Tagebuch Montag, 10. Dezember 2018 – Mall Walking

Da meckert man zuerst ewig über das aufdringliche Verkaufspersonal im Einzelhandel, das einen nie in Ruhe gucken lässt, dann kauft man nur noch online, weil die Auswahl größer ist und einen niemand nervt, und dann sitzt man plötzlich nach gefühlt zehn Jahren Abstinenz wieder in einem Schuhladen und wundert sich, dass sich niemand um einen kümmert. Das haben wir ja schön hingekriegt.

Meine halbhohen Winterstiefel zum Schnüren sind arg in die Jahre gekommen und zudem ziemlich schwer. Da mein doofer rechter Fuß aber ohne Hilfe schon nicht in Stiefeletten reinkomt – ich kann diese komische gewundene Reinschlüpfbewegung nicht machen – und mein dicker Körper gefühlt an den Waden am meisten Fett angelegt hat, sind Winterschuhe meine persönliche Einkaufshölle. Stiefel sind seit Jahren komplett raus aus den genannten Gründen. Stiefeletten habe ich oft genug anprobiert (also nachdem ich sie im Interweb bestellt hatte) und nölig zurückgeschickt, weil der Reißverschluss nicht mit meinen Waden klarkommt oder mein Fuß nicht mit allem und ach es ist ein Kreuz und daher habe ich dieses Problemfeld so lange wie möglich ignoriert. In normalen Wintern muss ich eh nie so lange vor die Tür, dass mir die alten Stiefel wirklich Stress machen; ich brauche kein Schuhwerk für die Alpen bei Tiefschnee, ich brauche nur irgendwas, mit dem ich an der Bushaltestelle nicht friere. Beim letzten Stadionbesuch habe ich allerdings missmutig festgestellt, dass das Futter meiner alten Stiefel anscheinend jetzt wirklich die Arbeit eingestellt hat, mir wurde trotz Thermosocken etwas kalt an den Füßen. Also: neue Winterschuhe.

Online wurde ich nirgends fündig, auch weil ich online schlicht nicht sehen kann, ob die Schäfte weit genug sind. An den hübschen Modelwaden haben sie immer noch gefühlt zehn Zentimeter Spiel, an meinen sieht das erfahrungsgemäß sehr anders aus. Natürlich gibt es Stiefel mit weiten Schäften oder Fußbetten, aber deren Auswahl ist noch winziger als die von anderen Schuhen. Und nach drei, vier Jahren sinnlosem Zurückschicken habe ich mich jetzt in mein Schicksal gefügt, Schuhe anscheinend wirklich anprobieren zu müssen, bevor ich sie kaufe. Außer Sneaker, weswegen ich die weiter online kaufe, noch nie was zurückschicken musste und immer gerne trage.

Ich wühlte mich also durch einige Websites von Schuhgeschäften, die ich in München finden könnte. Meist war die Auswahl akzeptabel, einige hatten sogar einen Storefinder, bei dem man nachschauen konnte, ob das gewählte Paar in der gewählten Größe in einem Laden in der Nähe vorhanden ist, was ich ziemlich nett fand. Dafür stehen auf Websites aber auch scheußliche Dinge wie: „Egal zu welchem Anlass, ein neues Paar Schuhe von [Firma] lässt Frauenherzen höher schlagen und auch das Damenschuhe kaufen soll schon das eine oder andere Glücksgefühl in einer Frau ausgelöst haben .“ (Interpunktion wie im Original), was mich in dem Wunsch bestärkte, in dem Laden schon mal nicht einkaufen zu wollen. Ich wollte nun aber auch nicht die ganze Kaufingerstraße runterlatschen, vor allem, weil da gerade Weihnachtsmarktbuden rumstehen, und deswegen entschied ich mich für das Olympia-Einkaufszentrum. Das ist in meinen Augen eher etwas schraddelig, aber immerhin stehen einem keine Glühweinnasen im Weg.

Ich hatte online nachgeschaut, wo die Geschäfte waren, in die ich gehen wollte/musste, kletterte in eine U-Bahn, stieg einmal um, musste 30 Meter frische Luft zwischen U-Bahn-Ausgang und Mall-Eingang überwinden und befand mich dann in der klimatisierten – vulgo: zu warmen – Einkaufspassage. Den ersten Laden fand ich auch sofort, wollte aber eigentlich zunächst im anderen nachschauen. Den fand ich allerdings nicht da, wo ich ihn mir gemerkt hatte. Netterweise stehen überall große Touchscreens rum, an denen man suchen kann, wo welcher Store ist, aber ich hatte irgendwie Lust, ein bisschen rumzulaufen. Es war nicht sehr voll, und so latschte ich sinnlos an Läden und Fressbuden vorbei und erinnerte mich an meinen ersten USA-Urlaub, wo Karl und ich auch sinnlos durch eine Mall gegangen waren, einfach weil er mir das Mall Walking zeigen wollte, was ich damals genauso seltsam fand wie heute. Als ich in Berlin gebucht war (2008/2009), lief ich ab und zu durchs Alexa, aber das war mir immer zu eng und zu voll. Nach kurzer Zeit fand ich den zweiten Laden, drehte aber noch eine Runde, ging dann zu ihm zurück – und fand nichts, was mir irgendwie hübsch vorkam oder passend oder bezahlbar. Ich wühlte gut zehn Minuten durch alle Regale, war auch irgendwann bei den Herrenschuhen (soll ja auch Männer mit kleinen Füßen geben) und spätestens da hätte ich gedacht, dass mich mal jemand anspricht, aber nichts. Ich habe auch nicht irre viel Personal gesehen, vielleicht sind Verkaufsgespräche auch gar nicht mehr en vogue.

Ich ging zum zweiten Laden, wo noch weniger Personal unterwegs war; ich sah nur jemanden an der Kasse und eine Dame, die Kartons in Regale räumte, bis ihr ein weiterer Kollege recht atemlos zu Hilfe kam. Es war kurz nach 11 Uhr, und er erzählte, dass er wegen des Streiks erst jetzt hatte kommen können. Ach stimmt, da war ja was. Lag es daran, dass gestern so wenig los war? Ich ging auch hier von allen unbehelligt durch die Regale und fand bei der zweiten Runde endlich ein Paar, bei dem ich nicht sofort zurückzuckte. Es hatte nicht die Farbe, die ich haben wollte, aber: Die halbhohen Stiefel konnte ich weit genug aufschnüren, um problemlos, also mit Hilfe eines Schuhanziehers, hineinzuschlüpfen, und durch die Schürsenkel hatte ich auch genug Spielraum für meine Waden und musste nicht mit einem Reißverschluss kämpfen. Warm schien ihr Futter auch zu sein und gut rumlaufen konnte ich auf zehn Metern Ladenfläche auch. Okay, dann habe ich jetzt halt blaue Stiefel statt schwarze. Mir ist Kleidung immer noch bemerkenswert egal.

Nicht mal an der Kasse musste ich meinen Standardsatz „Nein, ich brauche wirklich kein Imprägnierspray dazu“ aufsagen, aber immerhin hatte ich da menschlichen Kontakt. Und beim Verlassen des Ladens wurde mir vom atemlosen Kollegen auch noch ein schöner Tag gewünscht. Der hatte ein paar Minuten vorher einer Kundin die Auskunft gegeben, sie möge in ein paar Tagen doch nochmal vorbeischauen, vielleicht sei ihr gewünschtes Paar Schuhe dann in ihrer Größe da, auf die Bestellungen hätten sie leider keinen Einfluss. Das kommt mir arg seltsam vor, dass die Filiale der Kette nicht selbst entscheidet, was sie ordert. Ist das so? Haben wir mit unseren Onlinekäufen Offlinekäufe noch schwieriger gemacht als sie es eh schon waren, weil jetzt vielleicht nur noch im Laden steht, was auch online gut weggeht? Keine Ahnung.

Auf dem Nachhauseweg Bücher im Buchladen bestellt. Immerhin da habe ich mein Einkaufsverhalten schon vor Längerem geändert.

Ich kann mit beiden Listen nur bedingt etwas anfangen, aber vielleicht ja ihr: 15 Books to Read by Black Female American Writers (NYT Magazine) und Das sind die besten Wirtschaftsbücher von Frauen (Handelsblatt). #frauenlesen

Tagebuch Sonntag, 9. Dezember 2018 – Vormittags-, Mittags-, Nachmittagsschlaf

Den Morgen vergammelten wir gemeinsam im Bett, bis F. leider los musste. Ich räumte den Rest der Samstagabendfeier auf oder weg, spülte ein paar Gläser nach, die dem Geschirrspüler anscheinend zu anstrengend gewesen waren, schüttelte die Tischdecke auf dem Balkon aus und machte aus dem Esszimmer wieder ein Arbeitszimmer.

Dann nahm ich mir vor, auf dem Sofa zu lesen, nickte aber quasi weg, sobald mein Hintern eine weiche Unterlage hatte. Nachmittags arbeitete ich ein bisschen, genoss den kleinen Rest der Kürbissuppe von vorgestern und dachte, dann geh ich halt jetzt lesen – und schlief wieder ein. Abends wollte ich dann die Salatreste verputzen, die noch ohne Dressing rumstanden. Dazu wollte ich mir wieder eine Mayonnaise anrühren, denn das hatte ich ja jetzt perfekt drauf.

Etwas später als gedacht, aber mit totalem Lerneffekt, genoss ich dann mal wieder Caesar Salad. Zum Lesen hatte ich jetzt keine Lust mehr, also gammelte ich vor Amazon Primes Videoladen rum und ging zeitig ins Bett, wo ich noch anderthalb Seiten schaffte, bevor mir die Augen zufielen.

Aber jetzt kann ich endlich ein Zitat aus dem zweiten Kapitel meiner derzeitigen Lektüre anbringen, über das ich seit Tagen grinse, weil es so spezifisch ist: „Als junger Wissenschaftler hatte [Sigmund] Freud sich ganz der experimentellen, empirischen Arbeit gewidmet. Sein Spezialgebiet waren die Hoden von Aalen.“

(Aus: Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent: Europa 1900–1914, München 2009, S. 74.)

Es war noch nie so aufregend, einfach und billig, einen Einstieg in die klassische Musik zu finden

Gabriel Yoran schreibt darüber, wie er als Kind nölig den Klavierunterricht aufgegeben hat und sich als Erwachsener nun Klassik per Streaming neu erschließt. Das ganze ist eine Serie bei den Krautreportern, dieser Artikel ist (heute noch?) kostenlos zum Anfixen lesbar. Hat bei mir funktioniert, ich habe mir mal einen Probemonat gegönnt.

„Ist Klassik nicht das, was einem schon als Kind im Musikunterricht ausgetrieben wird? Peter und der Wolf, Peter und der Wolf, noch ein Peter, noch ein Wolf. Klassik ist auf jeden Fall das, wo man nicht weiß, ob man klatschen darf oder nicht. Klassikkonzerte sind schweineteuer, und die Musik ist völlig überholt. Außerdem hab ich keine passenden Klamotten. Und dies sind nur einige wenige der Ressentiments, auf die ich gestoßen bin, als ich mich für diesen Beitrag umgehört habe.

Die Klassikszene ist nicht ganz unschuldig an dieser Wahrnehmung, aber elitäres Gehabe ist kein Spezialproblem der Klassik. Frag mal jemanden, der sich damit auskennt, ob dies oder das noch Hip-Hop ist oder schon Pop, der wird dir auch was erzählen. Die Grenzen zwischen den Genres werden überall streng bewacht. Das Kennergehabe ist im Techno mindestens so schlimm wie in der Klassik, und die Türpolitik ist im Berghain strenger als in der Philharmonie.

