war netterweise leerer als die Sternebude, ich meine, wir waren nie mehr als zehn Menschlein im Großraumwagen (erste Klasse). Ich las Klemperer, bis mir einfiel, dass ich seit November nicht mehr Zug gefahren und auch seit dieser Zeit nicht aus München rausgekommen bin, also guckte ich aus dem Fenster, nachdem wir Ingolstadt hinter uns hatten. Das ist immer die erste und letzte Hürde auf der Fahrt nach Hannover: Bis Ingolstadt zieht sich’s, wo ich gefühlt schon in Nürnberg bin, und auf der Rückfahrt zieht sich’s, weil wir doch schon aus Nürnberg raus sind, da muss doch jetzt München kommen. Ingolstadt nervt immer. Würzburg hingegen nervt nie: Obwohl es ungefähr in der Mitte der Strecke liegt, denke ich in Würzburg immer, egal ob Richtung Norden oder Süden, jetzt hab ich’s gleich geschafft, schon fast zuhause, keine Ahnung, warum. In Richtung Norden kommen danach die ganzen Halte im Halbstundentakt, Fulda, Kassel, Göttingen, da hat man immer das Gefühl, voranzukommen. Auf dem Rückweg kommt nach Würzburg nur noch Nürnberg (ich ignoriere Ingolstadt, bis wir da im Bahnhof stehen), das ist ja schon fast München.

Mein Gehirn war vor der Pandemie auch schon so, was Entfernungen angeht, das liegt ausnahmsweise mal nicht am Virus.

Wie immer im Zug hörte ich den Beethoven-Podcast mit Herrn Levit, gestern gab’s die Sonate Nummer 22, und Levit spielte zwischendurch mal eben „das Lied von der Teekanne“ aus Disney’s „Beauty and the Beast“, litt unter einem schlimmen Kalauer seines Gesprächspartners – „da erzähle ich dir seit Jahren die besten jüdischen Witze und dann kommt sowas“ – und erklärte, dass er sich wie ein Tausendfüßler fühle, wenn er im zweiten Satz sei. Danach hörte ich die Sonate ganz und musste völlig unvermittelt meine Tränen unterdrücken. F. und ich haben theoretisch Karten für Levit Anfang April in München, aber ich gehe davon aus, dass das Konzert verschoben wird. Damit rechnen wir seit Monaten, aber gestern erwischte die Traurigkeit darüber mich ganz frisch.

Schnell Popmusik hören, da werde ich anscheinend weniger sentimental. Mit 80er-Jahre-Kram auf den Ohren in Hannover eingefahren.

Tagebuch Samstag, 27. Februar 2021 – Klüger ausgelesen, Klemperer angefangen

Ich verbrachte den ganzen Tag auf dem Sofa und las Ruth Klügersunterwegs verloren: Erinnerungen“ durch. Lohnt sich genauso wie der erste Teil ihrer Autobiografie „weiter lesen“ (hier verbloggt). Auf Twitter teilte ich ein bisschen, aber im Prinzip bin ich im Kopf schon im Norden.

Die restlichen Werke von Klüger.

Abends im Bett endlich KlemperersLTI“ angefangen, das ich bisher nur kursorisch für schlaue Fußnoten las. So wie diese hier zum Beispiel, wo er ein gewisses Bauwerk in einen größeren Zusammenhang setzt:

„Denn ebenso wie es üblich ist, vom Gesicht einer Zeit, eines Landes zu reden, genau so wird der Ausdruck einer Epoche als ihre Sprache bezeichnet. Das Dritte Reich spricht mit einer schrecklichen Einheitlichkeit aus all seinen Lebensäußerungen und Hinterlassenschaften: aus der maßlosen Prahlerei seiner Prunkbauten und aus ihren Trümmern, aus dem Typ des Soldaten, der SA- und SS-Männer, die es als Idealgestalten auf immer andern [sic] und immer gleichen Plakaten fixierte, aus seinen Autobahnen und Massengräbern.“

Victor Klemperer: LTI. Notizbuch eines Philologen, Ditzingen 2020 (Erstausgabe 1947), S. 20.

Tagebuch Freitag, 26. Februar 2021 – Tergit ausgelesen

Den Wocheneinkauf erledigt, Bücher in die UB zurückgebracht, die erste Kickboxing-Einheit erledigt, die im Trainingsplan meines lustigen Online-Sportkurses dran kommt. Ich hatte das Programm bereits einmal durchgehüpft, daher wusste ich, was noch kommt, und das tat gestern sehr gut. Besser Luftboxen als gar kein Boxen. (War nötig.)

F. brachte Schnitzel aus der Stammkneipe zur Date Night, zum Nachtisch Weißbier-Tiramisu. Wir waren beide drömelig und erschöpft von der Woche bzw. ich eher jetzt schon von der kommenden, daher tranken wir nicht alle Bierchen, die ich kaltgestellt hatte, sondern gingen recht früh ins Bett.

Ich las noch schnell Gabriele Tergits Effingers aus und empfehle das zum wiederholten Male. Ich mochte diese schnelle, klare Sprache sehr gerne, die vielen hundert kleinen Kapitelchen anstatt der fünf großen, den ständigen Perspektivwechsel. Das Buch lässt sich anfangs sehr viel Zeit und wird dann immer hektischer und schneller, was mir ganz recht war, denn je näher wir dem Jahr 1933 kommen, desto mehr wollte ich, dass das Buch aufhört und alles gut wird, was natürlich nicht geklappt hat. Ich habe die vielen Schilderungen von Stoffen, Möbeln, Gebräuchen, Sitten, Traditionen und persönlichen Biografien genauso gerne gelesen wie irgendwann die deutlicheren politischen Schilderungen. Im Nachwort steht das gut zusammengefasst, teils in Tergits eigenen Worten mit heute komisch klingendem generischen Maskulinum:

„Der unbarmherzige Motor und eigentliche Held des Romans ist die Zeit, wie Tergit zu Recht anmerkt: ‚Dass das äußere Geschehen überwuchert, ist vom Künstler so gewollt. Das gerade, dass wir alle mehr oder weniger seit 1914 gelebt worden sind, dass wir nicht mehr Herr und Meister unseres Schicksals waren, das soll eines der Charakteristiken der Schilderung sein“, schrieb sie 1948 an ihren Kollegen Walter von Hollander, mit dem sie im Auftrag des Verlages das Manuskript druckfertig machen sollte.“

Das Nachwort von Nicole Henneberg fand ich gerenell sehr aufschlussreich. Normalerweise spare ich mir Vor- und Nachworte gerne, aber hier wollte ich das Buch doch noch nicht gehen lassen, zum Glück. Einiges darin macht das Buch noch schwerer verdaulich, anderes ließ mich wieder an Nachkriegsdeutschland bzw. der Bundesrepublik verzweifeln wie so vieles, was ich in den letzten Jahren gelesen oder in Archiven gefunden hatte.

