Ramazan pidesi, türkisches Fladenbrot

Wenn ich frische Hefe anbreche, aber nicht ganz verwende, suche ich gerne nach Rezepten, für die ich die Resthefe verwenden kann. Donnerstag und Freitag buk ich über zwei Tage die herrliche Brioche feuilletée; ein großer Rest des Würfels kam gestern in ein türkisches Fladenbrot. Jetzt habe ich immer noch zehn Gramm – da muss ich wohl nochmal die Röschen-Brioche backen. Dann sind die Gefrierfächer aber wirklich voll.

Das Rezept von Koch dich türkisch arbeitet mit Pizzastein und Holzschuber; ich habe stattdessen das Blech im Ofen mit vorgeheizt und dann die beiden Teigfladen nacheinander auf dem heißen Blech gebacken.

20 g Frischhefe (oder 7 g Trockenhefe) mit
1 TL Zucker in
250–300 ml lauwarmes Wasser einrühren und 15 Minuten rumstehen lassen.

In einer Schüssel
450 g Mehl, bei mir Type 550, mit
2 TL Salz mischen.
1 1/2 EL Olivenöl sowie das Hefewasser dazugeben und zu einem mittelmäßig festen Teig verkneten. Bei mir waren dazu noch mindestens 5 Extra-Esslöffel Mehl nötig; ich werde beim nächsten Backen erstmal mit 250 ml Wasser anfangen statt 300 zu verwenden, die im Originalrezept stehen.

Die Schüssel abdecken und den Teig an einem warmen Ort für 45 bis 60 Minuten gehen lassen, bis er sich ungefähr verdoppelt hat. Danach in zwei Teile teilen und zu Fladen in der Größe von 15 bis 18 cm Durchmesser ausrollen. Beide abdecken und für weitere 30 Minuten gehen lassen. Da ich beide nacheinander gebacken habe, habe ich beide auf einzelnen Stücken Backpapier ruhen lassen, damit ich sie danach noch transportieren kann. Wenn ihr beide auf ein Blech bekommt und es auch nicht vorheizen wollt, beide gleich auf dem Blech ruhen lassen.

Den Ofen auf 250 Grad vorheizen, gern mit Pizzastein darin. Hatte ich nicht, ich habe wie erwähnt ein Backblech mit vorgeheizt.

Nun entweder mit einem Messer ein Rautenmuster schneiden oder mit olivenölfeuchten Fingern Löcher in den Teig drücken.

1 1/2 EL Olivenöl mit
1 Eigelb vermischen und die Fladen damit bepinseln, mit
1 TL Schwarzkümmel und/oder
1 TL Sesam bestreuen.

Den vorgeheizten Ofen auf 220° runterschalten und die Pide für 20 Minuten backen.

Brioche feuilletée

Oder anders: ein Mittelding aus Blätter- und Hefeteig. Blättrig wie ein Croissant, buttrig-salzig wie Brioche, ein tolles Zeug. Wieder mal ein Rezept von La Paticesse, wo ihr unbedingt für Phasenfotos vorbeischauen solltet, für die war ich nämlich zu faul.

In einer Schüssel
250 g Mehl (Mischung aus Type 405 und 550, bei mir halbe-halbe),
1 Ei (M),
30 g kalte Milch,
40 g kaltes Wasser,
12 g frische Hefe,
5 g Salz und
30 g feinen Zucker
mit dem Mixer (Teighaken) oder der Küchenmaschine auf kleiner Stufe für bis zu drei Minuten mischen.

Dann nach und nach
60 g zimmerwarme Butter in Würfeln dazugeben, die Mixgeschwindigkeit erhöhen, ca. acht Minuten mischen, bis ein fester Teig entstanden ist. Mit einem Teigschaber zu einer hübschen Kugel formen, in eine saubere Schüssel umsiedeln, diese mit Folie abdecken und alles bei Raumtemperatur anderthalb Stunden gehen lassen. Dann für 12 Stunden oder über Nacht weiterhin abgedeckt im Kühlschrank parken. Bei mir waren es vermutlich so um die 15 Stunden, hat dem Teig nicht geschadet.

Am Backtag
125 g kalte Butter auf eine Größe von 14 x 19 cm ausrollen. Ich nutze dazu Papas alte Holzlineale, die er in den 1950er Jahren bei seiner Ausbildungsstelle geklaut hat; der Arbeitgebername steht noch drauf. Ausrollen geht gut zwischen Backpapier oder in einem Gefrierbeutel.

Nun den Teig entgasen – mehrfach auf die nur leicht bemehlte Arbeitsplatte klatschen – und auf 30 x 20 cm ausrollen, also hochkant. (In der Kunstgeschichte wird die vertikale Zahl immer zuerst genannt.) Nun auf die untere Hälfte die Butterplatte legen und die obere Teighälfte darüberklappen; die Ränder leicht andrücken.

Den Teig um 90 Grad nach links drehen, so dass die „offene“ Seite rechts liegt; La Paticesse nutzt als anschauliches Beispiel ein Buch, das habe ich kapiert: Auf der linken Seite ist der geschlossene Buchrücken, rechts die offenen Seiten.

Nun den Teig ein weiteres Mal ausrollen, bis er 6–8 mm dünn ist. Dabei eher vorsichtig vorgehen, nicht zu viel Druck, nicht zu schnell. Ein liebevolles Ausrollen ist perfekt.

Nun die untere Hälfte eurer Hochkant-Teigbahn bis etwas über die Mitte einklappen. Die obere Hälfte runterklappen, bis sie bündig an der unteren, hochgeklappten Teigkante liegt. Nun diesen doppelten Teig einmal von oben nach unten mittig umklappen, so dass ihr vier Lagen habt. Wieder um 90 Grad drehen, Buchrücken links, alles mit Folie einschlagen und für 30 Minuten im Kühlschrank parken.

Vorletztes Ausrollen: Wieder alles zu einem Hochkant-Rechteck ausrollen, ca. 7–8 mm dünn. Im Gegensatz zu den zwei Touren, die wir eben gemacht haben, gibt’s jetzt nur noch eine: Das obere Drittel nach unten klappen, das untere darüber, wieder um 90 Grad drehen (Buchrücken links) und für 30 Minuten in den Kühlschrank.

Letztes Ausrollen: Die ganze Pracht auf eine Größe von etwas mehr als 36 x 15 cm ausrollen. Ihr braucht für die sechs Brioches Stücke mit den Maßen 6 x 15 cm. Was mehr ist, mit einem scharfen Messer abschneiden, dann blättern die Ränder auch besser auf. Ich habe gleich recht großzügig ausgerollt und die Teigreste zu Mini-Brioches gemacht.

Die sechs Stücke nun zweimal längs einschneiden, oben sollte ein Zentimeter Teig bleiben. Aus den drei Strängen lockere Zöpfe flechten und dann alles einrollen und in eine Briocheform (ca. 8 cm Durchmesser) setzen. Ich habe immer noch keine Briocheförmchen, bei mir musste die Muffinform herhalten.

Die Brioches locker mit Folie abdecken und bei ca. 25 Grad für zwei Stunden gehen lassen, sie sollten sich in der Größe etwa verdoppeln. Falls das in zwei Stunden nicht passiert ist, einfach eine halbe Stunde dranhängen. Habe ich gemacht; so irre warm ist es bei mir nicht und auch meine Bettdecke war anscheinend nicht warm genug. Nicht auf die Heizung oder in den Ofen geben, sonst schmilzt die Butter, was sie erst beim Backen machen soll.

Wenn alles so aussieht wie ihr das haben wollt, die Brioches im auf 180° Ober- und Unterhitze vorgeheizten Ofen für 22 bis 25 Minuten backen. Kurz auskühlen lassen und mit Puderzucker bestäubt servieren.

Tagebuch KW 17 – Protzen, Sokolov, Nakamura

Am Dienstag durfte ich mal wieder in den Vorlageraum des Lenbachhauses, denn die einzige Autobahn von Herrn Protzen, die sich im Depot des Museums befindet, wird im Oktober ausgestellt und ich durfte das Bild vorher besuchen. Ich freute mich darüber, das Ding endlich mal im Original und damit in Farbe anschauen zu können, denn bis zur Abgabe des Verlagsmanuskripts kannte ich die Brücke bei Limburg (1938) nur als Schwarzweißfoto aus dem Nachlass im Kunstarchiv. Es war schlicht nicht möglich, das Original anzuschauen oder auch nur eine Farbaufnahme von dem Ding zu bekommen. Hier den üblichen Rant über unterbesetzte Museen (und Archive, siehe Stadtarchiv) einfügen.

Ich besitze keine Rechte am Foto des Archivs oder gar an Protzens Werken, aber ich glaube, ich kann hier total gefahrlos eine abfotografierte Seite aus meinem eigenen Buch einfügen. Wenn nicht, werde ich endgültig am deutschen Urheberrecht irre.

Am Montag hatte ich in der Stabi noch ein bisschen was gelesen, was möglicherweise auch für die Ausstellung bzw. meine zwei winzigen Texte zu ihr wichtig sein könnte. Beim Lesen stolperte ich über etwas anderes, was für einen anderen Text spannend sein könnte, nämlich den zu Wilhelm Heise, über den es quasi auch nichts Vernünftiges an Forschungsliteratur gibt, den ich aber sehr mag. Seine absolut neusachlich gestaltete Mangfallbrücke (1934) wird in fast jedem Artikel zur Autobahnmalerei als Vorbild hochgehalten; auch sie hängt netterweise im Oktober im Lenbachhaus, das dieses Werk besitzt. Dagegen wird Protzen ziemlich abstinken, aber damit muss der Mann dann klarkommen. Und ich auch, seufz.

Jedenfalls fotografierte ich die vier betreffenden Buchseiten – Scannen ist in der Stabi eine einzige Qual, ich glaube, ich habe in zehn Jahren vier verschiedenen Kopier- bzw. Scankarten erworben, das ist mir inzwischen zu blöd, ich fotografiere –, schickte die Seiten an meinen freundlichen Kontakt im Lenbachhaus – und bekam zu hören, ha, das kam mir doch gleich so bekannt vor, das Buch steht auch bei uns in der Bibliothek. (Gibt es Suchmasken für Museumsbibliotheken und wieso weiß ich sowas nicht?)

Hier der Radiobastler von Heise, hier sein Stiglmaierplatz, den ich beim ersten Versuch immer falsch schreibe. Der Radiobastler war in dem eben erwähnten Buch von 1937 abgebildet, was mich etwas wunderte, und es ist damit eins der acht Millionen Beispiele für die inkonsequente Kunstpolitik im NS.

Bei längeren Wegen oder Spaziergängen höre ich ja neuerdings Hörbücher statt Musik. Atomic Habits war unterhaltsam, ich habe aber vermutlich schon wieder alles vergessen, womit ich in guter Gesellschaft bin; auch Podcasts höre ich neuerdings vermehrt, Ende des winzigen Einschubs. Mein zweites Hörbuch war von Herrn Krömer, was ziemlich gut zum gut gelaunten Rumlaufen war. Das dritte Buch war The Power of Fun von Catherine Price, das ich aus irgendeinem Newsletter fischte. Das habe ich nach knapp zwei Stunden abgebrochen, ich erwischte mich ständig dabei, nach fünf Sätzen nicht mehr zuzuhören. Ist zum Lesen vermutlich nett, zum Hören eher nicht.

Und: Die Definition von „fun“ der Dame kollidierte sehr mit meiner eigenen. Den Punkt, den sie in zwei Stunden dauernd machte, war: Spaß findet in Gesellschaft statt und nicht alleine oder, viel schlimmer, alleine ONLINE! Das Internet ist das Böse, geh doch mal wieder raus und hab RICHTIGEN Spaß. Gut, das Buch ist zu Beginn der Pandemie geschrieben worden, das wird auch thematisiert. Sie beginnt ihr Buch mit der Frage: When was the last time you had fun? Und behauptet dann, dass man sicher darüber nachdenken müsse, und wenn man das tue, fiele einem auf, dass man beim Spaßhaben vermutlich nicht alleine gewesen war.

Lustigerweise war meine erste Assoziation zur Frage, wann ich das letzte Mal richtig Spaß hatte: Gestern, als ich im ZI saß und 1000 tolle Dinge gelesen habe. Die zweite Assoziation, und ich habe keine Ahnung, wie mein Gehirn die aufrufen konnte, aber seitdem denke ich dauernd daran: ein Vormittag im Schwimmbad. Aber eben nicht in Gesellschaft in den Sommerferien mit Eis und Pommes. Sondern ein Herbsttag, vermutlich kurz vor der Schließung der Bäder fürs Jahr. Ich war, keine Ahnung, 12? 13? und ich war ganz alleine im Becken. Es regnete leicht, der Himmel war grau, und ich hatte das ganze herrliche Schwimmbecken mit seinen acht 50 Meter langen Bahnen für mich alleine. Ich weiß noch, dass mich das nervte, dass der Bademeister mir zuguckte, aber wo sollte er denn auch sonst hingucken, wenn außer mir niemand da war. Aber das ist nicht die Haupterinnerung: Die Haupterinnerung war: Ich habe das ganze – riesige – herrliche – Bad für mich alleine und nichts und niemand nervt und es ist sogar genau das Wetter, was ich mag.

Ich ahnte, je länger ich das Buch hörte, dass meine Definition von Spaß vielleicht eher mit Glück oder Zufriedenheit umschrieben werden könnte. Aber trotzdem hatte ich keine Lust mehr darauf, mir ständig sagen zu lassen, dass ich nur in Gesellschaft echt jetzt mal gut drauf sein könne.

Apropos alleine: Ich gehe auch nicht gerne in Fitnessstudios, sondern hüpfe lieber alleine in meinem Arbeitszimmer rum. Vor allem, weil mich als dicken Menschen dort niemand sieht.

What the Fitness Industry Doesn’t Understand

„For decades, exercise instruction for adults has functioned on largely the same principle. What the fitness industry calls a “beginner” is usually someone relatively young and capable who wants to become more conventionally attractive, get swole, or learn a trendy workout such as high-intensity interval training or barre. If you’re a novice looking for a path toward these more intense routines, most of the conventional gyms, fitness studios, and exercise experts that offer them don’t have much for you—come back when you’ve developed on your own the endurance and core strength to avoid barfing, crying, or injuring yourself in the first 10 minutes. The situation is even worse if you have no designs on getting ripped and instead just want to build a baseline of capability, whether that’s for hoisting your toddler, shaking off the stiffness of a desk job, or living independently as you age.

On the surface, this is pretty dumb. More than three-quarters of Americans don’t currently hit the CDC’s recommended minimums for regular exercise, and the fitness industry is a graveyard of once-buzzy businesses that abruptly stopped growing—much to their investors’ chagrin—at least in part because they never had a plan to turn anyone into a customer who wasn’t already pretty fit. But the numbers suggest that there is enormous demand for services such as Liu’s: His super-popular videos make him just one recent example of the teachers and trainers who have found significant audiences by courting true beginners. In doing so, they’ve created entry points for more types of people to do something near-universally regarded as essential to mental and physical health. Why has the industry itself been so slow to catch up?“

Ich erwähne mal wieder den Kurs, den ich bei Daily Burn jetzt zum vermutlich vierten Mal durcharbeite, unterbrochen von anderen Videos oder halt Spaziergängen: True Beginners. Weil dort ein freundlicher Trainer nett zu mir ist, mich relativ simple, aber in ihrem Gesamtpaket durchaus herausfordernde Übungen machen lässt, die ich auch mit meinem Körperumfang und meinen teilweise nicht mehr ganz funktionierenden Körperteilen machen kann. Und wenn ich was nicht kann, werde ich nicht angebrüllt.

„As it turns out, you can’t just teach millions of children that exercise is painful, humiliating, or a punishment for their failures and expect them to swan into adulthood with healthy, moderate beliefs about their bodies. Instead, they follow the lessons they’ve learned about themselves, and about exercise: Some people avoid ever entering a gym again and shy away from activities that might draw attention to their physical capabilities, such as hiking or dancing. […]

The responsibility for figuring out how to help more people find accessible introductions to exercise usually falls to the people who actually need these services in the first place, or to those who were clued into that need in intimate ways. Liu began making his instructional videos after his mom passed away in early 2020; he had spent the previous several years caring for her after a debilitating stroke. “I always think about, Would this be able to help her if she were still around?” he told me. “It never hurts to add an easier step.”“

Danke an das Team der Goldenen Blogger für die Zusendung meines kleinen Preises (Langstrecke). Am Abend der Verleihung war ich gerade in Wien. Aber das Plastikmännchen hat einen guten Platz auf dem Regal neben dem Promotionsbär und Det bekommen, und man sieht es prima in Zoomcalls mit mir.