Dennoch ist die Klassik kein Breitensport. Klassikhörer haben höhere Bildungsabschlüsse und verdienen im Schnitt mehr als der Durchschnitt. Der Zusammenhang ist relativ klar: Klassik hören kostet Zeit. Man kann es schlecht nebenher machen, zumindest nicht so richtig. Wer also kaum Freizeit hat, weil Arbeit und Familie einen voll in Anspruch nehmen, wer also keine Muße aufbringen kann, für den wird es schwer mit der Klassik.“

Im zweiten Teil seiner Serie (hinter der Paywall, glaube ich) hört Yoran dann auf mit der Theorie und verlinkt einen Zweiminüter von Chopin, den man sich bitte zweimal anhören soll. Warum, erklärt er auch:

„Denn wenn du einen etwas anderen Weg in die klassische Musik suchst, gibt es mehr Angebote denn je, zum Beispiel die Veranstaltungen professioneller Musikvermittler wie Arno Lücker. Lücker moderierte acht Jahre lang die Reihe „Zwei mal hören“ am Konzerthaus Berlin. Dort werden Stücke zwei Mal gespielt und dazwischen eine knappe halbe Stunde darüber gesprochen. Lücker sagt, man sieht dem Publikum die gesteigerte Intensität beim zweiten Mal Anhören förmlich an. Und genau darum geht es: die Intensität des Zuhörens zu vergrößern.“

Das war ein ganzer Sack voll Groschen, die bei mir gefallen sind. Klar kenne ich auch genug klassische Stücke, die ich mehrfach gehört habe und immer wieder höre, hauptsächlich Opern, jahrelang Wagner, inzwischen düfte Puccinis Turandot mein meistgehörtes Stück sein, vor allem der erste Akt mit seinen fetten Chören und der schönsten Arie aller Zeiten (das hier ist die Aufnahme, die in meinem iTunes-Ordner liegt). Aber auf die Idee, neue Stücke mehrfach zu hören, komme ich selten. Ganz schön doof, denn ich weiß aus der Malerei natürlich, dass sich ein Werk einem immer mehr öffnet oder sich erschließt, wenn man mehrfach draufguckt. Ich bin gespannt auf Yorans weitere Vorschläge.

Was schön war, Samstag, 8. Dezember 2018 – Für Gäste kochen

In den letzten Jahren hatte ich kaum Gäste. Ein paar Mal saßen Kommilitoninnen an meinem Küchentisch, um zu arbeiten, ein, zwei Mal lud ich enge Freunde ein, aber nie mehr als zwei auf einmal, weil sonst die Küche überfüllt gewesen wäre. Richtig gekocht, also richtig im Sinne von „drei Gänge und aufwärts“ habe ich nur für zwei Herren. Für F. schleifte ich sogar mal den Küchentisch in mein damals einziges Zimmer, weil ich es so doof fand, ihn in der Küche zu bewirten.

Küche ist Küche, Esszimmer ist Esszimmer. Alltags am Küchentisch rumlungern: hervorragend. Wenn Gäste da sind: suboptimal, vor allem weil selbst bei drei kleinen Gängen halt viel Zeug und Zutaten und Teller rumliegt und rumstehen, was nach Arbeit und nicht nach entspanntem Beisammensein aussieht. In meiner neuen Wohnung habe ich immer noch kein Esszimmer, aber wie ich gestern erfreut feststellen durfte: Mit einer Decke drüber sieht mein schlichter Schreibtisch plötzlich aus wie ein Esstisch. Und da Luise im Arbeitszimmer hängt, vier Stühle um den Tisch passen und da auch noch ein bequemes Sofa steht, hatte ich plötzlich ein temporäres, atmosphärisch hübsches Esszimmer.

Zu essen gab es drei vegetarische Gänge, von denen ich wusste, dass sie funktionieren und zusammenpassen. Die neue Küche und die neue Bewirtungssitation waren schon Unbekannte genug, da wollte ich wenigstens was auf dem Herd, im Ofen und im Kühlschrank haben, über das ich nicht viel nachdenken musste. Und es konnten auch alle Gäste alles mitessen, was ja generell eine gute Idee ist. Vorneweg gab’s meine geliebte Kürbissuppe, danach eine Ziegenkäsetarte mit karamellisiertem Knoblauch plus Salat dazu, und als Nachtisch Himbeer-Cantuccini-Parfait, das ich mal nicht in eine Kastenform gegossen hatte, sondern in lustige Silikonformen. Anrichten kann ich immer noch nicht, aber endlich habe ich mal diese Formen benutzt, die auch seit Jahren bei mir rumliegen.



Ich habe es sehr genossen, wieder etwas länger zu kochen und vorzubereiten. Beim Parfait nahm ich nicht wie sonst den Mixer, sondern mal brav den Schneebesen, genau wie vor ein paar Tagen bei der Mayonnaise und ich behaupte natürlich, dass die Konsistenz des fertigen Desserts besser war als vorher. Bei der Tarte verließ ich mich weniger auf die Minutenangaben im Rezept, sondern auf meine Erfahrung von den letzten Malen der Zubereitung und auf meine Sinne: Sieht es richtig aus? Duftet es so, wie es soll? Und: zwischendurch mal probieren. An die Suppe kam deutlich mehr Salz als sonst, die Tarte blieb länger im Ofen als sonst, und ich war mit allem sehr zufrieden.

Es war schön, wieder Zeit auf Dinge aufzuwenden, von denen ich ein bisschen Angst hatte, sie wären mir in der kleinen Wohnung entglitten. Ich war oft so genervt von dem wenigen Platz, den ich oben hatte, dass ich lieber eine Pizza orderte als sie selbst zu machen, obwohl das zeitlich ungefähr auf dasselbe rauskommt. Meiner Empfindung nach habe ich in der kleinen Wohnung seltener gekocht und auch weniger aufwendig als vorher in Hamburg, und ich befürchtete, dass mir der Spaß an der Sache irgendwie abhanden gekommen wäre. Diesen Gedanken kann ich jetzt beruhigt abhaken: Das war eine große Freude, wieder für mehr Personen als nur mich oder nur F. und mich zu kochen, selbst wenn wir nur zu viert waren und der größte Teil meines Geschirrs noch bei meinen Eltern liegt, was ich schmerzlich bei den kleinen Dessertellern gemerkt habe. Ich habe aber jeden Handgriff genossen, weil er mal wieder bewusst war, und mich über jeden gefreut, weil ich gemerkt habe, dass ich mich eben freue. Ich war den Abend über sehr entspannt, was natürlich auch an den charmanten Gästen gelegen hat, und wusch ebenso entspannt um ein Uhr morgens noch ab. Das hat sich anscheinend auch nicht geändert: Ich will morgens nicht in eine verdreckte Küche kommen.

Alles zusammen hat sich wieder ein bisschen wie das alte Leben angefühlt, nur in einer anderen Stadt und mit anderen Menschen und anderen Gesprächsthemen. Also das alte Leben in anders. Das war schön.

Tagebuch Freitag, 7. Dezember 2018 – Fusseltag

Zu lange im Bett geblieben, Blei in den Knochen, ich wollte nicht aufstehen.

Dann zu lange gebloggt. Also zu lange im Sinn von „Das passt jetzt eigentlich gar nicht mehr in meinen Zeitplan“. Aber das wollte ich dann doch mal wieder aufschreiben, wie glücklich Kochen und Essen machen.

Nun aber endlich: in Ruhe Kaffee trinken und losarbeiten. Da meldete sich F., der einen besonderen Mittagsplan hatte (aus Gründen, wie wir im Interweb sagen), was dazu führte, dass ich meinen Kaffee recht hastig (und viel zu spät) trank und um 11.30 Uhr im Block House saß, das erste Mal im Block House in München. Seit Jahren wollte ich da hin, weil ich es aus Hannover und Hamburg mit guten Erinnerungen verbinde. Das gestern war allerdings nix: Mein Steak verdiente seinen Namen nicht so recht, auch die Pommes hatte ich schon besser, das Knoblauchbrot ist allerdings immer top, das habe ich noch nie so hinbekommen, ich liebe es. Der Service war toll, man sitzt da gut, alles hübsch, aber als wir draußen waren, hatte ich das Gefühl, dass das mein Abschiedsessen von dem Laden war. Gibt bessere Steakhäuser. Seufz.

Für den Nachmittag hatte ich mir eine etwas ausgedehntere Einkaufstour vorgenommen (aus Gründen, wie wir usw.), aber wo ich jetzt schon mal draußen vor der Tür war, erledigte ich das halt sofort. Als kleiner Maulesel kam ich zurück, holte die Zeitung aus dem Briefkasten und warf sie, genau wie die der letzten Tage, gleich ins Altpapier, ich habe gerade keine Lust auf Zeitunglesen. Vielleicht doch das Abo kündigen?

Mit vier Stunden Verspätung saß ich dann endlich am Schreibtisch und arbeitete, bevor ich abends zu kochen begann, denn heute abend habe ich Gäste. Vielleicht weiß der eine Gast jetzt auch schon, was es zum Nachtisch gibt, denn das hatte ich natürlich vergessen, dass er auf Twitter mitliest, als ich mich kurz hysterisch auskotzen musste.

How Cory Booker’s “Baby Bond” Proposal Could Transform the Reparations Debate

Im Artikel geht es um den Demokraten Cory Booker, der vermutlich irgendwann mal Präsidentschaftskandidat wird. Irgendwo mittendrin verbarg sich aber eine Zahl, die mich fassungslos machte und die die systemische Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß in den USA unterstreicht:

„There was a deeper inequity that those programs could not touch, Booker went on, which was that “wealth disparities in our country are growing and growing,” and they are particularly acute between whites and blacks. The average black family has wealth of about seventeen thousand dollars, while the average white family has wealth of about a hundred and seventy thousand dollars, according to William Darity, a professor of public policy at Duke. During the Obama Administration, Darity concluded that his preferred remedy, direct reparations to African-Americans, was not politically feasible. So he and a colleague, Darrick Hamilton, of the New School, began modelling a proposal to provide a trust account to each American child. The idea had been kicking around in liberal policy circles for years—Gordon Brown implemented a version in the United Kingdom, and Hillary Clinton proposed one in a speech in September, 2016—but Darity and Hamilton wanted a “birthright endowment” big enough to begin to reduce the wealth gap and its adverse effects on African-Americans. They tilted it so that vast benefits would flow to the children of the poorest Americans, allowing them to pay for college or a new home, and only modest ones to the richest. They developed a program that could meaningfully change the distribution of wealth in the United States.“

17.000 im Vergleich zu 170.000. Es verdeutlicht, warum dieses geplante Startguthaben so einen Unterschied machen würde:

In the “baby bond” proposal that Booker announced as a bill this fall, the government would create a trust account containing a thousand dollars for each infant. Each year, the Treasury would add as much as two thousand dollars, depending on the child’s household income, so that by adulthood the children of the poorest families would have a nest egg of nearly fifty thousand dollars. The money could be withdrawn only to buy a house or to pay for higher education or professional training. Booker estimated the cost of the proposal at sixty billion dollars a year, and said that he planned to pay for it by, among other things, raising estate taxes back to their 2009 levels and then raising taxes on the largest inherited fortunes—those of more than eighty million dollars—further still. Democratic policy has long taxed the wealthy to pay for social programs (schools, health care, jobs training) that enable social ascent; Booker is proposing a more direct conversion of wealth of the rich into wealth for the poor. His plan is not as precisely targeted toward people of color as it might be: because the federal government cannot determine the value of the assets held by any given American family, the amount children receive is determined by their parents’ wages, a scale on which black families tend to appear better off than they actually are. Even so, Booker’s staff has calculated that the average white child would accrue about fifteen thousand dollars through the program, and the average black child would gain twenty-nine thousand dollars—making it the largest asset for most black families.“

Hear the Sounds of Wind on Mars, Recorded by NASA’s InSight Lander

Selbsterklärende Überschrift. Mal dem Mars lauschen. Ich finde es irrwitzig. Und die Geräusche unheimlich, vor allem die zweite Klangprobe.

Tagebuch Donnerstag, 6. Dezember 2018 – Krampus und Caesar Salad

Der Tag begann damit, dass ich überrascht und freudig feststellte, dass in meinen Sneakers an der Eingangstür ein Schokonikolaus steckte, der seinen Kumpel Krampus aus Wien mitgebracht hatte. Also eigentlich hatte F. beide aus Wien mitgebracht, der kleine Racker, und von mir unbemerkt in meinen Schuhen deponiert. Das war ein schöner Tagesanfang.

