Tagebuch, Donnerstag, 14. Dezember 2017 – „The Last Jedi“

Ich behaupte gerne, dass ich Star Wars nicht mag, dass ich ein Trekkie bin und dass ich die Filme nur gucke, um die ganzen Memes zu verstehen, die unweigerlich nach jedem Filmstart kommen werden. Dann saß ich aber in The Last Jedi und musste blöd grinsen, als zur üblichen John-Williams-Fanfare das übliche Logo im üblichen Gelb auf Schwarz erschien und der Crawl mit der Story begann. Damit wollte ich eigentlich ein paar Bemerkungen zum Film im Blog beginnen, bis mir auffiel, dass ich das schon bei The Force Awakens gemacht habe. Vielleicht muss ich mir langsam eingestehen, dass ich die neuen Star-Wars-Filme doch mag. Verdammt.

Ich hatte auch bei diesem Film mehr Spaß als erwartet. Wer den Trailer gesehen hat, weiß, dass dieses Mal Luke Skywalker wieder dabei ist, nachdem im ersten … oder siebten … Teil *eyeroll* … bereits Han Solo und Leia Skywalker ihre großen Auftritte hatten. Carrie Fisher verstarb bekanntlicherweise im letzten Jahr; das hier ist also ihre letzte Rolle, und leider überschattet das den Film die ganze Zeit ein bisschen. Im Nachhinein dachte ich aber: Kein schlechter Abgang, wenn es gelingt, eine Karriere mit einem bestimmten Film zu beginnen und mit einem aus der gleichen Reihe zu beenden – mit 40 Jahren Schaffenszeit dazwischen.

Das wird jetzt keine Filmkritik, weil ich wirklich gar nichts spoilern will, aber: Das war nett, Herrn Skywalker wiederzusehen. Noch mehr freute ich mich persönlich über Emo Kylo Ren aka Adam Driver, der einfach irre sexy ist, wenn er böse sein will oder ist, wer weiß das schon so genau. Ebenso sexy bzw. schnuffig: die Herrn Finn und Poe, dann gibt’s noch ein paar neue Figuren, die tollerweise fast alle weiblich besetzt sind, und ein paar neue Merchandising-Viecher, nachdem wir alle inzwischen ein BB-8-Kuschelkissen haben.

Was mir sehr gut gefallen hat: wenige schlimme Dialoge. Klar sind einige immer noch so hölzern wie eh und je bei Star Wars, ich glaube inzwischen auch, dass das so sein muss, aber manchmal kommen schon hübsche Sätze aus den Akteuren und Aktricen und dazwischen auch einige, die man aus dem Film mitnehmen kann. Dann: Rey mit dem Lichtschwert. Außerdem: Rey mit dem Lichtschwert. Und generell: Rey mit dem Lichtschwert. Wie ich schon beim letzten Film anmerkte: Es ist unglaublich toll, nach 40 blöden Jungsjahren endlich eine Frau mit dem Ding umgehen zu sehen. Und zwar mit Verve.

Am tollsten fand ich allerdings die Settings. Ich grinste zwar ein bisschen, als neben Leia irgendwann mal Kaffeegeschirr auf dem Tisch stand, was vielleicht das Einrichten der Rebellen im Ausnahmezustand symbolisieren sollte – die SZ ist auch darüber gestolpert –, aber generell bleiben die Settings wie immer: futuristisch und gleichzeitig runtergerockt. Deswegen hielt ich kurz die Luft an, als sich eine Szene an Supreme Leader Snokes Arbeitsplatz entwickelte: die Größe! die Farbigkeit! Das ganze Ding sah aus wie eine Mischung aus einer unterirdischen James-Bond-Bösewicht-Villa und einem 40er-Jahre-Musical, und ich fand es irritierend passend. Das zweite Set, bei dem ich nicht wegschauen wollte, war eine Planetenoberfläche, die aus Salz bestand – und unter diesem erschien mit jedem Schritt eine weitere Farbe neben dem gleißenden Weiß. Das war wirklich schönstes Augenpulver.

Was mich hingegen etwas gestört hat, war die Länge des Films, die schlicht dadurch zustande kam, dass immer neue Handlungsstränge aufpoppten. Von denen hätte ich keinen weglassen wollen, aber man hüpfte munter nicht nur durch die Galaxie, sondern auch von einer Figur zur nächsten, und mittendrin wäre ich gerne mal stehengeblieben und hätte Luft geholt. Einige Handlungen fand ich deutlich spannender und sinnvoller für die Plotentwicklung als andere, aber wir sind hier ja nicht bei Netflix, wo ich immer schön zu den Schnuckiszenen vorskippen kann. Also musste ich mich durch eine ewige Casino-Szene bewegen, wo ich doch viel lieber bei Snoke oder Rey rumgehangen hätte. Aber selbst das sehe ich dem Film nach, denn, wie schon erwähnt, hatte ich trotz der Länge ziemlich viel Spaß und schön was zu gucken. Und hey: Rey mit dem Lichtschwert. Und: Rey mit dem Lichtschwert.

Tagebuch, Mittwoch, 13. Dezember 2017 – Lesen und schauen

Den Vormittag verbrachte ich in einem noch nicht zu nennenden Museum, um mir eine noch nicht zu nennende Ausstellung anzuschauen, über die wir – das kann ich jetzt aber total nennen – im Fehlfarbenpodcast am Sonntag sprechen werden. Wenn ich sage, ich habe mir eine Ausstellung angeschaut, kann ich gleichzeitig sagen: Das Aufsichtspersonal hat mich angeschaut. Bis auf eine Dame, die immer aus dem Raum ging, in den ich gerade trat, blieben alle bräsig da, wo sie sind und glotzten mich an. Ich ahne, dass genau das ihr Job ist – „Und dass die Interessierten ja nicht zu dicht an die kostbare Kunst gehen! Augen auf!“ –, aber das nervt echt, wenn man weiß, dass einen jemand beobachtet, während man alleine auf zeitgenössische Werke starrt, die ja gerne etwas sperrig sind.

Mittags gab’s einen Burger mit Fleisch, auf den ich seit vorgestern Lust hatte, als ich mir einen Burger ohne Fleisch zubereitet hatte. Sorry, Rinder. Ihr schmeckt wirklich sehr gut.