„‚Was meine Effingers angeht‘, schrieb sie 1949 an Ernst Rowohlt, der das Manuskript an den Springer-Verlag vermittelt hatte, so ist es ‚nicht der Roman des jüdischen Schicksals, sondern es ist ein Berliner Roman, in dem sehr viele Leute Juden sind, so wie im Käsebier viele Leute Juden waren. Das ist etwas ganz anderes und ich bin der Meinung, daß Springer einen grossen Fehler machen würde, wenn sie ein so stark deutsch kulturgeschichtliches Buch als jüdisch anzeigen würden.‘ Mit dieser Haltung, die ihren historischen Blick auf den Stoff betont, setzte sie sich politisch zwischen alle Stühle: Den deutschen Lektoren galt ihr Buch als jüdisch und 1950 damit als ethisch schwierig – bei Ullstein lehnte man ab mit dem Hinweis, nach dem Kriege dürften Juden nur als edle Menschen dargestellt wrden. Dieses Argument fand die Autorin historisch unhaltbar und lächerlich. Die gläubigen Juden kritisierten die sehr preußischen und patriotischen, überdies bürgerlich-verschwenderischen Hauptfiguren, während die Zionisten beklagten, dass Israel nur eine marginale Rolle spiele und der Zionismus als autoritärer, dem Judentum zutiefst widersprechender und gefährlicher, ja faschistischer Irrweg dargestellt würde. Selbst ihr Schwager, der in Jerusalem an der Universität lehrende und eher liberale Adolf Reifenberg, dem sie 1950 ihre Not mit dem Manuskript klagte, äußerte sich kritisch: ‚Die deutschen Juden sind geschlagen, zerschlagen, sie sind kein Faktor mehr und die Welt will sich ihrer Morde nicht mehr erinnern. Denn man braucht die Deutschen, ihre soldatischen „Tugenden“ (…) Nun schreibst du richtig, dass das Buch ja nicht für Deutsche oder „die Welt“ bestimmt ist und dass es auch deutsche Juden gibt und das Buch eigentlich für diese bestimmt ist. Aber auch diese deutschen Juden sterben aus. Wo immer sie auch sind[,] versuchen sie sich schnellstens zu assimilieren, haben keine Zeit und kein Geld zurückzudenken. Dies gilt für Israel ebenso wie für Amerika.‘ Immerhin wurde der Roman nach Erscheinen in einer israelischen Zeitung als Fortsetzungsroman abgedruckt, das Echo blieb marginal.

Das war auch in Deutschland so. Nur etwa dreißig Buchhändler waren bereit, die Effingers in ihr Sortiment zu nehmen. An Ilse Lagner schrieb Tergit nach dem begeisterten Feature von Frank Grützbach über Käsebier, dem ihre Wiederentdeckung und eine Einladung zu den Berliner Festwochen 1977 folgten: ‚Bei weitem mein wichtigstes Buch sind Effingers. Voss von Springer sagte 1953: „Bin ja neugierig, wie das antisemitische deutsche Volk dieses Buch aufnimmt.“ Es hat es gar nicht aufgenommen, glaube 2000 verkauft. (…) Alles fing 1977 an!!!‘“

Und dann noch ein kleiner verlagsinterner Diss:

„Doppeltes, existenzielles Gepäck trug Tergit bei sich, als sie mit ihrem neuen, britischen Pass 1948 erstmals nach Berlin reisen durfte. Nicht nur die Trauer über die zerstörte Heimatstadt drückte sie, sondern auch das 700 Seiten starke Manuskript der Effingers. Es war das letzte, das sie besaß – vier waren in den Kriegswirren untergegangen: Zwei torpediert, eines in Paris verschollen, eines bei Walther Kiaulehn in München verschwunden, eines hatte Alfred Döblin, der in der französischen Zone die Zeitschrift ‚Das goldene Tor‘ herausgab, an der Tergit mitarbeitete, in vielen Einzelpaketen an Rowohlt geschickt. Deshalb gab sie dieses letzte Exemplar nicht einmal Peter Suhrkamp, der ihr flehentlich mitgeteilt hatte, er habe ‚kein Material‘. Vielleicht wäre das Schicksal des Romans als Suhrkamp-Buch ein anderes gewesen?“

Nicole Hennenberg: „‚Mich interessieren Menschen‘“, Nachwort zu Gabriele Tergit: Effingers, München 2020, Erstauflage 1951, S. 887–899, hier die S. 891, 889/890 sowie 896.

Links am Freitag, 26. Februar 2021

Im Deutschlandfunk hörte ich gestern die wöchentliche Sendung „Historische Aufnahmen“. Darin wurde der Dirigient William Steinberg (1899–1978) vorgestellt. Das Stück, dessen vierten Satz ich noch komplett hören konnte, war Gustav Holsts Orchestersuite „Die Planeten“. Laut DLF ist die Einspielung des Boston Symphony Orchestras unter Steinberg von 1970 bis heute eine, an der sich andere messen lassen müssen. Wie praktisch, dass sie auf YouTube steht.

Erst gestern gemerkt, dass sich Manfred Mann für „Joybringer“ an dieser Suite bedient hat. Daher musste ich sofort an Rachmaninoff denken, aus dessen Klavierkonzert Nr. 2 sich Eric Carmen für „All by myself“ eine Melodie borgte.

Wendy Lower hat ein Buch über ein fürchterliches Foto geschrieben:

To Catch a Killer: Uncovering the Massacre of a Jewish Family in Nazi Europe

Ich habe das Bild beim ersten Auftauchen im Artikel nur kurz angeschaut und dann schnell weitergescrollt, auch wenn ich immer ein schlechtes Gewissen dabei habe, mich Abbildungen der NS-Morde nicht aussetzen zu wollen. Lower geht auch auf den Umgang mit diesen Bildern ein.

„Although the documentary and photographic record of the Holocaust is greater than that of any other genocide, incriminating photographs like this that catch the killers in the act are rare. In fact, there are so few that I can list them here: an SS officer aiming his rifle at a Jewish family fleeing in the fields of Ivanograd, Ukraine; naked Jewish men and boys being forced to lie facedown in a pit (the “sardine method”) as they are being shot in Ponary, Lithuania; Jewish women and children, at the moment of death, falling into the sand dunes of Liepāja, Latvia; an execution squad firing in Tiraspol, Moldova; naked Jewish women and girls being finished off by Ukrainian militia in Mizoch; one photograph from Ukraine with the caption “last living seconds of Jews in Dubno,” showing men being shot execution-style against a brick wall; another, also from Ukraine, captioned “the last Jew in Vinnytsia,” showing a man kneeling before a pit with a pistol to the back of his head; Jews in Kovno (Kaunas) being bludgeoned to death by Lithuanian pogromists; and a few more without captions, apparently taken in the Baltic states or Belarus and depicting the Holocaust by bullets.