Gearbeitet, rumgepuzzelt, in Salz. Fett. Säure. Hitze. das Salz-Kapitel zuende gelesen, das ich vorgestern begonnen und in dem ich bereits mein Mittagessen für gestern gefunden hatte.

Caesar Salad ist mein absoluter Lieblingssalat. Ich glaube, ich habe kein Essen, auch wenn es noch so unfotogen ist, so oft geinstragrammt wie diesen Salat, weil er einfach immer gut ist, egal wie huschig ich ihn zubereite. Okay, eigentlich ist er eine Entschuldigung, um einen Berg Knoblauchcroutons zu essen, aber das behalten wir einfach mal für uns.

Im Salz-Kapitel tauchte nun genau dieser Salat als Lernvorlage auf: Man sollte an ihm bzw. seinem Dressing ausprobieren, wie man Salz schichtet, also wie man verschiedene salzige Zutaten zusammen verwendet und wie anders alles wird, je nachdem was man hinzufügt. An diesem Dressing sollte man auch Abschmecken üben.

Ich koche jetzt seit fast zehn Jahren halbwegs regelmäßig – oft genug reicht auch ein Sandwich zum Abendessen, das ist nicht Kochen –, aber ich habe immer noch das Gefühl, keine Intuition für die Sache entwickelt zu haben. Ich befolge Rezepte ziemlich sklavisch, weil ich meist nicht wüsste, was ich ändern sollte außer vielleicht Dinge wegzulassen, die ich nicht mag oder die ich gerade unnötig finde (meistens Fleisch). Ich behaupte, ich habe mir gewisse Grundfertigkeiten beigebracht, aber ich koche sehr oft das Gleiche, weil ich weiß, dass es funktioniert. Mir fehlt (noch?) die Fähigkeit, aus dem Gelernten etwas Neues zu machen. Also anders als an der Uni, wo einem auch niemand die Hausarbeiten schreibt, man aber die Grundfertigkeiten beigebracht bekommt (wo ist die Bibliothek, wie funktioniert sie, wie finde ich einen Aufsatz). Da habe ich recht schnell kapiert, wie ich aus Bauklötzen ein Haus bauen kann, vor allem, weil ich so viele andere Aufsätze lesen musste, um selber welche zu schreiben.

Genauso habe ich eigentlich gewisse Grundlagen beim Kochen drauf, aber ich bekomme die Einzelteile noch nicht selbständig zu etwas Neuem gepuzzelt. Deswegen gucke ich so gerne Kochshows wie Masterchef, wo die Kandidat*innen beispielsweise eine Grundzutat vorgegeben bekommen und daraus was zaubern müssen. Ich bin jedesmal wieder davon erstaunt, was man alles aus, keine Ahnung, Tomaten machen kann außer Suppe, Salat und dem Klassiker „zwei Scheiben davon aufs Käsebrot“. Deswegen habe ich mich gestern so über die verkohlten Zwiebeln gefreut: Ich wäre nie auf die Idee gekommen, sie bewusst anzubrennen, weil ich die Grundfertigkeit „mit starken Aromen arbeiten“ schlicht noch nicht drauf habe.

Auch von Masterchef gelernt habe ich solche simplen Dinge, über die alle geübten Köch*innen vermutlich gutmütig mit den Augen rollen, wie: Jedes Gericht sollte verschiedene Texturen haben oder unterschiedliche Aggregatzustände, damit der Mund sich nicht langweilt. Also knackig plus schmelzig. Oder fest und weich. Oder auch mild und scharf sowie heiß und kalt. Ich habe mal als Schreibtipp gelesen, sich seine Lieblingsbücher analytisch vornzunehmen, um herauszufinden, warum genau sie die Lieblingsbücher sind, damit man daran seine eigenen Geschichten orientieren kann. Das versuche ich seitdem auf meine Lieblingsgerichte anzuwenden: Warum schmecken mir manche Dinge besser als andere? Ich mag zwar die mummelige Gleichförmigkeit von Spaghetti Carbonara (gleiche Temperatur und Mundgefühl aller Zutaten, alles recht salzig), aber ich mag genauso die Wundertüte Salade niçoise (warm und kalt, weich und fest, Geschmäcker von mild bis salzig). Generell war ich erstaunt darüber, dass ich beim Nachdenken über Lieblingsgerichte doch eher an salzige als an süße dachte – vermutlich weil letztere einfach nur das sind: süß. (In diesem Zusammenhang: Hände weg von Schokolade, die ist perfekt so wie sie ist! Das Grauen von Chili-Schokolade!)

Zusammengefasst: Ich würde gerne etwas strukturierter meine Kochfähigkeiten ausbauen. Da ich körperlich keine Kochausbildung mehr hinkriege und ich auch keine Lust auf VHS-Kurse mehr habe, erhoffe ich mir von Büchern wie Salz. Fett. Säure. Hitze. ein bisschen mehr Grundwissen, das ich schlicht übersprungen habe beim Rezeptekochen, und damit verbunden mehr inneres Handwerkszeug, um nicht immer das Gleiche einzukaufen und daraus immer das Gleiche zu kochen.

Deswegen fand ich es reizvoll, einen Caesar Salad neu zu lernen, gerade weil ich den schon so oft gemacht habe – so konnte ich vergleichen. Es ging im Buch nicht darum, die Romamasalatblätter besonders schick zu schneiden oder wie man aus Brot Croutons macht, das habe ich so gemacht wie immer. Es ging stattdessen darum, das Dressing von Grund auf zu verstehen. Das Buch gibt keine Mengenangaben vor (wieviel Worcestersauce, wieviel Parmesan, wieviele Sardellen?), sondern sagt nur: Probier mal aus, davon was zur Majo zu geben. Dafür gab es eine Mengenangabe, die mir auch noch nicht bekannt war: 175 ml Öl auf ein Eigelb. Ich hatte gefühlt nur recht kleine Eier und benutzte daher erstmal 150 ml, aber das war zuwenig, wer hätte es gedacht. Mayonnaise habe ich bisher mit dem Pürierstab gemacht und mich auch da an Rezepte gehalten. Dieses Mal griff ich zu Schüssel und Schneebesen. Alleine das war toll, weil es sich danach angefühlt hat, Grundlagen zu erlernen. Erstmal die Basics verstehen, dann kannst du immer noch zum Zauberstab greifen.

Ich begann also mit dem Mise en Place (auch so eine schöne Grundfertigkeit), was auch im Buch beschrieben wird: Parmesan reiben, Sardellen zerdrücken, Knoblauch mit einer Prise Salz zerreiben, Salz in ein Gefäß schütten, aus dem man mit den Fingern salzen kann, Worcestersauce aufschrauben (das letzte fand ich besonders schnuffig). Für die Majo: eine Zitrone auspressen und Essig bereitstellen. Ich wunderte mich, dass kein Senf verlangt war und googelte erstmal nach: Nein, es muss kein Senf in eine Majo, aber der gibt von Anfang an etwas Säure und Schärfe dazu. Genau das wollte ich ja aber selbst in der Hand haben. Also: Senf wieder in den Kühlschrank stellen, aus dem ich ihn schon vor längerer Zeit geholt hatte, denn immerhin wusste ich schon, dass alle Grundzutaten die gleiche Temperatur haben sollten. Und da ich Eier und Öl nicht im Kühlschrank aufbewahre uswusf.

Ein Salztöpfchen habe ich mir schon vor längerer Zeit angewöhnt, die anderen Handgriffe kannte ich auch, wobei ich das Zerreiben des Knoblauchs mit meinem großen Kochmesser sehr genoss. Auch eine Sache, die bei mir ein bisschen gedauert hatte: mich an große, scharfe (teure) Messer ranzutrauen und nicht immer das kleine Supermarktmesser für alles zu benutzen.

Jetzt aber: ein Eigelb in eine breite Schüssel aufschlagen, das Sonnenblumenöl abmessen und in ein Gefäß umsiedeln, aus dem man kontrollierter gießen kann als aus der wabbeligen Plastikflasche. Aus einem feuchten Handtuch einen Ring basteln, auf dem die Schüssel fest steht (schon was gelernt!). Und dann ganz langsam Öl zum Ei geben und mit dem Schneebesen zügig verschlagen. Das ging besser und schneller als ich dachte! Als ich eine schöne Masse vor mir hatte, ging es ans Abschmecken. Zum ersten Mal schmeckte ich ungewürzte Majo, die quasi nur aus Mundgefühl besteht (Fett halt). Ich gab vorsichtig Zitronensaft hinzu und wusste sofort: Da geht noch was. Noch ein bisschen Saft für die Frische, dann ein bisschen Essig für eine kleine saure Schärfe. Und jetzt das Salz.

Zunächst gab ich den Knoblauch dazu und schmeckte seine ziepende Schärfe sowie das Salz, mit dem ich die Zehe verrieben hatte. Dann die Sardellen, die deutlich weniger fischig waren als ich sie erwartet hatte. Sie gaben der Masse eine gewisse fleischige Tiefe. Vor der Worcestersauce hatte ich vermutlich zuviel Respekt, mit der koche ich nie, das war die einzige Zutat, für die ich gestern einkaufen gehen musste, Rest war im Haus. Deswegen war ich bei ihr sehr memmig und habe sie auch nicht wirklich herausgeschmeckt. Nächstes Mal. Der Parmesan kam extrem geschmeidig und mit winzigen Salzspitzen dazu, und erst zum Schluss gab ich reines Tafelsalz in die Masse. Ich wollte noch ein bisschen mehr Parmesan und dann war ich zufrieden und von dieser simplen Tätigkeit schon sehr beeindruckt. Alleine bewusst zu merken, wie unterschiedlich salzig salzige Dinge schmecken, fand ich spannend und hoffentlich für die Zukunft hilfreich.

Der letzte Test aus dem Buch: ein Salatblatt durchs Dressing ziehen und gucken, ob alles zusammenpasst. Das passte so gut, dass ich gleich den ganzen Romanakopf in die Schüssel tunken wollte, aber ich beherrschte mich brav und zerschnitt den Kopf, während die Croutons in der Pfanne rumknisterten. Der fertige Salat war dann wie immer ein Genuss, und damit verbanne ich mein bisheriges Dressing aus Crème fraîche, Olivenöl und Zitronensaft nach Sibirien.

Die Mayonnaise steht da nur, damit ich mit ihrer perfekten Konsistenz angeben kann. In die habe ich abends einfach Weißbrot gestippt, so lecker war sie (die Majo, nicht die Konsistenz).

Tagebuch Mittwoch, 5. Dezember 2018 – Kochfreuden und ein salzigfettiges Dankeschön

(Zuerst sollten das hier zwei Posts werden, ein Rezept und ein Dankeschön, aber dann fiel mir auf, dass beides gut zusammenpasst. Du musst die Regeln (deines Blogs) kennen, um sie zu brechen. Alte Weisheit der amerikanischen Ureinwohner.)

Vormittags Zeug weggearbeitet, dann von jetzt auf gleich nichts mehr zu tun gehabt und eine neue Folge Masterchef – The Professionals geguckt. Dabei wieder an eine meiner Lieblingsgarnituren in englischsprachigen Kochshows der letzten Jahre gedacht: charred onions, also Zwiebelhälften, deren Ränder verbrannt sind. Sieht superschick aus, hatte ich noch nie gemacht. Jetzt war Zeit da, Mittag war auch schon rum, also ab an den Herd. Und das kam dabei raus:

Sieht unspektakulärer aus als es geschmeckt hat. Im Nachhinein überlege ich, ob ich einen dunkleren Teller hätte nehmen sollen, aber ich mochte gerade die Zartheit der Farben so gerne. Ich übe das auch nach zehn Jahren Kochen noch, dieses Anrichten und Ablichten.