Und ich habe jetzt endlich was, mit dem ich die Oscar-Dankesrede für das beste Original-Drehbuch üben kann, die ich seit 30 Jahren perfektioniere, was besser ist als eine Mundwasserflasche oder früher eine Haarspraydose.

Am Freitag führte mich F. mal wieder zum Essen aus. Wir waren zum vierten Mal bei Tohru Nakamura, der inzwischen in der Schreiberei kocht. Ich wollte nicht fotografieren, nur genießen. Das Brioche habe ich dann aber doch ablichten müssen, einfach weil die Perspektive von meinem Stuhl aus so perfekt war.

Der ganze Abend war perfekt, wie ich schon auf Insta zum selben Foto schrieb: All killer, no filler. Jeder Gang großartig, jeder Wein großartig, Service wie immer großartig, alles ganz großartig. Sehr beglückt nach Hause spaziert.

Und Samstag waren wir dann schon wieder unterwegs: Dieses Mal ging’s zu Grigory Sokolov, den ich noch nie live gehört hatte. Der Herkulessaal bleibt bei Konzerten eigentlich recht gut erleuchtet, auch das Publikum sitzt eher im Hellen. Hier nicht. Die einzigen Spots beleuchteten den Pianisten und seinen Steinway, der Rest saß im Dunkeln, und ich war hingerissen. Beim ersten Akkord kamen mir sehr unerwartet die Tränen. Es ist anscheinend immer noch nicht wieder normal, Livemusik zu hören.

Es gab Schumann und davor Beethoven und Brahms, mit denen ich besser klarkam. Aber damit nicht genug: F. meinte schon im Vorfeld, als er das letzte Mal Sokolov gehört hatte, lachte neben ihm ein Paar, ach, der Sokolov wieder mit seinen sechs Zugaben. Ich wartete daher gespannt darauf, wieviele es am Samstag wurden. Überraschung: Es wurden sechs. Und immerhin ein Stück erkannte ich, weil ich die CD habe.


Orecchiette mit Speck und Erbspüree.

Ich hatte schon öfter vegane Ersatzprodukte für Fleisch ausprobiert, Burger Patties, Hack, war aber alles eher doof. Von den fleischfreien Produkten der Rügenwalder Mühle hatte ich aber nur Gutes gehört, also dachte ich mir, letzter Versuch und dann esse ich einfach weiter Fleisch, verdammte Axt, aber hey: Das „Hähnchen“filet war wirklich gut! Geschmack, Mundgefühl – alles prima. Ich werde mich weiter durch die Produktpalette essen.


Das erste Filet hatte ich nur simpel angebraten, das hier bekam eine schöne Chilisauce.

Gaeng garee – Gelbes Curry nach „Hot Thai Kitchen“

Ein Rezept aus Pailin Chongchitnants herrlichem Buch „Hot Thai Kitchen“. Man kann ihr auf YouTube dabei zusehen, wie sie zuerst die Currypaste herstellt und danach das Curry kocht. Das untenstehende Rezept reicht für ein Curry für drei bis vier Leute. Oder man isst es allein an zwei Tagen hintereinander.

Für die gelbe Currypaste

1 1/2 TL Koriandersamen,
3/4 TL Kreuzkümmelsamen sowie
1/4 TL weiße Pfefferkörner rösten, bis sie duften. Etwas abkühlen lassen, dann in einer Gewürzmühle fein mahlen.

8–10 große getrocknete rote Chilis ebenfalls fein mahlen. Oder sie in Wasser einweichen und im Mörser fein zerstampfen; das dauert aber ewig und nervt. Mahlen ist super.

In einem großen Mörser
2 EL fein gehacktes Zitronengras,
1 EL fein gehacktes Galangal,
1 EL fein gehackten Ingwer mit
1 TL Salz zu einer feinen Paste zerstampfen.

2 TL Currypulver,
3/4 TL Kurkuma und die vorhin gemahlenen Gewürze untermischen. Ganz normales Currypulver aus dem Supermarkt.

1/4 Cup Schalotten sowie
2 EL fein gehackten Knoblauch dazugeben und zerstampfen.

Abschließend 1 TL Shrimp Paste (gapi) dazugeben und zerstampfen.

Wer einen Zerkleinerer nutzt: Die ganzen Rhizome, Schalotten und Knoblauch zerkleinern, dann die Gewürze, dann die Shrimp Paste dazugeben.

Jetzt geht’s ans eigentliche Kochen. In einem Topf oder einer tiefen Pfanne

3/4 Cup Kokosmilch bei mittlerer Hitze reduzieren, bis sie sehr dickflüssig ist und sich das Kokosöl sichtbar trennt. Falls ihr behandelte Kokosmilch erwischt habt, bei der genau diese Trennung verhindert wird – egal, einfach einkochen und ignorieren. Aber die split milk verleiht dem ganzen diesen schönen fettigen Glanz.

Wenn die Kokosmilch dick eingekocht ist, die Currypaste hinzugeben und für drei bis vier Minuten anschwitzen, dabei immer rühren, bis ihr eine schöne dickliche Masse habt.
1 weitere Cup Kokosmilch dazugeben.

Und nun könnt ihr reinwerfen, was ihr möchtet. Chongchitnant nutzt Huhn und Kartoffeln; ich habe stattdessen Tempeh in einer weiteren Pfanne angebraten, nur einen Berg Gemüse in der Currymischung gekocht und den Tempeh ganz zum Schluss untergehoben. Gewürzt wurde mit
2 EL Fischsauce,
1 1/2 EL Palmzucker.
Die 1 1/2 EL Tamarindenpaste habe ich vergessen. Hat auch so sehr gut geschmeckt.

Tagebuch KW 16 – Keine Reservierung, keine Klicks, keine Küche

Yay, endlich sind die Ostertage rum und ich kann wieder in Bibliotheken!

Am Dienstag saß ich im ZI, am Mittwoch wollte ich in die Stabi, wo bergeweise Zeitschriften für mich lagen, die im ZI leider nicht vollständig vorhanden waren. Ich setzte meine Maske auf, wusste, dass ich keinen Impfausweis mehr vorzeigen musste und wollte durchs Drehkreuz in den Allgemeinen Lesesaal, als der Kartenleser mir sagte: Is nich. Mir fiel ein: Ach ja, man muss ja einen Platz reservieren, damit nicht so viele Leute auf einmal reinkommen. Aber ich dachte, die Pandemie sei vorbei? Nun gut.

Ich lud die Reservierungs-App aufs Handy, schnappte mir einen Platz, ging erneut zum Kartenleser und dann erfolgreich in den Lesesaal. Die Abklebungen auf einzelnen Tischen waren weg, es standen wieder überall Stühle, man durfte sich anscheinend wieder ballen. Ich behielt die Maske lieber auf, aber damit war ich klar in der Minderheit.

Nach getaner Arbeit wollte ich in den Lesesaal Alte Handschriften, denn einige Materialien kommen eben nicht in den Allgemeinen Lesesaal, sondern in die kleineren Speziallesesäle, ich habe auch nach zehn Jahren nicht verstanden, wann wo was hinkommt; wenn mir das OPAC einen Lesesaal vorgibt, klicke ich den an und fertig. Das System wollte also, dass ich zu den Handschriften ging, wo ich natürlich auch keinen Platz reserviert hatte. Das ging mit der App auch nicht, mit der kann man nur den Allgemeinen Lesesaal reservieren. Ich war zu faul, meinen Laptop aufzuklappen und mir mit dem Handy einen Hotspot zu basteln, denn die Stabi hat seit ein paar Wochen aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen kein eigenes WLAN mehr, sondern nur noch das Bayern-WLAN, was, warum auch immer, gefühlt irre langsam ist und einige meiner Websites nicht öffnen mag wegen irgendwelcher Protokolle, mir egal, gib mir Netz, wieso ist das so kompliziert? Ich stand also an der Pforte des Lesesaals, gab zu, keine Reservierung zu haben, die freundliche Pforte fragte hinten nach, ich durfte rein – wo ich aber sofort von einer Bibliothekarin angehalten wurde: „Das ist jetzt aber eine absolute Ausnahme!“ Ist klar, vielen Dank, sorry für die Umstände, bin in 20 Minuten wieder weg. „Was haben Sie denn genau bestellt?“ Äh. Keine Ahnung. Wenn ich Zeitschriftenberge ordere, weiß ich nie, wo was liegt, sondern räume einfach mein Regalfach leer und freue mich über alles. Ich so: „Das Bild vielleicht?“ „Ich gucke mal nach, ob’s schon da ist.“ Ich mache es kurz: Sie brauchte mein Passwort, um das zu überprüfen, ob hier überhaupt was für mich läge, obwohl das System mir ja gesagt hatte, dass dem so ist, egal, sie reichte mir ihr Keyboard an der sinnlosen Plastikscheibe vor ihrem Schreibtisch vorbei, ich tippte, sie nickte, das ganze dauerte zehn Minuten, dann durfte ich endlich in den Lesesaal – wo mir der freundliche Mitarbeiter sagte, dass hier nichts für mich läge, aber im Lesesaal Karten.

Ich zog also wieder von dannen, war dieses Mal aber geschlagen, bastelte mir im Zwischenfoyer einen Hotspot mit vernünftiger Geschwindigkeit, bat um einen Platz im Lesesaal Karten, wartete und daddelte am Handy, und zog sofort los, als die Bestätigungs-Mail wenige Minuten später da war. Im Lesesaal grinste die Bibliothekarin: „Sie sind bestimmt Frau Gröner? Reservierungsbestätigung von vor zwölf Sekunden?“ (Frau Doktor Gröner, bitte schön.)

Immerhin lohnte sich der ganze Kram; ich fand zwar nicht das, was ich für den kleinen Katalogbeitrag fürs Lenbachhaus gesucht hatte, aber stattdessen schönes Zeug zur Autobahn, das in mein langes Dokument „RAB alles“ kommt, von dem ich noch nicht weiß, was ich damit anfangen werde, aber irgendwas wird dabei schon rauskommen. Ich bin mit dem Thema auch nach der Diss gefühlt noch nicht durch, sondern habe gerade erst damit angefangen.


Jemand hat einer der schönen Grabskulpturen auf dem Alten Nordfriedhof Blumen in den Schoß gelegt und F. war netterweise vor Ort, um es zu fotografieren. Ich finde es wunderschön.

Why the past 10 years of American life have been uniquely stupid

Langer, lesenswerter Artikel im Atlantic – mit Quellenangaben. Autor Jonathan Haidt veröffentlichte zum Artikel ein Google Doc, in dem er alle Studien aufzählt, die er genutzt hat. Ebenso lesenswert.

„The high point of techno-democratic optimism was arguably 2011, a year that began with the Arab Spring and ended with the global Occupy movement. That is also when Google Translate became available on virtually all smartphones, so you could say that 2011 was the year that humanity rebuilt the Tower of Babel. We were closer than we had ever been to being “one people,” and we had effectively overcome the curse of division by language. For techno-democratic optimists, it seemed to be only the beginning of what humanity could do.

In February 2012, as he prepared to take Facebook public, Mark Zuckerberg reflected on those extraordinary times and set forth his plans. “Today, our society has reached another tipping point,” he wrote in a letter to investors. Facebook hoped “to rewire the way people spread and consume information.” By giving them “the power to share,” it would help them to “once again transform many of our core institutions and industries.”

In the 10 years since then, Zuckerberg did exactly what he said he would do. He did rewire the way we spread and consume information; he did transform our institutions, and he pushed us past the tipping point. It has not worked out as he expected. […]

Historically, civilizations have relied on shared blood, gods, and enemies to counteract the tendency to split apart as they grow. But what is it that holds together large and diverse secular democracies such as the United States and India, or, for that matter, modern Britain and France? Social scientists have identified at least three major forces that collectively bind together successful democracies: social capital (extensive social networks with high levels of trust), strong institutions, and shared stories. Social media has weakened all three.“

Ich bin mir nicht sicher, ob der Artikel zu schwarz sieht, aber er spricht einige bemerkenswerte Punkte an, die ich so gar nicht auf dem Schirm hatte. Die Multiplikationsfähigkeit durch den Retweet- oder Share-Button zum Beispiel, mit dem die Algorithmen nun gefüttert wurden.

„Before 2009, Facebook had given users a simple timeline––a never-ending stream of content generated by their friends and connections, with the newest posts at the top and the oldest ones at the bottom. This was often overwhelming in its volume, but it was an accurate reflection of what others were posting. That began to change in 2009, when Facebook offered users a way to publicly “like” posts with the click of a button. That same year, Twitter introduced something even more powerful: the “Retweet” button, which allowed users to publicly endorse a post while also sharing it with all of their followers. Facebook soon copied that innovation with its own “Share” button, which became available to smartphone users in 2012. “Like” and “Share” buttons quickly became standard features of most other platforms. […]

One of the engineers at Twitter who had worked on the “Retweet” button later revealed that he regretted his contribution because it had made Twitter a nastier place. As he watched Twitter mobs forming through the use of the new tool, he thought to himself, “We might have just handed a 4-year-old a loaded weapon.”“

Netterweise hat der Autor Tipps, wie man den Geist teilweise wieder in die Flasche bekommen könnte. Den hier fand ich sehr sinnvoll:

„The Facebook whistleblower Frances Haugen advocates for simple changes to the architecture of the platforms, rather than for massive and ultimately futile efforts to police all content. For example, she has suggested modifying the “Share” function on Facebook so that after any content has been shared twice, the third person in the chain must take the time to copy and paste the content into a new post. Reforms like this are not censorship; they are viewpoint-neutral and content-neutral, and they work equally well in all languages. They don’t stop anyone from saying anything; they just slow the spread of content that is, on average, less likely to be true.“

In Venedig hat die Biennale begonnen, wo Maria Eichhorn den deutschen Pavillon bespielt. Der Pavillon wurde im „Dritten Reich“ umgebaut und dem Stil des Neoklassizismus angepasst; Eichhorn hat nun Wandverkleidungen abschlagen lassen, um die Backsteinmauern dahinter freizulegen; Löcher im Fußboden zeigen die alten neben den neuen, also den in der NS-Zeit gegossenen, Fundamenten. Hier ein paar bewegte Bilder.

Ich kannte Eichhorn unter anderem von der letzten documenta, wo ich interessiert ihre Studien zu Rose Valland bzw. generell der Provenienzforschung betrachtet habe. Das NS-Thema ist also nichts neues für die Künstlerin. Eichhorn geht es nicht nur um das Freilegen der NS-Strukturen (ich lasse diese Doppeldeutigkeit mal stehen), sondern generell um die Idee, was mit Gebäuden bzw. den Platz, auf dem sie stehen, passiert, wenn man sie sich wegdenkt. Eine ihrer Ideen war es, den kompletten Pavillon zu relokalisieren, aber davon scheint sie Abstand genommen zu haben; der Plan ist noch im Katalog zur Arbeit beschrieben.