Most of these images have been blown up and displayed in museum exhibitions; many are retrievable on the internet. They are few but represent the murder of millions. These iconic snapshots of the Holocaust give the false impression that such images are numerous, yet they number not many more than a dozen, and we know little, if anything, about who is in them, and even less about who took them. […]

Mass murder requires a division of labor among a multitude of perpetrators, and in the Holocaust that combined effort cut across ethno-cultural lines. I was to learn that the photographer was a Slovakian security guard, mobilized for the invasion and occupation of the Soviet Union in 1941 and stationed in Nazi-occupied Ukraine. Like millions of other soldiers, he got swept up in the camera craze of the 1920s and 30s, and when he was drafted, he packed his new Zeiss Ikon Contax to document historic events and foreign terrain. […]

The photographic documentation of the Holocaust is especially rich because the events coincided with the mass production and consumption of the small handheld camera. During the war, Hitler’s propaganda minister, Joseph Goebbels, embedded 15,000 photojournalists in all theaters of the conflict, producing more than 3.5 million images. The pocket snapshot was a common item in the soldier’s knapsack. And as German soldiers seized and occupied territories formerly held by the Soviet Union in 1941 and 1942, they photographed what they encountered. World War II was not only the most destructive armed conflict ever; it was also the most photographed. […]

Photographs, if we choose to study them, open up questions and lead us down paths of discovery. There are details in the Miropol photograph that we were not supposed to witness. Some postwar theorists of photography would urge us not to look at, let alone scrutinize, the suffering of others. In 1988, when scholars and museologists deliberated over the visual content of the United States Holocaust Memorial’s Museum’s exhibits, they explored the “question of explicit imagery including the ‘pornography of murder, nudity and violence in a museum.’”

The museum’s creators were clear that to avoid all graphic visuals—images that elicit shock and outrage—would be to forsake the truth of Nazi evil. They did not want to display victims in a way that would further humiliate them or embarrass their families and descendants, or encourage voyeurism. They feared that images of sexual violence and nude corpses might excite erotic fantasies. Depictions of death “precisely because its meaning eludes us and because it is universal and ineluctable titillate, fascinate, and compel attention.” Viewers should not “lose sight of the fact that each of the corpses in a pile was a single, complex, multi-faceted human being with parents, families, loved ones, personal dreams and expectations and thwarted aspirations.”

The cultural critic Susan Sontag argued that the shock of atrocity photography “wears off with repeated viewings.” I disagree. The risk of desensitization to such images exists when we have no knowledge of their history and content. The more I learned, the more the Miropol image came to life.“

(via @c_emcke)

Als Rausschmeißer ein Artikel, der möglicherweise hinter der Paywall ist, den ich aber gestern dringend lesen musste:

The joy of vax: The people giving the shots are seeing hope, and it’s contagious

„The happiest place in medicine right now is a basketball arena in New Mexico. Or maybe it’s the parking lot of a baseball stadium in Los Angeles, or a Six Flags in Maryland, or a shopping mall in South Dakota. The happiest place in medicine is anywhere there is vaccine, and the happiest people in medicine are the ones plunging it into the arms of strangers.

“It’s a joy to all of us,” says Akosua “Nana” Poku, a Kaiser Permanente nurse vaccinating people in Northern Virginia. “I don’t think I’ve ever had an experience in my career that has felt so promising and so fulfilling,” says Christina O’Connell, a clinic director at the University of New Mexico. “There’s so many tears” — of joy, not sadness — “that it’s almost normal at this point,” says Justin Ellis, CVS pharmacist in Laveen, Ariz.

For health-care workers, the opportunity to administer the vaccine has become its own reward: Giving hope to others has given them hope, too. In some clinics, so many nurses have volunteered for vaccine duty that they can’t accommodate them all.

Many of those same health-care workers spent last year sticking swabs up the noses of people who thought they might have the coronavirus. The work was risky. The patients were scared. There was never relief, just limbo. The arrival of The Shot has transformed the grim pop-up clinics of the pandemic into gratitude factories — reassembly lines where Americans could begin to put back together their busted psyches.

“I will never forget the face of the first person I vaccinated,” says Ebram Botros, a CVS pharmacy manager in Whitehall, Ohio. It was an 80-year-old man who said that he hadn’t seen his children or grandchildren since March.

Botros’s pharmacy is in a diverse community outside Columbus. As an African American who immigrated to the United States from Egypt, Botros feels a special responsibility to reassure Black patients who may be ­vaccine-averse from a historical legacy of medical abuse. One 89-year-old Black woman told Botros she had never gotten a shot before in her life. “I explained to her: ‘This is very important. It’s painless, and it’s going to help you have your life back to normal,’ ” he says. Her grandson later reached out to Botros to thank him personally — and told him that the woman called all of her friends and urged them to get their shots, too.“

Die erste Person aus meiner Twitter-Timeline ist geimpft!

So there’s hope.

Tagebuch Mittwoch, 24. Februar 2021 – Ein bisschen aufgeheitert

Das Wetter verlockte dazu, den Wäscheständer auf den Balkon zu stellen, das war schön.

Sobald die Maschine durchgelaufen war, spazierte ich zum ZI, wo ich sonst immer mit dem Rad hinfahre, aber wegen des Knies dachte ich, Schnickschnack, Fußweg, haben wir das auch mal ausprobiert. Ich wollte meinen Doktorvater sein Dissexemplar auf Papier wiedergeben, nach dem ich seine Korrekturen ausgeführt und über seine Anmerkungen nachgedacht hatte. Zusammen mit den beiden Gutachten und dem Verlauf der Verteidigung bzw. den dort an mich gestellten Fragen hatte ich genug Stoff, um die Diss großflächig umzubauen. Nachdem das erledigt ist, darf der Papierbrocken wieder in ein anderes Gebäude und so trug ich das eben gestern ins ZI, wo der Herr Doktorvater residiert.

Ein bisschen gewimmert, als ich an der geschlossenen Bibliothek vorbeikam. Durch die Glastüren konnte ich das Paradies sehen. So nah und doch so fern.