In der Mitte: Pommes Anna. Die hatte gerade jemand bei Masterchef produziert, sonst hätte ich mein übliches schlotziges Gratin mit Sahne gemacht. Pommes Anna gehen ähnlich, aber mit Butter. Für eine Portion habe ich drei mittelgroße Kartoffeln geschält, 3 mm dünn gehobelt und dann brav mit einem Ausstecher alle Scheibchen in die gleiche Größe gebracht. (Wenn Sie das bitte würdigen könnten? Die Reste werfe ich mir übrigens gleich für ein Frühstücksrösti in die Pfanne.) Dann habe ich um die 50 g Butter so halb geklärt: Ich habe sie geschmolzen und den Schaum abgeschöpft, aber nicht mehr abgegossen (vergessen). In einer feuerfesten, gefetteten Form platzierte ich meinen schönen metallenen Servierring, in den ich die Kartoffelscheibchen stapelte: immer eine Schicht einlegen, ordentlich salzen, ein bisschen pfeffern und mit ein bisschen Butter beträufeln. Zum Schluss restliche Butter darüber geben und bei 200 Grad backen, bis die oberste Schicht gebräunt ist. Das waren bei mir ungefähr 25 Minuten. Und wenn ich auch noch den Ring gefettet hätte, hätte ich das schöne Türmchen vielleicht auch heile aus ihm heraus bekommen. Mpf.

Die grünen Tupfer sollten eigentlich Petersilienöl sein, auch schon tausendmal bei Masterchef gesehen, in allen Formaten aus allen Ländern (nur nicht beim deutschen, aber über den möchte ich eh nicht mehr reden). Dazu theoretisch einen Bund Petersilie grob hacken, mit dem Öl des Tages vermischen (bei mir Rapsöl) und pürieren. Danach durch ein feines Sieb oder ein Mulltuch abtropfen lassen, voilá, wunderschönes grünes, frisch schmeckendes Öl. Ich hatte aber keine Petersilie und war auch zu faul, das Haus zu verlassen, also wurde es der jetzt wirklich letzte Rest vom Spinat. Hat auch funktioniert.

Und schließlich die verkohlten Zwiebeln: Dazu (bei mir zwei recht kleine) Zwiebeln durch die Wurzelenden halbieren, so dass die einzelnen Schichten zusammengehalten werden. Die Papierhaut abziehen und in wenig Öl in einer richtig heißen Pfanne mit der Schnittfläche nach unten platzieren. Auf mittlere Hitze zurückschalten und zehn, fünfzehn Minuten braten, ohne sie anzurühren. Sie müssen verbrannt aussehen und dürfen auch so riechen. Danach in der Pfanne noch ein bisschen im Ofen schmoren lassen, damit sie weicher werden. Ich habe dazu schlicht die Zeit genutzt, in der sich der Ofen bis auf 200 Grad für die Pommes Anna aufgeheizt hatte, das war anscheinend okay. Etwas abkühlen lassen, das eine Wurzelende entfernen und die einzelnen Schichten auseinanderfalten. Die kommen einem schon fast entgegen, das geht sehr einfach.

Aus der Papierhaut wollte ich eigentlich Asche machen und sie dekorativ über den Teller streuen, aber ich habe meinen eigenen Bunsenbrennerfähigkeiten nicht so recht getraut und wollte meine schöne neue Wohnung nicht unnötig abfackeln.

Also gab es nur Kartoffeln mit Zwiebeln und Würzöl, und es schmeckte ausgezeichnet. Die milden, noch nicht zerfallenen Kartoffeln mit ihrer knusprigen Oberfläche, die noch knuspriger hätte sein können, nächstes Mal länger im Ofen lassen, und ihrer wundervollen Buttrigkeit. Dazu die noch bissfesten Zwiebeln, die alle Schärfe verloren hatten und nun süß und mild schmeckten, bis auf die kleine rauchigbitterkaramellige Seite. Und dazu das sehr frische Öl, was mich wirklich überrascht hat. Es ist schließlich immer noch Öl, aber das bisschen Grünzeug drin macht schon viel aus. Es fehlte ein bisschen Säure oder Schärfe, das war alles recht mild. Vielleicht nächstes Mal eine Chili ins Öl oder so.

Ich hatte gerade zufrieden den Teller weggestellt und mich über ein größtenteils gelungenes Gericht gefreut, als es an der Tür klingelte. Durch die Sprechanlage kam nicht das übliche mundfaule „Post“, sondern ein fast gesungenes „AMAZON-PAKEEET!“ Ich staunte: Ein Mensch in Amazon-Warnweste statt der gelbroten DHL-Uniform brachte mir ein Päckchen an die Wohnungstür. Darin lag Samin Nosrats Salz. Fett. Säure. Hitze., um das ich seit Monaten herumgeschlichen bin. Vielen Dank an Petra, ich habe mich außerordentlich gefreut, weil es gerade so schön in mein Kochhoch passte! Das Buch musste ich dann auch erst einmal komplett durchblättern, und es hatte schon nach wenigen Seiten im Salz-Kapitel gewonnen:

Schon beim extrem flüchtigen Drüberlesen bekam ich schlaue Dinge mit und freue mich sehr auf die vertiefende Lektüre. Und was ich daraus heute koche – ein Rezept, das ich eigentlich beherrsche, aber nun die Variante von Nosrat ausprobieren möchte –, weiß ich auch schon.

Tagebuch Dienstag, 4. Dezember 2018 – Rahmenladen

Vormittags am Schreibtisch gesessen, gearbeitet, was man halt so macht. Auf verschiedenen Jobs rumgepuzzelt, Orgakram erledigt, alles kaum erwähnenswert. Über die Abschiedsmail meiner Steuerberaterin gerührt gewesen.

Um kurz nach 14 Uhr machte ich mich dann auf einen Weg, den ich mir schon ewig vorgenommen hatte: Ich wollte meine Alugrafie von Leo von Welden rahmen lassen. Leser*innen, die schon länger dabei sind, erinnern sich: Ich habe über den Maler ein, zwei Hausarbeiten während des Masterstudiums geschrieben, die dann zusammengefasst zu einem Katalogbeitrag wurden. Nach der einjährigen Recherche, bei der ich des Öfteren bei der Künstlertochter vorbeischaute, die von Weldens Erbe verwaltet, schenkte mir die Dame drei Werke, die ich mir selbst aussuchen durfte. Von dem Angebot war ich ziemlich überfordert, weil ich nach meinem Rumwühlen in den Grafikschränken und dem Durchstöbern der Regale, in denen die farbigen Bilder standen, viel zu viel gesehen hatte, was mir gefallen hätte. Also griff ich recht schnell zu den Werken, die mir typisch für ihn erschienen.

Die Alugrafie zeigt ein christliches Motiv, mit dem er in den 1920er Jahren seine Arbeit begonnen hatte. Ich datiere das Werk aber eher in die späten 50er, noch eher in die frühen 60er, als er wieder zum religiösen Themenkreis zurückgefunden hatte, nachdem er den in der NS-Zeit vernachlässigt hatte. Das zweite Bild, das ich mitnahm, hat ebenfalls christliche Anmutungen: vier langgestreckte Gestalten in bunten, langen Gewändern, zwei Männer, zwei Frauen, ein Mann macht eine Segensgeste, alle stehen in einem nicht definierten farbigen Raum. Diese langgestreckten Figuren sind typisch für sein Spätwerk, daher wollte ich auch davon gerne etwas mitnehmen. Das dritte Bild ist ein Stillleben mit zwei Fischen, das schon gerahmt war und seit dem Umzug in meiner Küche hängt. Das wollte mir die Künstlertochter ausreden, das sei doch nix, hier, diese Katze wäre doch viel toller. Ich widersprach liebevoll und nahm die Fische mit.

Die farbigen Christen lehnen hinter mir im Arbeitszimmer an der Wand, und ich weiß noch nicht, ob ich die kleine Tafel rahmen lassen möchte. Eigentlich mag ich sie in ihrer Rauheit so ganz gerne, aber sie geht im doch recht dunklen Zimmer schon etwas unter. Die Alugrafie wollte ich aber auf jeden Fall rahmen lassen, denn das feine Blatt sollte nicht länger in einer Mappe rumliegen.

Ich googelte nach Menschen, die Bilder einrahmen, in meiner Nähe, fand eine kleine Werkstatt fünf Minuten von mir entfernt und ging genau dort hin, nachdem ich es wochenlang vor mir hergeschoben hatte. Die Beratung war sehr ausführlich und sympathisch: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl! Sie haben eine Vorstellung von Passepartout und Rahmen, das zeige ich Ihnen auch gerne, aber wenn Ihnen etwas anderes gefällt, dann hören Sie da einfach drauf.“ Genau das tat ich, und so habe ich hoffentlich nächste Woche eine Alugrafie auf mittelgrauem Karton statt Passepartout, weil man so den ungeraden unteren Rand des Blattes sehen kann, was ich sehr mag. Das ganze bekommt einen recht breiten, silbernen Rahmen, womit ich auch nicht gerechnet hatte.

Die … äh … wie nennt man denn Rahmerinnen? Okay, anders: Die Werkstattbesitzerin legte mir weißen, grauen und schwarzen Karton unter das Blatt, damit ich die Unterschiede sehen konnte. Dann verschiedene Grautöne. Dann die Rahmen: zuerst einen weißen, den ich mir vorgestellt hatte, der aber nun mit dem ausgewählten Grau total doof aussah. Schwarz krachte auch zu sehr rein, und so landete ich auch hier bei Grau. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, nicht noch mehr Grau in meine Wohnung zu bringen, da ist schon so viel, aber das sah wirklich am besten aus: Das Bild kam zu seinem Recht, der Rahmen ging nicht unter, sondern lenkte den Blick, die farbige Pappe unterstützte anstatt zu verdrängen. Aber dann meinte sie, Silber könne sie sich auch gut vorstellen. Ich schaute zweifelnd, sie legte ein, zwei Rahmen hin, ich korrigierte meine Flunschfresse zu „Ach, stimmt, sieht wirklich gut aus“, mochte aber die jeweiligen Rahmen in ihrer Gestalt noch nicht, dann kam ein weiterer, der leicht antikisiert aussah und ich wusste: Das isses. Wir probierten noch ein bisschen weiter, aber mein Bauch hatte sich schon entschieden.

Dann kam die beste Verkoofe, die ich je gesehen hatte. „Jetzt noch das Glas.“ Die Werkstattbesitzerin zog einen kleinen Kasten hervor, in dem zweimal dasselbe Blumenbild hinter Glas gefasst war. „Einmal normales und einmal entspiegeltes.“ Und ich machte mich erwartungsgemäß zum Klops: „Ist da echt Glas?“ „Sie dürfen gerne mal draufklopfen.“ Was ich tat, denn das entspiegelte Glas sah man wirklich überhaupt nicht. Ich glaubte es erst, als mein Finger daran stieß. Wie gesagt, beste Verkoofe, simples Verkaufsargument, clever aufbereitet, entspiegeltes Glas gekauft. Hätte ich eh genommen, aber die Präsentation musste ich doch sehr grinsend würdigen.

Spaßeshalber meinte meine Beraterin, wir könnten das Bild auch mal auf Rot legen, das würde sie einfach gerne mal sehen. Dann wollte ich es natürlich auch noch auf Blau sehen. War beides fürchterlich, aber es machte Spaß, die Veränderungen zu beobachten.

Als alles geregelt war, kamen wir ins Plaudern. Sie wollte mehr über Leo von Welden wissen, dessen Signatur sie nicht ganz hatte entziffern können, ich erzählte, sie fragte, wir waren schnell bei der Dissertation, bei NS-Kunst, bei den Pinakotheken, bei der derzeit laufenden Florenz-Ausstellung und der italienischen Renaissance und ich musste mir irgendwann selbst sagen, dass ich wieder an den Schreibtisch musste, sonst hätte ich noch eine Stunde weitergeplaudert. Mit solchen Begegnungen rechne ich olle Einsiedlerin ja nie, deswegen freuen sie mich umso mehr.

Wenn die Rahmung jetzt so gut wird wie das Verkaufsgespräch, bin ich sehr zufrieden. (Preis passte auch.)