Nachmittags las ich das Internet und die FAZ leer, wobei ich mich mal wieder über einen kleinen Artikel zum FC Augsburg freuen durfte. Ich fotografierte ihn ab und schickte ihn an F., der schon in der Allianz-Arena war, um sich das Bayern-Spiel anzuschauen. Dann wollte ich das gleiche Foto vertwittern, bis mir einfiel: Hey, schau doch mal in diesen Interweb nach, ob da der Artikel auch steht, dann kannst du nämlich einen Link twittern. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich daran gedacht habe, bevor ich mal wieder fotografierten Print ablieferte.

Leider verlor der FCA dann bei Schalke, und ich merkte, wie unterschiedlich diese Saison sich zur vergangenen anfühlt. Während ich der letzten Spielzeit mit Kusshand ein Unentschieden genommen hätte und bei einer Niederlage nicht sonderlich erstaunt gewesen wäre, sitzt man jetzt im Stadion oder vor dem Laptop und denkt die ganze Zeit: Da geht noch was, das können wir noch gewinnen. (Außer gegen Bayern, okay.)

Die ganzen #MeToo-Geschichten erstaunen mich nicht wirklich, wie sie vermutlich (leider) recht wenige Frauen erstaunen. Der Essay „Harvey Weinstein is My Monster Too“ von Salma Hayek hat mich dann aber doch mehr mitgenommen, als ich dachte, weil es die Auswirkungen dieser ganzen beschissenen männlichen Machtstrukturen zeigt. Hayek schreibt über ihre Arbeit an Frida, der von Harvey Weinstein mitproduziert wurde.

„I was hoping he would acknowledge me as a producer, who on top of delivering his list of demands shepherded the script and obtained the permits to use the paintings. I had negotiated with the Mexican government, and with whomever I had to, to get locations that had never been given to anyone in the past — including Frida Kahlo’s houses and the murals of Kahlo’s husband, Diego Rivera, among others.

But all of this seemed to have no value. The only thing he noticed was that I was not sexy in the movie. He made me doubt if I was any good as an actress, but he never succeeded in making me think that the film was not worth making.

He offered me one option to continue. He would let me finish the film if I agreed to do a sex scene with another woman. And he demanded full-frontal nudity.“

Jessica Chastain brachte es gestern per Tweet auf den Punkt: „I ask all of our male allies in this industry, why have your journeys been so different from ours?“ Diese Auswirkungen sprachen in den letzten Wochen und Monaten bereits viele Frauen auf Twitter an: Welche Filme hätten wir sehen, welche Artikel hätten wir lesen, welche digitalen Entwicklungen hätten wir genießen können, wenn Frauen die gleichen Möglichkeiten gehabt hätten wie Männer und nicht damit beschäftigt gewesen wären, sich mit derartigem Scheiß auseinandersetzen zu müssen.

Tagebuch, Dienstag, 12. Dezember 2017 – Burgerbauen

Wenn ich ausgehe, bestelle ich Burger mit Fleisch. Wenn ich mir selbst einen Burger baue, würde ich gerne darauf verzichten. Daher habe ich in letzter Zeit verstärkt nach vegetarischen Alternativen gesucht, aus denen man einen Patty zubereiten kann.

Die ganzen Quinoa- und Haferflocken-Dinger habe ich gleich links liegen gelassen, und ich wollte auch keinen Gemüsebratling oder sowas, der mehr nach Mohrrüben schmeckt als nach irgendwas anderem. Vielleicht habe ich auch bei meinen wenigen gekauften Versuchen immer miese Gemüsebratlinge erwischt, aber ich hatte immer das Gefühl, Brühe in fester Form zu essen anstatt irgendwas, das einem Burger ähnelt.

Natürlich war es wieder Buzzfeed Tasty, das mir auf Facebook mit seinen kleinen schnellen Filmchen etwas vor die Füße warf, in diesem Fall einen Burger aus schwarzen Bohnen, in Abwandlung noch mit Mais. Auch Jamie Oliver findet schwarze Bohnen super, wobei er noch Zwiebeln für die Pattymasse verwendet. Mein kleiner Edeka nebenan hatte keine leider schwarzen, aber immerhin Kidneybohnen, also versuchte ich die.

Ich habe das eben verlinkte Bohnen-und-Mais-Rezept nachgebaut, allerdings auf die Avocado verzichtet und statt Salsa diese Burgersauce zusammengerührt, die an den Big Mac erinnern soll (ich liebe den Big Mac). Tut sie nicht, sie schmeckt aber besser als jede Sauce, die ich bisher zustandegebracht habe. Das mag daran liegen, dass ich Mayonnaise für eine der besten Erfindungen aller Zeiten halte. Wenn man nach Big-Mac-Sauce googelt, kommen tausend Rezepte, die dem verlinkten sehr ähneln; manche nutzen statt der Gewürzgurken nur die Flüssigkeit, in der sie eingelegt sind, aber ich ahne, dass das keinen großen Unterschied macht.

Bei mir gab’s zum Patty noch Eisbergsalat, Tomate, rote Zwiebeln, Mozzarella und ein gekauftes Burgerbrötchen; beim ersten Versuch wollte ich nicht gleich selbst Buns backen. Geschmacklich fand ich den Burger sehr gut, aber das nette vegetarische Patty hatte im Vergleich zum fleischigen einen entscheidenden Nachteil: Es fiel beim leichtesten Druck auf den Burger auseinander bzw. quoll an den Brötchenseiten heraus, während Rindfleisch dann doch halbwegs die Form halten kann. Und da ich Burger mit der Hand essen will und sie daher ein bisschen plattdrücken muss, um sie in den Mund zu kriegen, war das leider das Killerargument.

It’s funny cause it’s true.

Wenn ich eh schon schlechte Laune habe und noch schlechtere haben will, gucke ich spaßeshalber nach 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen in München. Da wird einem gerne ernsthaft irgendwas in Augsburg, Ingolstadt oder am Starnberger See angeboten, denn mit dem Regionalzug oder der S-Bahn ist das ja bloß ein Stündchen, das ist quasi wie mitten in München wohnen und jeden Tag ein bisschen Zeit zum Lesen zu haben.

