Tagebuch Freitag, 24. April 2020 – Wiedersehen und Rotwein

Ich habe nach fünf Wochen F. wieder von Angesicht zu Angesicht gesehen und nicht nur per Facetime und ihn auch gnadenlos umarmt, wobei wir allerdings beide Mundschutze trugen und vermutlich in unterschiedliche Richtungen geatmet haben. Fühlte sich gleichzeitig sehr gut und sehr doof an. Ich weiß selbst noch nicht, wie ich dieses Distanzieren mit dem eigenen Lebensgefährten in Zukunft praktizieren möchte. Ich weiß, dass wir uns näher sein dürften, aber momentan habe ich Panik vor meinem eigenen Freund, was mich noch mehr nervt als geschlossene Bibliotheken JA DAS IST MÖGLICH.

Ich hatte eine Runde Pittole gemacht und es gab einen schönen serbischen Rotwein dazu, während wir zwei Meter voneinander entfernt rumsaßen. Es ist alles absurd und tut weh.

‘While You Were Sleeping’ turns 25: An oral history of the Sandra Bullock rom-com favorite

Einer meiner Lieblingsfilme, wenn ich einfach nur rumschnuffeln will.

„Co-writers Daniel G. Sullivan and Fredric Lebow first pitched the idea of a man falling in love with an unconscious woman.

DANIEL G. SULLIVAN, co-writer: Nobody liked it. We went to Meg Ryan’s company and the development person there said, “Why would Meg Ryan want to do this movie? She’s unconscious the whole time.” So we decided to flip it, and once we made that switch, everything worked. When a guy is sitting next to a brain dead woman, it’s very predatory. But when you put a woman next to a guy, it’s sweet. We started calling it “Coma Guy,” but everyone still passed until we took it to a producer named Arthur Sarkissian.

ARTHUR SARKISSIAN, executive producer: I thought it was terrific, and I had known them to be good writers from another script we worked on together that never got made. […]

CATHY SANDRICH, casting co-director: There are a few auditions in your life as a casting director that you really remember, and Sandy’s was one of the most remarkable things I’ve ever seen. We were all crying. She did the monologue at Peter’s bedside where she first explains everything, and it was just so beautiful.

TURTELTAUB: Sandy has that overwhelming charm that makes her so irresistible. As soon as she left the room, [producer] Joe Roth stood up and said, “That’s our girl.”

BULLOCK: I believe it’s because Demi Moore couldn’t do it, I got it. So, I’m grateful to Demi Moore every single day. […]

TURTELTAUB: The best compliment I ever got was a woman told me, “I went to that movie with my boyfriend, and by the end of the night he was my fiance.” That’s when you know you’ve done something right, when you can get inside a person’s soul a little bit.

PULLMAN: Usually people say, “My mom was in love with you.” My son Lewis is an actor now, and he’s really good with the YouTube stuff. By accident, I saw that he had saved two scenes from “While You Were Sleeping.” That was the most touching thing.“

—-

Und als Kontrastprogramm:

Blood, Boycott, and Body Bags: An Oral History of ‘American Psycho’

Das Buch las ich mehrfach, allerdings beim ersten Mal immer nur in Abschnitten, bevor ich es angewidert in die Ecke warf oder in den Kleiderschrank sperrte, weil es mir Angst machte. (True Story.) Ich habe es schon länger nicht mehr gelesen und ich kann bis heute nicht verstehen, dass ein Film daraus geworden ist. Ich hatte an der Oral History jedenfalls mehr Vergnügen als am Film.

„Gloria Steinem was one of a number of prominent feminists who expressed outrage over a novel that featured scenes where Bateman tortured women. After director Mary Harron turned it into a film, though, the story would become the basis for one of the most prominent works of feminist cinema of the early 2000s. Co-written by Harron and Guinevere Turner, the 2000 dark comedy offers a biting, satirical look at toxic masculinity, inviting us into a world where the men around Bateman are so oblivious to his psychotic tendencies that he literally gets away with murder.

