Tagebuch Dienstag/Mittwoch, 18./19. August 2020 – Hefeteig, Wespenwatch und Apfelklößchen

Der Nachbar brachte vorgestern einen Eimer Falläpfel rüber, und das Mütterlein schlug Apfelklößchen als gestriges Mittagsmahl vor. Die hatte ich seit Kindertagen nicht mehr gegessen, dieses Essen war überhaupt nicht mehr auf meinem Radar, aber den Geschmack hatte ich sofort wieder auf der Zunge. So verbrachte ich eine Stunde damit, teilweise angematschte Äpfel zu schälen und in kleine Stückchen zu schneiden, nachdem Mama die ganzen Wespen verscheucht hatte, vor denen ich immer noch vermutlich zu viel Respekt habe. Scheißviecher.

Zwei Drittel des Apfelstückchenbergs wurde zu Apfelmus, das andere Drittel mischte ich mit drei Eiern (eins pro Esser:in laut dem Mütterchen, wobei ich das beim nächsten Mal vielleicht etwas reduzieren würde) und „so viel Mehl, bis der Teig gut aussieht“. Ich kippte Mehl in die Masse, rührte, befand den Teig für zu flüssig, kippte, rührte, befand, kippte usw. Irgendwann war der Teig ein zäher Brocken, aus dem ich mit zwei Esslöffeln eine Art Nocke abstechen konnte, die dann in kochendes Wasser umgesiedelt wurde. Nach wenigen Minuten erschien mir der Kloß fertig. Als alle Klöße gekocht waren, wurden sie in Butter gebräunt, und zum Servieren gab es haufenweise Zimt und Zucker drüber. Ganz hervorragend.

Vorgestern wühlte ich wieder in altem Kram und stieß auf einen Karton mit Omas Handarbeitsunterlagen. Ihr Nähkästchen schleppe ich seit Jahrzehnten von Wohnung zu Wohnung und habe es in diesem Jahr erstmals vernünftig benutzt, nämlich zum Mundschutznähen, was dazu geführt hat, dass ich inzwischen eine Nähmaschine besitze. In diesem Karton lagen ein paar alte Handarbeitszeitschriften, in denen ich mich durchaus an Kleidungsstücken begeistern konnte. Leider sind die Schnittmuster nicht mehr im Heft, danach wurde auf Twitter schon gefragt, als ich die Bilder dort postete.


Beyers Handarbeit und Wäsche – Strickmoden 6 (1956).


Burda Moden Dezember 1968.

Gestern kauften das Mütterlein und ich gemeinsam ein. Ich darf das neue Auto nicht fahren, wegen der Versicherung und so, Mist, darauf hatte mich schon gefreut, aber jetzt war ich halt nölige Beifahrerin. Wir brachten unter anderem Zwetschgen mit (Sonderangebot!), die aber nicht auf einen Kuchen sollen – ich bemerkte vorsichtig, dass Kuchenbacken bei 30 Grad vielleicht nicht so der Bringer sei. Wir sprachen dann kurz über das ewige Streitthema „Zwetschgenkuchen als Hefe- oder als Rührteig“ und Mama erwähnte, dass es das Backwerk – natürlich mit Hefe – früher für die Helfer:innen bei der Kartoffelernte gegeben habe. Mit Hefe, denn: „Hefeteig ist ein armer Teig“, da kommen deutlich weniger Eier und Fett hinein. Auch noch nie drüber nachgedacht. Ich überlege seitdem, ob man die Vorliebe für den einen oder den anderen Teig lokalisieren kann: Landbevölkerung eher Hefe, Städter:innen eher Rührteig?

Vom Einkaufen brachten wir daher fertigen Kuchen vom Bäcker mit, weswegen mich die Wespen derzeit auch nerven: Ich weiß nicht, ob Papa es mitkriegt, wenn eine von den Viechern auf seinem Kuchen sitzt bzw. in seiner Teetasse hängt. Falls er gestochen wird und er möglicherweise ärztliche Hilfe braucht, wird das schwierig: Wir kriegen ihn nicht ohne Hilfe vom Bett in den Rollstuhl und von da sowieso nirgends anders mehr hin, erst recht nicht ins Auto, das wegen seines hohen Einstiegs überhaupt erst angeschafft wurde, aber das war wohl eher Wunschdenken. Falls ihm etwas passiert, brauchen wir einen Rettungswagen. Deswegen sind Mahlzeiten momentan etwas unentspannt für mich, weil ich dauernd auf Insektenwatch bin. Vermutlich übertrieben, aber ich bin halt ein Schisser.

Gestern abend wollte ich eigentlich gerne mit dem Väterchen Fußball gucken, wie ich das aus Kindheitstagen kenne. Bayern gegen Lyon lief nicht im Free-TV, und da meine Eltern immer noch kein Internet haben, suchte ich einen total legalen Stream per Handy-Hotspot. Der Empfang ist leider ausgerechnet im Zimmer von Vaddern eher unterirdisch – Edge kenne ich sonst nur aus Zügen. So guckte er wie gewohnt Naturdokus im Fernsehen, ich saß in der Küche bei LTE und berichtete die Spielstände. Beim 3:0 schlief er allerdings schon.

Tagebuch Sonntag/Montag, 16./17. August 2020 – Zeitung, Duschen, Wurstauflauf

Sonntag saß ich im ICE in Richtung Norden, um mal wieder mein Mütterlein zu unterstützen. Direkt neben mir, über den Gang rüber, saß ein Ehepaar, das von seiner Tochter zum Zug gebracht worden war. Die beiden plapperten auf die Tochter ein, immerhin alle mit Maske, und vom Gehalt des Gesprächs war klar: Alle alten Eltern sind gleich. Die beiden guckten neidisch auf meine FAS, denn ich wusste ja seit der letzten Fahrt, dass es in der 1. Klasse keine Zeitungen mehr gab (totale Unverschämtheit, logisch) und hatte mich daher bevorratet. Das wurde auch verbalisiert, dass es keine Zeitungen mehr gab.

Ich griff anstatt zur Zeitung erstmal zu den Noise-Cancelling-Kopfhörern und wartete ein halbes Stündchen, bis das Paar vor sich hinschwieg. Dann las ich Zeitung. Der Schaffner kam, das Paar erzählte, dass es bis Würzburg führe und dann in die Rhön, der Schaffner stieg offensichtlich gerne in die Unterhaltung ein, man einigte sich, dass Bücher nur in Papierform super sind und ab da hörte ich nicht mehr zu. Auch der Schaffner wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es keine Zeitungen mehr gebe, was er bedauerte, aber Corona, Sie wissen ja, schlimm alles.

Dann wurde wieder geschwiegen, ich las Zeitung, und als ich das erste Buch durchgelesen hatte, fragte ich über den Gang, ob sie vielleicht wenigstens einen Teil Zeitung haben wollten. Selten haben sich Menschen so über Lesestoff gefreut wie da. Meine gute Tat des Tages.

Beim Aussteigen in Hannover dann noch einer Dame mit Kinderwagen und zwei Kindern beim Aussteigen geholfen, alle Karmapunkte an mich, zack-zack. Das hat das Universum aber nicht mitgekriegt, denn es ließ meine S-Bahn ausfallen und ich musste drei Telefonate mit zwei Teilnehmenden führen, damit mich irgendwer von irgendwo mit dem Koffer einsammelt. Nebenbei war es irre schwül anstatt einfach nur knochentrocken heiß wie in München und ich wollte ab 16 Uhr nur noch duschen. Von mir aus auch gleich mit Klamotten.