Auf Twitter kritisierte Kia Vahland den Pavillon in einem lesenswerten Thread. Sie kann die besondere Ästhetik der Arbeit Eichhorns schätzen, meint aber auch: „Ein totalitärer Staat bombt gerade eine europäische Demokratie in Ruinen, und die sind nicht formschön. Löcher im Boden sind in der Ukraine Massengräber. Tiefere Kellerebenen Luftschutzräume. Der 24. Februar war auch eine Zeitenwende der Bilder.“

Und weiter: „Der Eindruck nun ist fatal: Deutschland kreist mal wieder um sich selbst. Mag die Welt zusammenbrechen, wir dekorieren unsere alten, selbst verschuldeten Wunden.“

Dem kann ihre SZ-Kollegin Catrin Lorch etwas entgegensetzen:

„Vor allem internationale Besucher kritisierten während der ersten Tage, dass die deutsche Kunst den Blick nicht hebt, dass man an der NS-Geschichte klebe wie an einem Unique Selling Point. Diese Kritik übersieht, dass “Relocating a Structure” modellhaft gedacht ist, eine universal gültige Anleitung zum Umgang mit allen auf Ewigkeit angelegten Architekturen. Und die wird gerade dringend gebraucht in Zeiten, in denen aus Regierungen wieder Regime werden und im Krieg in der Ukraine der Bombast der Stalinzeit genauso zerbombt wird wie Wohnhäuser, Fabriken, sowjetische Moderne und brandneue Shoppingcenter. Was anfangen mit den Schichtungen, die von der Geschichte verlassen worden sind? Erst einmal wegdenken. “Relocating a Structure” zeigt, wie es geht. Und überlässt die Vollendung dem Publikum und der Politik. Maria Eichhorn legt nur das Werkzeug bereit.“

Ich fand es spannend, dass beide den Bezug zur Ukraine herstellen, aber zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Und genauso spannend fand ich den persönlichen Eindruck Vahlands, die bei freigelegten Backsteinmauern und Kellern sofort die oben genannten Assoziationen hat, während andere Besucher*innen vielleicht eher an schicke Lofts und genügend Raum für die Modelleisenbahn denken. Erneut wieder: Kunst ist persönlich. Man kann als Künstler*in eine gewisse Rezeption anstreben – und ich ahne, dass Eichhorn genau Vahlands Rezeption nicht geplant hatte –, aber man hat keinen Einfluss mehr darauf, wie ein Kunstwerk rezipiert wird, wenn es erst einmal in der Welt ist.

Ich halte den Vorwurf, ein über Monate geplantes Kunstwerk nun innerhalb von vier Wochen nicht irgendwie auf den aktuellen Kriegszustand umgemodelt zu haben, für etwas unfair. Man darf natürlich fragen, ob dieses Kunstwerk eben genau nur das ist, was Vahland anspricht – unzeitgemäße Nabelschau –, aber meiner Meinung nach ist diese Nabelschau auch in diesen Tagen wichtig und notwendig. Sie mag gerade an aktuellen Geschehnissen vorbeikonzipiert worden sein, aber sie ist nicht sinnlos oder unzeitgemäß. Gerade wenn man sich Quatschbauten wie das Berliner Stadtschloss anschaut, plädiere ich dringend für ein weiteres Nachdenken über den Umgang mit sogenannter belasteter Architektur. Ich persönlich hätte liebend gern dem Palast der Republik einen neuen Inhalt gegeben, so wie hier in München die Verwaltungsgebäude der NSDAP bewusst Kulturorgansationen zur Verfügung gestellt wurden (wie dem ZI). Ich finde die Frage, ob auch der vom NS-Regime umgebaute Pavillon eher eine Leerstelle werden oder ganz neu gebaut werden sollte, viel spannender als von Eichhorns Arbeit zu verlangen, doch bitte irgendwie jede Assoziation zum Ukrainekrieg zu vermeiden. Oder sie zu betonen.


Bibliotheks-Bibimbap. Völlig ausgehungert einfach ALLES auf den Teller werfen.


Avocado auf geröstetem Brot und eine Zimtschnecke.


Das beste Curry, was ich bisher produziert habe: Gaeng garee, gelbes Curry, natürlich nach Hot Thai Kitchen. In ihrem Rezept gibt es noch Huhn und Zeug, bei mir war es nur Gemüse. Der Glanz! Ich habe Muttergefühle für eine Mahlzeit.


Risotto mit Champignons und Steinpilzen.

Seit Montag läuft wieder die beste Kochshow der Welt, „Masterchef Australia“, ich schwelgte schon mehrfach und ausführlich darüber. Dies ist die dritte Staffel mit neuen Juror*innen (endlich immerhin eine Frau dabei), und seitdem ändert sich das Format dauernd. Alles, was ich im eben verlinkten Eintrag geschrieben habe, ist in Grundzügen noch da, aber das Gesamtkonzept verschiebt sich dauernd. So treten in diesem Jahr zwölf Laienköch*innen gegen zwölf Teilnehmende an, die schon mal bei Masterchef Kandidat*in waren und die Sendung teilweise sogar gewonnen haben; gleich drei Sieger*innen sind dabei. Eine davon ist, soweit ich das beurteilen kann, inzwischen fast eine Legende in Australien: Julie Goodwin war 2009 die erste Siegerin der Sendung und ist seitdem ein „household name“.

Seit Montag sind vier Folgen gelaufen, und ich möchte kurz über die letzte sprechen. Die Sendung zeigt nicht nur die Kandidatinnen beim Kochen, sondern unterbricht diese Szenen immer mit dem Talking-Head-Format, also Interviews nach der Sendung, wo die Befragten quasi von außen schildern, was man sieht. Von der ersten Folge an kamen Schnipsel zu Goodwin, die sich fragte, ob sie als, ich paraphrasiere, alte Schachtel mit ihren altmodischen Rezepten überhaupt noch mit diesen ganzen jungen Talenten mithalten könne. In der Donnerstag ausgestrahlten Sendung stand sie mit drei anderen in einem Wettkampf. Sie anderen überboten sich quasi mit Ideen, frittierten Pastateige, mixten Öle, dekorierten Teller. Und Goodwin? Machte eine klassische Paella. Sie gewann die Runde – und zeigte eher gerührte Verzweiflung als Freude, als das verkündet wurde.

Der Guardian hat netterweise ihre Story und ihre Sätze aufgeschrieben, die mich zugegebermaßen zu Tränen gerührt haben, wie übrigens auch einen Großteil der Kandidatinnen im Studio. Goodwin litt schon länger an Depressionen und ließ sich 2020 kurzzeitig einweisen: “I had to do some serious assessment of my mental health and wellbeing … I’d reached a point in my life where I lost my joy. I had to give up my job on the radio – I couldn’t do that anymore – and I actually couldn’t set foot in my kitchen.”

Als der Anruf von Masterchef kam, ob sie teilnehmen wolle, sei ihr erster Impuls gewesen, nein zu sagen. “It’s been a tough couple of years, and I didn’t know if I was able to come back into this environment. My experience last time was that I fell over again and again, and I think I got to the end because every time I fell down I got back up. The phone call to come here was … it was the universe saying ‘It’s time to get back up.’”

Die Sendung ging dann nicht mit der üblichen Vorschau auf die nächste Folge weiter, sondern es wurden Kontaktmöglichkeiten für Betroffene eingeblendet. Das Schlusswort gehörte wieder Goodwin als Talking Head in Richtung der Zuschauenden: “Everybody walks their own way through depression or anxiety. But if I had a message to give it would just be, just don’t give up.”

Wie Kochshows mich immer wieder überraschen können.

Tagebuch KW 15 – Über Kunst lesen, Kunst gucken und ein Bohnensalat

Ich setzte den herrlichen Wien-Urlaub in dieser Woche quasi fort, denn Montag ging ich ins ZI, das ja bekanntlich mein Bällebad ist und mich selbst zu Diss-Zeiten grundsätzlich entspannt hat. Hier fand ich Interessantes für einen zu schreibenden Katalogbeitrag und guckte mir beim Rausgehen die kleine Ausstellung im ersten Stock zu den Olympiaplakaten von 1972 an. Empfehle ich weiter, kostet auch nix.


Die Waldi-CI.

Am Donnerstag gingen F. und ich ins Kunstfoyer und schauten dort eine weitere Ausstellung: Ragnar Axelsson. Where the world is melting. Viele eindrucksvolle Fotos von Gletschern, die bald nicht mehr da sein werden, schneebestäubten Schlittenhunden und karger Fauna im ewigen Eis. Toll. Und ebenfalls kostenlos.

Im Kunstfoyer muss man keinen Impfausweis mehr vorzeigen, es wird aber auf dem Tragen einer FFP2-Maske bestanden. Das ZI bittet immerhin darum, und soweit ich das sehen konnte, machen das auch alle.

Ich musste leider am Samstag nochmal zu Lebensmitteleinkäufen aufbrechen, aber das war okay. Ich verband den Gang zum Biosupermarkt mit einem Spaziergang zum Asiashop, wo ich nur Koriander kaufen wollte, aber dann doch noch thailändischen roten Reis mitnahm und einen philippinischen Kalamansi-Drink. Auf dem Rückweg kam ich an der Agnesstraße vorbei, wo gerade ganz herrlich die Kirschbäume blühen. Ich blieb ein paar Minuten stehen und guckte einfach. Fotografierte nicht, twitterte nicht, guckte nur. Das war schön.

Gestern wachte ich viel zu zeitig auf, als das man es „Ausschlafen“ hätte nennen können, aber nun war ich halt wach – und hatte Lust auf einen Spaziergang. Ich guckte, wie ich mit den Öffis am besten nach Nymphenburg käme und erwartete feiertägliche 20-Minuten-Takte, aber nein.

So ließ ich mich von U-Bahn und Tram zum Schlosspark schaukeln, gab den anderen mit mir ausgestiegenen Fahrgästen ein bisschen Vorsprung, um meine Ruhe zu haben und klickte mein Hörbuch an, mit dem ich eigentlich durch den Park gehen wollte. Dort war ich allerdings unerwartet schon fast am Ende angekommen; zwei Minuten, nachdem ich durch das Eingangstor gegangen war, war das Buch zuende. Ich öffnete ein weiteres, ging los – und stellte nach dem Abbiegen von der großen Zentralachse in die waldigen Seitengebiete fest, dass ich viel lieber den Vögeln, den ganzen Bächen und Kanalzuflüssen und meinen eigenen Füßen lauschen wollte. Da hatte das halbwegs frühe Ankommen doch etwas Gutes; ich war nicht unbedingt alleine unterwegs, aber doch so, dass ich sehr selten vor oder hinter mir Leute hatte.

Ich bestaunte die Gänse und Enten, genoss den Blick auf den kleinen Monopteros, setzte mich auf eine Bank und guckte stumm aufs Wasser und ging schließlich nach über einer Stunde wieder zum Schloss zurück. Das war auch schön.

Als spätes Frühstück gab es Kathas lauwarmen Bohnensalat, an den mich der Blogeintrag der Kaltmamsell gestern erinnerte und für den ich immer (fast) alles im Haus habe. Okay, keine Apfelsüße; ich habe Apfelessigbalsam, das ich mit Wasser verdünne und zu dem ich einen Teelöffel braunen Zucker gebe. Ansonsten gab es gestern weiße Bohnen, Thunfisch, Bataviasalat, Radicchio, Paprika, Mohrrüben, eine winzige rote Zwiebel, Walnüsse und Weintrauben. Gerade sind noch Schnittlauch und Petersilie im Haus und hätte ich eine Orange gehabt, wäre alles perfekt gewesen. So war es fast perfekt.


Die Real-Life-Ansicht, nicht das Insta-Foto. Ikea-Schüsselchen auf dem Sofa, so gehört sich das bei mir. Von diesen Schüsseln habe ich vier und ich hätte zehn kaufen sollen, die benutze ich für alles und nenne sie bei Koch-Großprojekten „prep bowls“, yeah.

Ein neuer Mythos Westen

Interessiert gelesen: dass der sogenannte Westen für viele im sogenannten Osten ein eigentlich unbekannter Sehnsuchtsort war. Der Autor Stefan Kolev twitterte den Link dankenswerterweise, ist sonst hinter der Paywall.

„Diese Sehnsucht nach „dem Westen“ erinnert an den Geist in den Transformationsländern der frühen 1990er-Jahre. In den mittel- und osteuropäischen Ländern gab es eine ähnlich kategorische Ablehnung der alten sowjetischen Ordnung, gepaart mit dem Wunsch, sich als Land auf die Reise nach Westen zu begeben. Was die heutigen Ukrainer mit den Bürgern der damaligen Transformationsländer vereint, ist, dass dieses Streben oft nicht auf eigener Kenntnis des „real existierenden“ Westens basiert, sondern auf Erzählungen und Bildern vom Westen, aus dem Fernsehen oder aus nacherzählten Erfahrungen. Am Anfang des langen Weges nach Westen steht damit der Mythos von einer besseren Welt, die man selbst kaum kennt. […]

Es gab kaum belastbare Erkenntnisse über die Empirie im Westen: Man wusste nicht genau, wie wohlhabend die alte Bundesrepublik war oder wie schnell man aufholen würde. Ebenso wenig hatte man Erkenntnisse über die konstitutiven Institutionen des Westens: Wie genau Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtsstaat funktionieren, war unklar, darüber hatte man nur Erzählungen aus der Vorkriegsgeneration sowie die Verkörperung dieser Ordnungen in Persönlichkeiten wie Reagan, Thatcher und Kohl. Die Erzählungen über die Empirie, die vagen begrifflichen Bausteine und die personifiziert wahrgenommenen Ordnungen verwob man kollektiv zum Mythos Westen.

Die Einsicht, dass Mythen in der sozialen Realität ebenso wichtig sein können wie wissenschaftliche Erkenntnis, ist gerade für Ökonomen konterintuitiv, da ja die Ökonomie wie keine andere Sozialwissenschaft die Rationalisierung der Welt untersucht. Aber die Wertschätzung für ein Denken in verschiedenen symbolischen Formen kann den Ökonomendiskurs bereichern. Der Schlüssel liegt beim Begriff „Symbolpolitik“. Symbolpolitik wird aktuell im Diskurs als Gegensatz zu einer evidenzbasierten, in Zweck-Mittel-Relationen denkenden Wirtschaftspolitik verstanden und damit disqualifiziert. Und doch könnte eine wohlverstandene Symbolpolitik so­wohl bei der Bewältigung des Krieges als auch in der Gestaltung der Nachkriegsordnung eine Schlüsselrolle als Ordnungsprinzip spielen.“

Ist das Kunst oder kann ich das haben? – Über Wolfgang Ullrichs „Die Kunst nach dem Ende ihrer Autonomie“

Christina Dongowski rezensiert Ullrichs neues Buch sehr wohlwollend und beschreibt gleichzeitig, was mein cooles Fach eigentlich so macht. Gerne gelesen.

„Ungefähr seit der Mitte des 19. Jahrhunderts löst dann in immer kürzeren Abständen eine Kunstrevolution die nächste ab: Die Impressionisten gegen die Salonmaler und Realisten, die Post-Impressionisten und Symbolisten gegen die Impressionisten, die Fauves gegen die Symbolisten und Impressionisten, die Kubisten gegen alle anderen, Dadaist*innen und Surrealist*innen gegen Abstraktion. Neue Sachlichkeit gegen Abstraktion, Abstract Expressionism gegen Sachlichkeit und American Realism, Pop Art gegen Abstract Expressionism etc. Immer andere, immer neue künstlerische Techniken und Mittel so zu benutzen, dass selbst aufgeschlossenes bürgerliches Publikum und wohlwollende Kritiker ratlos bis empört davor stehen und sich fragen, ob das tatsächlich noch Kunst sei, wurde zum künstlerischen Imperativ. Zumindest, wenn man sich programmatisch als moderner Künstler verstand.

Die Postmoderne hat daran im Grunde wenig geändert: Als eine letzte große Geste des Sich-neu-erfindens und des Abgrenzens von dem, was Kunst vorher war, verwirft man nun die Ernsthaftigkeit und das quasi geschichtliche Sendungsbewusstsein der Moderne. Schließlich ist alles irgendwie schon mal da gewesen. Was als künstlerische Geste übrig bleibt, sind spielerisch oder zynisch ironische Remakes bereits kanonisierter künstlerischer Positionen: Dann malt man eben die großen Meisterwerke der Moderne kaum modifiziert noch einmal oder exerziert leicht erkennbare Stile der Moderne durch, baut mit Baumarkt- und Bastelmaterial Suprematismus, Konstruktivismus und Minimalismus nach oder lässt Nippes-Figuren als monumentale Statuen aus Stahl oder Industriekeramik fertigen.

Aus der Autonomie des Kunstwerks und der Befreiung der Künstler*innen von ästhetischen, inhaltlichen, sozialen und erzieherischen Ansprüchen von Außen wird eine Pose. Aus Schellings Kunstwerk als höchste Form intellektualer Anschauung, in der man der Unendlichkeit des Geistes gewahr wird, ist ein Spektakel der Beliebig- und Belanglosigkeit geworden. Alle intrinsischen oder normativen Kriterien, um Kunst von Nicht-Kunst zu unterscheiden, haben sich aufgelöst: Alles ist Kunst, nichts ist Kunst. Was als Kunstwerk zählt und was doch „nur“ ein teures Design-Objekt ist oder ineinander gestapelter Müll, liegt nun in der Entscheidungsbefugnis von Gatekeeper-Institutionen wie Museen, Kunsthallen, Galerien, Biennalen, Auktionshäusern oder finanzstarken Privatsammler*innen. Der Status, ein Kunstwerk zu sein, ist etwas geworden, das Objekten von Außen zugeschrieben wird – eine Heteronomie.“


Ich hatte mir in der Biokiste eine Kräutermischung für Grüne Sauce bestellt, die aber anscheinend nicht über die heiligen sieben Kräuter verfügte. Hat trotzdem geschmeckt. (Rechts im Bild die Ikea-Schüssel.)