Weitere Arbeit erledigt, zwischendurch das Probedessert für Samstag vorbereitet, wo ich meine ersten offiziellen Gäste in dieser Wohnung erwarte, denn jetzt habe ich ja auf einmal Platz für Gäste. Also mehr als einen Küchentisch für vier Leute. Es ist eins meiner Lieblingsdesserts, das ich in den letzten Jahren aber nie zubereiten konnte, weil ich kein Gefrierfach hatte, in dem Sahne-Ei-Zucker-Masse zu Eis oder Parfait wird. Jetzt habe ich sowas wieder, wollte es aber trotzdem vorher mal ausprobieren.

Das führte dazu, dass ich F., der abends vorbeischaute, gleich ein schönes Dessert vorsetzen konnte, wenn auch in schlampiger Ausführung, weil ich nicht wirklich auf Optik geachtet hatte, sondern nur wissen wollte, ob das Zeug denn verdammt nochmal fest wird. Wird es, yay! Kühlschrankliebe!

Gemeinsam eingeschlafen.

‘Working Girl’ Turns 30: On-Set Romances and Secrets of the Staten Island Ferry Revealed in Juicy Oral History

(Total beknackter Titel, bitte trotzdem lesen.)

Working Girl (Die Waffen der Frauen) ist einer meiner Lieblingsfilme. Fieses 80er-Jahre-Kino, aber ich finde ihn immer wieder herrlich. Umso mehr freute ich mich über diese Erzählungen vom Set, die teilweise sogar auf genau die Szenen anspielen, die mir beim ersten Anschauen aufgefallen waren. Zum Beispiel die Szene, in der Tess (Melanie Griffith) auf ihrem Weg zur Arbeit in Businessklamotten und Turnschuhen durch Manhattan geht, bevor sie im Büro in Pumps schlüpft.

„[Producer Doug] WICK: Then, one day in 1985 or early ’86, while walking in lower Manhattan, I saw a woman who from the ankles up was very chic, but she was wearing tennis shoes. In those days, that wasn’t fashionable. I talked to Kevin about doing a story about those girls — the outsider with a face pressed against the glass longing for all of those shiny things inside the jewel of Manhattan.

[Screenwriter Kevin] WADE: Back then, I spent a lot of time on a bicycle riding around New York. There was an abandoned roadway I would get on in the Village and take down to Battery Park. I would see the Staten Island Ferry coming over and those women in sneakers getting off and then stopping to change into [dress] shoes. That’s how I discovered this story — a modern-day immigrant story of a person who comes here not really speaking the language, not with the right clothes, not knowing the customs, but with smarts. It’s the Horatio Alger story. I knew right away it was about a young woman.“

Die Schauspielerinnen erinnern sich an die erste Einstellung im Film und die Kostüme:

„[Melanie] GRIFFITH: Our first day of filming was actually for the first shot in the film on the ferry, and we shot it illegally. There we were — with Joan Cusack — with the big hair and the tennis shoes with all just regular people on the Staten Island Ferry. We shot it without anybody knowing. It was like, “Here we go, now I’m Tess.”

[Joan] CUSACK: Mike gave such brilliant direction, like when we got off the ferry, he said, “Be thinking something in your head. That’s what people do as they walk off a boat, they think about their day or their life.” It was such a cool piece of direction. We worked with Roy Helland, the hair and makeup artist who has been Meryl Streep’s artist forever and ever. He bleached the ends of my hair so it looked like it was burnt. It was so creative. He also said the teasing should take only as long as the ferry ride, so it took 20 minutes and that was my real hair. I always felt like it was like a Kabuki mask — it came on and instantly you were transformed. […]

ANN ROTH, costume designer: Tess lives in Staten Island, and if you sat at the foot of the ferry when it dumped everybody off, that’s what it looked like. We did not tone it up or tone it down. We did the real thing, not a Hollywood version. Some of Melanie’s wardrobe I bought in the ground floor of the World Trade Center. There were shops down there. I knew what kind of salary she had, so the clothes were secretarial in that way. It represented the New York working class in the ’80s, plus a little bit of Wall Street with Sigourney’s character.“

Und auch über den herrlichen Titelsong habe ich Neues gelernt:

„CARLY SIMON, singer-songwriter: […] But I read the script and right away I got the feeling of the ferry boat coming from Staten Island. I thought that there was something hymnal about crossing the river. Jim Hart, my husband at the time, helped me by directing me toward books I’d be inspired by, such as [James Joyce’s] Finnegans Wake. The first word in that book is “Riverrun,” just one word. I wrote the song [“Let the River Run”] over a weekend trip on Martha’s Vineyard and brought it back to New York and played it for Mike and Diane when they came over for dinner. I can’t remember if they cried, but they might have. Then I went to Europe to promote an album and Mike called and said, “You know, we played the beginning over the Eagles’ ‘Witchy Woman’ and everybody really likes it.” I broke out in tears. I said, “Mike, you gotta do what you want but if ‘River Run’ works so well, why would you?” Those words, I think, echoed in his ears and he went back to his editor. I was a hair away from losing that opening to “Witchy Woman.”“

(via @MargueriteJoly)

Tagebuch Montag, 3. Dezember 2018 – Ende einer Ära

Den Tag größtenteils für die Werbung am Schreibtisch verbracht. Zwischendurch einiges an Orgakram weggearbeitet. Dann ein Telefonat mit meiner Steuerkanzlei in Hamburg geführt, die immer noch, über drei Jahre nach meinem endgültigen Umzug, meinen Steuerkram erledigt. Jetzt nicht mehr.

Es hat sich doch einiges geändert in meinem Leben, auch hinter den Kulissen, die hier im Blog keine Rolle spielen, und daher hatte ich vor Kurzem begonnen, mich nach einer neuen steuerlichen Vertretung vor meiner Haustür und nicht am anderen Ende der Republik umzuschauen. Ich scheine jemanden gefunden zu haben, aber bevor ich dort eine Mandantenvereinbarung unterzeichne, muss ich natürlich mit Hamburg Schluss machen. Das tat ich gestern, wurde wie immer freundlich beraten, aber nachdem ich aufgelegt hatte (sagt man noch „aufgelegt“, wenn man am Handy einen Touchscreen berührt?), war ich doch angefasster als ich dachte. Mir in München einen neuen Zahnarzt zu suchen, hat sich nicht so dramatisch angefühlt. Vielleicht weil es eine andere Art von Dienstleistung ist, und weil ich schon recht oft meinen Zahnarzt gewechselt habe. (Mir fällt gerade auf, dass ich nur als Kind eine Zahnärztin hatte, sonst waren es immer Kerle.)

Ich habe mich Anfang 2008 selbständig gemacht. Der erste Gang ging aufs Arbeitsamt, denn damals bekam man noch Gründungszuschuss (danke, Vattern Staat). Die zweite Amtshandlung war, sich steuerliche Vertretung zu besorgen. Was weiß denn ich, was ich als Selbständige anders machen muss als als Festangestellte? Ich wollte das auch gar nicht wissen, ich wollte vom Wissen anderer profitieren, so wie ich auch mein Auto nicht selbst repariere (wenn ich noch eins hätte) oder meine Kleidung nicht selber schneidere oder meine Möbel bei Umzügen nicht selber trage. Das können andere deutlich besser als ich, und dann sollen die das auch bitte für mich erledigen und ich rücke Geld dafür raus.

Ich hatte vorher also nie eine Steuerberaterin, jetzt hatte ich eine, die ganze Selbständigkeit durch, und jetzt habe ich sie nicht mehr, sondern jemand anders. Es ist die gleiche Tätigkeit, aber es war eben wieder ein Abschied von Hamburg, jetzt, glaube ich, der letzte, jedenfalls auf professioneller Ebene. Es hat mich selbst überrascht, wie sehr ich danach seufzend durch die Gegend sinniert habe.

Kürbisrisotto mit Walnuss-Petersilien-Pesto zum Abendessen. Das war sehr gut.

Die Online-Sammlung des Lenbachhauses

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus hat gestern Teile ihrer Sammlung online gestellt und anscheinend mit der VG Bild-Kunst gute Konditionen herausgeschlagen, denn es sind auch Werke zu sehen, deren Urheberrechte noch nicht abgelaufen sind. So kann man sich zum Beispiel viele Stücke von Beuys anschauen, was mein erster Suchbegriff war, den ich ausprobierte. Auch beim Suchbegriff „Neue Sachlichkeit“ spuckt die Sammlung einiges aus. Die Seite gibt selbst den Vorschlag „19. Jahrhundert“ als Suchbegriff einzugeben, das klappt auch ganz gut, auch wenn Bilder bis 1944 auftauchen. Bei diesem Begriff taucht aber auch eine Zeitleiste auf, die man per Regler verschieben kann, was ich sehr schön fand. Mit dem Suchbegriff „20. Jahrhundert“ konnte der Algorithmus dann allerdings nichts anfangen, was mich etwas verwirrte.

Im Moment scheint der Laden auch Schluckauf zu haben, er findet gerade gar nichts von dem, was ich hier aufschreibe. Gestern abend habe ich aber schön rumprobieren können und hoffe, dass sich die arme Website wieder eholt.

Zu den Rechten und Abbildungen findet man übrigens auch eine ausführliche Erläuterung.

Warum ich das so toll finde, dass man Beuys angucken kann, erklärt sich, wenn man sich die Online-Sammlung der Pinakotheken anschaut, die fies unter den Urheberrechten leiden. Da sehen die Beuys-Ergebnisse nämlich so aus:

Schiedsrichter im Dauerstress – Durch die Bundesliga mit Patrick Ittrich

Eine halbe Stunde aus dem Schiedsrichterleben. Fand ich spannend, auch wenn ich mich wieder ewig über die nicht vorhandenen Bundesliga-Bewegtbilder in der Mediathek aufgeregt habe. (Heute ist im Blog anscheinend mal wieder Aufregen-über-Rechte-Tag.) Ich finde es generell doof, dass man Bundesliga-Schnipsel nicht im Internet zeigen darf und es kann mir auch niemand erklären, warum, aber bei diesem Film fand ich es besonders schade, denn der Fokus liegt auf dem Spiel Augsburg-Nürnberg, für das ich im Stadion war und das ich mir natürlich gerne nochmal aus einer anderen Perspektive angeschaut hätte.

(via @CollinasErben)

Die Schaufenster beim Dallmayr auf Instagram.

Das ist nur eins von vieren. Schaufenstergestalter*in scheint ein spaßiger Job zu sein.

What the Movies Taught Me About Being a Woman

Manohla Dargis, die Filmkritikerin der NYT, schreibt in ihrem Essay, wie wirkmächtig Bilder sind. Die Begründung dafür – die körperliche Reaktion auf sie – fand ich sehr schön:

„Movies teach us all sorts of things: how to aspire, who to fantasize about (all those princes will come), how to smoke, dress, walk into a room (always like Bette Davis). They teach us who to love and how, as well as the ostensible necessity of sacrificing love along with careers. They also teach us that showering, babysitting, being in underground parking lots or simply being female might get you killed. There isn’t a causal relationship between viewer behavior and the screen. There doesn’t have to be. Because movies get into our bodies, making us howl and weep, while their narrative and visual patterns, their ideas and ideologies leave their imprint.“

Tagebuch Samstag/Sonntag, 1./2. Dezember 2018 – Licht, Lachenmann, Labernase

Den Samstagvormittag verbrachte ich gemeinsam mit F. auf unseren zwei Leitern (total romantisch), weil der Herr mir angeboten hatte, die noch fehlenden vier Lampen in der neuen Wohnung anzudübeln. Jetzt liegen in einem kleinen Pappkarton vier Glühbirnen mit Fassungen, die wieder an die Decke kommen, falls ich jemals ausziehen sollte. Die Lampen nehme ich dann auf jeden Fall mit, denn die machen wirklich schönes Licht, und ich freue mich darüber seit zwei Tagen sehr.