Eigentlich hatte ich mir diverse Rezepte mitgenommen, um die Tiefkühltruhe des Mütterleins aufzufüllen (danke an die Leserinnen für die Tipps!), aber anscheinend ist der Plan diese Woche, die Truhe eher leerzukochen. Gestern verarbeitete ich eine kleinkindgroße Zucchini aus dem Garten und füllte sie launig mit Hack und Käse und Zucchini, was auch hervorragend schmeckte. Ein Teil davon landete allerding wieder in der Truhe, wo ich gerade das Hackfleisch hergenommen hatte, aber gut, so bleibt alles im Gleichgewicht.

Einen großen Teil des Tages war ich damit beschäftigt, die Rezeptbox meiner Mutter aufzuräumen, die ihr runtergefallen war, und nun lagen eine Million Rezepte, die geschätzt in den 1980er Jahren begonnen wurden, ungeordnet rum. Ich durfte wegschmeißen und tat das auch (siebenmal Grüne Soße, achtmal Zwiebelkuchen, Pfannkuchen? Frikadellen? Das macht sie doch aus dem Handgelenk, weg damit). Bitte lesen Sie diesen Thread für weitere Einblicke und ein schlimmes Rezept, von dem ich leichtsinnigerweise meinte, es nachkochen zu müssen. Ich überlege noch, wie ich da wieder rauskomme.

Danach durchsuchte ich auf Wunsch das halbe Haus nach einem Gegenstand, leider erfolglos, und wollte ab 16 Uhr erneut duschen. Aber immerhin hatte ich einen Ventilator, denn auf dem Dachboden meiner Eltern liegen noch 20 Kisten, die ich vom Wegzug aus Hamburg nicht nach München hatte mitnehmen können. Und in einer dieser Kisten wusste ich einen Ventilator, der netterweise auch gleich in der zweiten, selbstverständlich hervorragend beschrifteten Umzugskiste lag.

Abends eine Spinne neben dem Kopfende meines Bettes weggesaugt, verdammtes Landleben.

Die Rede von Michelle Obama auf dem Zoom-Parteitag der Demokraten.

Tagebuch Freitag, 14. August 2020 – Zeit, Radio, Zeitenwende

Dinge, die ich gelernt habe: Es gibt erst seit 1893 eine einheitliche Zeit in Deutschland. Erst mit dem regelmäßigen Eisenbahnverkehr war es wichtig, dass es in Karlsruhe nicht zwölf Minuten früher war als in Berlin. Mehr bei Frau Nessy.

Auch gelernt: Die Rundfunkgebühren gab es von Anfang an, was Menschen mit geringerem Einkommen die Teilhabe an diesem Medium zunächst erschwerte – auch weil die Geräte vorerst recht teuer waren. Trotzdem gab es Ende 1925 eine Million registrierte Hörer:innen. Siehe die Ausstellungstexte im Lenbachhaus dazu. 1923/24 wurden neun Stationen des deutschen Rundfunks in Großstädten gegründet, für deren Empfang man monatlich 2 Reichsmark zahlen musste. Im Zuge der Diss bin ich auf Löhne von Arbeitern in den 1930er-Jahren gestoßen: Tiefbauarbeiter und Bauhilfsarbeiter an der Autobahnstrecke Hamburg–Bremen erhielten 1935 einen Stundenlohn von 50 Rpf. Wie immer: Vorsicht mit Vergleichen, Löhne von 1924 kenne ich nicht, aber vielleicht hilft das bei der Orientierung. 1928 hatten das Radio bereits schätzungsweise 10 Millionen Hörer:innen, was einem Fünftel der Gesamtbevölkerung entsprach. Vgl. zur Frühzeit des Radios Andreas Zeising: Radiokunstgeschichte. Bildende Kunst und Kunstvermittlung im frühen Rundfunk der 1920er bis 1940er Jahre, Köln/Weimar 2018, S. 40 (Gebühren, Rundfunkgründung) und S. 44 (Teilnehmende 1928).

Schon von 2017, aber für mich neu: How to make a blockbuster movie trailer.

Fand ich sehr clever, wie man sofort Bilder im Kopf hat und es erinnerte mich an eine meiner liebsten Werbekampagnen, die ich leider nicht ergoogelt bekomme. Eine uralte Nikon-Anzeige, die nur aus weißer Schrift auf schwarzem Grund bestand. Die Lines gingen in die Richtung von „If in your mind you now see a boy saluting a coffin, it was probably shot with a Nikon.“ Die Anzeige funktionert genau wie der Trailer: Man hat sofort Bilder im Kopf, und die sind vermutlich stärker als wenn man das Foto vom jungen John-John erneut abdrucken würde.

Der FC Bayern spielte gestern im Viertelfinale der Champions League ein KO-Spiel gegen Barcelona und gewann unglaublicherweise mit 8:2. Die NYT wird dramatisch: Bayern 8, Barcelona 2. The End.

„Rome was bad, in 2018. Barcelona had won the first leg of that quarterfinal easily, by 4-1 at Camp Nou. Few gave Roma much of a chance in the return: a chance to restore a bit of pride, maybe. But Barcelona collapsed, losing by 3-0. Messi and his teammates brooded on it for months. At the start of the next season, he gave a speech outlining his determination to put it right.

Anfield was worse, in 2019. Messi had been as good as his word. Barcelona had cruised to the semifinals this time, and had dismantled Liverpool on Catalan soil. Arturo Vidal, the grizzled Chilean midfielder, had promised to make a particularly personal donation to science if Barcelona did not make the final. Trent Alexander-Arnold took a corner quickly, and Barcelona buckled and broke.

But this? This was something else entirely. “The bottom,” was how Gerard Piqué, almost teary, put it. This was not a momentary lapse in concentration, a few minutes of madness. This was not hubris or overconfidence or some character flaw, unearthed in the white heat of the Stadio Olimpico or Anfield.

This was a brutal, ruthless, surgical exposure of all that is wrong with Barcelona. There is no need to reel through that long list — the dreadful recruitment, the total absence of planning, the boardroom infighting, the negligent squandering of a legacy — but, in the space of 90 minutes on Friday, Bayern Munich laid it all bare.“

Ich sah das Spiel als Stream von BT Sports, aber ohne Ton, weil der Sender Publikumsgeräusche aus der Dose über das Geisterspiel legt, was mich wahnsinnig macht. Der Ton kam von Sky, allerdings zwei Minuten zu spät, was aber egal war, ich wusste eh immer früher, wie’s steht, weil die Jubelschreie der Nachbarn noch vor BT Sports bei mir ankamen. Schönster Tweet dazu:

Tagebuch Donnerstag, 13. August 2020 – Negativ

Gemeinsam aufgewacht, immer schön. Wobei ich gefühlt fünfmal gemeinsam aufgewacht bin, weil das viele Bier vom Mittwochabend nicht bis morgens in mir bleiben wollte. Nach dem Aufstehen viel Wasser getrunken. (Das sind schöne Abende immer wert.)