Dann wurde ich reingebeten, wo ich dachte, ich geb nur was ab, aber es entspann sich ein kleines Gespräch, in dem noch ein positiver Punkt der Diss erwähnt wurde, der mir gar nicht so klar gewesen war. Das war auch schön und tat ganz gut, nachdem ich die letzten Tage mal wieder in Trübsinn versackt war. Außerdem hat Herr Papa einen winzigen Job für mich bei einer Konferenz im Oktober, also Job im Sinne von „Könnten Sie da vielleicht ganz kurz …?“, kann ich, mach ich. Mein Vortrag wurde leider nicht angenommen, aber der war auch ein long shot, zugegeben.

Einen Hauch besser gelaunt spazierte ich zum Ballabeni, wo Herr F. mir ein Eis zum Mittag ausgab. Das war auch schön.

Den Nachmittag hatte ich mir von allem freigegeben und versackte in F.s Disney+-Account bei Atlanta. Das war auch schön.

Ich ernährte mich quasi den ganzen Tag von Zitronenkuchen UND DAS WAR AUCH SCHÖN. Ich zwinge jetzt meine Tage zum Bessersein, bis am Sonntag wieder alles fürchterlich wird, weil ich Zugfahren muss und überhaupt.

Dieses Bild mochte ich gestern, es stammt aus diesem Artikel aus der NYT zur London Fashion Week, die in diesem Jahr digital stattfand.

Das Design stammt von Roksanda, der man hier auf Insta folgen kann.

Tagebuch Dienstag, 23. Februar 2021 – Life lemons blablabla Zitronenkuchen

Das übliche Nach-Abgabe-Loch. Bürokram erledigt, anderen Bürokram liegengelassen, Mails geschrieben. Ein Zugticket in den Norden gebucht, traurig gewesen. Zitronenkuchen gebacken, immerhin das.

Tagebuch Montag, 22. Januar 2021 – Diss Groener korrigiert.pdf

Ich las das am Sonntag fertiggestellte Dokument noch einmal sehr flüchtig an, an, nicht durch, sah, dass es gut war und schickte meine korrigierte und umgebaute Diss an den Doktorvater. Dann saß ich hilflos in der Gegend rum. The end.

Immerhin kam mein Weinpaket aus dem Lieblingsladen endlich an. UPS und sein Tracking-System hatten mich letzte Woche in den Wahnsinn getrieben, weswegen das Paket auch ernsthaft wieder an den Versender zurückging, weil ich angeblich nicht zuhause war (WO SOLL ICH DENN SONST GEWESEN SEIN?!?). Okay, einmal war ich nicht zuhause, aber das lag daran, dass mir das Tracking halt gesagt hatte, nein, an dem Tag kommt dein Paket nicht, geh ruhig auf den Viktualienmarkt. Darauf fiel ich also nicht noch einmal rein, als das Tracking am Montag zwei Stunden vor der Lieferung meinte, mein Paket käme am heutigen Dienstag, ha, ich war vorbereitet und habe jetzt wieder Wein. #allebekloppt

Viktualienmarkt und Eisessen letzte Woche waren mit längeren Laufstrecken verbunden, was dem Knie gut getan hat. Gestern traute ich mich wieder wildes Beugen auf der Yogamatte und das ging auch. Ziept noch ein bisschen, geht aber wieder. Good times!

Die neue Folge von „Kitchen Impossible“ nachgeschaut und mich über Heinz Winkler gefreut, der vermutlich die Sendung nicht richtig kapiert hat. Launig aus dem Off: „Naja, das ist ja nicht so schwer, das sieht man ja, was da drin ist.“ Während der arme 2-Sterne-Kandidat nicht weiß, dass unbedingt Leber und Blut in die Sauce müssen, das kann ja auch keiner ahnen.

Das ewige Pimmelfechten geht mir immer mehr auf den Keks in der Sendung und sie ist immer noch viel zu lang, aber ich gucke trotzdem gerne zu. Bei den Egotrips mache ich halt den Ton aus.

Interessiert gelesen, dass grüne Gebäude nicht immer so super sind:

At Amazon, Pretending to Be Green Takes a Lot of Energy. Turns out, growing trees on a tower isn’t all that sustainable.

Trotzdem war der niederländische Expo-Pavillon toll, der auch im Artikel erwähnt wird.

„For Amazon, the Virginia complex is actually its second attempt at an eco-campus. The company’s first headquarters, in Seattle, is essentially a giant greenhouse. The Spheres, as it’s known, enclose vest-clad techies together with 40,000 plants under three gigantic, connected domes. (Both the Helix and the Spheres were designed by the same firm, NBBJ.) The similarities between the buildings’ green aesthetics extend to their respective campuses: Both sites aim to be carbon-neutral in the next two decades. Meanwhile, the buildings at the Virginia headquarters will be heated and cooled by 100 percent renewable energy.

But the dream of carbon-canceling headquarters often obscures the actual ecological footprint of new construction. In a recent interview in Domus, green-architecture pioneer Emilio Ambasz posed a question that highlights the paradox of the eco-fantasy project: “What is the relation between an emerging green-sensitive culture, plant-covered buildings, and all the new — some very valid, but many quite superficial — technologies claiming to produce ‘green architecture’?”“

Der Artikel, der auch andere Beispiele von „grüner Architektur“ beschreibt, endet ziemlich ernüchternd:

„While SCAPE and NBBJ hash out the design details, we should contextualize any sustainability claims about the Helix with something we do know for sure: the environmental impact of Amazon’s business model as a whole. The company is famously mum about its energy use, though it congratulates itself for its net-zero carbon plan, as well as its plan to go all-renewable. But thanks to pressure from its employees, we know Amazon’s true carbon footprint. In 2019, the company emitted 44.4 million tons of carbon dioxide, according to Forbes. That figure rose to 51.1 million tons in 2020. Those emissions put it in the same league as the oil company Chevron, which produced 60 million tons of carbon dioxide in 2019.

No amount of blue vervain or bushy bluestem on a corporate campus will make even the slightest dent in Amazon’s cumulative carbon footprint — from its growing empire of data and fulfillment centers to the delivery-vehicle miles traveled — however sustainable its headquarters are advertised to be. The USDA estimates that a mature tree absorbs 48 pounds of carbon dioxide from the atmosphere annually. This amounts to 0.000000047 percent of Amazon’s 2020 emissions. We can take a moment to appreciate the Helix’s potential for advancing the forest-building concept, but its green intentions only distract us from Amazon’s full ecological impact.“

(via @SusanKlaiber)

Au revoir, Daft Punk. Sad Emoji.