Nicholas Nixon hat das 43. Foto der Brown Sisters veröffentlicht. Diese Fotoserie habe ich im letzten (oder vorletzten?) Jahr erstmals komplett in der Pinakothek sehen können und sie fasziniert mich sehr. Hier sind alle Bilder bis 2014.

Außerdem hat Herr Nilzenburger vorgestern seine liebsten zehn Alben des Jahres veröffentlicht, und zu meinem Erstaunen war Harry Styles dabei, den ich nur von One Direction kannte. Seit gestern läuft seine Platte auf Spotify bei mir rauf und runter und natürlich war der Mann auch schon bei James Corden im Auto. Ich fangirle dann mal ein bisschen rum.

Links von Dienstag, 12. Dezember 2017

Ich kann nicht mehr für mich garantieren

Die FAZ weist auf die neu erschienene Gesamtausgabe von Irmgard Keun hin, die mit 39 Euro sehr erschwinglich ist. Ich kenne von Keun nur Gilgi und Das kunstseidene Mädchen (1931 bzw. 1932), die auch im Artikel erwähnt werden, aber dass sie 1937 im Exil noch einen Roman herausbrachte, wusste ich zum Beispiel nicht. Ich mochte an den beiden Büchern, dass sie meine Vorstellung des Frauenbildes in der Weimarer Republik sehr erweitern konnten. Ja, Romane sind keine Geschichtsbücher, das weiß ich auch, aber ich fand sie doch sehr aufschlussreich und lesenswert.

„Im Sommer 1932 gehörte „Das kunstseidene Mädchen“ neben Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ zu den Bestsellern des deutschen Buchhandels, Anfang Oktober kam „Eine von uns“ mit dem Ufa-Star Brigitte Helm als Gilgi in die Kinos. Danach wurde es dunkel über dem Land. Junge Frauen in scharf taillierten Trenchcoats mit schiefsitzender kleiner Baskenmütze, womöglich rauchend, waren jetzt nicht mehr gern gesehen. Irmgard Keun, weder jüdisch noch politisch engagiert – an dem bisschen Sozialkritik in ihren Romanen konnte nun wirklich niemand Anstoß nehmen –, hatte nach Meinung der neuen Machthaber einfach nur das falsche Frauenbild. Undeutsch wurde das genannt, fiel unter die sogenannte „Asphaltliteratur“ und landete im Mai 1933 auf den Scheiterhaufen, auf denen die Bücher brannten.“

Cat Person

Eine Kurzgeschichte im New Yorker. Ich wurde Freitag am späten Abend durch einen Tweet von Emily Nussbaum, der Filmkritikerin des New Yorker, deren Tweets ich sehr schätze, auf sie aufmerksam gemacht. Ich las sie gerne und schnell durch, fand sie sehr gut, retweete sie aber nicht, weil ich dachte, ach, Freitagnacht liest das eh keiner mehr, mach ich morgen. Das vergaß ich natürlich und hole es hiermit auch. Auch weil ich anscheinend nicht die einzige war, die die Geschichte mochte. Oder auch nicht, wie dieses kurze Interview mit der Autorin Kristen Roupenian zeigt, aus dem ich einen Ausschnitt zitiere. Aus der Story möchte ich keinen Ausschnitt zitieren, die solltet ihr ganz lesen.

„When a short story makes a splash these days, you can see the ripples in real time.

The writer Kristen Roupenian had fewer than 200 followers on Twitter before her work of fiction, “Cat Person,” was published in The New Yorker last week. The piece dominated attention on social media in a way that fiction rarely does. On Sunday, Ms. Roupenian’s follower count climbed rapidly as her more eager readers finished the story and set out to find its creator.

“Cat Person” focuses on two characters, Margot and Robert, who begin to construct a relationship through texting and eventually go on something resembling a date. The verisimilitude of their encounter started conversations about dating, power and consent. (There has also been a backlash and a backlash to the backlash.)“

In diesem Zusammenhang noch ein Essay von Ella Dawson, auf den Roupenian selbst per Tweet verlinkte:

„I want to talk about bad sex for a minute.

I don’t mean “bad sex” as in sex that wasn’t pleasurable, or sex that was awkward, or sex that hurt. I don’t mean when you’re having sex with a new partner and you don’t know yet what the other person likes or craves or is viscerally annoyed by. I don’t mean when you lose your hard-on or aren’t wet enough or the cat is watching you and it’s super distracting. I don’t even mean sex that disappoints you so much that you don’t see the person again.

By “bad sex,” I mean the sex we have that we don’t want to have but consent to anyway.

Let me be clear: bad sex isn’t rape. It’s not being forced to do something against your will. I don’t want to feed into that whole “false rape accusation, saying you were raped when you really just regret the night before” bullshit narrative that conservatives and Men’s Rights Activists and Betsy Devos like to pretend happens all the time. Bad sex isn’t even necessarily coercive. I’m talking about having a sexual encounter you don’t want to have because in the moment it seems easier to get it over with than it would be to extricate yourself.“

So viele Umwege auf dem Weg eines Herzens

Nochmal die FAZ, dieses Mal mit einer Filmkritik von Andreas Kilb, die dafür gesorgt hat, dass ich den Film Die Lebenden reparieren von Katell Quil­lévéré sehen will (well done, möchte ich sagen). Nebenbei habe ich in dieser Kritik ein wunderbares Zitat der Kritikerin Frieda Grafe gefunden, die als Gesetz des Genres Melodrama festgelegt hatte: Entweder man heult oder man kotzt.

„Wenn man in einer einzigen Szene zeigen müsste, was es heißt, jung zu sein, könnte sie nicht schöner sein als die Einstellung, mit der Katell Quillévérés Film „Die Lebenden reparieren“ beginnt: Ein Junge, Simon, steigt aus dem Bett, fotografiert seine schlafende Freundin, springt lautlos aus dem Fenster auf die Straße, steigt auf sein Rennrad und rast durch die schlafende Stadt zum Hafen, wo ihn zwei Freunde mit einem Lieferwagen aufsammeln. Im Morgengrauen, am Strand, paddeln die drei mit ihren Surfbrettern in die Brandung, warten auf die passende Welle, schwingen sich auf ihr Brett und rasen durch den Tunnel aus stürzendem Wasser ins Licht, atemlos, immer wieder. So beginnt Simons Tag. Es ist sein letzter.“

Tagebuch, Samstag/Sonntag, 9./10. Dezember 2017 – Warm und kalt

Am Samstag veröffentlichte ich mein #2017bestnine auf Instagram und fühle mich recht gut wiedererkannt. Futter, Unikram, Bücher, München. Und ein Pussyhat. Was für ein seltsames Jahr.