Beim Doc angerufen, bei dem ich Montag den Corona-Test habe machen lassen. Das stundenlange Übergeben sowie einige weitere Dinge, die mein Körper sonst nicht macht, hatten mich etwas stutzig werden lassen. Oder ich habe mich von der NYT irre machen lassen, die eine Grafik über unterschiedliche Symptome hatten, die ich gerade dooferweise nicht wiederfinde. Daher der Test, und gestern war das Ergebnis da, und es ist, wie erhofft, ein negatives. Das hatte ich zwar erwartet, aber man weiß ja nie, wer neben einem an der Supermarktkasse stand, und daher war ich doch erleichtert.

Diverse Rezepte notiert, die ich mit in den Norden nehme, um sie dem Mütterlein vorzuschlagen. Auf was immer sie Lust hat, wird gekocht und in Mengen eingefroren. Memo to me: die guten Messer mitnehmen und meine Microplane und die grobe Küchenreibe, damit ich nicht wahnsinnig werde.

Beim Kreuzworträtsel der NYT fast wahnsinnig geworden, weil ich nicht kapiert hatte, dass überall da, wo vom Wortsinn her „one“ stehen müsste, stattdessen „all“ steht, weil der Lösungsansatz „three musketeers“ auf den Spruch der Herren „One for all and all for one“ hinwies, weswegen die Lösungsworte teilweise bewusst falsch waren. Eine Weinregion in Frankreich war dementsprechend das „Rhall Voneey“ und nicht das „Rhone Valley“, und ich zweifelte sehr an meinen Englischkenntnissen, bis ich den dazugehörigen Artikel las, den ich immer erst nach dem Lösen lese, weil dort schon einige Lösungswörter vorkommen. Was ich auch interessiert feststellte: Man kann zu einem Artikel über ein Kreuzworträtsel über 500 Kommentare kriegen, darunter Newbies wie ich, die ihr Entsetzen äußern und Profis, die darauf hinweisen, dass die Donnerstagsrätsel halt immer arschig sind, deal with it oder spiel weiter Spelling Bee.

Sehr gelacht habe ich allerdings über „6D. Wow, that’s a tough clue. The winner of the 1966 World Cup (abbr.) was ENGland“, was so ziemlich das erste Lösungswort war, das ich wusste, wie vermutlich alle lösenden fußballinteressierten Deutschen weil WEMBLEY.

Den Abend mit F. auf dem Balkon verbracht und Spezi getrunken. Gemeinsam eingeschlafen, immer schön.

Tagebuch Mittwoch, 12. August 2020 – Französisches Landbrot und Schanigarten

Der Tag fing nicht ganz so gut an und ging auch nicht ganz so gut weiter, aber da ich nicht frustfutternd auf dem Sofa enden wollte, überlegte ich mir Gegenstrategien. Erste Idee: Bibliothek des ZI, auch weil Klimaanlage. Dann entschloss ich mich aber doch todesmutig zu einem Spaziergang, weil bei mir Couchkartoffel schon Spazierengehen für die Endorphinproduktion reicht, das muss gar kein zweistündiges Workout sein.

Ich ging zum nächsten stummen Verkäufer und erwarb die FAZ, schlenderte über den fast kühlen Friedhof in meiner Nähe (Bäume! So toll!) und bummelte dann zum Lieblingsbäcker fast an der Uni, wo ich ein französisches Landbrot erstand, das die Damen und Herren nur mittwochs anbieten. Es ist ein Weißbrot, aber mit fester Kruste und einem weichen Innenleben, die so gut miteinander funktionieren, dass es einem nicht auseinanderbröselt, wenn man es frisch anschneidet. Es ist kaum süß, schmeckt mit allem und ist dabei kein Riesenlaib, so dass man ihn gut über zwei, drei Tage verspeisen kann. Außerdem nahm ich mir ein 25er mit, das ist quasi das Standardbrot, das es in zwei Größen gibt. Ich nahm das große und fror es zuhause ein, denn die Backstube macht ab nächste Woche zwei Wochen Urlaub.

Auf dem Rückweg holte ich mein Buch aus der Packstation, das ich mit dem Geschenkgutschein der letzten Tage erworben hatte, und kam deutlich sichtbar angeschwitzt wieder zu Hause an. Das hatte gut getan, trotz der für mich eher unangenehmen Temperaturen. An der Packstation musste ich mein Handy für den Code aus der Hosentasche ziehen und steckte es danach anscheinend etwas nachlässig wieder zurück, jedenfalls produzierte der kleine Computer ein bisschen Kunst, ohne dass ich es darauf angelegt hatte.

Zum Abendessen gab’s mal wieder die Frühlingszwiebelfladen. Projekt „Kühlschrank und Vorräte leeressen, bevor ich in den Norden fahre“ läuft gut.

Abends war ich dann schon fast am Wegnicken, alle Fenster der Wohnung waren wieder geöffnet, nachdem sie tagsüber hinter herabgelassenen Rolläden fest verschlossen sind, als eine DM von F. kam. Er war mit einem gemeinsamen Freund auf einem Konzert im Olympiastadion gewesen und nun in unserer Stammkneipe eingekehrt, die draußen, wie in diesem Sommer so viele Lokale, einen Schanigarten hat. Da war noch Platz für mich, und so kam ich noch zu zwei Bierchen. Aus denen dann irgendwie nach 23 Uhr, als wir reinmussten, ich weiß nicht, wie das immer passiert in diesem Laden, insgesamt vier wurden. Das hat sich fast wie ein normaler Abend angefühlt, wenn man die Plastikscheiben zwischen den Tischen ignoriert.

Ich freue mich außerdem über die Bezeichnung „Schanigarten“, die sich irgendwie durchgesetzt hat. Ich hätte eher was wie „ausnahmsweise genehmigte Parkraumbewirtschaftung“ erwartet. Wir sprachen über das Sitzkonzert, das beide besucht hatten und ich erwähnte einen Tweet, den ich vorher in der Timeline gehabt hatte (finde ich gerade nicht wieder): Dort war ein Bild aus England, wenn ich mich richtig erinnere, abgebildet, wo vor einer Bühne lauter kleine Plattformen mit genügend Abstand zueinander errichtet waren, auf denen jeweils vier Stühle standen. Der Tweet-Schreiber wies auf „our new times“ hin und wollte vermutlich sagen, wie schlimm das alles ist, aber der Großteil der Replys lag ganz auf meiner Linie: Wie toll, endlich Platz, keiner kommt dir zu nahe, du kannst sitzen, jetzt noch einen mobilen Getränkeservice und dann zahle ich dafür gerne Geld.

Tagebuch Dienstag, 11. August 2020 – Autos und Käse

Beim Aktualisieren des Lebenslaufs fiel mir auf, dass ich mich mit der Diss über die Malerei zur Reichsautobahn gar nicht so weit wegbewegt habe von dem, was ich vorher gemacht habe: werbetexten für diverse Autokonzerne.

Vorgestern retweetete ich den Prado mit einem kleinen Clip, den das Museum zur Neuhängung ihrer Meisterwerke produziert hatte. Ich mochte schon den Anfang, als man vor allem Hände sah, die mich daran erinnerten, dass wir uns alle gerade nicht berühren können. Danach kamen Ausschnitte, in denen wir von Bildern angeschaut werden, die uns gleichzeitig auf Distanz halten. Sehr clever gemacht und ein bisschen schmerzhaft. (Hier gibt’s noch einen Clip mit ein bisschen Beethoven dazu.)