Tagebuch Sonntag, 21. Februar 2021 – Ready to ship

Morgens an den Schreibtisch gesetzt und ihn bis abends nicht verlassen, mit einer kurzen Mittagspause, um „Saturday Night Live“ zu gucken. Das Fußballspiel in Augsburg gegen Leverkusen lief die ersten Minuten mit Ton nebenbei, nach dem 1:0 schaltete ich auf stumm, weil ich lieber das Textdokument fertigkriegen als Fußball gucken wollte. Ich sah das unrühmliche Ende, wie Augsburg in der vierten Minute der Nachspielzeit noch den Ausgleich kassierte, aber wie F. völlig richtig meinte: Hey, einen Punkt mehr als wir erwartet hatten. Augsburg hat Leverkusen in zehn Bundesligajahren noch kein einziges Mal geschlagen und daher ist ein Punkt natürlich super, aber dann trotzdem doof, egal, kurz getwittert und weiter am Dokument gebastelt.

Abends machte ich aus den ganzen Einzelkapiteln wieder ein langes, auch um die Seitenzahlen ins Inhaltsverzeichnis zu schreiben, die natürlich für die Veröffentlichung egal sein werden, aber für den ersten Eindruck dann doch nicht ganz unwichtig. Ich bin dann jetzt doch wieder bei 315 Seiten, was nur gute 40 weniger sind als bei der Diss-Abgabe. Ich hatte mal 70 rausgeschmissen, wollte aber die ganzen Anregungen aus den Gutachten bzw. der Korrektur meines Doktorvaters einpflegen und jetzt sind wir halt wieder bei 315. Aber immerhin in meinen Augen deutlich besseren 315 als vorher.

Heute husche ich noch einmal pro forma rüber, aber eigentlich nur um zu gucken, ob ich auch wirklich alle Markierungen und Anmerkungen für mich selbst rausgeworfen habe, dann wird ein PDF draus und dann darf Vati nochmal drüberlesen. Währenddessen kümmerere ich mich um Verlagsanfragen, denn nun habe ich ja eine Zeichen- und Abbildungsanzahl, mit der ich nachfragen kann, wieviele tausend Euro denn jemand dafür haben möchte, aus dem PDF ein Buch zu machen, damit ich meine Promotionsurkunde kriege und neue Visitenkarten drucken kann.

How Ottolenghi’s bright colours and vivid tastes changed the way we eat

Der Gastro-Kritiker Jay Rayner, den ich sehr aus seinen Masterchef-Teilnahmen mag, guckt sich 15 Jahre nach dem Erscheinen noch einmal das erste Ottolenghi-Kochbuch an und klingt dabei sehr sentimental.

„In 2002 the literary agent Felicity Rubinstein found herself drawn to a white-walled deli that had just opened around the corner from her home in London’s Notting Hill. It was called Ottolenghi and its food display was a riot of colour and promise. Eating it looked like it might be a quick route to feeling good about yourself. “I became rather obsessed with it,” she says now. “I reckoned it wasn’t difficult to make this food. I just had to know what was in it.” Soon Ottolenghi opened an outpost in Islington. Sarah Lavelle, then an editor at Ebury Books, lived close by. “I went down one weekend and people were queueing out the door. I thought, ‘Something’s going on here.’” Merope Mills, then editor of the Guardian’s Weekend magazine, also visited. “I was looking for a new vegetarian cooking columnist,” she says. “And I was struck by all these brilliant-looking salads.”

These three people, all in powerful media positions, were drawn to an extraordinary retail display: of rugged vegetable dishes spiked with chilli and lemon, with the green of fresh herbs against the vivid orange of roast squash; to heaps of buxom cakes, honey-slicked pastries and pert, snowy meringues. Each would play a part in launching a publishing phenomenon; one which has so far shifted around 7m copies worldwide. Its cornerstone is the original Ottolenghi, published in 2008; a book which introduced the UK to the then exotic joys of tahini, sumac and za’atar. It’s not yet 15 years old, but to flick through its pages is to glimpse the self when young, before charring broccoli was a thing. To think, there was a time when all we did was boil it.

“Yotam has literally changed what supermarkets stock,” Mills says now of the Israeli chef and writer, who in the 90s gave up studying for a PhD for a life of cooking in London.“

Roxane Gay on How to Write About Trauma

Monica Lewinsky spricht mit Roxane Gay. Das hat schon gereicht, um mich für das Interview zu interessieren.

L: Does “writing trauma well” fall under the category of what we would normally say is “good” writing? Or does writing trauma well mean that it’s effective in a different way?

G: That’s a good question, and I think a lot of the time what we mean by writing well is very subjective and there can be a lot of different criteria. For some people, writing about trauma well means that it helps them work through something. But is that going to be writing trauma well for an audience? And which audience? You really do have to think through these questions as you’re writing trauma and decide, what is your end goal? And what are you going to consider a success?

L: I’ve written about my trauma and what ends up feeling meaningful to me is when someone connects with it in a way that helps them. You had an outpouring of that after ‚Hunger‘. Did that mitigate some of the experiences you were having with the press? What was that like?

G: It was surprising, because I did not expect the book to resonate with as many people as it did, and with as many people who were not fat. I just thought, Great, I’m going to reach my fat brethren, yay. But living in a body is hard, no matter what that body looks like, and no matter what that body’s ability is. And so people really had a lot to say, and I really felt I had done it well, because so many people came to me. But also because it created a small measure of change. Now, it’s being taught in many medical schools and it is helping doctors rethink how they interact with their fat patients and how they treat their fat patients and how they understand their fat patients. And that, for me, was when I knew I had done okay. Because, that’s such a real problem, fat phobia in the medical profession. And so many fat people go undiagnosed with issues they have every right to seek treatment for. Being fat is not a crime. And so, if the medical establishment can decriminalize fatness a little bit, I will have considered my life a life well lived. […]

L: Do you feel comfortable talking publicly about the healing modalities that you’ve used or are using?

G: […] We don’t talk a lot about the messiness of recovery, because people like to believe that it is a contained and discrete experience. It happens, it’s over, you heal, you move on. You heal, but sometimes the wound reopens, and it heals again and then reopens and scar tissue develops, and so on. I try to also accommodate that in my writing so that people are clear that I’m not offering you some sort of magical solution. This is not therapy. This is just a memoir. It is an accounting of a life…. So many people with trauma feel like they’re failing because they have a bad day or a bad week or a bad year. And you know what? If you wake up, you’re not failing. If you brush your teeth, you’re not failing. And I think if we just have slightly more realistic goals for ourselves than perfection, we’ll be okay.“

Den Satz, den Lewinsky zitiert, mochte ich sehr:

L: Somebody told me this quote a couple years ago and it came to mind as I was reading your essay. It’s from the French writer André Malraux. “You did not come back from hell with empty hands.”

Dieses Bild mochte ich gestern.