Den Sonntagvormittag verbrachte ich mit F. im Kino, wo ich noch einmal Coco anschaute. Der geht auch locker zweimal. Auf dem Weg zur Tram fiel mir zum ersten Mal die Herzchenumrandung vor einem Kiosk auf, die sonst in Münchnen eher aus Punkten besteht. F. so, der alte Charmeur: „Wie für Raucher, nur für Verliebte.“

Nachmittags machte ich mich dann erstmals ohne F. auf den Weg nach Augsburg. Er hatte einen Konzerttermin, daher konnte ich seine Dauerkarte nutzen, während der Herr, mit dem ich mir eine Karte teile, unsere verwenden konnte. So saßen wir erstmals nebeneinander, was ich sehr nett fand. Auch, weil der gute Mann eine Decke dabei hatte. Es war schon recht kalt und verschneit gestern, wie auch der FCA- und der Hertha-Twitter-Account vermeldeten.

Seit gestern kann ich die coolen Nike-Klamotten, mit denen ich morgens durch die Kälte stapfe (wenn ich nicht lieber schlafe), auch für den wohltemperierten Stadionbesuch empfehlen. Das Zeug hält ganz wunderbar warm. Ich trug zum schicken schwarzen Outfit sogar eine vereinsfarbene Mütze (grün), war aber froh, dass man meine flauschigen pinkfarbenen Thermosocken in den schwarzen Springerstiefeln nicht sehen konnte.

Im Spiel selbst ließ Augschburg gefühlt fünf Hundertprozentige liegen und hatte ebenso gefühlt 80 Prozent Ballbesitz, aber kriegte den verdammten Ball schlicht nicht über die Linie. Die Herren hinter uns kommentierten gewohnt ironisch, was mich anfangs – also so vor anderthalb Jahren, als ich mit dem regelmäßigen Stadionbesuch beim FCA begann – sehr erheiterte, mich inzwischen aber nur noch nervt. Laut F. quatschen die seit sieben Jahren so vor sich hin, seit der FCA in der ersten Liga ist und man als Dauerkarteninhaber halt beieinander hockt. Das ist schon fast bewundernswert, sieben Jahre lang ironisch Fuppes zu gucken, aber eben nur fast. So wurde auch das 1:0 in der 74. Minute spöttisch aufgenommen, während wir jubelten und uns ein bisschen warmhüpften. Nach dem verfickten Ausgleich in der verfickten Nachspielzeit habe ich von hinten allerdings nichts mehr gehört.

Das Fiese an Augsburg-Spielen ist der lange Rückweg. Also nicht der Weg vom Stadion zur Tram, der ist etwas kürzer als der in der Allianz-Arena. Aber während ich dort nach einer höchstens 30-minütigen U-Bahn-Fahrt (ich muss einmal umsteigen) wieder zuhause bin und mich von eventuell miesen Spielen mit Netflix und Schokolade ablenken kann, schmore ich nach FCA-Spielen zwei Stunden vor mich hin. Vom Stadion zur Tram, die uns zum Bahnhof bringt, da wartet man dann gerne noch, dann hockt man 40 Minuten in der Regionalbahn und dann muss man in München noch ein bisschen U-Bahn-Fahren bis Netflix and Chocolate. In dieser Zeit kann man sich nochmal in aller Ruhe die vergebenen Torchancen im Kopf vorspielen und mit allem hadern, obwohl man selbst nichts, gar nichts hätte machen können. Das verstehe ich an mir selbst nicht, seit ich Fußball im Stadion bzw. aufmerksamer auf Sky gucke: dass man sich freiwillig diesem Quatsch aussetzt, bei dem man nur passiv zuschauen kann und bei einem schlechten Ausgang sinnlos rumleidet. Ich bezahle im Moment Geld, das ich nicht habe, für eine Aktivität, die den halben Tag dauert, bei der ich nur Zuschauer bin und die mich im schlechten Fall noch stundenlang nervt. Watzefack? Ich verstehe es selbst nicht.

Ich füll dann mal den Mitgliedsantrag beim FCA aus.

Engelsaugen

Jemand meinte auf Twitter, diese Kekse hießen „Ochsenaugen“, was ich auch nicht besser finde als meine Überschrift. Ich kenne keinen Engel und keinen Ochsen persönlich, aber ich glaube, die haben beide keine roten Augen. Nennen wir diese schnellen und einfachen Kekse doch einfach Mürbeteiggebäck mit Marmelade drin und fertig.

(Edit: Ich hätte natürlich auch selbst googeln können, aber: Ochsenaugen gibt’s auch, sind aber etwas anderes. Danke, Luca.)

Laut Rezeptquelle sollen aus der untenstehenden Teigmenge 72 Stück rauskommen, bei mir waren es um die 40. Ich habe fürs nächste Mal gelernt: kleinere Kugeln formen.

250 g Mehl, Type 405, mit
1 TL Backpulver,
100 g Zucker,
1 Päckchen Vanillin-Zucker und
1 Prise Salz mischen, auf die Arbeitsfläche geben und zu einem formschönen Hügelchen auftürmen. Darauf
150 Butter in Flocken verteilen. In eine mittige Mulde
3 Eigelb geben.
Den Berg schnell mit einem Messer durchhacken und dann möglichst schnell mit kühlen Händen mischen und einen geschmeidigen Teig kneten. Nicht zu lange, sonst wird die Butter zu weich und der Teig ein fieser Klumpen. Den Teig in Frischhaltefolie einschlagen und mindestens 30 Minuten kaltstellen.