Meinen Blogeintrag von vor vier Jahren (ist das schon wieder so lange her?) zum Prado-Besuch verlinkte ich ebenfalls. In diesem Beitrag versteckt sich ein Link zum Eintrag über meinen Besuch in der Reina Sofia, wo Picassos Guernica hängt. Und erst jetzt fiel mir eine Gleichzeitigkeit auf, die mich seitdem wahnsinnig macht: 1937 hing Guernica im spanischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung. Und ein paar Meter weiter im deutschen Pavillon hingen mindestens zwei Autobahngemälde. Ganz toll, deutsches Reich, du ewige Nervensäge.

Tagesablauf derzeit: vor dem Wecker wachwerden, Wohnung durchlüften, Wohnung verdunkeln, lesen.

Gestern abend gab’s immerhin etwas Abwechslung: F. kam von einem winzigen Winzurlaub wieder, brachte, natürlich, kiloweise Käse mit, den wir mit einem Fläschchen Champagner auf dem Balkon verzehrten. Und danach noch mit einer Flasche Wein. Wir hatten uns immerhin vier Tage nicht gesehen, es gab total viel zu erzählen. Also wie ich momentan meine Wohnung verdunkele und lese und so.

Die NYT hatte schon einen Abriss über Trumps Versagen während der Corona-Krise. Slate legt nach mit gefühlt hunderten von Links: „Trump didn’t just get in the way. He made things worse.“

The Trump Pandemic

„Trump collaborated with Xi, concealed the threat, impeded the U.S. government’s response, silenced those who sought to warn the public, and pushed states to take risks that escalated the tragedy. He’s personally responsible for tens of thousands of deaths.

This isn’t speculation. All the evidence is in the public record. But the truth, unlike Trump’s false narrative, is scattered in different places. It’s in emails, leaks, interviews, hearings, scientific reports, and the president’s stray remarks. This article puts those fragments together. It documents Trump’s interference or negligence in every stage of the government’s failure: preparation, mobilization, public communication, testing, mitigation, and reopening.

Trump has always been malignant and incompetent. As president, he has coasted on economic growth, narrowly averted crises of his own making, and corrupted the government in ways that many Americans could ignore. But in the pandemic, his vices—venality, dishonesty, self-absorption, dereliction, heedlessness—turned deadly. They produced lies, misjudgments, and destructive interventions that multiplied the carnage. The coronavirus debacle isn’t, as Trump protests, an “artificial problem” that spoiled his presidency. It’s the fulfillment of everything he is.“

Tagebuch Montag, 10. August 2020 – Corona-Test

Keine Panik, keine Symptome (wenn man das Übergeben von letzter Woche ignoriert), ich wollte es nur mal abklären lassen, bevor ich wieder in den Norden fahre, um für das Mütterlein kiloweise Rouladen, Saucen und Gemüsepäckchen anzufertigen und dafür zu sorgen, dass sie ausschlafen kann.

Der Arzt, bei dem ich einen Termin hatte, bietet die Tests nur am Ende der regulären Sprechstunde an. Ich betrat also um 17.45 Uhr die Praxis, sagte mein „Hello, my name is“-Sprüchlein auf – und wurde sofort wieder rausgeworfen: „Bitte draußen warten!“ Direkt hinter mir kam noch jemand für einen Test, der wurde auch ins Treppenhaus geschickt. Immerhin war hier ein leichter Luftzug vom Fahrstuhl oder vom Ventilator in der Praxis ein Stockwerk drüber zu spüren. Wir füllten unsere Aufnahmezettelchen aus und warteten. Und warteten.

Im Haus befinden sich Wohnungen und Praxen gemischt. Eigentlich sind Praxen ja super als Nachbar: immer jemand in der Nähe, falls man sich mal böse verschluckt oder die Kochmesser unerwartet scharf sind und nach 18 Uhr ist Ruhe. Dass man sich irgendwann an potenziell infektiösen Menschen, die im Treppenhaus rumlungern, vorbeiquetschen muss, hat vermutlich auch niemand vorausgesehen.

Gegen 18.30 Uhr kam ich dran, ich hatte gerade eine Leseprobe von Amazon auf dem iPhone durchgelesen, perfekt. Der Arzt entschuldigte sich für die Wartezeit, fragte nach Symptomen – nö –, nach möglichen Kontakten – Corona-App says no – und steckte mir dann vorsichtig ein Wattestäbchen in die Nase. Ich konnte gerade noch sagen, dass das andere Nasenloch vielleicht besser wär, da ist kein Piercing im Weg, dann ging das Stäbchen durchs ungepiercte Nasenloch, ich dachte noch, das fühlt sich an, als ob das Stäbchen im Nichts verschwindet, als es plötzlich hinten am Rachen kurz kratzte, und dann war schon alles vorbei. Das Gefühl konnte ich auch nach längerem Überlegen nicht in Worte fassen, das war ganz neu. (Kommt direkt auf den Jahresendfragebogen.) Es tat nicht weh, es war nicht mal wirklich unangenehm, nur sehr seltsam. Ich musste sinnloserweise an einen Dialog aus Broadcast News denken, wo Holly Hunter die Stimme im Ohr vom Anchorman William Hurt ist, die wiederholt, was Albert Brooks ihr sagt, der wiederum vor dem Fernseher steht, alles mit ansieht und vor sich hinmurmelt: „I say it here – it comes out there.“ So ein ähnliches, fast körperloses Gefühl war das, weil, soweit ich weiß, mir noch nie jemand da hinten im Rachen rumgekitzelt hat.

Der Rest vom Tag war Orgakram und Bürozeug und Dings. Und zu warm zum Kochen war’s auch. Aber für einen Salat und mal wieder die FAZ hat’s gereicht.

Das Tellerchen mit den Steinen darin ist die Wasserquelle für Insekten, wenn ich dieses Jahr schon keine Blümchen auf dem Balkon habe, um Bienen und Hummeln zu beglücken (kein Auto, Corona, alles doof). Ich sehe blöderweise immer nur Wespen am Wasser anstatt der flauschigen Viecher, aber man will ja nicht diskriminieren.

Links von Montag, 10. August 2020

Auf arte concert kann man gerade Igor Levits Beethovenzyklus aus Salzburg nachhören, soweit ich das verstanden habe, jeden Abend live und dann 30 Tage zum Abruf. Ein paar andere Aufführungen aus Salzburg stehen auch online, bitte mal selbst wühlen.

„Was hat Tourismus mit gutem Leben zu tun?“

Ein Gespräch zwischen Nils Markwardt und Valentin Groebner, der gerade ein kleines Buch zum Thema herausgebracht hat.

„M: Schon während der „Grand Tour“ im 18. Jahrhundert führten die jungen Adligen Zeichenblöcke bei sich, um besonders schöne Orte festhalten zu können. Später hatten manche Urlauber dann Fotoapparate dabei und verschickten Postkarten. Heute jedoch hat jeder ein Smartphone in der Tasche und kann seine Eindrücke sofort via Social Media teilen. Hat sich die touristische Erfahrung dadurch noch einmal grundsätzlich gewandelt?