Und damit ist die Wohnung gut zwei Monate nach dem Umzug fertig. Alles steht da, wo es hin soll, alle Gardinen und Lampen hängen, alles ist eingeräumt. Irgendwann hole ich noch ein paar Kisten von meinen Eltern, für deren Inhalt ich vermutlich wieder etwas umschichten muss, aber: Erstmal habe ich hier nichts mehr zu tun außer zu wohnen und mich weiter wohlzufühlen. Das war und ist ein sehr schönes Gefühl.

Während F. nach getaner Arbeit Freizeitprogramm hatte, putzte ich die fertige Wohnung einmal durch, denn trotz an die Decke gehaltenem Staubsauger, während F. Löcher produzierte, lag natürlich viel Staub und Dreck rum. Und wenn ich schon mal dabei war rumzusaugen, wischte ich auch gleich Staub, putzte Bad und Küche, bezog die Betten neu und konnte mich gerade noch selbst davon abhalten, bei fünf Grad Außentemperatur die Fenster zu putzen. Stattdessen lungerte ich auf dem Sofa rum und ärgerte mich über die erste Halbzeit Stuttgart-Augsburg. Die zweite verschlief ich größtenteils, was auch besser so war. (0:1.)

Abends sahen F. und ich uns dann wieder. Spätabends, sollte ich hinzufügen, denn in der Pinakothek der Moderne fand die erste Ausgabe der neuen Saison „Nachtmusik der Moderne“ statt. Das Münchner Kammerorchester lädt sich eine*n zeitgenössische*n Komponist*in ein, die Pinakothek baut beeindruckend viele Stühle und eine Bühne in die Rotunde, und man lauscht ab 22 Uhr anderthalb Stunden sehr modernen Klängen. Um 21 Uhr findet stets ein Einführungsgespräch statt, und da wir beide Helmut Lachenmann schon mal haben reden hören, wollten wir das noch einmal tun. Das lohnte sich wieder sehr, obwohl der Mann vermutlich alle Fragen zu seiner Musik schon tausendmal beantwortet hatte. Einen Satz habe ich mir gemerkt, denn der schien mir passend auf alles Neue zu sein, was uns in Bild oder Ton über den Weg läuft: Man sollte „das Unvertraute zulassen“. F. hatte das Glück, seine Musik bereits schon einmal live gehört zu haben, ich verfolgte die Veranstaltung damals per Livestream, was auch toll war. Schon im Juni sagte ich mir, so etwas noch nie gehört zu haben, aber gestern war es wieder neu, auch wenn ich ahnte, was auf mich zukam.

Das erste Stück, Mouvement (– vor der Erstarrung, 1983/84) ließ mich des Öfteren mit offenem Mund dem kleinen Orchester zuschauen, weil ich es so faszinierend fand, welchen Klang man aus klassischen Instrumenten holen kann, der rein gar nichts mit den Tönen zu tun hat, die ich sonst von Geigen oder Querflöten kenne. Ich verstand zum ersten Mal den Begriff „Klangkörper“ für ein Orchester, denn genauso hörte es sich an: wie der Körper eines schweren Menschen oder sogar einer Gesteinsformation, eines Biotops, eines riesigen Tieres, der oder die sich dahinschleppt, sich ein letztes Mal aufbäumt und dann verendet. Pression (1969) war dann noch spannender: Wir schauten 9 Minuten dem Cellisten Lucas Fels dabei zu, wie er sein Cello bearbeitete, und ich war sehr dankbar dafür, ihn im Einführungsgespräch hatte sagen hören, dass das Instrument bei der Behandlung keinen Schaden nimmt. Bei Mouvement war ich zwischenzeitig schon arg zusammengezuckt, als die Bratschen ihre Instrumente mit dem metallenen Ende des Bogens beklopften. Pression war auch deshalb spannend, weil Fels gesagt hatte, dass diese Art Musik keinerlei Spielraum für den oder die Künstler*in bietet. Sie ist so präzise formuliert und notiert, dass man quasi nur ausführt, aber nicht interpretiert. (Hier sprechen Lachenmann und Fels miteinander, ich habe mir das selbst noch nicht komplett angehört; hiermit vorgemerkt.)

Für Ein Kinderspiel – Sieben kleine Stücke (1980) setzte sich Lachenmann dann selbst an den Flügel, und ich war erneut begeistert – davon, wieviel man mit wenigen Tasten auslösen kann. Das Schlussstück Notturno – Musik für Julia (1966) klang dann fast konventionell – es war eben das älteste Stück –, aber ich bin doch dankbar dafür, dass das der Rausschmeißer war. Die Kracher kamen netterweise am Anfang, als alle noch halbwegs zuhören konnten. Aber ich habe bei diesem Stück gelernt, dass man beim Cello auch durchaus den Stachel mit dem Bogen bespielen kann, wenn der Komponist das so will.

Was ich von diesem Konzert mitnahm: wieder mal die Bereitschaft, sich auf Dinge einzulassen, Dinge zuzulassen, Dinge etwas mit mir machen zu lassen. Ich verstehe diese Musik nicht, ich weiß auch nicht, ob man sie verstehen muss, Kunst muss man ja auch nicht verstehen. Die vorgestern gehörten Klänge erweiterten schlicht meinen Horizont, mein Spektrum von Musik, die ich bisher gehört hatte. Sie machte mich aufmerksam, und ich fand erneut einen Weg zur zeitgenössischen oder abstrakten Kunst. Es ist Blödsinn, darüber nachzudenken, was einem der Künstler oder die Künstlerin mit den Werken vielleicht sagen will (außer sie wollen mir echt total offensichtlich was sagen). Viel spannender ist es doch, sich den Prozess des Schaffens zu vergegenwärtigen. Klar kann man immer weiter nach einer netten Melodie oder einem schönen Bildmotiv suchen, aber man kann sich auch fragen: Was kann ich mit diesem Kontrabass denn noch machen? Was mit dieser Farbe? Was mit diesem Material? Also: die Mittel zum Zweck eben nicht nur als Mittel sehen, sondern als Zweck selbst.

Was ich von diesem Konzert auch noch mitnahm: dass ich danach auf dem Klo saß und beim Papierabrollen dachte, oh, das klingt spannend.

Gemeinsam eingeschlafen, gemeinsam aufgewacht, zwei mögliche Reservierungszeitpunkte im Café Puck versäumt, weil wir so lange im Bett rumlungerten. Danach spontan den Beschluss gefasst, uns den ollen Meese in der Pinakothek der Moderne anzugucken. Ich fuhr für ein Stündchen nach Hause, duschen, Kaffee trinken, Adventskranz instagrammen, dann fuhr ich wieder zu F. und wir schlenderten durch den Nieselregen zur Pinakothek, wo auch mein Dissertationsobjekt in einem Saal hängt. F. so: „Erst mal zur NS-Kunst, nach Meese haben wir garantiert schlechte Laune.“ Ich fand das sehr bezeichnend, dass einem Nazikram weniger schlechte Laune macht als Meese. (Original und Wannabe, wie ich gestern twitterte.) Der Gedanke stimmte aber, denn neben der „Donaubrücke bei Leipheim“, einem Bild, das den Bau der Reichsautobahn zeigt, hängt neuerdings im Saal 13 Protzens „Einsame Straße“ von 1932, die ich natürlich als Schwarzweißfoto aus dem Nachlass kannte. Das sah ich gestern zum ersten Mal im Original und blieb recht lange davor stehen. Danach war ich wieder sehr motiviert, mich an dem Mann abzuarbeiten, was ich in den letzten Monaten nicht mehr so recht war; die Absage der Grossberg-Erben hallte doch länger nach als gedacht.

Der Saal 13 ist noch inkonsequenter geworden als er es eh schon war, und so langsam verliere ich die Geduld mit dem Kuratieren von NS-systemkonformer Kunst. Die Moritzburg in Halle hat das hingekriegt, wieso München nicht? Vermutlich wissen alle anderen Museen in Deutschland, warum sie schön die Finger davon lassen: weil’s halt Arbeit macht, sich mit dem Kram auseinanderzusetzen und man sich fragen lassen muss, warum man diese Bilder überhaupt aufhängt. Weil es zur Kunstgeschichte in Deutschland gehört, wäre schon mal eine erste Antwort. Aber noch mag die anscheinend keiner geben. Oder nur arg wachsweich und halbherzig wie jetzt in der Pinakothek.

Ich besuchte meine Lieblinge der Neuen Sachlichkeit, schlenderte an ein paar Schwarzweißfotografien vorbei, guckte zu Anselm Kiefer rein, lief wie immer über Carl Andre, nickte kurz Herrn Lehmbruck zu und dann mussten wir zu Meese.

Ich finde Meese doof. Ich habe ihn aber noch nie im Original gesehen, nur in Katalogen. Eben weil ich ihn so doof finde, hatte ich im Zentralinstitut für Kunstgeschichte vor einiger Zeit mal alle Kataloge an den Platz geschleppt, die wir über ihn haben, um vielleicht doch zu ergründen, warum einige Kurator*innen meinen, das wäre alles toll, während ich glaube, dass das alles Blödsinn ist. Hat nicht geholfen. Daher war die derzeitige Ausstellung eine weitere Hoffnung: Vielleicht muss man ihn im Original sehen, um zu wissen, was an seiner Kunst dran ist. Ich kann jetzt für mich persönlich feststellen: nö. Ist immer noch Blödsinn.

Ich erkenne bei Meese durchaus Themen und Symbole, das ist auch nicht schwer, das Eiserne Kreuz und die pseudo-verschämt übermalten Hakenkreuze sind relativ einfach wiederzuerkennen. Auch sein ganzes Namedropping schafft einen gewissen heldisch-mythischen Kosmos. Das macht Anselm Kiefer auch, aber bei ihm behaupte ich, eine Auseinandersetzung mit den Themen zu sehen. Meese als braves Mittelstands-Friedenskind kann sich an diesen Themen überhaupt nicht abarbeiten, weil er nie ernsthaft mit ihnen konfrontiert war. Okay, jetzt wo die AfD da ist, könnte er sich mal deutlicher positionieren anstatt weiterhin sinnlos-provokant den Hitlergruß zu zeigen. Ich erkenne bei ihm keine Tiefe, kein Weiterdenken, sondern nur plakative Wortwüsten. Die Idee einer Diktatur der Kunst ist ja eine clevere, aber das war’s dann auch, er benennt sie – und lässt sie dann wieder versanden. Ich ahne seit gestern, dass in dem ganzen Wortgeklingel und Bastelstundenfirlefanz in den Vitrinen durchaus was drin sein könnte, wenn er es mal konsequent ausformulieren würde, aber genau das macht er halt nicht. Er bleibt bewusst vage – und damit total banal und langweilig.

Ich musste an den Satz von Lachenmann denken, sich mit dem Unvertrauten zu konfrontieren und auch an meine Schlussfolgerung, mal Dinge etwas mit mir machen zu lassen. Ich versuchte das bei Meese wirklich, fand das Design des Bodens gut, der die Werke zusammenhält, und generell die Idee, ihn einen Raum komplett gestalten zu lassen anstatt seine Werke auf mehrere zu verteilen. Andererseits machte das auch sehr einfach klar, dass er halt nicht mehr als einen Raum zu bieten hat, und der war ziemlich voll mit Quatsch. Aber das versuchte ich alles in den Hinterkopf zu schieben und unvoreingenommen auf seine Materialien zu gucken, ich versuchte, seine Sätze erneut zu lesen, als ob ich sie noch nie gelesen hätte, aber es brachte alles nichts. Es blieb alles an der Oberfläche, und ich kam mir völlig verarscht vor bei dem Vorhaben, da eine tiefere Schicht sehen zu wollen. Meeses Zeug ist für mich das HURZ! der bildenden Kunst, und ich kann seine Kunst einfach nicht ernstnehmen. Vielleicht weil es eben genau nicht unvertraut ist: Er schafft nichts Neues mit seinen Collagen, er findet keine neuen Bildformate oder Ausdrucksmöglichkeiten.

Wir blieben keine 20 Minuten. Ich blätterte danach im Museumsshop noch ein bisschen in seinen Schriften, kam aber keine zehn Zeilen über Wagner weit, weil ich wegen heftigen Augenrollens nicht lesen konnte.