Aus dem gekühlten Teig walnussgroße Kugeln formen und (im Idealfall) auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech umsiedeln. Mit einem Kochlöffelstiel Mulden in die Kugeln drücken. Ich habe sie dazu auch noch leicht plattgedrückt, weswegen die fertigen Kekse nicht ganz so kugelig und ein bisschen brüchig aussehen. Nochmal ein Stündchen kaltstellen. (In meinen Kühlschrank passt kein Backblech, daher habe ich sie auf einem Teller gekühlt. Der passt.)

Danach
175 g rotes Johannisbeergelee in die Mulden füllen und die Kekse im auf 200° C vorgeheizten Ofen für zehn bis zwölf Minuten backen. Nach dem Abkühlen mit Puderzucker bestäuben.

Bei mir war es Himbeermarmelade, weil ich die halt gerade da hatte, und ich habe eindeutig zu wenig davon in die Kekse gestopft. Ich hatte ein bisschen Angst, kleine überkochende Vulkane zu produzieren, deswegen war ich etwas vorsichtig. Der zweite Lerneffekt fürs nächste Mal: die Höhlen in den Keksen erstens größer machen und zweitens ruhig vollballern. Vielleicht brauche ich dann auch wirklich 175 Gramm Gelee wie im Rezept angegeben, ich habe hier weitaus weniger verwendet.

Ich mag Kekse mit Marmelade generell sehr gerne. Die hier mag ich besonders, weil der Mürbeteig genauso ist, wie sein Name verspricht: Er krümelt fein-mürb vor sich hin, und durch die säuerliche Marmelade wird das ganze nicht so irre süß. Kommt auf den Stapel mit den Lieblingsrezepten.

Was schön war, Donnerstag, 7. Dezember 2017 – „Coco“

Arbeitslose Studentin zu sein, hat auch Vorteile: Man kann vormittags in fast leeren Kinos rumsitzen und schöne Filme gucken.

Coco ist die neueste Pixar-Produktion, und auch wenn ich kaum noch ins Kino gehe – wenn irgendwas von Pixar kommt, bin ich dabei. Okay, fast: Den ersten Teil von Cars fand ich nur so meh, daher habe ich mir die Teile 2 und 3 geschenkt, und auch die Dinosaurier und Dory wollte ich nicht anschauen. Aber alle anderen Filme des Studios habe ich im Kino gesehen und danach teilweise noch mehrmals auf DVD bzw. als Stream. Seitdem ich mit riesigen und ungläubigen Augen in Toy Story saß, vertraue ich den Pixar-Nasen blind und gucke (fast) alles, was sie mir vorsetzen, weil es (fast) immer toll ist.

Auch Coco war wieder alles, was Pixar ausmacht: eine herzerwärmende Geschichte mit viel Augenpulver, gut getimten Witzchen und so gerade noch erträglichem Moralkleister. Der kleine Miguel stammt aus einer Familie, die seit Generationen Schuhe herstellt, aber er möchte viel lieber Musiker werden. Das passt gerade seiner Oma so gar nicht, und durch Kurzschlussreaktionen und Bockigkeit landet Miguel plötzlich im Reich der Toten – wo er wieder auf seine Familie trifft. Also den Teil, der schon das Zeitliche gesegnet hat.

Nach den Trailern war ich mir nicht so recht sicher, was mich erwartete, aber jetzt, wo ich den Film gesehen habe, ahne ich, wie schwierig es war, sie zusammenzuschneiden, ohne zu viel zu verraten. Wie immer bei guten Geschichten ist vieles nicht so, wie man denkt, und Figuren werden zu Helden, von denen man es nicht erwartet. Manchmal weiß man allerdings schon, was kommt, wenn man fünf amerikanische Filme gesehen hat, und das war fast das einzige, mit dem ich haderte: Ich wusste bei einer Szene genau, dass eine ähnliche nochmal auftauchen und mir das kleine Herz rausreißen will und wird. Das passierte dann auch, aber netterweise saß niemand in meiner Nähe, als ich hemmungslos meine Taschentücher vollheulte. (Wenn ich richtig gehört habe, taten die anderen Zuschauer*innen das gleiche.) Ich war überhaupt dauergerührt von dem Film, weil er vieles ansprach, was mich immer mehr bewegt, je älter ich werde: Menschen, die einem etwas bedeuten, Erinnerungen, Dinge, die einem gut tun – und Musik.

Der Film wirbt mit dem Jenseits-Thema, für mich jedoch stand das Musik-Thema deutlicher im Vordergrund. Natürlich kann man mit Skeletten tollere Scherze machen, aber ich mochte die leisen Momente des Films lieber. Alleine für eine Szene will ich den Film nochmal anschauen: Wenn wir Miguel zum ersten Mal an seiner Gitarre sehen und er konzentriert die Saiten anschlägt, spielt, sich verliert, hat er für eine halbe Sekunde einen derart beseelt-konzentrierten Gesichtsausdruck, dass ich da schon fast angefangen hätte zu flennen. Jede*r, der oder die ebenfalls mal das Glück hatte, sich per Saiten, Tasten, Klanghölzern, Metallklappen oder den Stimmbändern ausdrücken zu können, kennt dieses Gefühl, das sich in raren Momenten einstellt – dieses Völlig-bei-sich-Sein und trotzdem der ganzen Welt etwas mitgeben zu können. Über die Wirkung von Musik auf andere hat der Film übrigens auch etwas zu erzählen.

Das dritte Thema ist die Familie, und das wird leider, wie gern bei Disney, einen Hauch zu dick aufgetragen. Das verzeihe ich Coco allerdings, denn hier muss es sein: Ohne Familie klappt die ganze Story nicht, hier kann man ausnahmsweise nicht die Blutsverwandschaft durch Facebook-Freunde oder alte Bekannte ersetzen.