G: Ich werde den Verdacht nicht los, dass sich viel weniger verändert hat, als man auf den ersten Blick hätte erwarten können. Denn auch schon vor dem 18. Jahrhundert gab es Reisende, die sich an ihren Besuchsorten verewigten. In der Grabeskirche in Jerusalem finden sich etwa eingekratzte Namen und Wappen von Pilgern aus dem 14. und 15. Jahrhundert – so viele, dass Reiseberichte aus dieser Zeit sich über diese eitlen Kerle beklagen. Adlige ließen ihr Wappen auch an die Fensterläden jener Wirtshäuser malen, in denen sie übernachtet hatten. Es ging also, ein bisschen wie bei Trip Advisor, darum, zu zeigen, wer hier schon abgestiegen ist. Und Fotografie entsteht dann ja auch nicht zufällig zur selben Zeit wie die Eisenbahn, das Dampfschiff und das Grand Hotel. In den frühen Touristenzielen waren überall Fotoateliers. Die wohlhabenden Besucher von Luzern, Paris oder Florenz wollten vor Ort sofort Fotos von sich – vor standardisierten Hintergründen, aber auch als Joke-Bilder, so wie etwa das berühmte Foto von Friedrich Nietzsche, Lou Andreas-Salomé und Paul Rée, in Luzern in einem Fotostudio geknipst. Das flüchtige Medium Reisen verlangt nach einem stillgestellten Bildbeweis. Zumal noch etwas Zweites dazukommt: Bei Vergnügungsreisen verwandelt man sich, wenn auch nur im eigenen Kopf, in eine reiche Person. Denn man ist ja nicht zum Arbeiten gekommen, sondern um Spaß zu haben. Und den will man anderen zeigen. Das heißt, man schlüpft in eine möglichst amüsante Pose, so wie Nietzsche, Andreas-Salomé und Rée. Wir führen unser eigenes Urlaubstheater auf. Sehr viel anders funktionieren die Selfies, die wir heute verschicken, auch nicht. Nur haben wir das Fotostudio eben in der eigenen Hosentasche.

M: Oft bedeutet Urlaub auch eine Reise in die Vergangenheit. Wir pilgern zu Denkmälern, Museen und historischen Sehenswürdigkeiten. Woher kommt es, dass wir in den Ferien die Geschichte aufsuchen?

G: Unsere Vorstellung vom sehenswerten „Echten“ ist gewöhnlich vorindustriell. Das 19. Jahrhundert machte die Erfahrung, dass sich die eigene Umwelt durch das beschleunigte Wachstum des Industrie- und Fabriksystems rasant veränderte. Die mittelalterlichen Stadtmauern verschwanden fast überall in Europa innerhalb derselben zehn Jahre. Die standen fünf, sechs Jahrhunderte – und wurden dann zwischen 1840 und 1850 abgerissen. Industriestädte dagegen wuchsen innerhalb von 20 Jahren auf die doppelte Einwohnerzahl an. Menschen des 19. Jahrhunderts erlebten Veränderungen in einem Ausmaß, das wir uns kaum vorstellen können. Im 18. Jahrhundert stand noch so viel Altes herum, dass es als nichts Besonderes galt, wenn es nicht antik war. Im 19. Jahrhundert wurden mittelalterliche Überreste dann zur Sehenswürdigkeit, weil sie so rasch knapp wurden. Deswegen musste man sie im Zweifelsfall auch neu bauen. Wenn heute etwas sehr mittelalterlich aussieht, stammt es im Zweifelsfall aus dem 19. Jahrhundert.“

Neuerdings ist die Spelling Bee bei der NYT fies schwer, weswegen ich jetzt kreuzworträtselsüchtig bin. Als Abonnentin kann ich auch das ganze Archiv leerlösen. Ha!

Zwei lange Stücke über die USA und ihren zumindest derzeit so wahrgenommenen Niedergang, einmal aus dem Atlantic, einmal aus dem Rolling Stone.

How the Pandemic Defeated America

In diesem Artikel geht es hauptsächlich um das Gesundheitssystem der USA, das durch COVID-19 übermäßig in Anspruch genommen wird. (Der Artikel ist nicht hinter einer Paywall wie alle zu Corona bei unter anderem dem Atlantic, der NYT, der Washington Post oder dem New Yorker. Ich runzele die Stirn zum Beispiel in Richtung Süddeutsche, bei der ich erst durch den Uni-Zugang einen Artikel über die (eher geringe) Ansteckungsgefahr in Zügen lesen konnte, danke auch. Hmpf.)

„But the COVID‑19 debacle has also touched—and implicated—nearly every other facet of American society: its shortsighted leadership, its disregard for expertise, its racial inequities, its social-media culture, and its fealty to a dangerous strain of individualism. […] Despite its epochal effects, COVID‑19 is merely a harbinger of worse plagues to come. The U.S. cannot prepare for these inevitable crises if it returns to normal, as many of its people ache to do. Normal led to this. Normal was a world ever more prone to a pandemic but ever less ready for one. To avert another catastrophe, the U.S. needs to grapple with all the ways normal failed us. It needs a full accounting of every recent misstep and foundational sin, every unattended weakness and unheeded warning, every festering wound and reopened scar. […]

At the end of the 20th century, public-health improvements meant that Americans were living an average of 30 years longer than they were at the start of it. Maternal mortality had fallen by 99 percent; infant mortality by 90 percent. Fortified foods all but eliminated rickets and goiters. Vaccines eradicated smallpox and polio, and brought measles, diphtheria, and rubella to heel. These measures, coupled with antibiotics and better sanitation, curbed infectious diseases to such a degree that some scientists predicted they would soon pass into history. But instead, these achievements brought complacency. “As public health did its job, it became a target” of budget cuts, says Lori Freeman, the CEO of the National Association of County and City Health Officials.

Today, the U.S. spends just 2.5 percent of its gigantic health-care budget on public health. Underfunded health departments were already struggling to deal with opioid addiction, climbing obesity rates, contaminated water, and easily preventable diseases. Last year saw the most measles cases since 1992. In 2018, the U.S. had 115,000 cases of syphilis and 580,000 cases of gonorrhea—numbers not seen in almost three decades. It has 1.7 million cases of chlamydia, the highest number ever recorded.“

Der Rolling Stone schreibt über die Rolle der USA als Weltmacht, die keine mehr ist.

The Unraveling of America

„In a dark season of pestilence, COVID has reduced to tatters the illusion of American exceptionalism. At the height of the crisis, with more than 2,000 dying each day, Americans found themselves members of a failed state, ruled by a dysfunctional and incompetent government largely responsible for death rates that added a tragic coda to America’s claim to supremacy in the world. […]

In the wake of the war, with Europe and Japan in ashes, the United States with but 6 percent of the world’s population accounted for half of the global economy, including the production of 93 percent of all automobiles. Such economic dominance birthed a vibrant middle class, a trade union movement that allowed a single breadwinner with limited education to own a home and a car, support a family, and send his kids to good schools. It was not by any means a perfect world but affluence allowed for a truce between capital and labor, a reciprocity of opportunity in a time of rapid growth and declining income inequality, marked by high tax rates for the wealthy, who were by no means the only beneficiaries of a golden age of American capitalism.

But freedom and affluence came with a price. The United States, virtually a demilitarized nation on the eve of the Second World War, never stood down in the wake of victory. To this day, American troops are deployed in 150 countries. Since the 1970s, China has not once gone to war; the U.S. has not spent a day at peace. President Jimmy Carter recently noted that in its 242-year history, America has enjoyed only 16 years of peace, making it, as he wrote, “the most warlike nation in the history of the world.” Since 2001, the U.S. has spent over $6 trillion on military operations and war, money that might have been invested in the infrastructure of home. China, meanwhile, built its nation, pouring more cement every three years than America did in the entire 20th century.