Linsen und Spätzle und Wienerle nach Tohru Nakamura. Der Mann kann auch Linsen, war ja klar. Die Spätzle kamen bei mir schnöderweise aus der Tüte, wir wollen es ja nicht übertreiben.


Mal wieder Cong You Bing, dieses Mal mit Bärlauch, der auch in der Biokiste lag.


Bananenbällchen aus Immer wieder vegan, bei mir mit Mandel- statt mit Reismehl, weil das halt da war. Großartiges Zeug. Ratet, in welcher Schüssel ich den Teig angerührt habe.

Tagebuch KW 14 – Wien, Wien und Wien

Letzten Sonntag fuhren F. und ich in unseren ersten Urlaub seit vor der Pandemie, also in einem anderen Leben. Es ging nach Wien, wohin sonst, wie schon in unserem letzten Urlaub Ende 2019. Wir nahmen uns nur wenige Ausstellungen im Vorfeld vor, wollten einfach gucken, wie’s uns so ging. Ich hatte recht lange überlegt, ob Wegfahren bei den derzeitigen Inzidenzen so clever sei, aber seit letztem Sonntag (Montag? keine Ahnung) sind in Bayern fast alle Corona-Auflagen weggefallen, während Wien die Maskenpflicht wieder eingeführt hatte. Daher waren wir der Meinung, in Wien sicherer zu sein und stiegen in den Zug.

Abends hatten wir gleich unser erstes tolles Essen gebucht, wo nicht nur halb aufs Zertifikat geguckt, sondern brav gescannt wurde, weswegen ich mich gleich wohler fühlte. Und Wein hilft ja auch immer. Ein herrlicher Abend, wie immer im Mast. Einen Rotwein notierten wir uns, weil wir den dringend nochmal trinken wollen, und ich werde mich noch länger an das perfekt gebratene Onglet mit den Salzflocken darauf erinnern. Wobei mein Lieblingsgang gleich einer der vier Reinkommer war, die gemeinsam am Tisch landeten: Seeforelle mit Goldrübe und Wasabi. Würzig, frisch, leicht und doch selbstbewusst im Mund, ein Traum.

Zu Fuß ins Hotel zurück, wo wir am nächsten Morgen diesen Ausblick genossen. Ich bin zum vierten Mal dort und habe bisher immer auf die Kirche gucken können.


Montag

Der nächste Morgen war generell aber eher ein Albtraum: Ich hatte mies geschlafen und war irgendwie panisch, während F. quasi entspannt war, sobald wir die Grenze überquert hatten. Ich lüftete im Zimmer vermutlich deutlich zu lange durch, atmete beim Frühstück sehr flach und hatte schließlich verspannte Schultern, einen steifen Nacken und war nah am Wasser aus Verzweiflung, nicht schön in meiner sicheren Zuhausehöhle geblieben zu sein.

Aber: Das legte sich alles im ersten Museum. Danke, Kunst. Dort gingen meine Schultern nach unten, der Nacken bewegte sich, weil ich soviel Munch gucken musste, und so langsam fühlte es sich nach Urlaub an. Noch toller als Munch war übrigens die Kombi mit mehreren anderen Künstlern und vor allem Künstlerinnen; mir gefielen die Werke von Marlene Dumas und Tracey Emin am besten, der olle Baselitz fiel so richtig schön ab.


Nichts geht mehr ohne Selfie Wall.


F. so: „Wegen dir kann ich keine Straßenarbeiter mehr …“ Ich so: „WO?!?“ (Edvard Munch, Straßenarbeiter im Schnee, 1920, Öl auf Leinwand.)

Ebenfalls gesehen in der Albertina: den Fotografen Michael Schmidt, der mir kein Begriff war, aber dessen Arbeiten mich sehr beeindruckten. Könnte an der Pubertät in den 1980er Jahren gelegen haben und dem Sonderstatus Berlins vor 1989.

Wir liefen außerdem im Schnelldurchgang durch die Sammlung Batliner, „von Monet bis Picasso“, und fühlten uns kurz wie im Lenbachhaus, wo auch ein Pferd von Marc hängt und alles, was halt zeitlich drumrum gruppiert ist.

Lieblingsbeschäftigung Museumshopgucken.

Unsere Füße wurden platter, aber die Albertina Modern war neu und nicht ganz so weit weg. Wir sahen Ai Weiwei und ich bin zum Fan geworden. Bisher hatte ich den Künstler immer als so richtig und ordentlich und auf die 12 wahrgenommen, aber nie seine ganzen Nuancen. Es läuft gerade die größte Retrospektive von ihm und falls ihr in Wien seid, solltet ihr euch das anschauen.

Dann auch noch die Karlskirche, weil ich den Chorraum da so mag. Ich hatte befürchtet, dass der nur bei Sonnenschein überwältigt, aber nee, ging auch bei bedecktem Himmel.

Spätes Mittagessen beim scharfen Rene. Ich wollte nur irgendwo sitzen, aber Wurst ist auch gut.

Damit war der Tag dann auch fast rum. Wir ruhten uns und die Füßchen aus, dann besorgte F. was von den Five Guys, wir tafelten im Hotelzimmer und fielen übermüdet und (ich) überfordert von so vielen Menschen und Eindrücken nach zwei Jahren Einsamkeit ins Bett.

Was wir bemerkten: Wir sind nach zwei Jahren Pause echt kein Rumstehen mehr gewohnt. Die wenigen Museumsbesuche in den letzten 24 Monaten, wenn sie überhaupt stattfanden, erledigten wir im Schnelldurchlauf, um möglichst bald wieder an der frischen Luft sein zu können. Wir stehen nicht mehr im Stadion oder der Bahn, wir sind nur noch zuhause. Da waren über fünf Stunden Gehen, Stehen, Gucken und Schlendern schon eine Herausforderung. Netterweise haben sich meine Füße daran erinnert, wie das ging mit dem Gehen, Stehen, Gucken und Schlendern und waren am nächsten Tag wieder einsatzbereit.

Dienstag

Bisher hatten wir schöne Ausstellungen, jetzt kamen die nicht ganz so schönen, aber die wollte ich dringend sehen. Die erste lief im Wien-Museum, hieß „Auf Linie“ und befasst sich mit der Reichskammer der bildenden Künste in Wien nach dem sogenannten „Anschluss“. Die anderen Ausstellungen übernahm F., „die hier zahlst du.“ Hätte ich auch, aber die Kassen waren ausgefallen, wir durften umsonst rein, ha!

Für mich spannend waren einige Quellen, die ich so noch nicht kannte; ich kannte die Inhalte, hatte aber noch nie die Quelle an sich vor Augen gehabt (Fragebögen an die Künstler zur Aufnahme in die RKK). Die Namen waren mir fast alle unbekannt, das Prozedere an sich natürlich nicht, das war im „Altreich“ ähnlich. Ich hatte im Vorfeld ein bisschen schlechte Laune wegen der Hängung gehabt, die in der Vorschau auf der Website abgebildet ist. Ich verstehe, dass die Gitter als Depotpräsentation sagen sollen, dass alle Museen bergeweise systemkonforme Kunst aus der NS-Zeit im Keller haben und sich diese Ausstellung auch fragt, ob der Kram da nicht bleiben sollte, aber für mich nimmt diese Art der Präsentation den Arbeiten ihren Nimbus als Kunst. Das habe ich garantiert schon mal geschrieben, aber ich wiederhole das gern: Diese Werke müssen uns heute nicht gefallen, aber sie sind als Kunst angefertigt, ausgestellt und gehandelt worden. Sie verdienen daher auch das Minimum an Ausstellungsnormen wie eine vernünftige Auszeichnung (Werktitel, Künstler*in, Entstehungszeit, Maße etc.). Das hat diese Ausstellung netterweise geliefert, und deswegen verzeihe ich dir die in meinen Augen etwas unfaire Hängung.

Hier im Bild im Hintergrund war dann aber eine hervorragende Idee: An der leeren Gitterwand hing als Schrifttafel ein Verweis auf diese bewusst gesetzte Leerstelle. Sie steht stellvertretend für die vielen Künstler und Künstlerinnen, die durch die NS-Kunstpolitik nicht arbeiten, ausstellen und verdienen konnten oder sogar verfolgt und ermordet wurden.

Die Autobahn war natürlich auch da, und immer, wenn ich dazu etwas lese und sehe, überprüfe ich innerlich, ob ich womöglich eine wichtige Quelle in der Diss vergessen oder übersehen habe. Bisher noch nicht. F. wiederholt gebetsmühlenartig, dass Forschung nie aufhört und ich nie ALLES erfasst haben kann, aber sowas beruhigt mich nie. Herrn Huber und diese Ausstellung kannte ich, ich habe sogar ein Werk von ihm abgebildet.

Dem ganzen Hasskram mussten Kaffee und Schokolade entgegengesetzt werden, wir kauften massenhaft bei unserem liebsten Kakaohöker ein und setzten uns dann für einen Flat White bzw. Espresso vor das Café nebenan, wo auch beim simplen Draußensitzen der Impfnachweis kontrolliert wurde.

Gestärkt luden wir unsere Schätze im Hotel ab und machten uns auf den Weg zur zweiten, thematisch passenden Ausstellung auf: Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum im österreichischen Haus der Geschichte, zu dem wir eine gewisse Zuneigung haben, weil wir in der Eröffnungswoche dabei gewesen waren. Von der Ausstellung hatten wir uns nicht viel erwartet, aber sie war halt da, also guckt man sie sich an. Und dann war sie über alle Maßen spannend und aufschlussreich und wir blieben um die zwei Stunden, um wirklich jedes Kärtchen zu lesen, das die Ausstellenden uns getextet hatten.

Schon den Reinkommer fand ich gut und vertwitterte ihn auch: Man stand vor einer Stellwand mit gezeichneten NS-Objekten (Eisernes Kreuz, ein Dolch, ein Teller mit einem Hakenkreuz drunter, wenn ich mich richtig erinnere, eine Ausgabe von „Mein Kampf“) und konnte auf einer Postkarte markieren, was man damit machen würde, sollte einem ein derartiges Objekt unterkommen: bewahren, zerstören, verkaufen? An drei weiteren Wänden wurden dann diese Möglichkeiten erörtert und man konnte lesen, was Besucher*innen so als Begründung für ihre Entscheidung geschrieben hatten. Eine für „bewahren“ war natürlich immer: einem Museum geben, damit Nachkommende davon lernen können.

Und damit beschäftigte sich dann der Rest der Ausstellung, hier der Anblick im Katalog, ich habe komischerweise selbst kein Foto vom Raum gemacht. An 13 Tischen standen Dinge, die dem Museum einst übergeben wurden, gerne mit der jeweiligen Originalverpackung – Bananenkisten, eine Aktentasche, ein anonymer Großbrief. Das Museum machte deutlich, was an diesen Exponaten so wichtig war, dass man sie aufheben sollte. Textkarten ordneten ein und gaben Hintergrund zu Details des NS-Staats. Das klingt superlangweilig und pädagogisch, aber wie gesagt, wir lasen alles durch. Und während F. sich die Kataloge zu Munch, Ai Weiwei und Schmidt kaufte, kaufte ich die zu den beiden heutigen Ausstellungen. War klar.

F. so: „Auf den ganzen Nazischeiß brauche ich viel Wein.“ Wie praktisch, dass wir abends die zweite Reservierung hatten. Wir gönnten uns ein ewig langes und teilweise völlig irres Menü im Steirereck. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Mit Speisekärtchen für jeden Gang, damit der Service nicht zwei Minuten reden muss. Ich wollte nicht fotografieren oder filmen, ich wollte mir nicht mal was fürs Blog merken. Es war wundervoll.

Mittwoch

Ratet, was wir Mittwoch gemacht haben. Genau: EINE AUSSTELLUNG ANGEGUCKT. Eigentlich sogar mehrere, denn im Mumok läuft ja immer auf allen Stockwerken irgendwas. Ich habe mir Wolfgang Tillmans hart erarbeitet, denn genau wie bei Ai Weiwei stand ich mit ihm immer etwas auf Kriegsfuß. Aber das Foto von Ruth Amberly (2021) mit seinen dutzend Verweisen auf die Kunstgeschichte und die gefühlt unendliche Fotosammlung „Book for Architects“, die als mehrkanalige Dauerschleife lief, versöhnten mich sehr. Und wenn die beknackte Holzbank ohne Lehne im Raum der Installation ein bequemer Stuhl gewesen wäre, hätte ich alle 400 Architekturbilder angeschaut. So tat mir aber irgendwann der Rücken weh, was ich sehr bedauerte. Gut, dass wir Blue Elephant schon vorher angesehen hatten und den Rest des Hauses nur noch durchschlenderten.

Eine WhatsApp-Nachricht kündigte ein mögliches Treffen mit meiner Lieblingskochbuchautorin an; wir müssten uns allerdings testen lassen. Das hatten wir Sonntag vor der Fahrt gemacht, aber ein frischer Test schadet ja nie. Wir ergoogelten uns erstaunt – und gewohnt an die gefühlt drei Teststationen pro deutscher Großstadt für PCR-Tests – ungefähr 700 Orte rund ums Hotel, bei denen man spontan vorbeischauen konnte, entschieden uns für die Apotheke 30 Meter von der Hoteltür weg, zeigten unsere Ausweise, zahlten je 25 Euro, bekamen ein Stäbchen in Nase oder Rachen gesteckt und hatten gute vier Stunden später unsere negativen Ergebnisse auf dem Handy. Sätze wie „So geht das also in zivilisierten Ländern“ wurden ausgesprochen.

Abendessen an einer weiteren Wurstbude.

Donnerstag

EINE AUSSTELLUNG! Dieses Mal waren wir im Künstlerhaus und sahen „Whiteness as property“. Auch toller als erwartet! Der dort ausliegende dicke Flyer ist auch als PDF auf der Website abrufbar und bietet viel Theorie zu den einzelnen, durch die Bank spannenden Arbeiten.

Mir gefiel ein Film von Danica Dakić mit am besten: Er konstrastiert die Geschichte eines Mannes, der seit 20 Jahren zur Dialyse muss, mit der seines Bruders, der stets eine Plastiktüte dabei hat, in die er Müll stopft, der eine bestimmte Stelle eines Parks verschmutzt, in dem er gerne spazierengeht. „The Cleaner“ (2019) spielt im bosnischen Zenica, das, laut Ausstellungstext, „auch architektonisch ein Musterbeispiel einer modernen Großstadt“ war, seit dem Bosnienkrieg aber mit „extremer Umweltverschmutzung und kollektiver Resignation die Schattenseite der Moderne“ erfährt.

Optisch gefiel mir die Installation „Lawn“ (2008) von Lungiswa Gqunta am besten, hier im Ausschnitt zu sehen: In einer hellen Holzplatte stecken mit der Öffnung nach unten zerbrochene Flaschen, in denen grüne Flüssigkeit einen Rasen imitiert. „Während der Rasen als Symbol der besitz-individualisierten Privilegien in der Vorstadt fungiert, sind zerbrochene Flaschen mit verschiedenen Formen des Protests assoziiert (etwa als Molotowcocktail oder wenn sie an Gartenzäune montiert werden).“ Um das „Rasenstück“ war eine Umzäumung gesetzt, die laut eines Aushangs die Besucher*innen schützen sollte. Kuratorin und Künstlerin waren damit überhaupt nicht einverstanden, wie im Aushang zu lesen war: „Die Installation ist nicht dazu gedacht, eingezäunt zu werden, sie thematisiert den Zaun.“

Wir verdauten die Ausstellung mit einem erneuten Besuch beim Kakaohöker, man möchte ja ein kleines Gastgeschenk überreichen. Und für sich selbst noch ein weiteres Kilo Trüffel kaufen, falls das erste nicht reicht. Nach einer kurzen Pause setzten wir uns in die U-Bahn, erwarben noch ein bisschen Gebäck und ließen wir uns von der Gastgeberin herrlichen Earl Grey servieren. Ich bekam außerdem ein Buch geschenkt, aus dem ich seit der Rückkehr schon zwei Rezepte zubereitet habe, die – natürlich – hervorragend waren. Ich bin ein Fangirl.