The film had a rough start. It changed directors and screenwriters numerous times, each with a different vision for what the film should look like. After originally attaching David Cronenburg to the film, Lionsgate ultimately landed on Harron—only to let her go, and briefly replace her with Oliver Stone, because she was against hiring Leonardo DiCaprio for the Bateman role. Lionsgate eventually realized its mistake and re-enlisted Harron to write and direct. She insisted on hiring Christian Bale for the part, long before he became one of Hollywood’s biggest names. […]

Ellis: Ultimately, [having Leo] did not work out. Leo supposedly—this is the story—got cold feet.

Turner: I believe I’m the one who started that rumor. I mean, I don’t know if it’s a rumor. My friend, who had just spoken to Gloria Steinem, said that Gloria Steinem took Leonard DiCaprio to a Yankees game, I believe, and said, “Please don’t do this movie. Coming off of Titanic, there is an entire planet full of 13-year-old girls waiting to see what you do next, and this is going to be a movie that has horrible violence toward women.”

Soon after that, Leo dropped out, so who knows what really happened? Gloria Steinem ended up marrying Christian Bale’s dad, which is really interesting. I wonder what Thanksgiving was like!“

Tagebuch Donnerstag, 23. April 2020 – Letzter Satz

Verschlafen, bei Flat White und O-Saft Masterchef Australia geguckt, interessiert festgestellt, wie DHL momentan bei uns im Haus Pakete zustellt, die ich nicht in die Packstation hatte kommen lassen können: Sie werden unten im Hausflur abgelegt, während oben mein Handy mit der Nachricht „Paket zugestellt“ plingt. Okee. Ist ein gutes Haus, hier kommt nix weg.

Eingekauft, an einer Ladentür ein Gut erworben, das ich nicht näher beschreiben kann (Empfänger liest mit), mit ausgestrecktem Arm und Mundschutz Bargeld rübergereicht wie eine Bankräuberin in Bizarro-World. Die Community-Folge mit den unterschiedlichen Timelines geguckt und wie immer völlig verliebt in alles gewesen. Selbst die Menschen, die diese Serienfolge nicht kennen, kennen vermutlich ein Gif daraus.

via GIPHY

Ich habe das Gefühl, alle zwei Wochen zu twittern, dass ich jetzt quasi fertig bin, weil ich mal wieder ein Meilensteinchen den Berg hochgeschoben habe; ich hoffe, das liest sich da nicht so. Gestern war dann aber mal wieder ein Tweet nötig, denn nach dem vermuffelten freien Tag am Mittwoch war ich gestern wieder motiviert und so okay gut gelaunt, dass ich mich an die Diss setzte und in wenigen Stunden den Schlussteil ausformulierte. Da waren doch nicht so viele Platitüden, wie ich vermutet hatte, und die Mail, die ich mir nachts beim schreckhaften Aufwachen um 2 noch selbst geschickt hatte – „mercker vollbehr vgl nachkrieg“ – half auch, die letzten Gedanken auszuformulieren, um den Teil nicht zu einer Nacherzählung der 300 Seiten vorher werden zu lassen. Um 16 Uhr 11 twitterte ich dann den frisch getippten Schlusssatz meines Textdokuments, der den Teil „Ausblick“ beendete: „Auch dazu trägt diese Arbeit bei.“ Backups erledigt, aufs Sofa gegangen, Kopf ausgemacht und nach kurzer Zeit ein Fläschchen Prosecco geöffnet und brav sozial distanziert angetrunken.

Nochmal: Ich bin noch nicht fertig. Auf Instagram kommentierte auch jemand zu Recht, dass der letzte Satz nie der letzte Satz bleibt, aber er ist jetzt erstmal geschrieben, der letzte Punkt am Ende des Brockens ist getippt. Um einen viel zu großen Vergleich rauszuholen: Die Statue ist aus dem Marmorblock geschlagen. Nun kommt das Finetuning. Anke Buonarroti nippt weiter am Prosecco.

Zur Feier des Tages mal meinen Mittagsteller, also den, den ich nach dem morgendlichen Flat White zwischen 14 und 17 Uhr zu mir nehme, je nachdem, wann mein Kopf Pause machen will, also diesen Teller nicht hübsch angerichtet, nicht nur die Hälfte fotografiert und die fürchterlich hässliche Arbeitsplatte nicht mit einem Tischläufer abgedeckt, was ich sonst immer für die Instaposts mache. Einfach alles auf den Teller geschaufelt, was ich sonst esse, geknipst, gepostet, fertig. Ist auch kein Filter drauf, was ich eh selten mache, aber falls jemandem das Grün des Brokkoli verdächtig vorkommt: Ich habe gestern einfach perfekt blanchiert, und mein Tageslicht in der Küche ist fast durchgehend großartig.

