Samstag, 31. August 2024 – Ada

Um 5 aufgewacht, kurzerhand den Zug um 6.26 Uhr nach München genommen und nicht den eine Stunde später, für den der Wecker geklingelt hätte. Problemlose, entspannte Fahrt. Vielleicht klappen Dinge morgens einfach besser als abends, wenn auch die Züge müde sind.

In München in der Wohnung rumgepuschelt und dann den Rest des Tags auf dem Sofa verschlafen.

Wie ich am Donnerstag und Freitag auf der Veste gemerkt habe: Nach der Covid-Infektion war mein Kreislauf noch etwas memmig, aber 8000 Schritte treppauf und treppab haben meine Lunge nicht mehr genervt als vor der Infektion. Daher fühlte ich mich Samstagabend ausgeruht genug, um mit F. in der Lieblingsbar einzukehren für ein paar kleine Snacks und ein paar kleine Drinks. Dabei den Hanky Panky und seine Erfinderin Ada Coleman kennengelernt. Abends noch darüber nachgedacht, wie modern eine Barkeeperin in den 1920er Jahren wohl war, aber dann fiel mir natürlich noch Manets Bar in den Folies Bergère ein.

Donnerstag/Freitag, 29./30. August 2024 – Auf der Burg, am Fluss, im Zug

Vielen Treppen gestiegen, in verschiedenen Depots gewühlt, allmählich ein Gefühl dafür bekommen, wo ich bin und was ich suche. Des Öfteren die Aussicht genossen und das Gefühl, zwischen zwei Flüssen zu wohnen und auf drei gucken zu können. Das ist schon hübsch hier.

Die geplante Rückfahrt nach München wurde leider von der Bahn vereitelt, Störung am Zug, wir standen ewig in Plattling, und ich hatte hungrig und müde irgendwann die Wahl zwischen „eine Stunde warten, dann noch 90 Minuten Zugfahren und um 22 Uhr in München sein“, „von Plattling aus in wenigen Minuten wieder nach Passau fahren, ins Auto setzen und um 22 Uhr in München sein“ oder, und das ist es geworden, „von Plattling aus in wenigen Minuten wieder nach Passau fahren, in die Zweitwohnung gehen und einfach dort vor Netflix rumhängen, was ich in München auch gemacht hätte“.

Mittwoch, 28. August 2024 – Home Office M und PA

Den Vormittag in München gearbeitet, nachmittags in den Zug gestiegen, dann im zweiten Home Office noch ein paar Stündchen vor allem in Fold3 und der Ardelia Hall Collection gewühlt und nach Feierabend noch eine Rezension abgeschickt.

Montag/Dienstag, 26./27. August 2024 – Home Office und Home-Bibliothek

In Datenbanken rumgehangen, viel gelesen, Excel-Tabelle erweitert, Word-Dok erweitert, in Datenbanken rumgehangen.

My Bookshelf, Myself

Ich nicke diesen Artikel ab.

„Before the objections commence, let me say that I am 100 percent in favor of every kind of reading there is: e-books, audiobooks, Braille books, graphic books, you name it. I’m for it all. […]

I will always prefer a book I can hold in my hand, the kind that smells of paper and glue, the kind whose unfolding I control, no button or touchscreen involved, by flipping backward and forward with pages ruffling between my fingers. The physicality of it pleases me. I listen to audiobooks on solo road trips, but I always switch back to the physical book as soon as I unpack. Reading a book on paper feels slower — calmer, stiller — than encountering any digital text.

For me, a book made of paper will always be a beautiful object that warms a room even as it expands (or entertains, or challenges, or informs, or comforts) a mind, and a bookcase will always represent time itself. I walk past one of our bookcases, and I can tell you exactly why a particular book is still there, never culled as space grew limited, even if there is no chance I’ll ever read it again.“

Ja, ich finde eBooks auch praktischer, ja, es nervt mich manchmal, dicke Bücher mit mir herumzutragen, weil ich sie nun mal gerade lese, ja, ich habe meist eine Taschenbuch-Alternative parat, die in Handtaschen passt, aber ja, mir geht es genau wie der Autorin oben: Ich mag das physische von Büchern, sowohl beim Lesen, wo ich ständig mit dem Finger an den Seiten rumspiele, als auch beim Wohnen.