French Toast im Café Puck, dann doch noch. Der dauerte länger als geplant, denn die Servicekraft konnte ihre eigene Schrift nicht mehr lesen und orderte „Frühstück“ statt „French Toast“, weil FR anscheinend beides bedeuten konnte. So war mein Milchkaffee leer, bevor mein Essen kam, aber dafür war ich in netter Gesellschaft und wir konnten uns beide schön über Meese aufregen. Immerhin das kann er: Man muss sich mit ihm beschäftigen. Das war auch unsere große Erkenntnis: Der Mann ist Zentrum seiner Schöpfung, er ist das Gesamtkunstwerk, das er an Wagner so bewundert. Nur doof, dass diese Schöpfung nur für ihn wichtig ist. Okay, und für ein paar Kurator*innen und Sammler*innen. Ich lasse sie weiter in ihrem Fanclub spielen und werde Meese ab jetzt für mich abhaken können. Puh.

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Kichererbsensuppe mit Kurkuma und Kokos

Das Rezept von der New York Times reicht angeblich für vier bis sechs Personen. Ich habe die Hälfte davon gemacht – die steht unter dem Bild –, und ich hätte jeden von meinem Teller weggeprügelt, der davon etwas hätte abhaben wollen. Wenn ihr euch nett findet, reicht die Menge da unten für zwei. Wenn ihr richtig fiesen Hunger habt – oder es einfach verdammt gut schmeckt –, schafft man das auch alleine. Danach kann man sich allerdings erstmal nicht mehr bewegen.

War’s wert.

In einem breiten Topf
1 Zwiebel, fein gehackt, in
großzügig Olivenöl bei mittlerer Hitze glasig dünsten.
2 Knoblauchzehen, fein gehackt, sowie
1 daumengroßes Stück Ingwer, fein gehackt, kurz mitdünsten.

1 Dose Kichererbsen (400 g), abgetropft und gewaschen,
1 TL Kurkuma, gemahlen, und
1 TL Chiliflocken dazugeben. Deswegen schrieb ich da oben „breiter Topf“ – es wäre nett, wenn alle Kichererbsen neben- statt übereinander im Topf Platz hätten. Mit
Salz und Pfeffer würzen. Für gut fünf Minuten anbraten, bis die Kichererbsen etwas zerfallen. Notfalls noch einen Schuss Olivenöl dazugeben, kann nie schaden.

Mit
250 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe und
1 Dose Kokosmilch (400 ml) ablöschen. Alles aufkochen lassen, nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken und ungefähr eine halbe Stunde simmern bzw. einkochen lassen, bis die Suppe cremiger geworden ist. Zwischendurch mal eine Kichererbse probieren und nicht nur den Sud – das sollte alles schon ziemlich schmackhaft sein.

Kurz vor Schluss einen Berg Grünzeug dazuwerfen. Bei mir waren es
2 Handvoll frischer Spinat, drei wären besser gewesen. (Memo für Spinat: Immer wenn ich denke, jetzt isses zuviel, isses noch zuwenig.) Die NYT lässt auch (Grün-)Kohl oder Mangold gelten, die brauchen aber länger als der Spinat, der in Minutenschnelle zerfällt.

Zum Servieren, wichtig, ist großartig,
1 TL Jogurt oder Sauerrahm in den Teller,
ein paar Spritzer Zitrone (die Kommentatoren der NYT schwören auf Limette, hatte ich nicht) sowie
gehackte Minze. Wer mag, dekoriert nochmals mit Kurkuma und Chiliflocken.

Ich hätte nicht gedacht, dass der Kram so lecker ist. Die Suppe alleine ist mummelig warm, die Kichererbsen mehlig-bequem im Mund, und der Spinat gibt es bisschen Frische. Bis dahin ist es nett, aber unspektakulär. Aber mit Sauerrahm, Zitrone und Minze zusammen wird alles auf dem Löffel superfrisch, dann wieder warm und weich, dann wieder zickig-hell, und im Hintergrund lungert eine winzige Chilischärfe rum, die gerne noch präsenter sein dürfte. Alles zusammen schmeckt, wie oben angedeutet, so gut, dass man völlig vergisst, dass man gerade jeweils eine ganze Dose Kichererbsen sowie Kokosmilch weghaut.

Ich wiederhole mich: war’s wert. Und jetzt rollt mich zum Nachtisch.

Sugar Swirl Cookies oder wie ich sie nenne: HYPNOKEKSE

Das Rezept landete vor Kurzem in meiner Twitter-Timeline. Seit ich entdeckt habe, dass die lustigen Tasty-Videos auch auf Twitter rumwirbeln, gibt es für mich überhaupt keinen Grund mehr, auf Facebook zu gehen, wo ich bisher nur noch dafür dort rumlungerte. Für die Kekse hielt ich mich nicht an die genannten Zutaten, sondern an die üblichen für meine Mürbeteigkekse, aber dafür an das immer hilfreiche Zubereitungsvideo. Zumindest halbwegs.

Für ein Blech bzw. 16 bis 20 recht dicke Kekse, je nachdem, wie geschickt ihr ausrollt und platziert. Bei mir sind 17 rausgekommen.

250 g Mehl, Type 405, mit
125 g Kristallzucker und
1 EL Vanillezucker (optional) mischen, zu einem Berg auf der Arbeitsfläche formen. Eine Mulde in der Mitte eindrücken.

In diesen Berg
125 g kalte Butterstücke verteilen. In die Mulde
1 Ei aufschlagen.

Mit einem großen Messer alles schnell durchhacken und dann verkneten, möglichst mit kalten Händen. Der Teig sollte so wenig Wärme wie möglich mitkriegen, sonst wird er zu breiigem Matsch bzw. zu miesen Keksen. Den fertigen Teig in zwei gleiche Teile teilen. Ich konnte einen gleich weiterverarbeiten, aber wenn ihr das Gefühl habt, der Teig ist schon arg weich, werft einfach beide Teile in Klarsichtfolie eingeschlagen kurz in den Kühlschrank; fünf Minuten reichen. Ich legte, wie gesagt, nur einen eingewickelten Teigteil in den Kühlschrank, den ich schon grob zu einem dicken Rechteck geformt hatte.

Den ungeformten Teigteil auf Klarsichtfolie legen. Auf den Teig
Lebensmittelfarbe tropfen oder, falls fest, verteilen, Menge je nach Packungsanleitung. Bei mir war es rote Farbe, ein knapper Teelöffel, wie man auf dem miesen Winterlichtbild noch halbwegs erkennen kann. Den Teig, am besten mit Einweghandschuhen, nun kurz kneten, damit er überall Farbe annimmt. Wie ich bei diesem Arbeitsschritt gemerkt habe: Wenn man ihn nicht konsequent durchknetet, bleibt er marmoriert – das stelle ich mir ausgebacken auch ganz hübsch vor.

Den bunten Teig zu einem kleinen Rechteck formen, mit Backpapier belegen und zu einem großen Rechteck ausrollen. Den ungefärbten Teig aus dem Kühlschrank holen, auf der Klarsichtfolie lassen, mit Backpapier belegen und ebenfalls zu einem Rechteck ausrollen, möglichst so groß wie das bunte.

Die beiden Teigteile vom Backpapier befreien. Einen Teigteil auf den anderen legen, dabei die untere Klarsichtfolie dranlassen. Mit Hilfe dieser beide Teigteile zu einer Rolle formen. Wer mag, rollt die Rolle noch durch ein Backblech voller bunter
Zuckerstreusel. („Rollt die Rolle“ wird mein Kampfschrei, falls ich jemals eine Armee haben sollte.) Die bunte Rolle in Klarsichtfolie für eine Stunde im Kühlschrank parken.

Den Ofen auf 200 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen.

Von der gekühlten Rolle mit einem scharfen Messer Kekse abschneiden. Ich habe mich bei der Dicke der Kekse – fast einen Zentimeter – auch an das Video gehalten, bei dem der Teig aber, soweit ich das beurteilen kann, eine weichere Konsistenz hatte; vielleicht kann man den nicht dünner schneiden. Ich behaupte, mein Rezept geht auch dünner. Dann reichen zehn Minuten Backzeit, bei den dickeren gestern habe ich sie 15 Minuten im Ofen gelassen.

Auf die Streusel werde ich nächstes Mal vermutlich verzichten, so schick fand ich sie dann doch nicht. Aber jetzt wo ich weiß, wie gut die rote Farbe das Backen übersteht, werde ich gnadenlos die blaue und die grüne antesten. ALL GLORY TO THE HYPNOTOAD!

Was schön war, Mittwoch, 28. November 2018 – Nett ist nicht die kleine Schwester von scheiße!

Der gestrige Tag war nämlich nett. So rundrum.

Zwei Minuten vor dem Wecker aufgewacht, was ich immer als perfekt empfinde: Ich bin rechtzeitig wach, aber von alleine und nicht, weil neben mir ein akustisches Feuerwerk losgeht. Der Milchschaum zum Kaffee war sehr gut, nicht perfekt, aber sehr gut. Ab 9 habe ich brav am Schreibtisch gesessen, vernünftig angezogen und nicht in Schlumpfklamotten, genau wie schon Dienstag, weil ich gerade wieder ganztägig gebucht bin. Sogar in Jeans und nicht in Leggings, weil ich auf den Postboten gewartet habe, der natürlich erst dann kommen wird, wenn ich wieder in Schlumpfklamotten auf dem Sofa liege.

Mittags hatte ich einen Kundentermin mit einer Dame, die nicht aus München kommt, aber für einen anderen Termin in der Stadt war und man könne sich doch mal kennenlernen (wir haben bisher nur per Mail oder Telefon kommuniziert). Ich schlug ein Café vor, aus Gründen wurde es ein anderes, nämlich das Café Glockenspiel direkt am Marienplatz, von dem man, wenn man Glück hat, einen totalen Panoramablick aufs Rathaus hat.

Zum Café fährt man in den fünften Stock und lässt sich platzieren, denn es ist immer voll. Unglaublicherweise bekamen wir ernsthaft einen Fensterplatz, zwar ganz in der Ecke, aber FENSTERPLATZ! Die Kundin setzte sich auf die Bank an der Wand und so hatte ich den Stuhl AM FENSTER! Das musste ich natürlich total professionell erstmal instagrammen, aber halt nur fix aus dem Handgelenk, daher sind die Bilder weder entzerrt noch irgendwie auf irgendwas fokussiert. Scheißegal, von oben auf was runtergucken! Supi. Ich musste mich eine Stunde lang irrwitzig zusammenreißen, um nicht ständig den Blick von den Unterlagen oder der Gesprächspartnerin abzuwenden, weil ich so gerne weiter aufs Rathaus geguckt hätte, das ich aus dieser Höhe halt sonst nie sehe. Man läuft dann ja doch eher unten rum und guckt um 11 Uhr ruckartig nach oben, wenn das Glockenspiel losgeht bzw. wenn einem die ganzen Reisegruppen plötzlich im Weg stehen. (Momentan steht einem der Weihnachtsmarkt im Weg.)


Das Meeting war nett, auch wenn ich mir etwas albern dabei vorkam, an einem engen Zweiertisch meinen Laptop aufzuklappen und in den Cafélärm hinein Ideen zu präsentieren. Immerhin waren ein paar gute Ideen dabei, und damit hatte ich gestern nachmittag überraschend frei, weil ich jetzt erstmal auf anständiges Feedback warten soll anstatt noch eine Runde auszudenken.