Der Rest ist Tofu in Soja-Ahornsirup-Ingwer-Chili-Schlotz, etwas zu enthusiastisch angebraten. War sehr gut.

Abends immerhin noch per Facetime mit F. angestoßen. Das war nicht ganz die Feier, die ich mir vorgestellt hatte, aber momentan ist ja alles anders. Ich war auch darüber erstaunt, dass mich das nahende Ende am Montag und Dienstag so fertig gemacht hat, während ich gestern glücklich und stolz war, als das Ende dann wirklich geschrieben war. Ich schiebe momentan jede emotionale Reaktion meinerseits auf eine komplette Überforderung von der Welt da draußen. Mehr Prosecco hilft bestimmt.

Tagebuch Mittwoch, 22. April 2020 – Muffigkeit rausradeln

Ausgeschlafen, traurig gewesen, Kaffee getrunken, die neue Folge Masterchef Australia gesehen, damit der Tag wenigstens halbwegs gut anfängt. Danach so genervt von der eigenen Muffigkeit gewesen, um nicht an den Schreibtisch zu gehen, sondern stattdessen in den Fahrradkeller. Mit dem Ziel Englischer Garten losgefahren, ohne Plan, ohne Zeitvorgabe, das einzige, was ich wollte, war, mich ein bisschen zu bewegen. Das tat ich dann auch deutlich länger als gedacht: Da ich mich im Englischen Garten grundsätzlich verfahre, weil ich nie weiß, wo ich eigentlich hinwill und gerne auch mal aus dem Garten wieder herausradele und dann den Weg wieder zurückfinden muss, sind es laut Google Maps und der inneren Maßeinheit „Pi mal Daumen“ so um die 15 bis 17 Kilometer gewesen, die ich gefahren bin. Das hat mich doch sehr gefreut, dass die Kondition auch nach fünf Wochen Rumsitzen noch für mehr als „bis zum ZI und zurück“ da ist. Ja, gut, die Knie taten danach etwas weh, aber meine Güte, ich bin alt und untrainiert.

Das Foto habe ich von der St.-Emmeram-Brücke aus gemacht.

Wieder zuhause habe ich die Diss weiterhin ignoriert und Dinge getan, von denen ich vor ein paar Wochen noch nicht gedacht hätte, sie zu tun. Bei meinen zwei naiv handgenähten Mundschutzen aus einer Stoffserviette, die ich nicht mehr mochte, hatte ich den unteren Saum offen gelassen, um eventuell noch ein Vlies einschieben zu können. Inzwischen war ich öfter mit den Masken draußen und habe eine von ihnen auch gestern auf der ganzen Fahrt getragen, was vermutlich nicht nötig gewesen wäre. Aber der südliche Teil vom Englischen Garten war doch recht bevölkert, da war ich ganz froh, einen Mundschutz zu tragen. Alleine neben der Isar entlangradelnd war er vermutlich egal. Was ich sagen wollte: Inzwischen weiß ich, dass er sehr tragefreundlich ist und ich auch gut durch ihn atmen kann, daher möchte ich kein Vlies einlegen, um mir das nicht zu erschweren. Also tat ich die eben angesprochenen Dinge bzw. eigentlich nur ein Ding: Ich versäumte den Mundschutz mal anständig. So anständig wie das per Hand halt geht, wenn man das noch nie gemacht hat. Sobald mein schöner blauer Stoff da ist, werde ich den Mundschutz auch brav umdrehen, so dass die doofen Nähte innenliegen, bevor ich die Bänder randengele. Das sieht dann natürlich gleich irre professionell aus. Hoffe ich.

Orecchiette mit Bärlauchpesto und viel Wasser, weil ich keine Coke Zero mehr im Haus hatte, aber auch nicht einkaufen gehen wollte. Über einen Sodastream nachgedacht und es wieder verworfen. Und endlich mal wieder ein bisschen in einem Roman gelesen anstatt ständig in Sachbüchern rumzuhängen. Besserer Tag, aber da ist noch Luft nach oben.