Abends gab’s erneut sehr gute Wurst, dieses Mal sogar mit Pommes und Chipotle-Majo, und wir wurden immer wimmeriger, weil der Abschied von der Lieblingsstadt nahte. Wir hatten doch kaum was gesehen!

Freitag

Aber man kann ja nochmal IN EINE AUSSTELLUNG gehen. Im Prunksaal (!) der österreichischen Nationalbibliothek (!!) weinte ich innerlich ein wenig über acht Millionen Bücher und schaute dann interessiert eine Ausstellung, deren Flyer wir irgendwo gesehen und seitdem Witze darüber gemacht hatten: „Haha, Tierbilder aus der Sammlung der Habsburger, ist klar.“ Und dann war das, natürlich, aufschlussreich und interessant und schön, vor allem, weil ein bisschen Stadtgeschichte mitschwang, was mir sehr gefiel. Gelernt: Schönbrunn ist der erste Zoo der Welt und die Elefanten hießen früher alle Pepi.

Wir widerstanden der Versuchung, ein drittes Mal Schokolade zu kaufen, holten uns aber noch einen Abschiedskaffee, kauften dann noch Speck auf dem Biomarkt, weil uns der empfohlen wurde, und wir machen ja alles, was uns schlaue Menschen empfehlen. F. schwärmt schon, mein Stück ist noch eingeschweißt und wird vermutlich Teil einer Carbonara werden.

Dann rollkofferten wir zur U-Bahn und zum Bahnhof, ich nieste weiter, wie schon die ganze Woche, verdammte Fiaker oder verdammte Pollen, keine Ahnung, nutzten ausgiebig das Desinfektionsmittel für die Hände, was gratis im Hotel zum Mitnehmen rumgestanden hatte und ließen uns dann wieder nach Deutschland fahren. Dieses Mal mit Grenzkontrolle direkt auf deutscher Seite, was den Zug um 42 Minuten verspätete und uns noch nöliger ankommen ließ als eh schon.

Seufz. Aber seufz mit vollgestopftem Kopf und Gutem für den Bauch im Gepäck. Immerhin das. Und wieder nicht im Stephansdom gewesen, das ist unser Running Gag. Armer Dom.

Tagebuch KW 13 – Heißwasser, ein Steinway und Fotografie

Vor einigen Wochen kam hier im Haus ein Schreiben an alle Bewohner*innen, dass die Warmwasserversorgung nicht mehr so ganz tiptop sei. Ach was. Das Haus ist aus den 1950er Jahren, glaube ich, können auch die Sechziger sein, daher habe ich es für eine schlichte Alterserscheinung gehalten, dass es recht lange dauert, bis das Wasser aus meinem Hahn zum Beispiel heiß genug für eine Wärmflasche ist. Oder dass die Dusche kurz eiskalt wird, wenn jemand im Stockwerk unter oder über mir die Spülung betätigt. Und auch, dass in den vergangenen Monaten das warme Wasser manchmal ohne jeden Wasserdruck aus der Dusche kam und sich die morgendliche Körperpflege anfühlte wie durch einen Sommerregen zu laufen. Weil: Das ist ja eigentlich ganz nett, durch Sommerregen zu laufen.

Das Schreiben informierte uns, dass im Keller an den Leitungen jetzt echt mal Hand angelegt werden würde. Die Kellereingänge blieben den ganzen Tag offen, und man hörte dort eine Woche lang ein ständiges Rauschen. Die einzelnen Wohnungen wurden hausseitenweise abgearbeitet, also zuerst die ganzen rechts vom Treppenhaus, dann die mittigen, und diese Woche war meine Hausseite dran. Morgens kam ein freundlicher Herr der Sanitärfirma vorbei, die vorher informative und gut geschriebene Zettel verteilt hatte, was auf uns zukäme: Morgens wird das Warmwasser in jeder Wohnung einzeln abgestellt, das kalte ist weiter für alles verfügbar, und nachmittags kommt dann nochmal jemand in die Wohnung, um den Warmwasserhahn wieder aufzudrehen. Tagsüber war eben dieser versiegelt; auf dem neonroten Siegel stand (in Kurzfassung) FINGER WEG SÄURE ECHT FIES LASS ES! Ich musste außerdem unterschreiben, dass ich das Siegel nicht erbrechen würde. Ich war den ganzen Tag über sehr von dem Ding beeindruckt.

Nachmittags kam derselbe Herr nochmal rum, entfernte das Siegel und drehte die Hähne im Bad und den in der Küche minutenlang auf. Zuerst kam rostrotes Zeug, dann irgendwann Wasser, und schließlich dampfte es, das kannte ich von meinem Heißwasser noch nicht. Ich bekam auch den Hinweis, beim nächsten Händewaschen oder Duschen den Hahn nicht so weit wie gewohnt aufzudrehen, das Wasser hätte jetzt eine höhere Temperatur, erstmal Vorsicht bitte. Das probierte ich natürlich sofort aus, sobald der Herr wieder gegangen war und kann nun erfreut mitteilten: HEISSES WASSER, BABY! Und bis jetzt auch noch kein Druckabfall oder Eiszapfen beim Duschen.

Die Arbeiten im Keller hatten schon vor Wochen begonnen; an, wenn ich mich richtig erinnere, zwei Tagen in der Woche hatten wir überhaupt kein Wasser, auch kein kaltes. Ein Schreiben der Hausverwaltung wies uns darauf hin, uns doch bitte einen Wasservorrat anzulegen; für alle Fälle gäbe es aber auch im Keller eine Trinkwasserausgabe. Da lohnte sich meine Faulheit mal, mein Leergut nicht dauernd zurückzubringen. Ich hätte mir locker 20 Liter abfüllen können, beließ es aber bei acht oder so und brauchte quasi nichts. Eigentlich wollte ich an den Tagen im ZI sitzen, aber dann kam ein kleiner Job rein, und in der Bibliothek lässt es sich doch eher unentspannt telefonieren. (Aka gar nicht, um Gottes Willen, Fresse!)

Am Mittwoch führte ich eine meiner neuen schwarzen FFP2-Masken aus, denn F. hatte mir zu Weihnachten nicht nur eine Konzertkarte für Herrn Levit geschenkt, den wir vor einer guten Woche gehört hatten, sondern auch noch eine für Herrn Trifonov. Der spielte im Herkulessaal Bach, und das war sehr schön. Er brauchte allerdings etwas, bis er mich hatte, ich bin von Levit anscheinend inzwischen die großen Gesten gewohnt, während Trifonov völlig versunken am Flügel sitzt und es einem fast ein bisschen peinlich ist, ihm bei diesen intimen Gesten beizuwohnen. Bei jeder Pianostelle hielt ich den Atem an, so zart und vorsichtig waren sie. Aber irgendwann kam es mir vor, als würde ich nicht mehr im riesigen Saal sitzen mit schmerzenden Knien (verfickter Rang), sondern in einem kleinen Hauskonzert, wo ein freundlicher Herr vor sich hinplinkert, und ich darf netterweise dabeisein. Dankeschön.

Hier das letzte Stück des Abends vor den Zugaben.

Your camera roll contains a masterpiece

Gewagte These, aber Michael Johnston kann das schön begründen:

„The problem is that photography is subversive. It subverts our intentions, desires, and expectations at every turn, in a thousand ways, and then bestows its gifts whimsically and serendipitously. Some pictures work and some don’t, for reasons that are perpetually surprising. More precisely, a few work and most don’t. The late Erich Hartmann, a past president of Magnum, once showed me his friend Henri Cartier-Bresson’s negatives and contact sheets, stored at the famous photo agency’s New York offices in rows of three-ring binders lined up on shelves. Sheet after sheet contained not a single photograph I recognized. Some worked, most didn’t—not even for H.C.B. Happily, there’s another side to the equation. If you take enough photographs, it’s almost inevitable that you’ll eventually get an extraordinary one, for reasons you might not understand.“

Damit meint der Autor nicht, dass ein blindes Huhn auch mal ein Korn findet, sondern dass Fotos für jede*n Betrachter*in etwas anderes aussagen. Der Klassiker der Kunst-Rezeption: Du siehst, was du weißt. Oder wie Johnston es ausdrückt: Du siehst, was du sehen möchtest.

„How do you decide what’s good—what to keep, what to delete? A first step is to look more carefully, with new eyes. Give each picture time to breathe. We launch our camera apps for sentimental reasons (a cute puppy!), for status signalling (look who we’re with!), for comfort against insecurity (does this shirt fit?). But try forgetting why you took the pictures in the first place. Look for subversive photos that wriggle out of the intentions with which they were taken. Some pictures will stir your soul and cause a rustle of recognition. Others will seem to touch something deeper—a mystery, a meaning, some subtle sort of grace. (I once found a still-life that looked like art in a china catalogue.) A photo might freeze a movement, or capture a gesture, or look unlike any picture you’re used to seeing. Why does a particular color seem as familiar as a long-forgotten scent? Which photograph makes you pause and look the longest? […] Looking is about more than just noticing the visual qualities of a photograph. It’s also about giving yourself time to feel.“

Ich musste sofort an meine 1000 Essensbilder denken, von denen wenige auf Insta landen. Ja, ich kenne alle Scherze darüber, dass sich niemand dafür interessiert, dass du Fischstäbchen zum Mittag hattest, aber ich kann mich ständig an Fischstäbchen von 2012 oder Kuchen von 2015 oder Thai Curry von 2021 erfreuen, weil mich diese Bilder daran erinnern, wie lange ich mit Essen gehadert habe und wie wenig ich es jetzt tue. Essen, Kochen, Backen sind täglicher Quell der Freude, eine kleine Meditation, ein Aufbruch in neue Geschmäcker und Gerüche und jedesmal eine Freude. Und deswegen freuen mich Fotos davon.

Ich weise mal wieder auf einen meiner liebsten Street-Photography-Accounts auf Insta hin, WomenInStreet, wo diese Woche die Fotografin Kirsty Greenland kuratiert. Ihre Rückenansichten fand ich toll.

Linus Rapp: Die bunte Plakatwelt der Olympischen Spiele in München 1972

Ein wirklich spannender Vortrag über, genau, die Olympiaplakate von 1972. Der Vortragende erklärt nicht nur den Unterschied zwischen diesen und älteren Plakaten zu den Olympischen Spielen, sondern erzählt auch generell was zu Plakatkunst und Typografie Ende der 1960er Jahre, als sie gestaltet wurden. Viel gelernt.

Ich erwähnte Essen, auch diese Woche gab’s was, wer hätte es gedacht. Und offensichtlich habe ich immer erst auf dem Sofa fotografiert, wie mir bei der Bildbearbeitung aufgefallen ist. Ähem.


Vollkornspaghetti mit Brokkoli und Erbsen.


Bratreis mit allem und Ketjap Manis. Reiskocherliebe. Wie konnte ich je ohne ihn leben? Ich habe jetzt IMMER gekochten Reis im Haus, um schönen knusprigen Bratreis zu produzieren.


Die Bärlauch-Saison ist eröffnet.


Gajar Matar mit Tofu statt mit Paneer, wie hier verbloggt. Schmeckt auch.

Tagebuch KW 12 – E-Mail-Signatur geändert

Am Montag spazierte ich ein vermutlich letztes Mal ins Prüfungsamt und holte mir meine Promotionsurkunde ab. Hier im Bild mit dem BA- und dem MA-Zeugnis. Der etwas schickere blaue Ordner ist für den Doktortitel.


Im Anschluss änderte ich meine E-Mail-Signatur bzw. trug den Titel vor meinem Namen ein. Komischerweise hat sich das wichtiger und bedeutungsvoller angefühlt als ein Stück Papier aus der Uni zu tragen.

Auf Twitter stellte eine Historikerin eine gute Frage, ich zitiere den Tweet:

„Liebe #twitterstorians, kennt ihr Tipps zum Umgang mit psychisch belastenden Quellen? Wie grenzt ihr euch ab? Wir arbeiten im SoSe mit Gewaltdarstellungen. Möchte die Studis damit nicht allein lassen und würde gern auch eine Einheit “Selbstfürsorge für Historiker*innen” anbieten.“

In den Replys waren einige schlaue Dinge, von denen ich mir ein paar merken bzw. andere anwenden werde. Ich kam mir meist wie eine totale Memme vor, wenn mich NS-Quellen zum Weinen gebracht haben. Ich erinnere mich besonders an einen Tag im Bundesarchiv, eh eine gute Quelle fürs Heulen, als ich in den Unterlagen, die ich als Mikrofiche einsah, plötzlich lauter Schreiben hatte, die sich mit der Aktion „Entartete Kunst“ befassten. Die hatte ich gar nicht gesucht, aber weil das Speicherformat Mikrofiche halt mehr Platz bietet als die Originalquelle, waren die Dokumente schlicht an meine Bestellung angedockt. Ich zitiere meinen eigenen Blogeintrag:

„Und dann stolperte ich noch über die ersten Entwürfe zur staatlich legitimierten „Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst“, also dem Raubzug durch deutsche Museen der heute so genannten Klassischen Moderne. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet gewesen; ich hatte mich doch gerade nur durch Briefwechsel von einzelnen Künstlern oder Künstlergruppen gewühlt, die irgendwelche Nachlässe, Werke oder Kompositionen dem „verehrten Führer und Reichskanzler“ überlassen wollten, woraufhin die Kanzlei meist sehr höflich formulierte, dass Herr Hitler gerade echt was Besseres zu tun hätte. Allerdings nicht immer: Gerade die Münchner Künstler konnten sehr häufig auf persönliche Unterstützung oder finanzielle Hilfen hoffen. Auch deswegen wollte ich in diesen Beständen rumwühlen; die Sekundärliteratur war da gerne etwas blumig-vage geblieben, aber jetzt konnte ich einzelne Schreiben zitieren und Vorgänge nachvollziehen. Und so war ich im Kopf bei Bettelbriefen und Huldsbezeugungen und dann kamen auf dem Monitor plötzlich die ersten Unterlagen darüber, wie man am besten deutsche Kunst einzieht, aber die Ausländer nicht verprellt, die diesen Kram ja so mögen. Es fiel auch der Begriff „nicht unbeachtliche Vermögensobjekte“; den Deppen war durchaus klar, was sie da an den Wänden hatten, sie wollten es bloß nicht anschauen oder sich damit auseinandersetzen, dass es mehr als ihre beschissen eng gefasste Weltsicht gibt, sondern lieber banalste Genreszenen aus dem 19. Jahrhundert wieder aufleben lassen, weil’s da ja so schön war.

Zuerst war ich pissig und dann sehr nah am Wasser, was mich selbst überraschte. Ich weiß ja so gaaanz langsam, mit was ich mich da seit Jahren befasse, aber manchmal überwältigt es mich dann doch noch. Diese Engstirnigkeit, dieser Hass, dieser Wille zur Macht auf der einen und zur Vernichtung auf der anderen Seite. Die Sprache, das Bürokratische, die ständig neuen Regeln, die gefühlt willkürlich gemacht wurden, weil sie es konnten. Manchmal ist es zu viel und dann heult man kurz im Bundesarchiv. Weil es eben nicht nur um ein paar bunte Bilder ging. Ich bin nicht hart genug für die Kunstgeschichte.“

Das ist ein anderer Schnack als wenn man sich mit Genozidforschung befasst, schon klar. Aber ich merkte und merke es immer wieder, dass ich dünnhäutiger werde, je tiefer ich in dieses Thema einsteige. Im den letzten beiden Semestern hörte ich einer Vorlesung von Michael Wildt an der Humbold-Uni zu, die tollerweise per Zoom stattfand. Im Sommersemester ging es um die Entwicklung der Vernichtungspolitik im „Dritten Reich“, angefangen mit der Aktion T4 über die Wannseekonferenz nach Auschwitz. Im letzten Semester ging es um populärwissenschaftliche Bücher (oder Werke von Ruth Klüger und Anne Frank), die unser Bild vom Nationalsozialismus prägten. Nach jeder der 90 Minuten war ich fertig, obwohl ich nur zuhörte und nicht selbst durch Akten blätterte. Dieser ganze Hass frisst sich irgendwann in einen hinein, und ich ahne langsam, dass meine Witze über meine Fassungslosigkeit darüber eine völlig angemessene Reaktion der Überforderung und Hilflosigkeit waren. Gut zu wissen, dass ich mit dieser Hilflosigkeit nicht allein bin und dass es in Ordnung ist, nach einer konzentrierten wissenschaftlichen Arbeit, bei der man sich um Distanz und Emotionslosigkeit bemüht, zu weinen, mit Dingen zu werfen oder viel Kuchen backen zu müssen.