„Warms a room“ ist genau das, was ich beim Anblick meiner Regale empfinde. Ich sehe die vielen Billys nicht als Last, im Gegensatz zu den Menschen, die bei Umzügen meine Bücherkisten tragen müssen (sorry!), sondern sie sind für mich die schönste Tapete. Ich mag eine ruhige Wohnatmosphäre ohne viel Schnickschnack und möglichst innerhalb eines Farbkonzepts, aber ich werde nervös, wenn Menschen Bücher nach Farben sortieren oder gar die Buchrücken nach hinten stellen, damit vorne alles gleich beige aussieht. Meine wilden, bunten, thematisch geordneten Bücherberge sehen in meinen Augen nicht wild und bunt aus, sondern beruhigend. Vielleicht weil sie Themen abbilden, weil ich weiß, dass alles geordnet ist, nur eben nicht nach dem Regenbogen, keine Ahnung. Mich machen Wohnungen unruhig, in denen keine Bücher stehen, weil mir wirklich etwas fehlt. Mein kleiner Zweitwohnsitz sieht noch total leer und seelenlos aus, bis auf die Ecke neben dem Bett, denn dort stehen schon zehn wahllos eingepackte Bücher aus meinem Noch-lesen-Stapel. Die Ecke sieht schon nach mir aus, der Rest ist noch AirBnB.

Die Autorin erwähnt in ihrem Essay auch ihre „former selves“, ihre alten Identitäten, die sich in ihren Regalen abbilden. Die fallen mir bei mir auch auf, wobei ich diese alten Ankes gerne mal in die zweite Reihe schiebe, wenn sie abgearbeitet sind – oder sogar, schockschwerenot, verklappe. Beim vorletzten Umzug sind fast alle Belege meiner Texterinnentätigkeit im Altpapier gelandet, beim letzten kamen die Bücher zu Körperkram und Diätscheiß ganz nach oben anstatt auf Augenhöhe, denn dort stand dann plötzlich sehr viel Geschichte und Kunstgeschichte, bevor dieser ganze Berg vor wenigen Monaten ins Arbeitszimmer in zwei neue Regale wanderte, weswegen im „Wohnzimmer“ aka meiner Bibliothek (Sofa, Sessel, sechs Billys, ein Kallax) jetzt nur noch Populärkram steht oder die Bücher zu Epochen, mit denen ich nicht mehr ganz so viel zu tun habe.

Mein Ungelesen-Stapel verteilt sich inzwischen auf vier Räume und zwei Städte, was vermutlich auch etwas über mich aussagt. Angefangen bei „Ich habe gerne Papierbücher, ich lese sie gern, ich wohne gern mit ihnen“. Fand ich spannend zu merken, dass sich diese Anke seit 45 Jahren nicht verändert hat.

Dienstag, 27. August 2024 – 2

Zwei Jahre ohne Papa.

Montag, 19. August bis Sonntag, 25. August 2024 – Positiv

Im Bett geblieben, mich krank gemeldet (die Ärztin im Videochat gefragt, ob ich was machen müsse, nach 15 Jahren Selbständigkeit habe ich vergessen, wie das ging), weiterhin viel getrunken und viel geschlafen.

Am Freitag nach Sonntag den nächsten Test gemacht, weiterhin positiv, genau wie gestern und heute. Danke, sechs Impfungen, dass sich das alles nur wie eine lange Erkältung anfühlt. Wenn ich mich nicht getestet hätte, hätte ich keinen Unterschied gemerkt. Gestern war ich erstmals geistig wieder fit genug für ein Buch, aber in den nächsten Tagen werde ich wohl im Home Office bleiben, bis der – heute schon deutlich dünnere – zweite Strich im Testfenster ganz verschwunden ist.

Sonntag, 18. August 2024 – Das ist neu

Am Sonntag war mir nach drei Tagen im Bett klar, dass ich Montag vermutlich nicht in Passau sein würde, um zu arbeiten. Ich buchte mir einen Videotermin bei meinem Hausarzt, da ich nicht erkältet in eine Praxis gehen wollte, machte aber trotzdem routinemäßig erneut einen Coronatest, der wie immer negativ sein würde wie alle Tests der letzten vier Jahre, ich krieg das Zeug einfach nicht, F. hatte es bereits dreimal, ich habe mich nie angesteckt, ich bin immun …

Oh.

Crap.

Samstag, 17. August 2024 – Erkältet

Viel getrunken, viel geschlafen.

Freitag, 16. August 2024 – Erkältet

Viel getrunken, viel geschlafen.

Donnerstag, 15. August 2024 – Erkältet

Ja, ich brütete was aus. Wie immer bei Husten einen Coronatest gemacht, der wie immer negativ war. Ins Bett gelegt, viel getrunken, viel geschlafen.

