Miami Vice

Miami Vice (USA 2006, 132 min)

Darsteller: Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Luis Tosar, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Ilan Krigsfeld, Tom Towles
Musik: John Murphy
Kamera: Dion Beebe
Drehbuch: Michael Mann
Regie: Michael Mann

Offizielle Seite

Trailer

Die TV-Serie Miami Vice ist ziemlich an mir vorbeigegangen. Ich mochte Don Johnsons Dreitagebart nicht, ich mochte pinkfarbene Shirts an Kerlen nicht, ich fand Ferraris damals doof, und mit Speedbooten konnte ich auch nichts anfangen. Vielleicht hätte ich auf meinen Bauch hören sollen, der mir sagte, der Film Miami Vice könnte mir deshalb auch eher nicht gefallen, selbst wenn die Darsteller weniger Pink tragen, denn im Prinzip ist es immer noch der gleiche Kram: Speedboote, Ferraris – und statt Dons Bart kann man sich heute eben über Colin Farrells blonde Highlights wundern. Mein Bauch hatte leider recht. Mir hat der Film nicht gefallen.

Die Story ist genauso banal wie eine beliebige TV-Folge: Drogendealer lässt Undercover-Cops auffliegen (bzw. zerballert sie fotogen), andere Cops sind deswegen sauer, Crockett (Farrell) und Kollege Tubbs (Jamie Foxx) schleusen sich deswegen total überzeugend in die Gang ein und so weiter und so fort bis zum bleihaltigen Finale. Dazwischen gibt’s ne Menge Bilder mit den schon mehrfach angesprochenen Autos und Booten und Highlights, viele Knarren, schöne Frauen und literweise Mojito.

Was den Film halbwegs interessant machen soll, ist meiner Meinung nach nicht die vordergründige und schon hundertmal gesehene Gutmenschen-versus-Böslinge-Geschichte, sondern die Charakterzeichnung der Hauptfiguren. Jedenfalls habe ich darauf gewartet, dass uns irgendwas über die beiden Detektive erzählt wird, aber alles, was ich bekommen habe, waren zwei lausige Szenen, in denen sie sich tief in die Augen schauen und Jamie seinem Colin versichert: “I’ll never doubt you.” Woraufhin Colin die überaus bescheuerte Storyline weiterspinnt, sich vor den Augen von Kollegen und Dealern in eine Gangsterbraut zu verlieben und mit ihr ein paar Sexszenen nach Reißbrettmanier abzuhandeln.

Unser love interest ist die wunderbare Gong Li, die hier eine ziemlich unausgegorene Figur auf den Leib geschrieben bekommen hat: Einerseits ist sie knallharte Geschäftsfrau (ich hab mich schon gefreut, dass es ein paar gute Frauenrollen im Film gibt, auch wenn gerade Li auf der falschen Seite des Gesetzes steht), andererseits ist sie aber auch ganz Weibchen, das allen Ernstes beim Sex mit Farrell zu heulen anfängt. Gerade bei der Sexszene musste ich mich ziemlich zusammenreißen, um nicht loszulachen, denn neben der hingebungsvollen Träne, die unserer asiatischen Gespielin die zarte Wange herunterkullert, musste ich die ganze Zeit auf Farrells Nase achten. Mir ist noch nie so aufgefallen, dass der Mann eine total mädchenhafte Stupsnase hat. Zusammen mit den blonden Strähnchen in der gegelten Vokuhila, die gerne mit cooler Sonnenbrille ergänzt wird, ist Crockett der Prototyp des metrosexuellen Prolls, der im Schulbus immer hinten auf der letzten Bank gesessen und auf Partys stets die dümmsten Mädels erfolgreich angegraben hat. Daher nehme ich es Gong Li persönlich übel, sich ausgerechnet diesen Waschlappen angelacht zu haben. Andererseits hatte Jamie Foxx auch keine bessere Frisur: Seine exakt rasierten Stoppeln sahen aus wie die Plastikhaare der alten Playmobil-Männchen, die man komplett abschrauben konnte.

Man ahnt es: Mein Problem mit Miami Vice waren seine männlichen Hauptdarsteller. Farrell habe ich seine bärige Toughness keine Minute abgekauft; Foxx schon eher, aber der durfte leider nicht so viel mitspielen. Immerhin war seine Duschszene länger als die von Farrell und seine Sexszene nicht so affig, sondern sogar charmant. Ganz anders die Mädels: Neben Gong Li haben mich zwei weitere Frauenrollen fasziniert. Naomie Harris wusste sich auch als entführte Polizistin noch zu wehren, und Elizabeth Rodriguez hatte nicht nur eine große Klappe, sondern konnte auch verdammt gut zielen. Der Rest der Bande waren dann wieder die üblichen Klischees wie „wortkarger Oberboss“, „schmierige Mittelcharge“ und „verständnisvoller Vorgesetzter“. Schnarch.

Was mich allerdings mit dem Film ein bisschen versöhnt hat, waren seine Bilder: große Panoramen gegenüber kleinen, engen Settings, die sich stimmig ergänzen. Das fast Nebenbei-Abhandeln verschiedener Locations – mal eben die glitzernde Skyline Miamis und davor der dunkle Ozean, die wackelige Kamera lässt die Lichter noch mehr funkeln und wir meinen, die Wellen zu spüren, über die wir gleiten; ein weicher Schwenk über Havanna und seine Strandpromenade, ein kurzer Blick in ein sepiagetöntes Café, ein kleiner Moment zwischen Li und Farrell, der mal nicht aufgesetzt aussieht, weil er so intim ist; staubige Gassen in einer südamerikanischen Stadt, Kabelgewirr, misstrauische Passanten, Reklameschilder. Die Kamera schafft blitzschnell unglaublich viel Atmosphäre – und gerade wenn man es sich irgendwo gemütlich machen will, springt der Film weiter an den nächsten Ort. Diese Unruhe hätte die Story hervorragend unterstützen können, wenn, ja wenn diese Story eben nicht so fürchterlich belanglos gewesen wäre.

So bleibt mir persönlich von Miami Vice nur wenig im Gedächtnis: die Tatsache, dass ich Colin Farrell immer noch nicht mag, dass ich Jamie Foxx aber unglaublich sexy finde, dass ich davon überrascht bin, dass in einem Jungsfilm die Mädels die guten Rollen hatten – und dass weiße Autos doch nicht so blöd aussehen wie ich immer dachte. Reicht nicht für den Daumen nach oben, war aber anscheinend genug, um nicht aus dem Kino zu gehen. Obwohl ich schon nach 20 Minuten darüber nachgedacht habe.