Diese überraschende Freizeit nutzte ich selbstverständlich dazu, auf dem Sofa zu sitzen und ins Internet zu gucken, wo die neue Folge Masterchef – The Professionals bereitlag. Ich erwähnte die Sendung mit ihrem Skills Test schon einmal, wo ausgezeichnete bzw. in dieser Staffel auch Michelin-besternte Köch*innen erstmal vorkochen, was sie von ihren unvorbereiteten Kandidat*innen dann nachgekocht haben wollen. Gestern gab’s zunächst Tortellini mit Sauce chasseur – oder wie ich inzwischen weiß: Jägersauce. Vor allem weiß ich jetzt, wie man die anständig kocht. Tomaten! Da sind Tomaten drin! Noch nie aus der Pilzpampe rausgeschmeckt, die man in Landgasthöfen gerne mal aus der Dose übers Schnitzel kriegt. Jedenfalls schaute ich fünf Minuten lang Marcus Wareing dabei zu, wie er entspannt Nudelteig ausrollte und Tortellini mit einem Wurstbrät füllte, Schalotten zerkleinerte, die Sauce abschmeckte und schließlich einen eher rustikalen, aber doch feinen Teller servierte. Das klingt komisch, ich weiß, aber es machte mir eine solche Freude, ein schlichtes Gericht scheinbar perfekt und ruhig zubereitet vor mir zu sehen, auch wenn ich es nicht riechen oder schmecken konnte. Es war schlicht schön, jemandem bei etwas zuzuschauen, was er anscheinend verdammt gut kann. Mir gefällt an dieser Staffel besonders, dass die Kandidat*innen keinen komplett ausgefallenen Kram nachbauen müssen, sondern Dinge, die ich auch selbst hinkriegen würde. Nie in der Schönheit und vermutlich erst recht nicht in der Tiefe des Geschmacks, aber das ist Alltagsküche, wenn auch gehobene. Ich fand das alles sehr schön. (Und danach lernte ich, was Austern Rockefeller sind, was eher keine Alltagsküche ist.)

Den Abend verbrachte ich in äußerst angenehmer Gesellschaft im Obacht, einem kleinen Lokal in meiner Nachbarschaft, das sich auch bewusst als Nachbarschaftskneipe etabliert hat. Kein Schnickschnack, simples, aber gutes Essen, natürlich das beste Bier der Stadt und dazu, für mich immer ein wichtiges Kriterium, bequeme Sitzgelegenheiten. Wie ich gestern zum ersten Mal bemerkte, hat der Laden noch einen Vorteil bzw. eine totale Nettigkeit, die bei mir Sympathiepunkte bis ganz weit oben bringt: Auf dem Damenklo stehen nicht nur Handcreme und Deo rum, sondern es liegen auch Tampons aus. Für lau. Weil der Laden halt nett ist.

Kürbisgnocchi

Es ist Herbst, ich habe einen Kürbis, aber keine Lust auf die ewige Suppe. Nicht, dass mir die nicht schmeckt, ganz im Gegenteil, aber gestern wollte ich auf irgendwas rumkauen. Ich googelte nach Kürbisgnocchi und fand diverse Rezepte, die gerne zum Kürbisfleisch noch Kartoffeln oder Kartoffelpüreeflocken aus der Tüte haben wollten. Dieses in Internetjahren uralte Rezept (2011!) von Juliane wollte Polenta, was für mich sehr gut klang. Nachgebastelt und zum Selbernachbasteln empfohlen.

Für eine recht ordentliche oder zwei sparsame Portionen

300 g Hokkaido-Kürbis vorbereiten. Das heißt: Kürbis halbieren, Kerne und Fruchtfleisch mit einem Löffel rausschaben und in Spalten, dann in grobe Stücke schneiden und davon 300 Gramm abwiegen. Ich habe den Kürbis auch noch geschält; muss man bei Hokkaido nicht, hab ich trotzdem gemacht, weil ich mich an manche Schalenstücke in Suppen erinnerte, und da habe ich den Kürbis sogar noch püriert. Das wollte ich hier nicht machen, obwohl es im Originalrezept angegeben ist. Den Kürbis im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen für 25 bis 30 Minuten backen. Er sollte weich sein, aber noch nicht matschig. Ich habe die Stücke dann mit meinem Kartoffelstampfer zu Mus verarbeitet, aber eben nicht zu recht flüssigem Püree.

Das Mus mit
etwas Muskatnuss und
ordentlich Salz würzen.
1,5 EL Polenta unterrühren, dann nach und nach
100 g Mehl, bei mir Type 550. Ich habe möglichst wenig gerührt, sondern immer nur so, bis ich kein Mehl mehr gesehen habe.

Alles zusammen ergibt einen nicht wirklich festen Teig, deswegen wollte ich ihn so wenig anrühren wie möglich. Kneten geht eh nicht. Den Teig für 30 Minuten im Kühlschrank parken, bis er halbwegs abgekühlt ist.

Danach halbieren und zu zwei Strängen mit circa einem guten Zentimeter Durchmesser ausrollen. Rollen heißt in diesem Fall: mit den Händen vorsichtig über die sehr gut bemehlte Arbeitsfläche schubsen, bis sich eine Rolle bildet. Wie gesagt: weicher Teig.

Aus der Rolle ein bis zwei Zentimeter breite Stücke abschneiden. Bei mir waren die Stücke größer, weswegen auf dem obigen Bild alles ein bisschen sehr rustikal aussieht. Wer mag, drückt die Stücke mit einer Gabel etwas platt, damit sie ein Muster bekommen. Sie über die Gabel zu rollen, habe ich nicht mal versucht. Weicher Teig. (Ich sage das nur so oft, weil bei so ziemlich allen ergoogelten Rezepten immer irgendwer in den Kommentaren von dieser Tatsache total überrascht ist.)

Die Gnocchi in kochendem Salzwasser garen, bis sie an die Oberfläche treiben. Das dauert knappe fünf Minuten.

Ich habe sie danach noch kurz in Butter angebraten. In der Butter waren schon ein paar Pinienkerne, und als ich die Gnocchi herausgehoben habe, durfte noch ein bisschen Spinat in ihr zerfallen. Pfeffer und Parmesan drüber und servieren.

Was schön war, Montag, 26. November 2018 – Wohnung adventsfein machen

Den Vormittag verbrachte ich mal wieder und hoffentlich vorerst das letzte Mal bei Ikea, um jetzt doch noch ein paar Lampen zu erstehen. F. hatte mir angeboten, am kommenden Samstag den Handwerker zu spielen, wenn er Arbeitsmaterial hätte, und wenn ich darum herumkomme, mit meinem Wackelfüßchen auf einer Leiter zu stehen und freihändig Löcher in Decken bohren zu müssen, besorge ich Arbeitsmaterial, bis die Schwarte kracht. Jetzt liegen hier also noch vier Lampen, die an vier Decken müssen.

Außerdem steht hier jetzt eine Art Adventskranz in der Küche: Ikea hatte schlichte weiße Kerzen, die von 1 bis 4 nummeriert waren. Die stellte ich gestern auf einen meiner goldenen Dekoteller und legte noch ein paar Tannenbaumkugeln drumherum, fertig war der kostengünstige Wohnungsschmuck.

Eigentlich war meine Tasche mit den vier Lampen und den verfickten 15 üppig verpackten und null platzsparenden Leuchtmitteln schon arg voll und schwer, aber an den Kerzen konnte ich nicht vorbeigehen (dafür an allen anderen!). Außerdem hatte ich mir einen Lichtervorhang aus Sternen auf den Einkaufszettel gepackt, den ich immerhin im Rucksack verstauen konnte. Etwas in der Art hatte ich schon einmal, und ich mag das Licht von den Dingern sehr gern.

Voll bepackt gondelte ich mit Bus, S- und U-Bahn wieder nach Hause bzw. kaufte am Hauptbahnhof auch noch mein Lieblingsbrot. Und zwei Vanillekrapfen als Belohnung fürs Schleppen.

Zuhause angekommen war ich sehr motiviert, noch weiteren Kram zu erledigen, den ich seit Wochen vor mir herschob und ging daher, nachdem ich die Einkäufe in der Wohnung verstaut hatte, in den Keller. Dort schnappte ich mir die Reste der weißen und blauen Farbe, um damit die letzte Ecke im Arbeitszimmer zu streichen. Dort hatte ich nämlich um die weiße Heizung herum bewusst einen deutlich sichtbaren Abstand gelassen und sogar eine halbwegs ordentliche Kante produziert. Mir ging dieser weiße Raum aber doch immer mehr auf den Zeiger, je länger ich auf ihn schaute, und so strich ich gestern eine weitere Kante mit weiß vor, die knapp hinter der Heizung liegt, ließ es trocknen und strich dann mit blau den bisherigen Weißraum farbig. Jetzt sieht es fast so aus, als würde der Heizkörper auf blau sitzen und das gefällt mir sehr gut.

Anschließend bastelte ich mir aus Kabelbindern Haken, die ich an meine Gardinenstange über dem Balkonfenster anbrachte, woran ich dann den Sternenvorhang befestigte. Mein Schreibtischmainzelmännchen Det (Brillenträger-Crush) und ich finden das bisher sehr gemütlich.

Mittendrin sagte mir eine Kundin einen weiteren Job zu, was mich sehr freute, denn das fühlte sich an, als ob ich die gestrigen Ausgaben gleich wieder drin hatte.

Den Abend verbrachte ich vor der ersten Folge einer arte-Serie, in der Prominente ihre Lieblingsmuseen bzw. ein paar Werke darin vorstellen. Ich freute mich über ein Wiedersehen mit dem Prado, meinem Lieblingsmuseum, aber so richtig überzeugt hat mich die Serie nicht. Vielleicht ist es die Nervigkeit des tätowierten Kunsthistoriker-Moderators (fangen nach den Köchen jetzt auch noch wir mit dem großflächigen Kram an?) oder sein sinnloses Agieren an ebenso sinnlosen Steampunk-Monitoren, vielleicht auch die Tatsache, dass wieder die Werke gezeigt wurden, die eh jeder im Prado kennt. Ich habe durchaus noch etwas lernen können und alleine für das Wiedersehen mit den Goyas war es meine Zeit wert, aber die Darbietungsform war nicht so meine. Vielleicht schaut ihr einfach selbst.

Was schön war, Sonntag, 25. November 2018 – Sofatag

Gestern habe ich nichts gemacht. Also nichts im Sinne von: Ich habe genau das gemacht, was ich machen wollte. Morgens die erste Kanne Tee gekocht, vom Bett aufs Sofa gewechselt, Feuchtwanger gelesen, ein, zwei Serienfolgen geguckt, weiter gelesen, noch eine Serienfolge, irgendwann zum standesgemäßen Mittagsschlaf weggenickt (vermutlich bei einer Serienfolge), nächste Kanne Tee gekocht, zwischendurch ein paar Brote mit wahlweise Aprikosenkonfitüre oder Käse gegessen, gelesen, geguckt, Candy Crush gespielt, abends die Küche wieder auf Vordermann gebracht (aka Krümel wegwischen und abwaschen), am späten Abend kam F. vorbei und es gab noch ein Bierchen zum Gespräch am Küchentisch. Gemeinsam eingeschlafen.

Hervorragender Tag.

This User-Friendly Menstrual Cup Is What Happens When Design Is Inclusive

Generell eine schlaue Idee: auf Menschen hören, die nicht dem Standardaussehen entsprechen und die Standardfähigkeiten haben.

„The whole thing started with Jane Adame cursing to herself in the bathroom. “It has a very unglamorous origin,” said Adame. “Just standing in the bathroom swearing and injuring myself.”

Adame was trying to remove a menstrual cup—a small reusable cup to catch blood—and it wasn’t going well. A menstrual cup sits inside the vaginal canal, and if it’s properly sized it should snugly hug the wall of the vagina. But that means in order to get the cup out, users have to be able to get their hand up into their vagina, deftly pinch the cup, and slowly pull it out, all without spilling the contents. Adame has Ehlers-Danlos syndrome, a connective-tissue disorder that often makes people’s joints unstable. When trying to take out the used cup requires a fair amount of both wrist flexibility and hand strength, Adame risks dislocating her joints. Not exactly something you ever want, but especially when you’re trying to remove a container of blood from your body without spilling.

Here at Design Bias, a lot of what I do is tell you about how badly things are designed. For this installment of the column, I’d like to show what’s possible when previously excluded voices are included in the design process. Because that’s exactly what Adame, and the cup she invented, represent.“

(via @hanhaiwen)

Jeden Tag eine gute Tat.