(Hat sich seltsam angefühlt, Anne Franks Wikipedia-Artikel zu verlinken, denn eigentlich weiß man ja, wer das ist.)

The Art of Working in Social at a Museum

Dieses Interview mit JiaJia Fei fand ich recht spannend. Danke an @simply_hande für den Link.

„RK: Why do you love working in social within the arts?

JF: I used to joke that following me on Instagram could give you an honorary degree in art history. By design, the art world is built on exclusion and hierarchy. Objects that end up in museums and galleries have cultural (and financial) value because they pass through a vigorous selection process that basically declare other objects do not hold such value. The power that social media provides in the possibility of opening up the art world and bringing art to more people beyond these structures is what’s motivated me to do this work over the last 15 years. […]

RK: I’ve noticed a lot of Link in Bio readers work at museums. What are a few tips you have for social media professionals who work in this field?

JF: The most important thing to know when managing social media for a museum is the museum itself. More important than the latest trends or optimal times to post, it is critical to internalize the mission, collection, and program of your institution first, in order to properly interpret that story (in an engaging way) to a broader public online. For this reason, it’s often a mistake to delegate social media to the most inexperienced person (which often happens) at your organization. Think about it: you are handing over the most publicly visible channels to the person who understands your institution the least. For that reason, anyone working in this role should do the work of getting to know every aspect (and person) at the museum first. […]

We are living in a time of unprecedented access to information and images, and art should be at the forefront, as long as we can make it more accessible to more people. People are often intimidated by art because they think it requires so much prior knowledge and experience to appreciate, but I like to compare it to developing one’s taste for music or movies. The more you see, the more you can decide for yourself what you like (or dislike). Art is a reflection of our world, and the more people (of all backgrounds) participate in the discourse of art, the more it will be truly reflective of the world we actually live in.“

Ich höre gerade Herrn Krömer beim Spazierengehen zu. Gibt’s zum Beispiel auf Spotify.

Choose Enjoyment Over Pleasure

An manchen Tagen leichter gesagt als getan, aber: im Prinzip ja.

„This creates a puzzle for the happiness seeker, who must navigate between the twin perils of puritanism and indulgence, leading to the much-dreaded rule of moderation, which is more or less the philosophy of leaving any party as soon as it gets really good. Fortunately, there is a better way to solve the puzzle: To stay at the party without letting it get out of control, choose enjoyment instead.

Enjoyment and pleasure are terms often used interchangeably, but they are not the same thing. Pleasure happens to you; enjoyment is something that you create through your own effort. Pleasure is the lightheadedness you get from a bit of grain alcohol; enjoyment is the satisfaction of a good wine, properly understood. Pleasure is addictive and animal; enjoyment is elective and human. […]

Enjoyment is better than pleasure because it is more conscious and permanent. […] everyone gets pleasure from eating when they’re hungry, but it takes some knowledge and cultivation to enjoy food. After you finish lunch, the pleasure is gone, and in fact, the idea of eating is no longer appealing because your physical need has been satisfied. Meanwhile, the memory of a meal enjoyed with friends transcends the immediate experience and can bring good feelings long after it is over.“

Ich habe mir ein bisschen Enjoyment selbst gebastelt und gekocht. Zum Beispiel Rote Bete à la Bourguignonne mit Kartoffelbrei (nur echt mit Brocken) oder Confit Byaldi. Und generell erfreut mich meine Biokiste weiterhin, aber das ist ja nichts Neues. (Trotzdem aufschreibenswert.)




Tagebuch KW 11 – Dunkelgrau, Schokotorte und E-Mail vom Prüfungsamt

Mit meiner Bibliothek (aka dem Wohnzimmer) war ich seit Längerem unzufrieden. Die Wände waren hellgrau, die sechs Billys mit Aufsätzen sind aus Buche und haben einen ähnlich orangefarbenen Ton wie der Holzfußboden, den ich sehr mag. Nur nicht in Kombi mit den Regalen und der Wandfarbe. Seit Wochen überlegte ich hin und her, ob es sinnvoller wäre, die Regale zu streichen oder die Wände und entschied mich schließlich für die Wände, weil ich noch nie beschichtete Ikea-Regale gestrichen hatte und bei meinen DIY-Fähigkeiten davon ausgehen kann, dass es ein Desaster werden würde. Und eigentlich möchte ich keine weiteren Regale mehr kaufen, wenn ich die hier versaue; die sechs quellen über, immer wenn ich ein neues Buch kaufe oder geschenkt bekomme, bemühe ich mich, ein, zwei alte rauszuwerfen. Aber ganz auf Papierbücher werde ich nicht verzichten, ich wohne einfach sehr gerne mit und zwischen ihnen.


Ich schob mein weißes Ecksofa in die Zimmermitte, zerrte den grauen Sessel und das halbe weiße Kallax nach nebenan und räumte von den sechs Regalen, die haargenau eine Wand bedecken, das erste und das sechste leer, damit ich mit der Farbe in die Ecken kommen konnte. Elf Bücherkisten wurden voll, mit denen ich in den Flur vollstapelte. Dann schob ich die beiden leeren Regale vor die anderen vier vollen und bedeckte die Seitenfläche an der Wand, an die Grau sollte, halbwegs ordentlich mit Malerplane, weil ich ja weiß, dass es beim Farbeauftragen gerne mal spritzt. Die Plane wurde von einem Buch am Platz gehalten, wie sich das gehört. Am Samstag abend schaffte ich es noch, die Kanten von Decke und Fußleisten abzukleben und weiß vorzustreichen, am Sonntag kam dann dunkelgraue Farbe an die Wand.

Schon am Sonntag abend wurden die Regale wieder eingeräumt. Zunächst schob ich eins der leeren Regale wieder an seinen Platz (Nummer 6), dann räumte ich alles aus Regal Nummer 5 (das links daneben) in die 6, dann alles aus der 4 in die 5 und zerrte dann die nun leere 4 aus der Reihe. Die schob ich nun ans Fußende des Sofas, die bisher ungerührt rumstehende 1 ans Fußende, und so standen nun vier Regale an der Wand mit einer Lücke zwischen der neuen Nummer 2 und Nummer 3, in die ich den Sessel schieben wollte. Das tat ich auch, aber das ging mir alles Sonntag schon auf die Nerven. Montag früh räumte ich erneut das Regal am Sofakopfende aus, schob es in die Lücke, schloss damit die Bücherwand wieder, räumte es erneut ein (seufz) und sortierte dabei ungefähr 15 Bücher aus.

Am Kopfende steht jetzt das kleine Kallax statt des großen Billy, ich habe wieder eine Wand – zwar nur aus fünf Regalen, aber immerhin –, am Donnerstag kam noch ein cremeweißer Teppich, neben dem Sessel auf dem Fußboden steht gerade eine Vase mit weißen Tulpen, für die ich noch einen winzigen Tisch erwerben werde, aber jetzt mag ich das Zimmer wieder sehr. Die Buchenregale knacken jetzt so richtig schön im Kontrast, auch weil das Grau, Verzeihung, die Kunst der Linie bei Tageslicht sehr blaustichig ist.

Über dem Fenster wurde die Wand weiß, weil die Wand hinter den sechs Regalen auch weiß geblieben war, die hatte ich nie gestrichen, und auch jetzt wollte ich sie nicht streichen. Neben dem Fenster ist noch ein weiterer schmaler Streifen Wand, den hatte ich, genau wie die Fläche über dem Fenster, beim Einzug hellgrau gestrichen, aber das sah beknackt aus, sobald ich das erste Regal vom Fenster wegzog. Und da nun kein Regal mehr steht, strich ich diese beiden Flächen halt weiß wie die Wand. In der Lücke des ersten Regals am Fenster steht nun eine Lampe, die dort mehr reflektiert als bisher vor dem matschigen Grau, und jetzt ist der Raum wirklich hübsch und ich freue mich jedesmal über ihn, wenn ich auf dem Sofa liege.

Die Küche hatte ich schon davor umgeräumt und endlich mal sinnvoll angeordnet. Ich weiß nicht, warum das dreieinhalb Jahre gedauert hat, bis ich die geniale Idee hatte, einfach alles links und rechts an die Wand zu stellen, aber so steht es jetzt und auch darüber freue ich mich momentan jedesmal, wenn ich morgens reinkomme, um Kaffee zu machen oder tagsüber fürs Mittagsmüsli oder die abendliche Gemüseschlacht.

Links sind endlich die Arbeitsflächen fast frei. Das einzige, was noch auf ihnen steht, ist ganz links, nicht im Bild, ein kleines Tablett mit zweimal Essig (die Flaschen sind zu hoch für das Schrankfach, in dem alle anderen Essige und Öle stehen) sowie Salz- und Pfeffermühle und das Salztöpfchen, in das ich mit den Fingern greife. Daneben noch ein Gefäß mit den üblichen Utensilien wie Pfannenwender, Schaumlöffel etc. Ganz rechts stehen Wasserkocher (brauche ich jeden Tag), Messerblock und Bretter (dito) und ein Besteckkasten. Ich erwähnte bereits, dass meine einzige Besteckschublade ganz links unter der Arbeitsfläche ist, ich aber immer ganz rechts stehe beim Vorbereiten, weil da halt Platz ist (und gutes Fotolicht). Da ich aber gerne, gerade beim Backen, 10 Teelöffel griffbereit habe, steht die Hälfte des Bestecks halt da. Vorher hatte ich drei Gläser, jetzt ist es nur noch ein Kasten, und schon ist alles ordentlicher. Und wo bisher am Waschbecken eine Flasche mit Spülmittel, ein Seifenspender und eine Box für Schwämme und Bürsten standen, steht letztere jetzt unter der Spüle im Schrank, und Spülmittel und Seife habe ich in zwei Spender umgefüllt. Zweck = Hübschizität.

Rechts neben dem Kühlschrank steht mein komisches Ikea-Buffet, in dem fast alle meine Töpfe und Pfannen sind sowie die ganzen Dinge wie Teigschaber, Korkenzieher, große Kellen, Pürierstab, Saftpresse, Reibe, Gemüsehobel, der ganze Kram halt, der nicht in die normale Besteckschublade passt. Auf den Regalen stehen in Boxen Nudeln, Kaffee, Tee und Servietten. Glaube ich jedenfalls, die habe ich neulich gesucht und mir fiel nicht ein, wohin ich sie geräumt habe. Auf dem Brett darunter sind meine Lieblingsteller sowie alles an Hülsenfrüchten, Reis, Chilis etc. in Gläsern.

Die hellgraue Wandfarbe ist übrigens genau die, die ich in der Bibliothek überstrichen habe. Hier bei Licht aus Süden sieht sie elegant und unaufdringlich aus, gegenüber bei Nordlicht einfach nur matschig und doof.

Das Bild an der Wand im schwarzen Rahmen ist auch neu. Ich wollte ja eigentlich nur noch echte Kunst kaufen und keine Drucke mehr, aber „Nach dem Ball“ mag ich so gerne. Eine Frau mit Buch auf dem Sofa ist genau meins.

Im Kallax steht in Körben das ganze Geschirr, das sonst nirgends hinpasst und das ich kaum verwende: Omas Goldrand, die ganzen Sammeltassen, etc. Was ich dauernd nutze, steht offen im Regal. Außerdem im Kallax und nebenan auf der Heizung: die ganzen Gewürze, die mich bisher auch wahnsinnig gemacht habe, weil sie immer fürchterlich aussehen, außer man füllt alle in Dosen oder Gläschen, wozu ich keine Lust habe. Jetzt sind sie halbwegs thematisch in leere Mövenpick-Plastikdosen geordnet, die wiederum in den grauen Körben stehen: Ich habe eine Packung „Italien“ (Oregano, Thymian, Fenchel etc.), eine „Scharf“ (Chili, Knoblauch, Zwiebeln, Cayennepfeffer etc.) und eine „Ottolenghi“ (Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander etc.). Alles andere ist ungeordnet, aber das kann ich jetzt überblicken. Im offenen schwarzen Korb stehen die ganzen asiatischen Saucen, die philippinischen Silver-Swan-Produkte vorne, weil ich die Labels gerne mag.

Ich hatte über ein weiteres Regal über der Heizung nachgedacht, wollte aber nicht noch mehr einkaufen, und da ich die Heizung eh nie andrehe, kann auf ihr auch Zeug stehen.

Themenwechsel. Am Mittwoch stellte ich meinen ersten Wikipedia-Artikel online, am Freitag meinen zweiten. Einer liegt hier noch auf Halde, und zusätzlich ergänzte und korrigierte ich mehrere weitere Artikel zu Künstlern der NS-Zeit. Das ist ein noch ungewohntes Arbeiten, aber gerade bei diesen Künstlern (ich gendere hier bewusst nicht) ist der Wissensstand so unterirdisch, dass ich einfach alles anlege, was mir in den letzten Jahren untergekommen ist.

Da diese Artikel meist nur von sehr wenigen Menschen aufgerufen werden, weil es nur sehr wenige Menschen gibt, die sich für diese Ecke der Kunstgeschichte interessieren, hoffe ich, dass mir Edit Wars erspart bleiben.

Ich buk diese Woche eine kleine Geburtstagstorte, in deren Inneren sich Zuckerstreusel befanden. Der Kuchen war beim Backen so fies in der Mitte eingesunken, dass ich ihn einfach teilte, die eine Hälfte (ohne Loch) als Deckplatte nahm, einen dritten Boden als, genau, Boden, und das löcherige Ding kam in die Mitte. Alles wurde mit Schokoganache verbunden, die auch noch um den Kuchen herum aufgetragen wurde. Dabei merkte ich, dass ich mittig ruhig hätte großzügiger sein können, aber mei. Ich wünschte mir beim Kerzenauspusten in Corona- und Kriegszeiten naheliegende Dinge und bekam ein schönes Buch geschenkt.


Ich verbrachte den Geburtstag bis auf abends alleine und wanderte eigentlich nur schokokuchensatt durch meine Wohnung und erfreute mich an Bibliothek und Küche.

Einen Tag später meldete sich das Prüfungsamt der Uni per Mail: „Sehr geehrte Frau Dr. Gröner, ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihre Doktorurkunde fertiggestellt wurde und Sie jetzt berechtigt sind, den akademischen Grad Dr. phil. zu führen.“

Das hätten sie jetzt echt ein bisschen besser timen können! Ich hole die Urkunde am Montag ab, aber ihr dürft schon jetzt ENDLICH OFFIZIELL Doktor Anke zu mir sagen. Puh.

Ein Werbejob wurde anscheinend so nett von mir erledigt, dass ich eine sehr begeisterte Mail bekam. Das hat mich gefreut.

Freitag führte mich F. ins Sparkling Bistro aus, in dem wir bereits einmal waren und von wo F. vor einem Jahr mein Geburtstagsmenü außer Haus geholt hatte. Das war erneut herrlich und ich fühlte mich sehr umsorgt. Nichts fotografiert, nichts notiert, nur genossen.

Ein Gang bestand unter anderem aus Foie gras, Brioche und schwarzen Trüffeln. Ich war etwas skeptisch, weil ich Trüffel nicht mag, woraufhin F. meinte, vielleicht hätte ich nur noch keine guten gegessen. Ich probierte – und war schockverliebt in den Teller (wie in so ziemlich alle anderen auch). Ich mag anscheinend Trüffel.

Und heute morgen musste ich mir ernsthaft einen Wecker stellen, was ich Sonntags sonst natürlich nie mache. Denn um 11 Uhr arbeitete sich Igor Levit an Ronald Stevensons Passacaglia on DSCH (1960/62) ab. Das gut 75 Minuten lange Stück überforderte mich streckenweise total und mittendrin fand ich es kurz ernsthaft körperlich unangenehm. Innerlich quengelte ich in Richtung Bühne, dass ich jetzt wirklich dringend gerne mal einen Akkord hätte, den ich kenne, aber niemand hörte auf mich. Macht aber nichts. Das war Gehirntraining der besten Sorte. Standing ovations, und ich war danach erstmal 20 Minuten platt und sprachlos.

Hier eine Version mit Noten, Levit spielt.