As America policed the world, the violence came home. On D-Day, June 6th, 1944, the Allied death toll was 4,414; in 2019, domestic gun violence had killed that many American men and women by the end of April. By June of that year, guns in the hands of ordinary Americans had caused more casualties than the Allies suffered in Normandy in the first month of a campaign that consumed the military strength of five nations.“

Für den Satz, dass heutige Jugendliche bis zu ihrem 18. Lebensjahr zwei Jahre vor Bildschirmen verbringen und damit zur sogenannten obesity epidemic beitragen – ein extradoofes Wort inmitten einer echten Pandemie – möchte ich dem Autor allerdings kurz was hinter die Ohren geben.

Kartoffeltaschen mit Zucchinifüllung und Schnittlauchdip

Wieder ein Rezept aus der Vegetarischen Sommerküche von Paul Ivic. Bei den Zutaten dachte ich zunächst, naja, Kartoffeln und Zucchini halt, aber das schmeckte unerwartet gut und gefiel mir auch von den Texturen her sehr.

Für vier bis sechs Personen, die Dinger machen irre satt.

600 g mehlig kochende Kartoffeln kochen und passieren oder zerstampfen, wir brauchen Kartoffelbrei.

Währenddessen die Zucchini vorbereiten.
3 mittelgroße Zucchini 3 Millimeter dick abschälen, wir brauchen für die Füllung nur die Schale. Den Rest erstmal zur Seite stellen, die Schale in kleine Würfel schneiden.

100 g Butter (was mir viel zu viel vorkam) aufschäumen und leicht bräunen. Die Schalenwürfel darin knackig braten. Auf einen großen Teller oder eine Platte geben, mit
Salz, Pfeffer und Muskat würzen und circa eine Minute ziehen lassen. Danach noch
3 EL Semmelbrösel unterrühren. Die Masse sollte leicht klebrig sein. Im Rezept werden noch 2 Eigelb erwähnt, das kam mir aber seltsam vor, die darunter zu heben, daher habe ich sie weggelassen.

Nun den noch warmen Kartoffelbrei mit
240 g Mehl, Type 405,
30 g Butter und
2-3 Eigelb verkneten, mit
Salz und Muskat würzen. Auf der bemehlten Arbeitsfläche sofort 3 Millimeter dick ausrollen, mit Eigelb bestreichen (habe ich weggelassen) und Kreise ausstechen, ca. 6 Zentimeter im Durchmesser.

Mit einem Löffel ein bisschen Füllung auf jeden Teigkreis setzen, die Kreise zusammenfalten und die Enden gut zusammendrücken. Das sah bei mir ein bisschen wie eine Mischung aus Dim Sum und Ravioli aus, aber die lustigen Dinosaurierrückenplattenkanten, die ich produzierte, verschwanden beim Kochen von alleine. Die gefüllten Taschen mit den Enden nach oben auf Backpapier setzen, die kleben sonst an allem fest.

Die geschälten Zucchini nun in Scheiben, Stücke oder was auch immer ihr wollt schneiden und in wenig Butter andünsten.

Für die Schnittlauchsauce
125 ml saure Sahne mit
1 EL Mayonnaise,
1 zerdrückten Knoblauchzehe,
1 kleinen Bund Schnittlauch, fein gehackt,
1–2 EL Zitronensaft sowie
Salz und Pfeffer mischen. Kalt stellen.

Einen großen Topf mit Salzwasser aufsetzen. Die Taschen bei leicht köchelndem Wasser hineingeben. Wenn sie an die Oberfläche kommen, noch zwei Minuten köcheln lassen. Herausnehmen und in
heißer, brauner Butter anschwenken. Auf dem Zucchinigemüse servieren, dabei darf gerne noch Butter dabeisein, und den Dip dazureichen.

Ich fand die Füllung überraschend knusprig, wobei das eventuell am fehlenden Eigelb gelegen haben könnte. Es ist schon sehr viel Butter im Gericht, aber mei, Butter ist super, gerne wieder. Vor allem die braune, nussig schmeckende macht den Teller sehr mummelig, wogegen der Dip gut hilft. Und falls ihr nicht den ganzen Teig verarbeitet – aus dem kann man auch am nächsten Tag noch ohne Füllung latent zähe Schupfnudeln machen.

Tagebuch Freitag, 7. August 2020 – Tote Blaubeeren

Ich ahne, dass meine Krankheitssymptome der letzten Woche eher eine launige Lebensmittelvergiftung waren oder was auch immer und nicht das C-Wort, aber ich habe trotzdem mal einen Test für Montag vereinbart. Passt auch gut, weil ich Ende nächster Woche wieder in den Norden fahre, um das Mütterlein zu unterstützen. Herr Bielinski berichtete vom Test seiner Familie, der seit Anfang Juli in Bayern kostenlos für alle zu haben ist. Wer wissen möchte, wo in seiner Nähe eine Ärztin ist, die diese Tests durchführt, geht auf die Seite der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und sucht seine Postleitzahl. So habe ich einen HNO-Arzt gefunden, der 200 Meter von meiner Haustür entfernt praktiziert und freue mich jetzt total darauf, nochmal Würgereiz zu spüren, wenn der Rachenabstrich genommen wird.

Den Tag über mit Dingen beschäftigt, die nicht ins Blog gehören. Und gekocht und gebacken, jetzt wo der Magen wieder Ruhe gibt. Dabei reproduzierte ich Böcklins Toteninsel als Blaubeerkuchen.

Und ich beim Rausnehmen des Kuchens aus dem Ofen noch: „Der fühlt sich aber schwer an, ist der echt schon durch? Aber der war jetzt 10 Minuten länger im Ofen als im Rezept angegeben. Wird schon passen.“ Mmmh. Aber hey, mit ein bisschen Guss drüber merkt das niemand.

Apropos Toteninsel: Der BR zeigt noch bis Anfang September online den Jahrhundert-Ring von Chéreau. Ich habe das Ding natürlich auf DVD, aber da diese gerade auf dem Dachboden meiner Eltern zwischengelagert wird, werde ich wohl 16 Stunden vor dem Laptop hängen. Kein Problem, das habe ich gerade mit den Serien Unorthodox und Unbelievable durchgespielt, beide übrigens große Empfehlungen. (Und Selling Sunset, aber das muss als Ausgleich echt sein!)

Ein standardwerkiges Dankeschön …

… an Bettina, die mich mit einem Amazon-Geschenkgutschein überraschte. Den nutzte ich für einen Kauf von Victor Klemperers LTI. Mit diesem Buch hatte ich auf dem Wunschzettel immer Schwierigkeiten, weil viele Verkäufer nicht an Packstationen verschicken. Jetzt konnte ich ein Exemplar raussuchen, das auf diese Art versendet wird und habe es nächste Woche in der Heimbibliothek und nicht mehr in zerfledderter Version in der Uni-Bib. Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

Karotten-Kokos-Dip mit Sesam/Sauer-pikanter Paprikadip

Beide Rezepte stammen aus dem Kochbuch Vegetarische Sommerküche von Paul Ivic, der für das Tian in Wien und München verantwortlich ist. Der Paprikadip wird eigentlich mit roten Paprika hergestellt und sieht im Buch verführerisch orange aus; ich hatte gelbe Paprika und … äh … werde das Bild vermutlich noch austauschen müssen. Schmeckt aber auch so prima.