Mittwoch, 14. August 2024 – Hüsteln

Von Bayreuth fuhren F. und ich gemeinsam nach Nürnberg, von wo der Herr weiter nach München fuhr, während ich mich in den ICE in Richtung Passau setzte. Am Mittwoch saß ich wieder im Museum und abends schon wieder in einem Regionalzug, denn Donnerstag war Feiertag in Bayern und ich hatte vor, den Freitag in einer Münchner Bibliothek zu verbringen. Das einzig Bemerkenswerte auf der Rückfahrt war, dass ich ein kleines Hüsteln verspürte und abends dachte, ich glaube, ich brüte was aus.

Dienstag, 13. August 2024 – Wahnfried

Das Haus Wahnfried hatte ich schon recht lange nicht mehr besichtigt, und es hat sich auch einiges getan, seit ich das letzte Mal dort war. F. und ich entdeckten zunächst den neuen Museumsanbau, in dessen Untergeschoss man einige Kostüme bewundern kann sowie Bühnenbildmodelle und lauter Diritentenfotos (noch keine Frauen dabei, grmpf). Bei den Kostümen hätte ich mir ein bisschen Kontext gewünscht, Aufführungsfotos, Tonbeispiele, was auch immer, Platz wäre da gewesen. Ähnlich wie bei den Modellen – die sind ja hübsch so als Guckkasten, aber kannst du mir verraten, was das Besondere an eben diesem Bild ist? Warum ist das ausgestellt und ein anderes eben nicht? Ich war etwas underwhelmed, wusste die Klimaanlage aber sehr zu schätzen.

Im Haus Wahnfried selbst fand ich die Dauerausstellung ebenfalls etwas oberflächlich. Ja, ich ahne, dass so gut wie alle Besucher*innen schon ein Grundwissen über Wagner haben, aber so ein Hauch mehr Text an den Exponaten hätte mich dann doch gefreut. Trotzdem sehenswert. Mir haben besonders die Originalquellen gefallen, die in Schubladen in einem Grafikkabinett auf halber Höhe zwischen zwei Stockwerken versteckt waren. Hat sich das Erklimmen der ollen Wendeltreppe wenigstens gelohnt.

Das Wohnhaus von Siegfried Wagner nebenan war gleichzeitig gruselig und eine verschenkte Chance. Es wurde 1933 errichtet, und das Erdgenoss ist zu besichtigen. Es besteht aus vier Räumen, in denen jeweils eine Videostation steht, vor der sich zwei Sitzplätze befinden. Bild und Ton laufen in Dauerschleife und informieren über die politische Nutzung von Wagners Musik bzw. die Vestrickungen seiner Nachfahren in den NS-Zeit. Die Filme fand ich von Länge und Aussage her gut, aber es scheint sie nur auf Deutsch zu geben, ich sah jedenfalls keine Kopfhörer für andere Sprachen als Alternative zum Raumton auf Deutsch. Das meine ich mit verschenkter Chance. Gruselig war die teilweise noch vorhandene Einrichtung; ich hatte im Laufe der letzten Jahre natürlich oft genug „Die Kunst im Deutschen Reich“ in der Hand, in der auch über Kunsthandwerk (Möbel, Geschirr) geschrieben wurde. Das noch zu besichtigende Esszimmer sieht aus wie eine Doppelseite aus der Zeitschrift und ich fand das äußerst unangenehm, mitten in ihr zu stehen.

Trotzdem sind Neubau und die Videos natürlich um Längen besser als die ewig vorherrschende Überhöhung des „Meisters“ und das Ignorieren der Umtriebe der Familie Wagner während des NS. Was ich eben erst gesehen habe: Teile der Nachlässe sind sogar online.

Montag, 12. August 2024 – „Tannhäuser“ in Bayreuth

Den „Tannhäuser“ von Tobias Kratzer, Rainer Sellmaier und Manuel Braun hatten wir 2019 schon im halbbesetzten Festspielhaus in der Generalprobe sehen dürfen; danach genoss ich noch den Livestream im selben Jahr. Dann kamen lauter Dinge dazwischen, aber in diesem Jahr bekam ich den Online-Verkauf der Festspiele zufällig mit, mein uralter Login funktionierte noch und ich kaufte spontan zwei Karten, um F. mal das vollbesetzte Haus vorführen zu können.