Was mich von Anfang an erwischt hat, war – natürlich – die Optik. Wie fast immer bei Pixar hat der Film eine ganz eigene Oberfläche. Ich erinnere mich, dass ich bei A Bug’s Life dachte, der Film sieht aus, als ob die ganze Zeit Sonnenlicht durch Blätter fällt. Bei Monsters, Inc. konnte ich mich an den Fellen und Häuten der Fabelwesen nicht sattsehen. Bei Finding Nemo glitzerte das Meer, wie ich es noch nie gesehen hatte, bei den Incredibles schien immer alles zum Zerreißen gespannt und glattgezerrt zu sein, bei Ratatouille war alles pastellig, als ob die Sonne ständig gerade auf- oder untergeht, bei WALL-E stattdessen entweder alles erdig-verdreckt oder weltraumhaft-staubfrei. Bei Coco ist alles bunt. Nein, Moment, es ist alles BUNT. Also BUNT wie in neonfarben, grell, kräftig, satt und gleißend, aber ohne quietschig und billig zu werden. Der Film leuchtet, selbst wenn die Stimmung gerade düster sein soll, er beginnt damit und hört damit auf und man nimmt dieses Leuchten auch aus dem Kinosaal mit. Und den Running Gag mit Frida Kahlo, den ich persönlich sehr zu schätzen gewusst habe, denn viele Frauenfiguren hat Coco nicht zu bieten. Den Bechdel-Test besteht er leider nicht; ich habe während des Films nicht darauf geachtet, aber in der Rückschau meine ich, dass es keinen einzigen Dialog gab, in dem nur Frauen sprechen.

Und womit ich auch richtig gehadert habe, war der blöde Hund, der Miguel begleitet. Das Vieh nervt einfach nur, aber – es heißt Dante und alleine dafür gab’s dann wieder einen Sympathiepunkt. Ach, und vor Coco läuft ein zwanzigminütiger Kurzfilm mit Olaf aus Frozen. Ich liebe Olaf. Ich liebe Frozen. Aber die 20 Minuten Lebenszeit hätte ich gerne zurück. Netterweise vergisst man sie nach 20 Sekunden Coco wieder und hat nach dem Abspann eh einen besseren Ohrwurm als die belanglose Trällerei von Elsa und Anna.

Ein faustisches Dankeschön …

… an Sunni, die mich mit Thomas Manns Doktor Faustus überraschte. Auch hier eine Entschuldigung für die naheliegende Überschrift. Mann habe ich gefühlt seit 20 Jahren nicht mehr gelesen; während der Schulzeit habe ich (freiwillig) die Buddenbrooks (die ich dauernd Buddenbohms schreiben will, na danke auch) sowie den Zauberberg verschlungen und irgendwann den Tod in Venedig und Lotte in Weimar gelesen, aber nicht mehr verschlungen. Doktor Faustus begegnete mir während der ganzen Recherchen zur NS-Zeit in den letzten beiden Jahren immer wieder, und deswegen wollte ich ihn jetzt lesen. Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

Ein verzweifeltes Dankeschön …

… an Tamara, die mich mit Vladimir Nabokovs Verzweiflung überraschte (Übersetzung von Klaus Birkenhauer). Entschuldigung für die nicht besonders kreative Überschrift, aber die lag halt so schön nah. Muss ja auch mal sein. Das Buch befand sich schon recht lange auf meinem Wunschzettel; ich glaube, ich habe das in meiner Fassbinder-Phase da mal draufgepackt, denn das Werk wurde von ihm als Despair verfilmt. Schön, einen weiteren Klassiker im Regal zu haben, sowas entbindet mich immer davon, die zeitgenössische Literatur zu verfolgen, ich kann mich bequem auf den alten Kram zurückziehen. (Puh.) Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

Tagebuch, Dienstag, 5. Dezember 2017 – Meh

Vormittags im ZI gesessen und für die Diss gelesen. Oder was mal eine Diss werden soll. Danach wollte ich eigentlich noch für den nächsten Einzelmeister etwas lesen und einen Tweet überprüfen, der am Weltaidstag durch meine Timeline geisterte; bei einigen Tweets stand noch dabei, dass Haring das Bild bewusst nicht beendete. Nach den Diss-Büchern und Aufsätzen war ich allerdings so frustriert, dass ich nichts weiteres mehr lesen wollte. Ich stellte alle Bücher bockig ins Ablageregal und wollte nach Hause unter die Decke.

Stattdessen radelte ich ein wenig durch die Gegend, war aber immer noch frustig. Ich holte ein Päckchen von der Post und ging einkaufen, konnte mich aber auch nicht zum Keksebacken aufraffen. Eigentlich konnte oder wollte ich mich zu gar nichts mehr aufraffen. Ich zündete die Adventskerze an, trank Tee, las die Zeitung und das Feuchtwangerbuch weiter und ignorierte die Kunstgeschichte weiträumig. Abends ignorierte ich außerdem das Bayernspiel. Dann schlief ich auch noch schlecht und war todmüde, als heute der Wecker um 6.15 Uhr klingelte, der mich eigentlich zum Laufen wecken sollte. Ich ignorierte ihn und bin jetzt genauso stinkig wie gestern. Das läuft ja super. (Ich geh gleich raus und stapfe sinnlos durch die Stadt, bevor ich mit Dingen werfe oder Tauben anschreie. Oder ich such mir wieder eine Festanstellung in der Werbung, da kann ich wenigstens Kollegen anschreien.)

Tagebuch, Montag, 4. Dezember 2017 – Nervkram

Den ganzen Tag genervt gewesen. Morgens von der NS-Literatur, durch die ich mich in der Stabi wühlte – ich kleiner Idiot hatte völlig vergessen, dass man sich, wenn man sich mit NS-Kunst beschäftigt, auch mit den schriftlichen Quellen dazu beschäftigen muss und die sind noch anstrengender als die Bilder und Skulpturen. Dazu las ich ein Sekundärwerk, das so von oben herab formliert war, dass ich vom Lesen noch schlechtere Laune bekam.

Im Abholfach der Stabi lag wieder kein Buch für mich, für dessen Abholung ich bereits letzte Woche die E-Mail bekommen hatte. Wenn die nachts bei mir landet, weiß ich natürlich inzwischen, dass das niemals heißt, das das Buch am nächsten Tag da ist. Ich lasse grundsätzlich mindestens einen Tag verstreichen, bis ich ins Abholfach gucke. Freitag war aber nichts da – und gestern immer noch nicht. Heute morgen kam dann allerdings ernsthaft die Erinnerungsmail, dass ich doch bitte endlich das bestellte Buch abholen sollte. Du mich auch.

