Samstag/Sonntag, 24./25. Februar 2024 – Paula, Pablo und Max

Mit dem Mütterchen in gleich zwei Museen gewesen. Sie wollte gerne im Landesmuseum die Ausstellung „Ich werde noch etwas. Paula Modersohn-Becker in Hannover“ sehen, ich „Pablo Picasso/Max Beckmann. Mensch – Mythos – Welt“ im Sprengelmuseum. Wie nett, dass beide quasi nebeneinander liegen und wir sie entspannt mit S-Bahn und Bus erreichen konnten.

Fazit gleich vorneweg: Gut, dass das Mütterchen zu Modersohn-Becker wollte, die Ausstellung war nämlich deutlich interessanter als die der Jungs, die ich gleichzeitig als Materialschlacht und Verschwendung wahrgenommen habe. Die Grundidee bei Modersohn-Becker: „Hallo, wir sind das Landesmuseum, uns gehören 39 Werke der Künstlerin. Hier sind sie alle.“ Das alleine wäre ja schon eine simple, aber nachvollziehbare Ausstellungsidee gewesen, aber das Museum hat mir persönlich gleich noch einen Gefallen getan und auf jedes Schild geschrieben, wann und wie das betreffende Werk in die Sammlung kam. Ich finde Sammlungsgeschichte nicht erst seit dem Thema Provenienzforschung spannend, sondern habe mich das durchaus schon früher gefragt: Was wird gesammelt und warum? Wird eine Periode gesammelt, ein Motiv, einfach mal alles, was geht und auf dem Markt ist? Wie verändern Stiftungen das ganze? Und auf so ziemlich alle Fragen konnten mir die gut lesbaren Schilder Antworten geben.

Die komplette Sammlung war am Ende der wenigen Räume auch noch einmal zusammengefasst als Schaubild zu sehen, so einfach, so gut. Ich habe es nicht fotografiert, denn ich wollte natürlich den Katalog mitnehmen, aber, einziger Wermutstropfen, der ist gerade ausverkauft. Die Ausstellung sollte eigentlich gestern beendet werden, sie wurde aber netterweise noch bis Oktober verlängert und dementsprechend wird der Katalog nochmal nachgedruckt. Muss ich ihn halt bestellen, durchgeblättert habe ich ihn in der Ausstellung schon, der gefiel.

Ich muss gestehen, dass ich Modersohn-Becker nie so richtig auf dem Schirm hatte; in Hamburg hängt recht viel von ihr, aber ich konnte mich nie mit ihr anfreunden. Keine Ahnung, warum das in Hannover auf einmal funktioniert hat, vielleicht sind es auch ein paar Jahre Studium und mehr Wissen um die Zeitgeschichte, die mir den Zugang erleichtern, aber ich stand schon im ersten Raum wie ein Idiot und dachte innerlich, wie konntest du diese Frau nur so verkennen? Ich gelobe Besserung und werde mich im ZI kurz festlesen. Ach, Lesen, richtig, ein zweiter Wermutstropfen: An den Wänden standen Zitate der Malerin, aber nie, woher die Sätze stammten. Das hätte mich schon interessiert, ob das ein Brief war oder ein Tagebuch, also für jemanden anders oder nur für sich bestimmt.

Immerhin das hat die Picasso-Beckmann-Ausstellung hingekriegt, wo auch überall Zitate standen und zwar mit Quellengabe. Das konnte die Schau für mich aber trotzdem nicht mehr retten. Schon die Begriffe im Titel sind so dermaßen nichtssagend und auf so gut wie alle Künstler*innen anwendbar, dass ich nicht so genau wusste, was jetzt eigentlich kommt. Und das hat mir die Ausstellung auch nicht erklären können, warum man die beiden Herren, die sich nie begegnet sind, nun unbedingt zusammen zeigen muss. Im Katalog wird mehrfach erwähnt, dass von 1942 bis vermutlich 1947 im MoMA Picassos „Guernica“ neben Beckmanns erstem Triptychon „Abfahrt (Departure)“ hing, okay, schöner Fakt, aber wenn ihr unbedingt vergleichen wollt, warum dann eine Wand Pablo und eine Max und ich muss wild hin- und hergucken? Ich habe auch kaum Werke entdeckt, die man miteinander in Verbindung setzen könnte, wie auch, wenn die Herren sich halt nie aufeinander bezogen haben. Wilde Kombis herzustellen, ist ja erstmal eine aufregende Sache, aber dann hängt das doch auch.

Im Kopf habe ich also einen Cut gemacht und mir einfach erst Picasso angeguckt und dann Beckmann. Da waren durchaus tolle Werke dabei, die ich noch nicht kannte, logisch, es sind ja auch tolle Künstler. Aber mich hat diese aufgesetzte Klammer immer genervt. Ich muss mich irgendwie davon lösen, Ausstellungskonzepte verstehen zu wollen und einfach nur Einzelwerke genießen, sonst bin ich dauernd von irgendwas genervt, glaube ich.

Der NDR hat ein paar Aufnahmen aus der Ausstellung, gleich im ersten Bild hängt „Die Brieflektüre“ (1921) von Picasso, das ich noch nicht kannte und meine liebste Entdeckung in der Ausstellung war. Was mich etwas erschüttert hat: wie schlecht Beckmann im direkten Vergleich zu Picasso wegkommt. Ich liebe Beckmann, deswegen wollte ich auch die Ausstellung sehen, aber direkt neben dem Jahrhundertkünstler Picasso kann man anscheinend nur abstinken. Ja, die feministische Kunstgeschichte arbeitet sich schon länger am Menschen Picasso ab, der vermutlich ein Arschloch war, aber seine Werke sind großartig. Ich lasse auf den Blödmann nichts kommen.

Wo ich schon den Katalog erwähnte: Auch über den möchte ich meckern. Nicht über den Inhalt, der quergelesen informativ und schnafte ist, aber über die Abbildungen. Hier eine Seite mit „Guernica“ und „Departure“. Ja, wir können das alle ergoogeln, aber wenn euch die Bilder in den Essays so egal sind, dann lasst sie doch gleich weg. „Guernica“ in Briefmarkengröße ist mehr als albern, und wenn wir schon farbige Bilder haben, wären die farbig gedruckt auch nett.

Und trotz allem Genöle über die Caspar-David-Friedrich-Ausstellung: Der Katalog ist toll. Und hat große Bilder, auch in den Aufsätzen.


Ereignislose Rückreise am Sonntag, auch mal schön. Lief alles.