Ich merkte erst vor Ort, wie sehr ich mich auf die Festspiele gefreut hatte, ich war ja schon öfter da gewesen und dachte, ich wäre mit dem Kram durch. Aber als F. eilig aus dem Regionalzug stieg und mit meinem Koffer in der Hand zum Ausgang rollte, merkte ich erst, dass mir der kurze Blick vom Bahngleis zum Festspielhaus fehlte, der halt irgendwie dazugehört. Deswegen stiegen wir um 15 Uhr, nach kurzem Ausruhen und Aufdotzen im Hotel, auch nicht an der nächstgelegenen Bushaltestelle hinter dem Haus aus, sondern an der unten am Hügel, um eben diesen dann zu Fuß zu erklimmen, was ich eigentlich in feinem Zwirn bei 30 Grad nicht wollte, aber dann doch merkte, dass es mir fehlen würde, die Festspiele nicht mit einem anständigen Blick zu beginnen, sondern oben bei den Probebühnen. Das war schön. Und heiß und ich schwitzte schon viel zu früh, aber das tue ich ja immer, weil die blöden Festspiele halt immer bei 30 Grad sind.

Die Aufführung hat sich sehr gut gehalten; F. erzählte mir in der ersten einstündigen Pause, dass er weniger auf de Musik geachtet hätte, sondern mehr auf die Inszenierung. Ging mir ähnlich. Seit 2019 haben wir mehrere Stücke von Kratzer und seinem Team gesehen, zuletzt die unglaublich gute „Passagierin“ in München, und seitdem wissen wir, dass alles auf der Bühne eine Bedeutung hat und guckten deshalb noch genauer hin.

Das Stück arbeitet sehr viel mit Video, und schon während der Ouvertüre war die erste Änderung in der filmischen Begleitung zu sehen: Manni/Oskar sucht sich aus einer Batterie von Schnapsflaschen eine aus und prostet traurig einem Foto von Stephen Gould zu. Gould war der erste Tannhäuser dieser Aufführung, er verstarb im letzten Jahr. Spontaner Applaus im Publikum, auch von mir. Normalerweise wird bei Wagner nie mittendrin geklatscht, im Gegensatz zu vielen italienischen Opern, wo jede große Arie einen Sonderapplaus bekommt, aber hier musste das sein.

Die zweite Änderung, an die ich mich erinnern möchte, war die Videosequenz im sogenannten Dirigentengang, wo Fotos der vielen Dirigerenden der Festspiele hängen. Le Gateau Chocolat erweitert das Plastikschild mit dem Titel per Filzstift kurzerhand um ein „*innen“, denn 2024 war das erste Jahr, in den mehr Frauen als Männer am Pult im Orchestergraben standen.

Für weitere Details verweise ich faul auf meinen oben verlinkten Blogeintrag zum Livestream, da steht alles Weitere. Das hat mich doch mehr gefreut als erwartet, noch einmal bei den Festspielen zu sein; eigentlich hatte ich nach dem Herheim-Parsifal (2011 und 2012 gesehen) von ihnen Abschied genommen.

Montag bis Freitag, 5. bis 9. August 2024 – Autofahren wiederlernen

Jetzt, wo ich wieder geregelte Arbeitszeiten habe und daher nicht mehr den ganzen lieben langen Tag mal eben zum Supermarkt schlendern kann, und jetzt, wo ich wieder ein Auto habe(n muss), durfte ich letzte Woche etwas erleben, das ich schon wieder ganz vergessen hatte als jemand, die über zehn Jahre kein Auto mehr hatte und meist selbstgewählte Arbeitszeiten: nach Feierabend in den Riesensupermarkt fahren, eine Stunde zwischen den Regalen herumirren, die leeren Gemüseboxen bedauern und das letzte traurige Petersilienbüschel mitnehmen – und dann den Rieseneinkauf in ebensolche Riesentüten verstauen, einen Einkaufswagen über einen Parkplatz schieben und alles in einen Kofferraum wuchten.

In den letzten Jahren habe ich es meist genossen, so alle zwei, drei Tage Kleinkram zu kaufen, heute der Edeka, morgen der Asialaden, drei Tage später der Lieblingsbäcker und ein anderer Supermarkt, bei dem eine DHL-Abholstation im Laden ist, irgendwann der kleine Weinladen, die Drogerie, der Blumenhöker und was halt noch so an gutem Zeug auf irgendeinem Weg liegt, den man zu Fuß oder per Rad erledigt, gerne in der Mittagspause, die frei gewählt mitten am Tag ist.

Nun arbeite ich aber an einem etwas abgelegenen Ort, das heißt, die ganze Mittagspause ginge schon für die Fahrt zu irgendeinem Lebensmittelverteiler drauf. Und: Seit fünf Tagen habe ich eine winzige Zweitwohnung, deren Küche noch arg leer ist. Ich brauchte eine Grundausstattung von allem, was ich dauernd verkoche oder von dem ich inzwischen weiß, dass es in meinem veganen Meal Plan dauernd vorkommt — wie Oregano zum Beispiel, der als Gewürzdöschen bei mir jahrelang zu Staub zerfiel, aber im letzten halben Jahr musste ich ihn ernsthaft schon einmal nachkaufen, weil ich ihn aufgebraucht hatte.