Ich wechselte irgendwann in den Lesesaal der Unibibliothek, wo eine Fernleihe auf mich wartete, die ich leider nicht mit nach Hause nehmen durfte. Der UB-Lesesaal ist der schlimmste aller Lesesäle, ich vermeide den, wo es nur geht. Der Fahrstuhl ist quasi dauernd kaputt, es gibt viel zu wenige Schließfächer und noch weniger Sitzplätze, und die generelle Atmosphäre finde ich persönlich einfach ungastlich, ungemütlich und doof. Dann war das bestellte Buch auch nicht so ergiebig wie ich es gerne gehabt hätte, und so brummelte ich mich weiter durch den Tag.

Erstmal Mittag machen.

Etwas aufheitern konnte mich dann eine Dissertation von 1987, die ich mir bestellt und auch mit nach Hause nehmen durfte. Ich hätte vielleicht etwas genauer gucken sollen, in welchem Berlin sie damals veröffentlicht wurde. Andererseits habe ich den Begriff Stamokap seit dem Gemeinschaftskundeunterricht in der 11. Klasse nicht mehr verwendet und hatte so einen kleinen Schulzeitenflashback.

Dann haderte ich wieder mit dem Diss-Thema, von dem ich letzter Woche der Meinung war, das wäre gut und gestern, das wäre scheiße. Ein Gespräch mit F., der mich dringend in Richtung Betreuertermin schubste, half aber. Ich hoffe, der Termin hilft auch. Ich hab noch nie eine Diss geschrieben, ich übe das noch.

Was schön war, Sonntag, 3. Dezember 2017 – „Easy“

Den ganzen Tag vor Netflix gehangen und Easy geschaut. Danach hatte ich zwar einen fiesen Knoten im Kopf von First World Problems and how to discuss them to death, aber ich mochte die Serie trotzdem.

Die erste Adventskerze angezündet, mich über das Licht gefreut.

Abends Vashti Bunyan auf Spotify leergehört. Den wundervollen Train Song kannte ich schon, aber eine Easy-Folge endete mit ihrem Diamond Day, was ich aber erst rausbekam, als ich Shazam auf dem iPhone startete und es ans MacBook hielt, auf dem eine Serie gestreamt wurde. Über Technikquatsch gegrinst und mich gleichzeitig sehr reich gefühlt.

Was schön war, Freitag/Samstag, 1./2. Dezember – Neuzeug

Am Freitag saß ich zunächst im Kartenlesesaal der Stabi, um mal wieder ein paar NS-Quellen zu lesen. Dieses Mal musste ich auch nicht unterschreiben, dass ich den Kram zu wissenschaftlichen Zwecken lesen will/sollte/muss und nicht zur persönlichen Erbauung. Die beiden Bücher zum Thema Reichsautobahn standen für mich einfach so im Regal.

In einem Band quälte ich mich durch ideologisches Geseier von Herybert Menzel, von dem ich bis dahin noch nicht gehört hatte. Er kolportiert auch brav weiter die NS-Legende, dass die Reichsautobahnen auf einen Geistesblitz von Hitler während seiner Festungshaft zurückgehen. In der kritischen Edition zu Mein Kampf habe ich davon nichts finden können, totale Überraschung. Noch vor dem Frühstück in Mein Kampf zu lesen, macht übrigens nicht so recht Spaß. Schnell weiterbloggen.

Nach dem Kartenlesesaal ging ich noch schnell in den Allgemeinen Lesesaal und blätterte in Die Straße, musste aber mittendrin abbrechen, weil ich meinem Website-Beauftragten versprochen hatte, bis 13 Uhr wieder zuhause zu sein, damit der Mann in meinem Beisein die neue Site aufspielen konnte. Das tat er dann bis 15 Uhr, während ich ständig guckte, ob alles ging, alles Links funktionierten und überhaupt. Mehr kann ich ja nicht, was diese Site angeht, ich schreibe sie nur zu, und so soll das auch sein. In diesem Sinne: Falls euch irgendwas auffällt, irgendwelche Links ins Leere gehen – Mail oder Tweet an mich, bitte. Danke!

Den Rest des Nachmittags las ich weiter Zeug über die Autobahnen, bis ich abends zu F. aufbrach. Ich hatte mich schon den ganzen Tag auf ein Feierabendbierchen gefreut, das ich auch dementsprechend genoss. Danach lockte mich die Whisk(e)y-Sammlung des Herrn. Nachdem ich mir endlich mal gemerkt hatte, dass ich anscheinend lieber Highland-Whiskys als Islay-Whiskys trinke, wollte ich nach dem 15-jährigen Singleton aus der Destillerie von Glen Ord noch einen weiteren in dieser Richtung probieren. Es wurden dann drei, von denen ich mir den ersten gar nicht gemerkt habe, denn der war bemerkenswert charakterlos. Der zweite war ein 18-jähriger Clynelish Signatory Vintage, der von 1990 bis 2008 in einem Fass gelegen hatte und als Single-Cask-Abfüllung verkauft wurde (wir genossen die Flasche Nr. 178 aus dem Fass Nr. 3947). Der gefiel mir weitaus besser, genauso weich wie der Singleton, weniger vanillig, zwischendurch mal ein bisschen Lakritze, die aber netterweise schnell wieder weg war. Den konnte ich mit seinen 43 Prozent auch unverdünnt trinken. Als Abschluss kostete ich einen ebenso schmackhaften 20-jährigen Glentauchers und bewunderte zum wiederholten Male die verschiedenen Geschmäcker, die sich erst erschließen, wenn man sie vergleicht. (Ach was.) Damit meine ich: Früher war Whisky für mich einfach ein unfassbar scharfes Zeug, das nur nach Sprit schmeckt. Aber den kann man sich natürlich genauso erarbeiten wie Wein, zu dem ich früher gesagt hätte, jo, der ist rot, nech?

Die Nacht wurde, auch durch den Whisky, etwas länger als geplant, weswegen wir fies lange schliefen. Eigentlich wollte ich gestern groß einkaufen und die Adventsbäckerei beginnen, aber dann lungerte ich doch bloß auf der Couch rum, las, trank viel Tee und schaute begeistert dem FC Augsburg auf dem Laptop zu, wie der Mainz auswärts mit 3:1 schlug. Das war, zumindest in der ersten Halbzeit, ein richtig schönes Spiel, was man beim FCA ja eher selten zu sehen bekommt.