Tagebuch Freitag/Samstag, 19./20. Februar 2021 – Fast fertig und Eisessen

Am Freitag beendete ich den ersten anständigen Korrekturgang. Da ich bis zur ersten Abgabe der Diss bereits 800 Korrekturgänge erledigt hatte, was sich in sehr wenigen Fehlern niederschlug auf einer Million Seiten, mache ich nur noch einen weiteren bei der überarbeiteten Fassung, wenn ich aus den ganzen Einzelkapiteln wieder ein großes Dokument schmiede, was heute oder morgen passieren wird. Außerdem muss ich nun die ganzen neuen Bilddnummern einfügen und ja, möglicherweise wäre das mit LaTeX einfacher gewesen, aber jetzt isses egal, ich bin fast durch, weg damit, ich kann es nicht mehr sehen. Aber es ist jetzt deutlich wissenschaftlicher als das Dokument, das ich abgegeben habe, das mir immer mehr wie eine sehr üppige Stoffsammlung vorkommt. Mal sehen, was das Lektorat sagt, das ich mir jetzt endlich gönnen werde, hilft ja nix. Soweit ich weiß, macht der Wunschverlag das nicht von sich aus, ist ja nur ne weitere veröffentlichte Diss, an der sie nichts verdienen, aber ich frage nochmal lieb nach.

Abends Date Night mit Spaghetti and a bottle of red, a bottle of white / It all depends upon your appetite / I’ll meet you any time you want / In our Italian Restaurant. Gemeinsam eingeschlafen.

Wir lungerten Samstag morgen noch ein bisschen im Bett rum, aber nicht zu lange, denn wir hatten einen Termin OMG WIR HATTEN EINEN TERMIN ES GAB DINGE UND ORTE DA DRAUSSEN! Unsere Lieblings-Eisdiele Ballabeni eröffnete gnadenlos im Februar die Saison, was völlig in Ordnung ist bei gestern 13 Grad mittags, die Woche soll es hier bis zu 17 Grad warm werden, das geht ohne Eis natürlich gar nicht.

Mein Radius beschränkt sich derzeit, wie im vorletzten Blogeintrag schon erwähnt, auf Packstation und Edeka, ab und zu spazierengehen, immer mit Maske, mag albern sein, ist mir aber egal, ich will das Zeug jetzt echt nicht noch auf den letzten Metern abkriegen. F. sitzt auch seit jetzt fast einem Jahr im Home Office und außer mir sieht er noch seine Eltern regelmäßig, das war’s. Wir waren 2020 zweimal in der Lieblingskneipe draußen auf dem Gehsteig, zweimal im Biergarten; ich glaube, er war wenige Male öfter auf Parkbänken mit anderen Jungs auf ein Bier, aber kein Vergleich zu den normalen sozialen Aktivitäten halt, kennt ihr ja alle, das ist kein Jammern, sondern ein Einordnen. Die Möglichkeit, in einen anderen Laden zu gehen und was anderes zu machen als zu zoomen, sich DMs zu schicken oder einem Faßbier hinterherzutrauern, war daher etwas ganz Großartiges und deswegen wollten wir sehr weit vorne in der Schlange stehen. Wir waren dann um halb zwölf die Nummer 4 und 5, die ersten beiden im Laden waren zwei kleine Kinder, deren Eltern in gebührendem Abstand warteten. Es gab für mich Birne-Ananas, Mandarine und als Probierlöffel Schokolade. Das Ereignis wurde standesgemäß vor der Fassade des Brandhorst festgehalten.

Wir schlenderten zu den üblichen Eisessen-Bänken, von denen man zwei der drei Pinakotheken sehen kann. Mich überwältigte eine ziemliche Museumssehnsucht. So lange ich zuhause bin, kann ich das meistens ignorieren, dass alles geschlossen ist, aber nun jemandem zuzusehen, der in Sportklamotten Tennisbälle gegen die Betonwand der Pinakothek der Moderne schlug, weil: stört ja keinen, ist ja keiner da außer der Wand, die sich vermutlich auch langweilt, eben dass niemand da war und ich nicht mal eben zu Herrn Protzen konnte, um Hallo zu sagen, war schon scheiße.

Ich will gar keine „Macht alles auf“-Diskussionen anzetteln, die Zahlen in München, die in der letzten Woche ein bisschen runtergingen und endlich wieder unter 30 waren (immerhin), sind seit gestern wieder über 30 und ich ahne, dass ich noch länger nicht zur ollen Autobahn kann. Es macht mich nur weiterhin wahnsinnig, dass ernsthaft wieder Schulen und Kitas geöffnet werden, wo Abstand überhaupt keine Möglichkeit ist, während Bibliotheken und Archive, in denen Menschen schweigend auf festen Plätzen mit Abstand sitzen, weiterhin geschlossen sind. Oder Museen, die rein aus konservatorischen Gründen ziemlich gute Klimaanlagen haben und in denen, wenn es nicht gerade Blockbuster-Sonderausstellungen sind, eh ziemlich wenige Leute unterwegs sind. Mir wäre ein gnadenloser Lockdown von vier Wochen mit Ausgangssperre und allem inzwischen wirklich am liebsten. Wir frieren alles für vier Wochen ein, niemand muss zur Arbeit, alle bleiben mal auf ihrem Hintern sitzen (außer zum Einkaufen, okay) und es fliegt bitte niemand nach Dubai, aber ich ahne, dass das nicht möglich ist, ich weiß, ich weiß. Ich mag nur langsam nicht mehr. Okay, das war jetzt Jammern und kein Einordnen, sorry, musste raus, dann muss sich das F. nicht zum tausendsten Mal anhören. (Jetzt muss er es nur lesen, ENTSCHULDIGUNG!)

Den Nachmittag mit den Effingers auf dem Sofa verbracht. Das ist ein sehr dickes Buch und ich mag es immer noch.

Den Abend versaute ich mir, indem ich die 45-minütige Doku über das rassistische Attentat in Hanau und die Folgen für die Angehörigen ansah. Dringende Anschauempfehlung.

Spaghetti mit Zitronenmandelsauce und Mönchsbart

Das einzig Gute am Lockdown ist, dass die Sterneköche (leider bewusst kein :innen hier), denen ich auf Insta folge, ab und zu Rezepte raushauen, die sie jetzt zuhause zubereiten anstatt in ihren herrlichen Läden. Einer der Kerle ist Jan Hartwig, von dessen Atelier hier in München F. schwärmt, ich war leider noch nie dort. Aber seine Nudeln nachkochen kann ich immerhin.

Für zwei Personen möchte Herr Hartwig 300 g Pasta, das habe ich etwas reduziert. Die Pasta al dente kochen, vom Kochwasser etwas aufheben.

In einem Zerkleinerer
100 g weiße Mandeln mit
der abgeriebenen Schale von zwei Bio-Zitronen und
100 ml Olivenöl zu einer Paste mixen und mit
Salz, Pfeffer und etwas Zucker abschmecken.
Eigentlich soll da auch der Saft von den beiden Zitronen rein; das fand ich etwas zu zitronig, vielleicht versucht ihr mal den Saft von einer und guckt, wie es euch schmeckt. Das ganze noch mit etwas Pastawasser verlängern, damit es sauciger wird.