Tagebuch, KW 10 – Musike, Eis und Schleifchen drum

F. machte mich auf ein schönes Schleifchen um mein Studium aufmerksam. Ganz zu Beginn, also 2012 OMG, meldete sich eine Kuratorin der Städtischen Galerie im Lenbachhaus bei mir und outete sich als Blogleserin. Sie freute sich, dass ich nun in München sei, ausgerechnet Kunstgeschichte studierte und bot mir an, mich durch das frisch renovierte Haus zu führen, was ich natürlich gerne annahm. (Ich stelle gerade fest, dass ich das nicht verbloggt habe. Unglaublich.) Damals wusste ich noch nicht, was die Neue Sachlichkeit ist, was mir bis heute peinlich ist. Davon hängt im Lenbachhaus nämlich einigermaßen viel, weniger als vom üppig vorhandenen Blauen Reiter, klar (Münchenbezug, städtische Galerie usw.), aber immerhin, ich ging vorbei, fand alles toll und hätte vielleicht damals schon merken können, dass mir die italienische Renaissance irgendwann egaler sein und mein kunsthistorisches Hirn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland enden wird. Das wusste ich damals aber noch nicht. Aber heute bin ich Doktor in diesem Themengebiet und genau dazu gibt es demnächst im Lenbachhaus eine Ausstellung und auf Anfrage eben dieser Kuratorin darf ich ein winziges bisschen am Katalog mitarbeiten.

Die Woche war in meiner Freizeit gnadenlos von Musicals geprägt. Ich hatte mich geweigert, mir die Neuverfilmung der „West Side Story“ von Spielberg im Kino anzuschauen, aber als sie für lau auf Disney+ rumlag, klickte ich doch mal vorsichtig rein. Und, Überraschung: Ich fand sie gut.

Sie korrigiert quasi die Dinge, die heute bei der Verfilmung von 1961 Cringe erzeugen wie das Dubbing von Richard Beymer (Tony) und Nathalie Wood (Maria), die beide nicht selber sangen; wir hörten die Stimmen von Jimmy Bryant und Marni Nixon. Oder dass Nathalie Wood keine Latina war. Oder auch Songzeilen, die heute missverständlich sind wie bei „I feel pretty“, wo es eigentlich hieß: „I feel pretty and witty and gay“. Heute erklingt „pretty and witty and bright“, es reimt sich auf „tonight“ und nicht mehr auf „today“. Auch die Lyrics von „America“ bekamen ein Update, das ich noch nicht kannte. Wie mir die Website des Musicals verriet, wurden Textfassungen der Broadway-Version von 1957 wieder hervorgeholt. Anita singt nämlich nicht mehr von Hurricanes und Überbevölkerung, sondern von Ananas und Kaffeeblüten. Den Song kann man netterweise auch online anschauen und kann so prima vergleichen (1961, 2021). Hier mochte ich auch, dass die Sharks nicht mehr auf einem Dach tanzen, sondern sich alles in die Straßen von New York ergießt. Überhaupt, die Stadt: Sie kommt in der alten Verfilmung nur als Kulisse vor; in der Neuverfilmung wurde stärker spürbar, warum die Story im sprichwörtlichen Melting Pot so gut funktioniert. Und ja, sie funktioniert immer noch, wenn man akzeptiert, dass junge Menschen wegen sehr wenig total durchdrehen.

Und natürlich ist es fantastisch, dass Rita Moreno in beiden Verfilmungen dabei ist. Auch dass sie den Song „There’s a place for us“ singt, den sonst Maria dem angeschossenen Tony hinterherhaucht. Das war eine meiner persönlichen Cringe-Szenen im alten Film: dass Tony ewig rumsterben muss, damit der Song Zeit hat. Hier singt Maria etwas anderes, Tony darf wortlos gehen und das passte hervorragend.

Ein bisschen muss man sich an eine andere Atmosphäre gewöhnen, manchmal fehlten mir Bruchstücke oder Details der Songs, aber das liegt daran, dass ich den Soundtrack ewig gehört habe, seit ich, keine Ahnung, 14 bin und alle Songs mitsprechen kann. Zusammengefasst: Ja, kann man gucken, fand ich gut. Wobei ich bei Ansel Elgort ein bisschen gebraucht habe, um ihn okay zu finden. Mich hatte er erst bei „One Hand, One Heart“. Dann aber richtig.

Und weil ein Musical so schön war, guckte ich gleich noch zwei: „In the Heights“ von Lin-Manuel Miranda, bei dem sehr deutlich wurde, warum „Hamilton“ so gut funktioniert: weil Miranda hier schön üben konnte. Mir war der Film viel zu lang, auch wenn die Darstellenden alle durch die Bank niedlich und sympathisch waren. Und es ein wirklich schönes Easter Egg gab: The one and only Jimmy Smits hängt in einer Szene in der telefonischen Warteschleife von Stanford, und es erklingt: „I’ll be back“ aus „Hamilton“. Das habe ich peinlicherweise nicht erkannt, ich wusste, ich kenne den Song, aber auf diesen naheliegenden und charmanten Gag bin ich nicht gekommen, den musste ich ergoogeln.

Ebenfalls geguckt und deutlich mehr gemocht: „Tick, Tick … Boom!“, eine Art autobiografische Musicalszene von Jonathan Larson, dem Schöpfer von „Rent“. Läuft auf Netflix und ist sehr empfehlenswert. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was da auf mich wartete und war freudig überrascht.

Ich gab sogar „Newsies“ eine Chance, aber: nein. Wirklich nicht.

Am Mittwoch radelte ich endlich mal wieder ins ZI, unter anderem für den kleinen Katalogjob. Dabei stöberte ich in der wenigen Literatur über Henny Protzen-Kundmüller, die Ehefrau des Herrn, über den ich promoviert habe. Ich hatte mich in der Diss sehr wenig mit ihr befasst, auch weil ihr Anteil am gemeinsamen Nachlass geradezu lächerlich winzig ist im Vergleich zu der Überlieferung seiner malerischen Tätigkeit. Mpf. Ich stieß beim Rumlesen auf eine Dissertation von 2005, die sich mit mit der GEDOK befasste, einer Überorganisation, in der sich seit den 1920er Jahren Künstlerinnenverbände zusammengeschlossen hatten. (Die ist in der Wikipedia noch nicht mal als Literatur angegeben, werde ich nachtragen, wenn ich mich endlich an diese Website rantraue.) Dort fand ich ein Detail, das mich überraschte, netterweise mit Quellenangabe des Bundesarchivs.

Ab 1933 wurde Kunstschaffenden im „Dritten Reich“ sehr deutlich nahegelegt, in die Reichskammer der bildenden Künste einzutreten. Bis heute hält sich die in meinen Augen zu sehr verallgemeinerte Aussage, dass man ohne diese Mitgliedschaft nicht künstlerisch tätig sein konnte. Ich selbst fand in den Beständen zur GDK noch Anlieferungsunterlagen von 1944, wo Maler und Malerinnen statt ihrer RKK-Mitgliedsnummer angaben, noch kein Mitglied zu sein. Ich meine mich an Begriffe wie „Kriegszulassung“ zu erinnern, aber ich bin mir selbst nicht sicher. Ich hatte dazu eine ewig lange Fußnote verfasst, die ich schließlich doch rauskippte, aber vielleicht hätte ich sie drinlassen sollen, um eben dieser Verallgemeinerung noch einen Gegenbeleg zu liefern. Wie dem auch sei: Laut den Unterlagen des Bundesarchivs stellte Protzen-Kundmüller erst im November 1938 einen Aufnahmeantrag – nachdem sie jahrelang problemlos arbeiten und ausstellen konnte, zum Beispiel auf der ersten GDK 1937, und sie auf der Weltausstellung 1937 sogar mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde, wo im Deutschen Pavillon ein Werk von ihr hing.

Gestern sahen F. und ich uns endlich die John-Heartfield-Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum an. Ich war überrascht, wie viel ich von ihm kannte, aber auch, wie wenig ich über seine Biografie wusste. Die Schau empfehle ich gerne weiter, kostet nicht mal Eintritt, läuft noch bis Ende April.

Viel Gutes gekocht und genossen und mich immer gefreut, wenn ich gut gekocht und genossen habe.


Seit ich einen Reiskocher habe, esse ich deutlich mehr Reis, weil ich immer gleich zwei Portionen mache. Eine gibt’s gleich, aus der anderen, inzwischen trockenen wird einen Tag später herrlich knuspriger Bratreis mit allem, was halt aus dem Gemüsefach wegmuss.

Cannoli Cake. Auf den hatte ich letzten Samstag unbändige Lust – aber so gar keine Lust, auf die Suche nach Pistazien in den umliegenden Supermärkten zu gehen. Also orderte ich Amazon Fresh, was ich bisher nur einmal 2020 gemacht hatte, als ich mich ungeimpft nicht so recht vor die Tür getraut hatte. Es gab sogar noch ein Lieferfenster am selben Tag, ich bestellte, wartete … und wartete … und sah irgendwann die Nachricht, dass ich den Laden bitte kontaktieren solle, die Lieferung sei verspätet. Ach was. Ich ließ mich anrufen und sah eine Londoner Nummer auf dem Handy-Display. Eine indisch klingende Dame las die üblichen Floskeln brav vom Blatt ab: „Danke, dass Sie sich an uns wenden … danke für Ihre Geduld … vielen Dank, dass Sie kurz gewartet haben …“ Schon gut. Sie musste mich schlussendlich doch weiterverbinden, weil ich ihr nicht klarmachen konnte, worum es ging. Der nächste Herr, dessen Nummer ich nicht zuordnen konnte, verstand mich besser, buchte meine Bestellung auf ein späteres Zeitfenster, entschuldigte sich mehrfach, schon gut, ich freute mich auf die Lieferung zwischen 18 und 19 Uhr statt auf die zwischen 15 und 16 Uhr – und wartete. Um 17.59 klingte es, ich bekam mein Zeug und begann, in der Küche Tüten auszuräumen, als es erneut klingelte. Huch, hatte der gute Mann irgendwas vergessen? Nee, alles da. Ich öffnete erneut die Tür und stand einem weiteren Amazon-Lieferanten gegenüber, der mir die gleiche Lieferung wie eben übergeben wollte. Er war genauso verwirrt wie ich, musste aber leider mit allem wieder abziehen, und ich hatte nicht mal mehr Kleingeld fürs Trinkgeld.


Pastinakenpuffer mit Kräuterdipp und zu enthusiastisch verteiltem Korianderöl. Das war überraschend gut, wo es eigentlich nur eine Notidee für „Die Pastinaken müssen jetzt aber WIRKLICH weg“ war.


Gestern eröffneten F. und ich die Eisdielensaison, natürlich beim Ballabeni. Es gab Cappuccino, Pistazie und einen Probierlöffel Banane-Kokos, das ich demnächst dringend in Kugelform brauche.


Abends landeten die allerletzten Pastinaken als Chips auf einem Topinambursüppchen, für das ich eine Flasche Malzbier gekauft hatte, wie es die Jahreszeiten-Kochschule haben möchte. Auch das war ganz hervorragend.

Tagebuch Ende Februar, Anfang März 2022 – Very mixed bag

Ich weiß nicht, wie ich diesen Eintrag anfangen soll und vermutlich weiß ich auch nicht, wie er aufhören wird. Es fühlt sich falsch, fast frivol an, auf Insta Mahlzeiten zu posten und auf Twitter die Artbots zu retweeten, während nicht wirklich weit von mir weg Menschen in einem Krieg sterben. Ich hatte in meinem Leben bisher das Glück, noch nicht persönlich von einer derartigen Katastrophe betroffen zu sein bzw. kenne persönlich keine Menschen, die fliehen mussten, höchstens den Mann aus dem damals noch existierenden Jugoslawien, mit dem ich ein Einstellungsgespräch führte, als ich in den 1990er Jahren ein Kino in Hannover leitete. Dieser Krieg war entfernungsmäßig sogar noch näher an mir dran, fühlte sich aber bescheuerterweise wie ein lokaler Konflikt an, den ich schön ignorieren konnte. Dass es das Internet noch nicht in der heutigen Form gab, half vermutlich auch. Aber heute habe ich halt Twitter, das ich zwischendurch immer wieder vom Handy werfe, um es drei Stunden später wieder zu installieren. Auch um Artbots zu retweeten, um dem Strom aus Katastrophennachrichten etwas entgegenzusetzen, aber ich weiß selbst nicht, ob das albern ist oder irgendjemandem außer mir hilft.

Einige Menschen habe ich stumm geschaltet oder bin ihnen entfolgt, weil sie minütlich Dinge aus dem Krieg posten und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll, kann, muss, müsste.

(Edit, halbe Stunde nach Veröffentlichung:

Klar kenne ich Flüchtende, nämlich meine Mutter und meine Omi. Meine Omi hat nie über Ostpreußen gesprochen und ist auch nie nach Polen gefahren, während ihre Schwester sich das in den 1980er Jahren nochmal angeschaut hat. Mit meiner Mutter. Muss mal die Fotoalben anschauen, wenn ich wieder im Norden bin. Meine Mutter hat selten über ihre Fluchterfahrungen gesprochen, sie verarbeitet die Zeit anders. Sie kann zum Beispiel kein Essen wegwerfen, nie. Sie friert den Saft einer viertel Zitrone ein und isst steinhartes Brot. Und sie ist vor Jahren mal nicht mit nach Bayreuth mit mir gefahren, als wir Karten für den „Lohengrin“ hatten, in dem Menschen als Ratten auftreten. Ratten gehen gar nicht. Auch hier ist sie nicht in Detail gegangen, sondern erwähnte nur ungern Leichen am Weg, als sie flohen. Und eben Ratten.)

Ich lenke mich ab, indem ich über Kunstgeschichte oder Werbung nachdenke, beides ist gerade sehr willkommen. Außerdem hat mein Kopf mal wieder Zeit, über meine Wohnung nachzudenken, Wandfarben, neue Möbelanordnungen, was sich genauso frivol anfühlt, weil nicht wirklich weit von mir weg Menschen keine Wohnungen mehr haben, weil sie von sinnlosen Gefechten zerstört wurden.

Letzte Woche räumte ich meine Küche mal wieder um, was ich seit meinem Einzug turnusmäßig mache, weil ich nie glücklich mit ihr war. 2019 strich ich eine Wand, was kurz half, dann schob ich ständig Regale hin und her, zog den Tisch ein oder aus, überlegte Farbkonzepte und Ordnungsstrukturen, aber irgendwie sah die Küche immer aus, als ob jemand vor fünf Minuten eingezogen war und irgendwo Möbel hingeräumt hätte. Jetzt zum ersten Mal nicht. Links von der Tür ist die eingebaute Küchenzeile, an deren Anordnung ich nichts ändern kann und über die ich mich weiterhin aufregen werde, weil die einzige Besteckschublade ganz links ist und die einzige größere Arbeitsfläche vier Meter weiter rechts. Alles andere – freistehender Kühlschrank, komisches Ikea-Küchenmöbel aus Edelstahl (2012), Kallax (2018?) – steht jetzt rechts von der Tür und in der Mitte der komplett ausgezogene Tisch. Den Tipp hatte ich in Hamburg mal von einer Innenausstatterin bekommen, als ich mit dem Tisch im Esszimmer haderte, der irgendwie verloren rumstand: Tische so groß wie möglich, dann sieht der Raum auch größer aus. Wenn alle ausziehbaren Platten drin sind, passiert genau das, was mein Problem war: Der Tisch steht verloren in der Mitte, und um ihn rum ist sinnloser Platz, der nur nervös macht. Jetzt muss ich zwar beim Kochen noch längere Wege zurücklegen als vorher, weil ich halt um den Tisch muss, um an meine Pfannen und Töpfe zu kommen, aber mir gefällt der Raum jetzt erstmals wirklich. Mal sehen, wie lange das hält.

Halten werden nun auch die beiden schwarzen Regalbretter, die ich mit meiner eigentlich guten Bosch nicht angedübelt bekommen habe, im Gegensatz zur kleineren Wohnung einen Stock über mir, wo ich beide alleine und sogar halbwegs gerade an die Wand dengelte. Dieses Mal musste der Mann mit der Hilti vorbeikommen, was aber auch nett ist.