Immerhin beim Metzger war ich noch, wo sich vor mir folgender Dialog entspann, bevor ich mein Schweineschnitzel kaufen konnte, das ich mir heute zubereiten werde:

Im Städelmuseum ist neuerdings wieder das Schächer-Fragment zu bewundern. Die Restauratorin beschreibt ihre dreijährige Arbeit daran:

„Wie hochwertig und beeindruckend die Darstellung tatsächlich ist, konnten wir bis vor kurzem nur erahnen. Besonders die Wirkung des Pressbrokats war kaum mehr wahrnehmbar. Da hauchdünne Blattgoldauflagen extrem empfindlich sind und leicht beschädigt werden können, war zunächst völlig unklar, ob eine Restaurierung überhaupt möglich ist.

Mit dieser Frage begannen wir unsere Untersuchung. Schnell wurde uns bewusst, dass wir ein ganzheitliches Konzept brauchten, das alle Dimensionen des Kunstwerks einbezieht. Nicht nur eine authentische Ästhetik des originalen Materials, auch die ursprüngliche Funktion und Bedeutung des Altarwerks und seine bewegte Geschichte sollten wieder sichtbar werden. Drei Jahre dauerte am Ende dieser Prozess, bei dem wir die Goldoberfläche des Pressbrokats wieder zum Strahlen gebracht und sogar völlig verdeckte Bildteile wieder sichtbar gemacht haben.“

In Kairo wird ein neues Museum gebaut, unter anderem für die riesige Sammlung an Grabbeigaben des Tutanchamun, die im derzeitigen Museum nicht mal annähernd vollständig ausgestellt werden können. Man ist aber trotzdem recht lange damit beschäftigt. Ich war in den 1990er Jahren in Ägypten, und der Besuch im Kairoer Museum war für mich einer der Höhepunkte. Ich stand dann auch gleich zweimal in die im Artikel angesprochene Schlange an der Goldmaske. Und ich bewunderte einen riesigen Schrank voller Uschebtis, bei dem ich mir diesen Begriff dann auch für alle Ewigkeiten merkte.

„Im alten Archäologiemuseum nahe des Tahrir-Platzes in Kairos Zentrum fehlten nicht nur die Nähe zu den Pyramiden sondern vor allem der Platz. Der über hundert Jahre alte Bau wirkt selbst ein bisschen wie eine Antiquität, die an vielen Ecken eine verstaubte Rumpelkammer ist. Manchmal versperren Kisten den Besuchern den Weg, die aussehen, als hätte sie Tutanchamun-Ausgräber Howard Carter in den Zwanzigerjahren noch persönlich abgestellt.

Zudem laufen die Magazine am Tahrir schon seit Jahren über, Tausende Stücke können gar nicht gezeigt werden. Trotz dieser Probleme und obwohl Terrorgefahr und die politisch unsichere Lage seit der Revolution 2011 die Zahl der Touristen dramatisch hat schrumpfen lassen, quetschen sich immer noch jeden Tag viele Menschen am berühmtesten archäologischen Exponat der Welt vorbei, der Totenmaske des Tutanchamun. […]

Einige Exponate müssen allerdings erst noch restauriert werden – deshalb hat Mohamed Yosu gerade ziemlich viel zu tun. Er arbeitet am bereits eröffneten Conservation Center auf dem Gelände des neuen Museums. Hier werden in 17 Laboratorien und Werkstätten alle Altertümer konserviert und aufgearbeitet, die Archäologen irgendwo in Ägypten aus dem Boden holen. […]

Viele Arbeitsschritte in den Labors sind inzwischen Routine. Doch es gibt auch immer wieder Überraschungen. Als die Restauratoren die vielen Einzelteile einer Holzkommode zusammenpuzzeln wollten, stellten sie fest: Tatsächlich lassen sich aus den Holzteilen zwei baugleiche Möbelstücke herstellen. Dem umfangreichen Katalog der Tutanchamun-Sammlung musste eine weitere Exponatnummer hinzugefügt werden.“

Willkommen auf einer Unterseite

Hey! Schön, dass du den Weg von meiner neuen Homepage auf diese kleine, feine Unterseite gefunden hast. Ich führ dich mal ein bisschen rum. *geht um die Ecke, winkt*

Das hier ist jetzt die Homepage. Da sieht man hoffentlich schön schnell, wer ich so bin und was ich so kann aka wofür man mich buchen und bezahlen kann. *wartet* Wir gehen weiter …

Es gibt ein PDF, das einem schnell zeigt, wie und worüber ich alles schreiben kann. Ich darf vielleicht noch unbescheiden hinzufügen, dass ich über alles schreiben kann, wenn man mich vernünftig brieft. Noch mehr Texte von mir gibt es hier, unter anderem meine Museumstexte, auf die ich recht stolz bin. Vielleicht liest du dir die mal durch? Die sind meiner Meinung nach ziemlich gut geworden, auch wenn das Englisch nicht ganz so nach mir klingt. (Den Naga- und den NMAAHC-Text werde ich mal auf Deutsch online stellen, das sind meine beiden liebsten.)

*geht einen goldgepflasterten Gang entlang* Ich bekomme bekanntlich sehr gerne Bücher geschenkt. Meinen Wunschzettel bei Amazon findest du ab sofort hier und nicht mehr in der Seitenleiste vom Blog. (Die Seitenleiste habe ich entrümpeln lassen, da lag viel Zeug rum, das nicht mal ich noch lese.) Ich weise neben dem Wunschzettel vorsichtig auf die total praktische Möglichkeit hin, mir schnödes Geld zukommen zu lassen. Musst du nicht, das Blog hier bleibt weiterhin kostenlos und kriegt keine Paywall und ich will auch immer noch keine Werbung schalten. Aber so einen kleinen Trinkgeldtopf habe ich jetzt halt rumstehen. Für alle Fälle. *hustet und hält unauffällig die Hand auf*

Und das war’s schon. Das Blog, das du gerade liest, hat jetzt eine neue URL, da müsstest du deine Lesezeichen aktualisieren. Oder du kommst immer über die Homepage rein, sonst fühlt die sich total vernachlässigt. Du wirst das schon machen. Danke für deinen Besuch!

#weltaidstag