Den fleischlichen Inhalt von 2 Salsiccia aus seiner Hülle prokeln und in
Olivenöl anbraten. Kurz noch
100 g Mönchsbart, so wie er ist, nicht kleinschneiden, mitbraten.

Pasta mit Sauce, Salsiccia und Mönchsbart in eine vorgewärmte Schüssel geben,
30 g kleingeschnittenen Radiccio dazugeben, alles umrühren, auf Teller verteilen und mit
ordentlich Parmesan genießen.

Ich hatte etwas zu viel Zitronensaft in der Sauce, weswegen mir die Salsiccia nicht genug durchkam; ich fragte mich eh, ob man die braucht oder ob man das ganze nicht auch vegetarisch lassen kann (mit einem Parmesan-Ersatzprodukt wäre es sogar vegan). Das probiere ich auf jeden Fall nochmal – mit weniger Zitrone.

Tagebuch Montag bis Donnerstag, 15. bis 18. Februar 2021 – Korrigieren, Krapfen und kein weiteres Wort mit K, aber ich hätte eins mit M und V

Ich gehöre zu den Menschen, die von der Bundesregierung diese lustigen Gutscheine geschickt bekommen haben, für die man zweimal sechs FFP2-Masken in der Apotheke für nette zwei Euro bekommt. Den ersten löste ich am Montag ein, auch um zu schauen, ob die Masken besser sitzen als die, die ich bei Medisana erstanden hatte. Wie ich seit gestern weiß, sitzen sie ähnlich bis einen Hauch besser, haben dafür aber an den Bändern keine von diesen Klammern, mit denen man die Bänder am Hinterkopf zusammenhalten kann, damit die armen Öhrchen nicht so leiden. Die Klammern mag ich recht gerne, aber die kann ich natürlich auch von einer anderen Maske abzuzzeln. Dafür scheinen mir die Bänder der Apothekenmaske aber nicht lang genug zu sein. Hm.

Ansonsten versackte ich im Abbildungsverzeichnis, hasste wie immer das Urheberrecht, habe keine Ahnung, wie ich an die Rechte der ganzen Bilder kommen soll oder muss, die ich abdrucken möchte und hoffe, dass der Verlag mir da weiterhelfen kann, welcher auch immer es sein wird. Ungefähr 40 Bilder schmiss ich raus, die sind jetzt als Fußnote verzeichnet à la „Farbabbildung bei Davidson 1991, Bildtafel xy.“ (Davidson, Mortimer G.: Kunst in Deutschland 1933–1945. Eine wissenschaftliche Enzyklopädie der Kunst im Dritten Reich, Band 2/1 Malerei A–P, Band 2/2 Malerei R–Z, Tübingen 1991. Dass der erste Band so komisch mit 2/1 bezeichnet ist anstatt mit 1/2, erinnert mich daran, dass ich zu viele Twitter-Threads gelesen habe. Das Buch ist übrigens eher oll, hat aber immerhin viele Abbildungen, die über die üblichen Verdächtigen hinausgehen.)

Abendbrot war Reis mit der restlichen Dan-Dan-Sauce und viel Gemüse und Erdnusstofu.

Keine Zeit zum Anrichten, ich war quasi fast verhungert! Self-care geht vor Instagram.

Dienstag war im Prinzip Montag vom Arbeitsaufkommen und der Tätigkeit her. Ich finalisierte die Bilderliste und versuchte, mit der neuen Nummerierung nicht wahnsinnig zu werden. Durch die wilde Umstellerei meiner Diss stimmt natürlich die Reihenfolge nicht mehr.

Außerdem gönnte ich mir eine winzige Taschenbuchbestellung (okay, zwei Taschenbücher und ein Hardcover).

Mittags spazierte ich durch die Gegend, weil mein Knie vom ewigen Schreibtischsitzen mal wieder zickte. Mir fehlt die übliche Bewegung, die man so kriegt, wenn man nicht nur im Home Office lebt und Angst vor dem Da Draußen hat: der Bummel zum weiter entfernten Supermarkt, der Gang zum weiter entfernten Bäcker, mal zu Fuß zu F., die Radelei zu allen Bibliotheken dieser Stadt. Also muss ich mir allmählich diese Bewegung selber holen, denn mein lustiger Internetsportkurs mag gerne Dinge, bei denen ich das Knie fies beugen muss und das ist gerade eher unangenehm. Ich weiß aber auch, dass sich das durch Gehen bessert, wie praktisch.

Also eigentlich. Mir tut das schon gefühlt etwas zu lange weh, ich will aber ganz dringend nicht zu Orthopäden. Es gibt kaum Ärzte, die so deutlich raushängen lassen, wie widerlich sie dicke Menschen finden, wie Orthopäd*innen, das tut mir nie gut, da hinzugehen. Außer wenn wirklich alles weh tut, aber soweit ist es (noch, OMG, please no) nicht. Sorry fürs Blubbern, ich gehe wirklich nicht gerne zu Ärzten. So viel zum Thema „aber dicke Menschen belasten die Krankenkassen doch so einsfuckingELF!“ – die meisten von uns gehen so selten wie möglich zum Arzt, weil das jedesmal scheiße ist. Leider true story.

Beim Spaziergang ging ich auch über den Markt am Josephsplatz, wo alle brav mit Abstand und FFP2-Maske anstehen, aber ich fand eine Zutat nicht, die ich mir für ein Rezept in den Kopf gesetzt hatte. Also fragte ich Menschen, die sich mit Münchner Bezugsquellen auskennen und bereitete mich auf meinen ersten Besuch am Viktualienmarkt vor. Ich lebe nun seit fast neun Jahren in München und bin noch nie da gewesen.

Abends erneut Reis mit Zeug und Sauce, die wird echt nicht alle, macht aber nichts, ist super.

Mittwoch holte ich die drei Bücher aus der Lieblingsbuchhandlung ab und wurde von der Besitzerin an der Tür erkannt, musste also meinen Namen gar nicht mehr sagen. Besser als Stammkneipe! Damit der Tag richtig gut wurde, gab’s zwei Krapfen vom Bäcker.