Für den Karotten-Kokos-Dip
500 g Karotten schälen, in Scheiben oder Stücke schneiden und in
2 EL Kokosfett kurz anrösten. Mit
200 ml Kokosmilch und
200 ml Gemüsefond aufgießen und weich kochen. Pürieren und mit
1 EL dunklem Sesamöl,
1/2 TL Sesamsamen,
Meersalz und
Pfeffer abschmecken. Bei mir sind noch dekorative Schwarzkümmelsamen oben drauf, weil ich keinen dunklen Sesam im Haus hatte, sondern nur unfotogenen hellen.

Für den Paprikadip
750 g rote Paprika (ca. 3 bis 4) halbieren, Kerne und Fruchtfleisch entfernen und in 5 mm kleine Würfel schneiden.
1 große rote Zwiebel und
1/2 Knoblauchzehe ähnlich fein würfeln.
2 EL Olivenöl in einem Topf erhitzen und das Gemüse darin bei mittlerer Hitze weich garen.
80 g braunen Zucker mit
50 ml Sojasauce,
100 ml Rotweinessig und
1 Spritzer Tabasco mischen und über das Gemüse geben. Alles bei geringer Hitze sämig einkochen und abkühlen lassen. Notfalls pürieren, ich habe es stückig gelassen.

Beide Dipps passen ganz simpel auf Brot, sind für wilde Gemüsestickschlachten geeignet und schmecken, zumindest mir, sowohl warm als auch kalt.

Schnelle Schoko-Cookies

Nennt man die Teigklumpen, die im Ofen zu Keksen auseinanderlaufen, immer noch „Cookies“ oder hat sich das inzwischen eingedeutscht? Ich stolpere selbst über die Überschrift, aber „Kekse“ heißt für mich immer noch Mürbeteig zum Ausstechen. Ich denke weiter darüber nach. Bis dahin gibt’s was zu essen.

Das Rezept von Herbs & Chocolate ist eine Abwandlung eines veganen Rezepts, falls ihr da mal hinklicken wollt. Es reicht für zehn Cookies (oder Kekse).

Den Ofen auf 180° Ober- und Unterhitze vorheizen.

60 g zimmerwarme Butter mit
100 g Zucker sowie
etwas Vanillezucker schaumig rühren.
30 ml Milch unterühren.

90 g Weizenmehl, Type 405 (laut Herbs & Chocolate geht auch Dinkelmehl 630) mit
30 g ungesüßtem Kakaopulver,
1 TL Speisestärke,
4 g Backpulver,
4 g Natron und
1 Prise Salz gut vermischen. Die trockenen Zutaten zu den feuchten geben, kurz verrühren und noch
75 g Zartbitterschokolade, grob gehackt, unterheben.

Aus dem Teig nun zehn tischtennisballgroße Kugeln formen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben. Plattdrücken nicht nötig, die Cookies laufen auseinander. Daher möglichst nicht mehr als die zehn auf ein Blech legen. Für 13 bis 17 Minuten backen, bei 15 Minuten bleibt der Kern noch etwas klietschig, außen sind die Cookies aber knusprig. Mein Ofen scheint gestern etwas übereifrig gewesen zu sein, da war auch die Mitte bei 15 Minuten schon fast durch. Die Kekse auf dem Blech auskühlen lassen, damit sie noch etwas aushärten können. (Das ist das Schwierigste am Rezept.)

Laut Herbs & Chocolate könnt ihr noch 50 g gehackte Zartbitterschokolade auf die Cookies geben, wenn sie ganz frisch aus dem Ofen kommen und die Schokolade so noch zerlaufen kann, aber den Schritt habe ich mir gespart, die Dinger sind auch so schokoladig genug. Und vor allem nicht so irre süß. Schönes Rezept, gefällt mir sehr.

Tagebuch Sonntag/Montag, 2./3. August 2020 – Vom Vomieren (wir müssen hier halt auch mal über andere Dinge sprechen als Nazikunst)

Die Nacht von Freitag auf Samstag zehrt doch mehr an mir als ich dachte. Wie ich gestern bei einigen Telefonaten merkte, ist meine Stimme fast weg, und ich habe ernsthaft Muskelkater an beiden Seiten. Wir bleiben einfach beim TMI vom letzten Blogeintrag, denn ich habe darüber nachgedacht, wie oft ich mich wohl schon in meinem Leben übergeben habe.

An meine Kindheit kann ich mich nicht erinnern, an den ersten übermäßigen Alkoholgenuss allerdings schon. Also nicht an den Genuss selbst, aber an die Folgen im Bad. Da war ich 16 oder 17, schätze ich. Das reichte, um mir klarzumachen, dass ich das nicht nochmal haben wollte. Es dauerte auch gute zehn Jahre, bis ich diesen Vorsatz vergaß, denn Mitte 20 kam ich auf die Idee, doch mal dieses Haschisch, von dem alle reden, auszuprobieren. Das endete auch im Bad und seitdem kann mir diese Droge gestohlen bleiben. Ich mochte am Kiffen überhaupt nicht, dass ich von einer Sekunde auf die andere in einem neuen Bewusstseinszustand war, anstatt mich wie beim Alkoholgenuss langsam dahinzutrinken. Und wo ich beim Weinchen irgendwann sagen kann, in diesem Maße angetütert reicht, ab jetzt literweise Wasser und ein Taxi, dankeschön, konnte ich den Zustand des Bekifftseins nur aushalten und hoffen, dass er vorbeigeht. Diese Erfahrung fand in meiner damaligen Wohnung in Hannover statt; ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich noch bei einer Freundin in derselben Stadt über der Kloschüssel gehangen habe, ich kann mich an viele Erdbeeren und Rumknutschen erinnern und das Gefühl, sehr sicher zu wissen, heterosexuell zu sein, aber an sonst nicht mehr viel.

In Hamburg wohnte ich in drei unterschiedlichen Wohnungen und ich kann mich nur an ein einziges Gefühl von Fußboden und knien und rumwürgen erinnern, nämlich in der letzten, gemeinsamen Wohnung mit Kai. Das war ein äußerst netter Abend in der Lieblingsweinbar mit einem eher unschönen Ende, aber das war’s wert.

In meiner ersten Münchner Wohnung ging es mir wie es mir Freitagnacht ging: Bauchschmerzen, Hilflosigkeit, kopfüber ins Bad, kein schöner Abend vorweg, vermutlich übermäßiges Frustfuttern. Was das dieser Tage war, weiß ich nicht, jedenfalls kein Frustfuttern oder Drogengenuss, aber ich weiß, dass der Vorgang des Sich-übergebens noch nie so lange gedauert hat. Das kam in vier Wellen über Stunden, bis endlich nichts mehr im Magen war, während ich bei den vorherigen Malen mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, dass der Vorgang in einem Rutsch (ähem) erledigt war. Deswegen war vermutlich auch nie die Stimme weg und meine Seiten fühlten sich an, als hätte ich zuviel Sport gemacht. Oder wie auch immer sich das anfühlt, das habe ich noch nie hingekriegt, glaube ich.

Ich trinke weiterhin die guten Dalheimer Klosterschätze, habe mir gestern sogar eine halbe Portion Nudeln mit Erbsenpüree zugetraut (blieb drin) und warte nun, bis ich wieder glockenhell vor mich hinplaudern kann, nichts mehr wehtut und die Grundmattigkeit nachlässt. Atemwege sind frei, Geschmackssinn ist da, kein Fieber, danke für die Aufmerksamkeit.