Die beiden Tabletts hat Papa vor Jahrzehnten von den Philippinen mitgebracht, als der geschäftlich dort war. Als ob er geahnt hätte, dass ich heute einen Halb-Filipino an meiner Seite habe. Die Schüssel davor ist auch von ihm, ich finde den Blogeintrag dazu nicht mehr (falls ich ihn je geschrieben habe): Er hat mal Holz zur Kirche im Dorf gebracht, die von diesen Spenden Schalen hat herstellen lassen. Das ist eine davon.

Es gab gutes Essen in den letzten Tagen, aber auch viel Schokolade.

Bibimbap mit Zucchini, Spinat, Tempeh, eingelegter Möhre und Ei drüber, das all das schöne Zeug darunter verdeckt. Dazu Gochujang und Korianderöl, im Prinzip wie Schnittlauchöl.

Rote Bete im Päckchen mit Linsen und Mozzarella.

Spaghetti mit Tomatensauce, nach Frau Hazan, natürlich.

Baked Beans mit Salat.

Gestern und vorgestern lief ich zum ersten Mal mit einem Audiobook auf den Ohren durch die Gegend anstatt mit der hundertsten 80er-Jahre-Playlist auf Spotify. Es ist ein Sachbuch, über das beim Videokurs öfter gesprochen wurde, ich hätte mich sonst nicht damit beschäftigt. Der Autor liest selbst, das ist nett, ich höre ihm auch gerne zu und bin erstaunt darüber, wie wenig mir das Rumlaufen ausmacht, weil ich mich auf die Inhalte konzentriere, die ich auf die Ohren bekomme, aber ob wirklich viel hängenbleibt, wage ich noch zu bezweifeln. Bei einem Punkt, der vorkam, dachte ich sofort an mein verändertes Essverhalten in den letzten gut zehn Jahren im Vergleich zum Leben davor und ich dachte, ach, guck, könnteste bloggen, aber jetzt weiß ich schon nicht mehr, welcher Satz mich genau angesprochen hatte und da es kein Papierbuch ist, kann ich nicht nachschlagen. Hm. Vielleicht für mich doch eher ein halbgares Konzept.

Ich habe die ganzen Belegexemplare an Museen und Archive verschickt, damit diese mir Rechnungen für ihre abgebildeten Gemälde schicken können, für die ich schon Nutzungsgebühren bezahlt habe.

Meine Omi hätte heute Geburtstag. Ich denke immer an sie, wenn ich Tee aus ihrem Service trinke.

Ich habe meinen Schreibtisch um 90 Grad gedreht und gucke nun nicht mehr auf Sofa und blaue Wand, sondern auf Luise. Und seit gestern auch noch auf Tulpen. Jede Kleinigkeit hilft (mir).

Bolani mit scharfem Chutney

Seit dem Videokurs von Casey Neistat lungere ich deutlich öfter auf YouTube rum. Dabei interessieren mich weniger die ganzen Jungs-Vlogs, die Neistat imitieren möchten, sondern so ziemlich alles, was Frauen mir erzählen. Ich folge derzeit einer Tänzerin aus Wien, die viel näht, einer Frau aus Singapur, die mit ihrem Mann in München lebt und gerne ihre Wohnung um- und aufräumt, wobei ich interessiert zuschaue, und einer Frau aus Kanada, deren Eltern aus Afghanistan stammen. Bei den beiden letzten ist mir am meisten der Unterschied zu den Tipps von Neistat aufgefallen. Da gibt es keine Anweisungen à la „Du hast nur fünf Sekunden, um die Leute ins Video zu ziehen“ und „Nimm alles aus drei Perspektiven auf, damit du ständig neue Ansichten bieten kannst.“ Nö, es geht auch langsam und ruhig und mit vermutlich nur einer Kamera. Cloudyhills nahm zum Beispiel ein Q&A auf, bei dem ihr Mann die Fragen stellte und sie antwortete. Im Bild war dabei 20 Minuten lang zu sehen, wie sie Omelettes mit verschiedenen Füllungen herstellt, die ihr Mann und sie dann bei einem Picknick verspeisen. Sowas ist für mich inzwischen Meditation. Gefällt garantiert nicht jeder, aber mir zur Zeit sehr.

Und natürlich musste ich sofort was nachkochen, auch wenn es bei Pick up Limes hübscher und grüner geworden ist. Ihr könnt das Rezept auch nachlesen statt ihr zuzuschauen.

Wir fangen mit dem Teig an. Während der ruht, machen wir die Füllung und kümmern uns um das Chutney.

In einer Schüssel
1 Cup (240 ml) lauwarmes Wasser mit
1 1/2 EL (22 ml) pflanzlichem Öl (bei mir Sonnenblume),
1 1/2 TL (9 g) Salz und
1/2 TL Trockenhefe mischen. Alles verrühren, dann
3 Cups + 1 EL (423 g) Mehl, Type 550, dazugeben. 405er geht angeblich auch. Alles vermischen und mehrere Minuten kneten, bis ein dehnbarer, gleichmäßiger Teig entstanden ist. Zu einer Kugel formen und in einer abgedeckten Schüssel 30 Minuten lang gehen lassen.

Für die Füllung der Bolani, also der Teigtaschen, wir ihr vermutlich geahnt habt,
2 große Kartoffeln schälen, würfeln und kochen. Was „groß“ hier bedeutet, weiß ich nicht, bei mir haben für die Hälfte des Rezepts ca. 100 g gereicht, es hätte aber auch mehr sein können. Ich sag mal so: Was ihr von der Füllung nicht in die Taschen bekommt, schmeckt auch einfach so. Und wenn die Füllung nicht reicht, sind reine Teigfladen mit Chutney auch super.

1 Cup (52 g) Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden.
1 Cup (16 g) frischen Koriander hacken.
1 grüne Chili in feine Ringe schneiden oder hacken, Kerne drinlassen, wer’s mag.

Die gekochten Kartoffeln mit einer Gabel oder einem Kartoffelstampfer zu Püree verarbeiten, das eben geschnittene Gemüse dazugeben und zusätzlich noch
1 TL gemahlenen Koriander,
1 TL Salz,
1/2 TL Kurkuma und
1/2 TL schwarzen Pfeffer. Alles erneut mischen bzw. zerstampfen.

Jetzt das Chutney, das geht am schnellsten, weil nichts groß geschnitten werden muss. In einem Zerkleinerer

3 dicht gepackte Cups (48 g) glatte Petersilie,
3 dicht gepackte Cups (48 g) frischen Koriander, mit Stielen und allem,
5 Knoblauchzehen,
1/2 Cup (58 g) Walnüsse,
3 grüne Chilis (entkernt, wer es nicht ganz so scharf mag),
1 TL Salz und
1/4 TL schwarzen Pfeffer kurz mixen, nicht zu flüssig werden lassen. Alles mit
1 Cup (240 ml) Weißweinessig aufgießen. Nicht alles auf einmal, eher nach und nach, bis euch die Konsistenz gefällt. Bei mir waren es vermutlich eher 200 ml. Das Chutney in ein Glas füllen und nicht fest verschließen, angeblich rülpst es noch einen Tag lang. Erst nach diesem einen Tag im Kühlschrank den Deckel aufschrauben. Hält sich monatelang, aber come on, das Zeug ist doch nach zwei Tagen aufgegessen.

Zurück zu den Bolani. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche in acht Teile teilen, diese zu Kugeln formen und möglichst dünn ausrollen. (Tipp: Wer keine Lust auf Teigherstellung hat, kauft fertige Tortillas.) Auf die eine Hälfte eines Teigkreises nun 1/3 Cup der Füllung geben (oder wie ich: frei Schnauze). Die Ränder mit in Wasser gestippten Fingern anfeuchten, die andere Hälfte drüberklappen. Von der Mitte her vorsichtig die Luft zu den Rändern hin herausdrücken und die Ränder verschließen.

Eine Pfanne mit
2 1/2 EL Pflanzenöl auf mittlere bis höhere Hitze erhitzen und jeweils zwei der Bolani in ihr anbraten, bis sie goldig-braun sind, das dauert nur zwei, drei Minütchen. Die Oberfläche mit Öl bestreichen, wenden, fertig braten. Die Halbkreise dritteln und mit dem Chutney servieren. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten: Die schmecken sogar kalt.

Termin im Prüfungsamt

Die letzte Amtshandlung der Promotion stand an: Gestern radelte ich in der vorgezogenen Mittagspause, weil das Prüfungsamt natürlich nur bis 12 geöffnet ist, in eben dieses und überreichte dem Sachbearbeiter, der seit vier Jahren meine verwirrten Mails beantwortet, drei Exemplare meiner gedruckten Dissertation sowie die vom Doktorvater unterzeichnete Druckgenehmigung. Ich verstehe nicht, warum ich die jetzt noch einreichen muss, schließlich liegt das Ding da gedruckt rum, aber wie ich vor wenigen Tagen schon twitterte: Ich hinterfrage meine Promotionsordnung nicht mehr, ich arbeite sie ab. Und das war gestern das letzte, was noch abgearbeitet werden musste.

Beim Rückweg zum Fahrrad schlenderte ich noch ein wenig durchs Hauptgebäude. Der erste Weg ging natürlich zum Lieblingshörsaal, wo ich meine allererste Vorlesung hatte, wo auf der ersten Folie der Aachener Dom zu sehen gewesen war und ich innerlich dachte, oh, stimmt, Architektur, das gehört dann ja wohl auch zur Kunstgeschichte. Toll. In diesem Hörsaal hörte ich Spannendes über stilbildende Ausstellungen seit den 1950er Jahren, lernte die französische Romanik kennen und die altniederländische Malerei, erfuhr Wissenswertes über Klöster, Schlösser und Salzspeicher, bewunderte US-amerikanische und feministische Kunst des 20. Jahrhunderts, schwitzte im Sommer und fror dann, als es eine Klimaanlage gab oder sie mal benutzt wurde, drängelte mich durch Reihen von Senior*innen, die stets früher da waren als ich und überall die „Süddeutsche“ ausgebreitet hatten, und freute mich immer, wenn ich einen Klappsitz erwischte, der nicht nach unten durchhing. Irgendwann weiß man ja auch, in welchen Reihen die sind. Ich lernte, mich nicht hinter Leute zu sitzen, die sich Notizen auf dem Laptop machen anstatt per Hand, denn irgendwann checken sie Facebook und ich muss dann mitlesen, weil ich halt neugierig bin. Ich lernte, mich nicht hinter Grüppchen zu setzen, weil die gerne quatschen, und ich lernte, von wo man die Folien vernünftig lesen konnte und wo eher nur mit Interpretationsfähigkeiten. Das hört sich jetzt an, als wäre der Saal fürchterlich gewesen, aber warum auch immer war er mein liebster, vielleicht weil er der erste war. Die Sitze stammen gefühlt aus den 1960er Jahren, und ich mochte das „Rauchen verboten“-Schild an der Stirnseite, das mir sagte, dass das wohl irgendwann mal erlaubt gewesen war. Gestern wurde ausgerechnet in diesem Hörsaal eine Klausur geschrieben, die Türen standen offen, die wenigen Studis saßen Corona-gerecht verteilt, aber ich konnte natürlich kein Foto machen.

Dann eben vom anderen Hörsaal, in dem ich vermutlich ebenso viele Vorlesungen hörte wie im Liebling. Hier lernte ich unter anderem Cézanne kennen und schätzen, verstand, wie toll Fotografie sein kann und wie viele Kirchen in Rom rumstehen. Wenn ich mich richtig erinnere, schrieb ich hier meine letzte Klausur.

Über die große Treppe an der Rückseite des Gebäudes gelangt man ins Innere, wo sich der bekannte Lichthof befindet. Unten ist ein kleines Denkmal für die Weiße Rose, direkt vor der Denkstätte (kein Schreibfehler). Ich war in neuneinhalb Jahren nicht ein einziges Mal drin und auch gestern wollte ich nicht.



Der letzte Blick galt dem Speerträger, an dem man als LMU-Absolventin traditionell das Foto mit der Promotionsurkunde macht. Die liegt in vier bis sechs Wochen in meinem Briefkasten, und dann komme ich nochmal vorbei.

Ein bisschen musste ich weinen, war klar, ich wohne quasi am Wasser. Ich habe so irrsinnig gern studiert und ich bin sehr stolz auf den Titel, der sofort in den Perso kommt, sobald die Urkunde da ist.

Es fühlt sich etwas irreal an, weil die Welt bzw. zwei Staaten, die nicht wirklich weit von mir weg sind, gerade mit sehr anderen Dingen beschäftigt sind. Es fällt mir ein bisschen schwer, mich so richtig zu freuen, aber das ist eh nicht das Hauptgefühl, was ich gerade spüre. Es fühlt sich anders an als direkt nach der Abgabe der im Copyshop gebundenen Diss an die Prüfenden. Das war der dicke Brocken. Das hier ist quasi nur noch Pflichterfüllung. Aber es ist jetzt trotzdem die Ziellinie, auf die ich seit der Verteidigung im November 2020 zugelaufen bin. Der Schlusspunkt. Das war’s.

Ich werde noch ein bisschen vor mich hinwimmern und, wenn ich ehrlich sein darf, den Rest der Welt soweit wie möglich ignorieren, weil mich schlicht alles überfordert. Ich dachte, die Pandemie wäre das Schlimmste, was uns passieren kann, aber hey, nein, da kann man noch ein Schippchen draufpacken. Auch deswegen fühlt sich diese Ziellinie so seltsam und klein und unbedeutend an. Und ich ahne, dass dieser Blogeintrag auch eher für mich ist, um mir zu sagen, dass meine Leistung in den letzten gut vier Jahren alles andere als klein und unbedeutend ist.

Kentucky Butter Cake

Im Prinzip ein simpler Rührkuchen, aber ich mochte den leichten Whisky-Hauch in der Buttersauce gerne, die kein Guss ist, aber den Kuchen saftig hält und außen ein winziges bisschen knusprig macht. Im Rezept der NYT wird eine irrsinnige Menge von Zucker verlangt, die habe ich sowohl im Kuchen als auch in der Sauce halbiert. Aber mach bitte mit deinem Kuchen, was du möchtest.

Für eine Gugelhupf- oder Springform mit 24 cm Durchmesser. Diese ordentlich buttern und bemehlen, überschüssiges Mehl ausklopfen.

Den Ofen auf 160° Ober- und Unterhitze vorheizen.

Im Rezept wird Buttermilch verlangt; wer die gerade nicht da hat (wie ich), gibt einen Esslöffel Weißweinessig (bei mir der gute philippinische destillierte Essig) in ein Gefäß und gießt es mit simpler Vollmilch bis zur Gesamtmenge von 240 ml auf. Zehn Minuten stehen lassen: Buttermilch.

Jetzt haben wir alles. Los geht’s.

225 g zimmerwarme Butter mit
400 g Zucker (bei mir 200) schaumig rühren. Nach und nach
4 Eier sowie
240 ml Buttermilch unterrühren. Anschließend
385 g Mehl, Type 405,
2 TL Vanilleextrakt (weggelassen),
1 TL Backpulver,
1 TL Salz sowie
1/2 TL Natron unterrühren. Alles in die Form füllen, glattstreichen und für ca. 60 bis 70 Minuten backen. Stäbchenprobe durchführen.

Zehn Minuten, bevor der Kuchen aus dem Ofen muss, die Buttersauce ansetzen.

In einem kleinen Topf
75 g Butter,
150 g Zucker (bei mir 75),
3 EL Wasser und
3 EL Bourbon erwärmen. Die Butter soll schmelzen, die Mischung sollte aber nicht kochen, damit sich der Zucker nicht auflöst. Sonst knackt nachher nix an der Kruste. Aus den drei Esslöffel Bourbon werde ich nächstes Mal fünf machen. Im Originalrezept stehen zwei TL Vanilleextrakt statt Schnaps. Die NYT bzw. die dortigen Kommentierenden meinen, auch Rum oder Sherry wären super. Ich mag Bourbon.

Sobald der Kuchen aus dem Ofen kommt, mit einem Schaschlikspieß oder ähnlichem 15 bis 20 Löcher in den Kuchen bohren, der brav weiter in seiner Form bleibt. Nun langsam alles mit der Buttersauce übergießen, die total malerisch vom Kuchen aufgesogen wird. Den Kuchen mindestens drei Stunden lang in der Form auskühlen lassen, dann vorsichtig stürzen. Mit Puderzucker bestreut servieren. Ein Klecks Jogurt oder säuerliches Beerenobst passt dazu prima. Oder halt Bourbon.