Aus München hatte ich mir meinen Lieblingsreis mitgeschleppt, der schmeckt so gut, dass ich ihn direkt nach dem Kochen ohne alles aus dem Reiskocher löffele, kein Salz, keine Sojasauce, kein Chili Crisp, die ersten Löffel (oder die letzten, die nicht mehr in die Frischhaltebox passen, in der ich Reis für mehrere Tage aufbewahre) gibt’s einfach so, weil lecker. Ich kaufe den immer im 4-Kilo-Paket, und davon steht jetzt je eins in München und in Passau. F., der schlaue Mann, meinte, wenn du eh Reis kaufst, kauf doch alles andere, was du sonst im Asialaden holst, auch gleich, dann hast du wenigstens das am Zweitwohnsitz. Ein guter Plan, damit wurde dann auch gleich eine viertel Umzugskiste voll.

Aber sonst war in meiner Küche noch nichts, nicht mal Kaffee. Oder Nudeln. Oder Knoblauch schockschwerenot. Daher schlenderte ich durch den Riesensupermarkt und kaufte die totalen Grundnahrungsmittel, die erstaunlicherweise viel Platz einnehmen und viel Geld kosten. Ich glaube, ich habe den ersten Supermarkt seit Jahren gefunden, der keinen Tofu hat, aber netterweise habe ich direkt neben meiner Wohnung ein Reformhaus, deren Besitzerin auch schon meinen Router als Paket entgegengenommen hat, weil ich ausgerechnet an dem Tag natürlich nicht in dieser Stadt war, sondern noch in der anderen. So lernte ich gleich jemanden kennen, weiß, wo es Nährhefe und Panko und halt Tofu gibt. Ich entschuldigte mich, dass ich nicht gleich am nächsten Tag zum Paketabholen dagewesen war, aber sie winkte nur ab und begrüßte mich in der Nachbarschaft. Wie nett! Zwei Tage später traf ich sie gleich in der Tiefgarage des Hauses wieder, wo die Müllcontainer stehen, wo ich gerade acht Kilo Ikeakartons kleinschnitt. Daher also die Nachbarschaft.

Nach dem Riesensupermarkt, den ich vermutlich nicht nochmal ansteuern werde, rollte ich den Berg an gutem Zeug über einen Parkplatz und stopfte sie in meinen schönen Kofferraum. Ich musste an die ganzen Autokataloge denken, die ich in meinem alten Leben getextet hatte, in denen Kofferraumvolumen immer gerne in Golfbags angegeben wurde, die sinnloseste aller Größenangaben.

Auch wieder neu für mich: den ganzen Klumpatsch dann in die Wohnung kriegen. Wenn man so einkauft wie ich bisher, also zu Fuß und mit Rucksack, kauft man nur das ein, was man tragen kann. Jetzt hatte ich achtzehn Kilo Goodies, die irgendwie in die Wohnung sollten, die quasi mitten in einer Fußgängerzone liegt. So lernte ich, mit Parkscheiben umzugehen, hatte ich ernsthaft noch nie gemacht. Ist das alles nervig, dieses Kurzparken, schnell Schleppen, wieder zum Auto und Umparken und wieder in die Wohnung und dann endlich alles einräumen. Aber immerhin sind meine Schränke jetzt etwas voller und ich konnte in dieser Woche etwas anderes zum Mittag essen als Müsli mit Obst, was die ersten Tage meine Lunchbox gefüllt hatte.

Und ja, so morgens durch den Nebel den Berg hochzufahren und alleine im Auto zu singen, ist schon nicer als im vollgequetschten Bus. Der aber ja eh nicht den Berg hochfährt, sonst hätte ich kein Auto haben müssen.

Sonntag, 4. August 2024 – There and back again

Wir wachten recht früh auf, ich duschte, dann duschte F., während ich Müsli aß, der Herr war noch nicht hungrig, also löste ich den Vito vom Parkplatz aus und wir machten uns wieder auf den Rückweg nach München zu Sixt.

Dort hatte ich dann noch circa fünf Stunden Zeit zum Rumlungern, bevor ich wieder zum Zug musste.

Um kurz nach halb zehn war ich wieder in der Passauer Wohnung, freute mich über ein Bett und einen Tisch mit Stühlen dran, ignorierte die fünf Kilo Pappmüll, den ich noch nicht in die häuslichen, recht vollen Papiercontainer schnipseln wollte, riss alle Fenster auf und ging ins Bett.

Meine erste Nacht alleine in der neuen Wohnung. Keine Ahnung, was ich geträumt habe.