Ich wies bereits auf die arte-Doku zu Amsterdam, London und New York hin, inzwischen habe ich alle vier Folgen gesehen. Es kam immerhin eine einzige Historikerin vor, ansonsten durfte ich mir von Männern die Weltgeschichte erklären lassen. Auch in den atmosphärischen Aufnahmen von heute aus den Städten sah man eher selten Frauen; die Banker, die sich motiviert die Hände schüttelten oder dramatisch in gläsernen Aufzügen auf und ab fuhren, waren fast alle männlich, zweimal sah ich eine vermutlich weibliche Person auf hohen Absätzen durchs Bild huschen. Ich unterstelle den Machern inzwischen ernsthaft Absicht und bin darob verstimmt.

Aber immerhin lernte ich durch die Doku das irrwitzige Woolworth-Building kennen, das im Film korrekt als „Kathedrale des Kommerzes“ bezeichnet wurde. Der wohlhabende Herr Woolworth ließ sich seinen Wolkenkratzer im Stil der Gotik bauen, komplett mit Figuren, die ihn zeigen oder den Architekten, der sein eigenes Gebäude im Arm hält; das Motiv findet sich auch gerne auf mittelalterlichen Gemälden, wo Stifter das Kirchlein halten, für das sie gespendet haben. Ich war fasziniert und irritiert von dieser Geschmacklosigkeit, aber falls ich jemals nach New York komme, will ich das Ding dringend anschauen.

Ich lernte auch, warum die Wolkenkratzer in New York so seltsam in die Höhe gestaffelt sind: weil die Nachbargebäude sonst überhaupt kein Licht mehr hätten, wenn alle komplett ihre Grundfläche ausnutzten und in diesen Maßen nach oben wüchsen. Die Regel war: Das Gebäude durfte so hoch sein wie die es umgebende Straße breit. Ab da durfte nur noch ein Viertel der Grundfläche gnadenlos nach oben gehen, der Rest wurde gestaffelt.

Und letzter Smalltalkbrocken: das Penthouse von Marjorie Merriweather Post. Um überhaupt Wolkenkratzer bauen zu können, mussten die Bauherren meist mehrere der kleinen, länglichen Grundstücke in Manhattans Rastermuster aufkaufen. Diese waren Anfang des 20. Jahrhunderts größtenteils bereits bebaut. Frau Post verkaufte ihr Haus mit der Auflage, im neuen Wolkenkratzer ein Penthouse zu bekommen, das bis heute vermutlich die größte Wohnung war, die es je gab: 3000 Quadratmeter über drei Stockwerke mit 54 Zimmern. Hier steht etwas mehr darüber.

Wo wir gerade beim Thema sind:

The Story Behind the Most Colorful Apartment Building in NYC. (Via @hellojed)

Meinte der Römer wirklich die Pastinake?

Ein Pflanzengenetiker und ein Kunsthistoriker gucken auf alte Gemälde. Traumjob. (Via @ineshaeufler)

„Alle heutigen Nahrungspflanzen sind irgendwann aus unscheinbaren Wildformen hergegangen, die unsere Vorfahren durch Züchtung an ihre Bedürfnisse angepasst haben. De Smet und Vergauwen treibt die Frage um, wie diese Entwicklung von ihren bescheidenen Anfängen in der Jungsteinzeit bis heute verlaufen ist. Archäologische Funde von Samen und Pflanzenresten erlauben zwar, das Erbgut früherer Sorten zu bestimmen, aber die genetische Sequenz sagt zunächst nichts darüber aus, wie die Feldfrüchte aussahen. Wie groß oder klein waren sie? Wie intensiv war ihre Färbung, und besaßen sie noch Besonderheiten, die heutigen Sorten fehlen? Diese Fragen können letztlich nur anhand von zeitgenössischen Darstellungen beantwortet werden.

Die beiden Freunde sehen daher in den unzähligen Abbildungen von Feldfrüchten auf Gemälden, Zeichnungen und Wandmalereien einen ungeheuren Fundus, den die Pflanzenforschung noch nicht angemessen ausgewertet hat. Sie wollen mit dem Bildmaterial klären, ab wann gewisse Feldfrüchte verwendet wurden, wie sie damals ausgesehen haben, wie beliebt sie zu den jeweiligen Zeiten waren und ob sich aus den Darstellungen auch etwas über die Handelsrouten oder die möglichen Ursprünge herauslesen lässt.“

Tagebuch Samstag, 1. August 2020 – Wärmflasche bei 32 Grad

Sofatag, verdöst, viel Kräutertee getrunken. Immerhin einen guten, nämlich ein Andenken an Frauenchiemsee, wo ich aus dem Klosterladen eine wilde Mischung aus Fenchel, Minze, Koriander und noch mehr Zeug mitnahm. Eiserne Regel: Wo ein Klosterladen ist, wird auch eingekauft. Vorletztes Mal gab’s Likör, der steht hier immer noch unangebrochen rum, aber der Tee war eine gute Idee. Dazu sorgte eine Wärmflasche für noch mehr Hitze, zumindest auf dem Oberbauch, der noch ein bisschen wehtat, und mein Ventilator sorgte dafür, dass ich nicht wahnsinnig wurde.

Abends versuche ich mich an Schonkost, hatte aber nach fünf Bissen keinen Appetit mehr. Bouillonkartoffel, ein kleines Rührei, Karottensuppe. Alles so gut wie ungesalzen und ohne Fett und überhaupt.

Die Zeit bis zum Schlafengehen vertrieb ich mir mit einer tollen Doku, von der ich nur die ersten zwei Teile von vieren schaffte, aber ich lege sie euch schon ans Herz: „Amsterdam, London, New York – Geschichte dreier Weltstädte.“ Gibt’s noch bis zum 22. September bei arte oder bei Orbanism bzw. Doku-Liebe, durch deren Twitter-Account ich darauf aufmerksam gemacht wurde.

Die erste Folge beschäftigt sich mit der Zeit bis ca. 1650. Die Niederländische Ostindien-Kompanie wird gegründet, in Amsterdam entsteht die erste Börse der Welt, auf dem amerikanischen Kontinent wird die kleine Kolonie Neu-Amsterdam errichtet, die wenige Jahre später New York heißen wird. Vergesse ich auch immer wieder: dass Neu-Amsterdam kein Zufluchtsort für Europäer:innen war, die vor Freiheitsbeschränkungen flohen, sondern schlicht ein Ort, um Profit zu machen. In dieser ersten Folge gucken wir quasi dem Kapitalismus beim Entstehen zu.

Die zweite Folge muss ich heute noch mal schauen, da war ich schon im Halbschlaf, aber ich erinnere mich daran, dass gerade am Ende viel über Kunst gesprochen wird. Das Goldene Zeitalter neigte sich dem Ende entgegen, es wurden nun nicht mehr nur Adelige und Herrscher:innen porträtiert, sondern auch Menschen aus den unteren und mittleren Bevölkerungsschichten: Milchmädchen zum Beispiel. Und zum Schluss wird erklärt, warum heute viele europäische Werke in den USA zu finden sind: weil dort inzwischen das Geld war. Wohlhabende Menschen mit niederländischen Vorfahren erwarben Gemälde aus der alten Heimat und stifteten sie schließlich ortsansässigen Museen bzw. gründeten diese überhaupt.

Nochmal zur ersten Folge: Die passte gerade gut in meine Hamilton-Lektüre bzw. zum Musical, denn dort wurde ich daran erinnert, dass New York mal Hauptstadt der Vereinigten Staaten war. Hatte ich auch schon wieder vergessen.