Korrigiert bis zum Abwinken. Abends schaute F. unplanmäßig vorbei, das war schön. Es gab mal wieder Käse, der Herr brachte mir Krustis vom Lieblingsbäcker mit, und wir tranken einen der Weine, die F. für irgendeinen Fehlfarbenpodcast mal mitbestellt hatte. Wir ordern ja meist gezielt auf dieses eine Weinthema hin, wollen aber nie nur eine Flasche bestellen, ich kaufe meistens zwei (wegen Finanzen halt), die Jungs nehmen gerne gleich ne Kiste und ballern die mit Zeug vom jeweiligen Winzer zu. Der Mittwochswein stank wie faule Johannisbeeren, schmeckte dann zuerst auch danach, aber irgendwann wurde ein eher belangloser Alltagswein draus. Konnte man trinken, muss man aber nicht nochmal kaufen.

Gemeinsam eingeschlafen hachseufz.


#frauenlesen

Donnerstag. Das große Abenteuer: Busfahren! In die Münchner Innenstadt! (Bei Knieschmerzen ist Radfahren eher doof.) Auf den Viktualienmarkt gehen! Und dann noch fünf Kilo Mehl holen! ES IST ALLES SO AUFREGEND! Also wenn man sonst höchstens zur Packstation oder zum Edeka geht wie ich seit Monaten.

Ich zog an der Bushaltestelle natürlich mein Buch aus dem Rucksack und las, stieg ein, als der (fast leere) Bus kam und wollte weiterlesen, bis mir einfiel: Du bist seit Monaten nicht Bus gefahren! ENJOY! Und das tat ich dann auch, guckte aus dem Fenster und fand den ollen 153er total schnafte. Kinners, wie herrlich ist es, die Ludwigsstraße runterzuschaukeln! Wäre schön, wenn man da in eine Bibliothek gehen könnte, aber naja.

Mit weiterhin Maske auf der Nase zunächst zum Kaufhof am Marienplatz geschlendert durch die fast leere Innenstadt, kannte ich so auch noch nicht. Der war aber noch geschlossen, da hatte mir die Website anscheinend Quatsch erzählt, egal, also zum Viktualienmarkt. Den hatte ich bisher bewusst gemieden, weil er immer voll ist, viel zu teuer und ich glaube, dass da eher Touris hingehen. Nun suchte ich den von der Kaltmamsell beschriebenen Stand, fand ihn auch – aber der gesuchte Mönchsbart war leider „grad weg, kommt aber in 15 Minuten wieder!“ Okaaayyy. Es war übrigens fast gespenstisch leer, aber das war mir recht, weil ich ja Stände suchen musste. Zum zweiten kam ich gar nicht mehr, denn ich sah das Grünzeug beim Stand nebenan, nahm zwei Bünde, noch einen kleinen Radicchio und vier Zitronen – und zahlte 22 Euro, nachdem ich mich von meiner Ohnmacht wieder erholt hatte. Ich zitiere die Freundin der Kaltmamsell, die bei Artischocken zu acht Euro das Stück meinte: „Tiene música?!“ – „Kann die Musik spielen?!“

Noch ein bisschen Salsiccia vom Italiener nebenan, dann bummelte ich zur Kunstmühle und kaufte je einen zweieinhalb-Kilo-Sack Weizenmehl 1050 und Vollkornweizenmehl. Toller Laden!

Danach wollte ich eigentlich die Tram von der Maximilianstraße nehmen, um endlich mal wieder Tram zu fahren, aber ich stand quasi genau zwischen zwei Haltestellen, und so schlenderte ich schwer bepackt wieder zurück zum Odeonsplatz und nahm erneut den Bus zurück.

Morgens hatte an unserem Fahrstuhl ein Schild gehangen, auf dem „Inspektion“ stand, also wusste ich, dass ich in den vierten Stock klettern musste. Treppe rauf ist dem Knie egal im Gegensatz zu Treppe runter, aber ich ahnte, dass das ganze mit Maske nicht so irre viel Spaß machen würde. Also besorgte ich erneut zwei Krapfen als Belohnung. Die waren dringend nötig und sehr gut.

Den Rest vom Tag wieder am Schreibtisch verbracht. Ein paar Tage brauche ich noch, aber dann ist das Ding wirklich durch und mein Doktorvater darf (muss) erneut drüberlesen. Und dann mache ich erstmal ein bisschen Pause von der Autobahn.


Will schon wieder Krapfen. Ein Teufelszeug.

Tagebuch Samstag/Sonntag, 13./14. Februar 2021 – Back-, Lese- und Finalisierungstage

Samstag buk ich Marmorkuchen und Croissants, die aber eher Milchhörnchen wurden, leider kein Angeberfoto für Insta bei rumgekommen. Schmecken trotzdem. Nebenbei rührte ich noch einen Lemon Curd an. Wenn ich meine Hände nicht gerade in Teig oder über Wasserbädern hatte, las ich auf dem Sofa in einem Rutsch Hans Rosenthals Zwei Leben in Deutschland durch. Darüber möchte ich noch ausführlicher schreiben, aber jetzt nicht.

Sonntag saß ich am Schreibtisch und finalisierte die erste komplett korrigierte Textfassung. Heute geht’s ans Lesen, dann muss ich ernsthaft darüber nachdenken, welche Bilder ich wirklich brauche und welche nur nice to have sind, das ist inzwischen auch eine Kostenfrage.

Die nächsten Tage werden daher der Druckfassungs-Endspurt, damit ich endlich bei Verlagen nach Preisen fragen kann, denn dafür bräuchten die eine Zeichen- und Abbildungszahl und genau die habe ich noch nicht. Bis dahin wird es hier vermutlich so ruhig bleiben.

Vielleicht wollen Sie bis dahin die Fotos von F. sehen, die er zur freitäglichen Date Night von einem wie immer hervorragenden Broeding-Menü gemacht hat? Wusste ich’s doch.


Tortillachips mit Huancaina-Sauce. Das gab’s statt dem üblichen Brot vorneweg bzw. bei uns den ganzen Abend lang. Hervorragender Snack.


Causa de Pulpo. Meeresfrüchte und ich werden einfach keine Freunde mehr. Dabei waren Geschmack und Konsistenz vom ollen Tintenfisch wirklich gut, so weit ich das beurteilen kann, aber bei Dingen, die lebend schon eklig aussehen, frage ich mich immer, warum ich sie tot essen soll. Deswegen mag ich auch Lamm.


Zanderceviche, Süßkartoffel, Mais. Was kann bei Koriander und Limette schon schiefgehen? Gar nichts kann da schiefgehen. Der geröstete Mais war super.


Bauernhuhn mit Mole, Clemens’ selbstgemachte Tortilla, Pickles. Genau die richtige Schärfe, prima Tortilla, ich war allerdings so satt, dass ich die Hälfte davon gestern aufwärmte und verspeiste. Schmeckte immer noch sehr gut.


Pina-Colada-Dessert. F. so: „Das kann man nicht vernünftig fotografieren.“ Ich so: „Waff?“


Und der perfekte Wein dazu.