Donnerstag, 23. Mai 2024 – Brandt

Noch nicht ganz durch, aber bisher finde ich die vierteilige Serie zu Willy Brandt und Günter Guillaume recht unterhaltsam. Auch weil als heutige Talking Heads nur Frauen zu Wort kommen, wie die SZ beschreibt:

Guillaume war 1956 mit seiner Frau Christel aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen, offiziell als Flüchtling, hatte sich nach seinem Eintritt in die SPD in erstaunlicher Geschwindigkeit zum Parteifunktionär hochgearbeitet und war dann letztlich im Bundeskanzleramt gelandet, zuletzt als persönlicher Referent von Willy Brandt. In diesem Job, der von der Stasi einmal abgesehen sein letzter werden sollte, hielt er sich dann noch bemerkenswert lang, als die westdeutschen Sicherheitsdienste schon rausgekriegt hatten, dass er im Auftrag des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR im Westen unterwegs war, fast ein Jahr lang. Diese für die Sicherheitsapparate beider Staaten eher peinliche Episode, die Brandts Kanzlerschaft den Garaus machte, ist seit Guillaumes Verhaftung im April 1974 und Brandts Rücktritt wenige Wochen später schon viele Male verfilmt und beschrieben worden. Jetzt haben Jan Peter und Sandra Naumann das noch mal gemacht. Die Besonderheit: Sie haben nur Frauen befragt, Historikerinnen, Zeitzeuginnen, politische Weggefährtinnen. Männer kommen nur in Archivausschnitten zu Wort, aber auch da hat meist Christel Guillaume das Wort.

Das klingt zunächst einmal, als wäre es eher originell als zwingend, aber tatsächlich spielt diese ganze Guillaume-Affäre vor dem Hintergrund von etwas, was man getrost als Bonner Männerrepublik bezeichnen darf. Es gab einige Frauen im Bundestag und sehr wenige Reporterinnen, und bis heute ist der Blick auf diese Zeit also meist ein männlicher. Das einmal andersherum zu machen, heißt dann hier ganz und gar nicht, dass alles immer nur mit Frauen zu tun hat und ihren Nöten.“

Hier alle Folgen von „Willy – Verrat am Kanzler“ auf einen Blick.