„Alles war auf der Flucht, alles war nur vorübergehend, aber wir wussten noch nicht, ob dieser Zustand bis morgen dauern würde oder noch ein paar Wochen oder Jahre oder gar unser ganzes Leben.“

Anna Seghers: Transit, Berlin 2019, S. 41. (Erstmals erschienen 1947.)

Folgeempfehlung: Die Kunsthistorikerin und Sachverständige Diana Lamprecht nutzt für ihre lehrreichen Insta-Posts frei verfügbare Bilder, hauptsächlich aus dem Metropolitan. Immer spannend. Momentan sind Eierbecher ein Thema, und gestern betrachtete ich fasziniert ein Reiseset mit Besteck aus Augsburger Silber und Griffen aus Meißener Porzellan.

Der Onkel von Herrn Heinser instagrammt gerade Fotos seines Vaters aus dem Paris der 1960er Jahre. Das weiß ich durch diesen Newsletter.

Tagebuch Dienstag, 21. April 2020 – Mürbe

Sehr doofer Tag. Um 7 Uhr den Wecker in meine Träume eingebaut und ausgeschaltet, um 8 die Gute-Morgen-DM von F. in meine Träume eingebaut und ansonsten nicht reagiert, um 9 aufgewacht und gleich traurig gewesen. Davon habe ich mich den ganzen Tag nicht erholt.

Den verbrachte ich am Schreibtisch. Heute schreibe ich vermutlich noch ungefähr eine Seite, dann ist auch das Schlusskapitel durch, mit dem ich aber noch nicht so recht glücklich bin. Die Zusammenfassung ging schnell, kein Wunder, ich habe in den letzten fünf Wochen ja auch brav alles einmal durchgelesen, was zusammengefasst werden musste. Bei der Beantwortung meiner Forschungsfrage kam ich aber in einen etwas stockenden Schreibfluss und hatte abends das Gefühl, nur noch Platitüden abzusondern, also ließ ich das sein, machte meine üblichen fünf Backups und tunkte danach viel Brot in Schnittlauchöl. Keine Lust zum Kochen gehabt.

Ich ahne, dass meine derzeitige Dünnhäutigkeit eine Kombination ist aus dem Ende der Diss, die eigentlich vermutlich was Tolles sein sollte, mich aber nur daran erinnert, dass ich keine Ahnung habe, was ich danach mit mir anfangen soll außer wieder kellnern zu gehen, aus dem Fehlen von Körperkontakt, von Menschenkontakt außer einmal die Woche mit der Supermarktkassiererin, von regelmäßiger Bewegung und wenn es nur die Radfahrt zur Bibliothek ist, von fehlendem Bibliothekskontakt verdammt nochmal ich vermisse meine Bücherregale wirklich fast mehr als die anderen Dinge, und natürlich von dieser blöden Pandemie, die trotz Ladenöffnungen in Nordrhein-Westfalen noch längst nicht vorbei ist und mir jeden Tag Angst macht. Auch Facetime mit F. konnte mich nicht aufheitern, sondern hat irgendwie alles noch schlimmer gemacht. Ja, ich weiß, ich bin keine Alleinerziehende mit zwei Kindern und ich muss auch keine Abiturklasse per iPad unterrichten, aber gestern fand ich den Tag sehr schwer erträglich.

Tagebuch Montag, 20. April 2020 – Entscheidende-Absätze-Formuliert-Haben-Depri-Loch #disslife

(Fällt mir jetzt erst beim Tippen auf, dass gestern des „Führers“ Geburtstag war. Wie passend.)

Seit September 2017 grabe ich an meinem Thema rum und habe diverse Schlenker gemacht, bis ich angekommen bin, wo ich jetzt stehe. Mit dem eigentlichen Schreiben begann ich im Februar 2019. Ich bin noch nicht ganz fertig, aber es fehlt nur noch das letzte Drittel des Schlusskapitelchens mit der Einordnung und der Zusammenfassung. Aber im Prinzip bin ich jetzt fast durch. Jedenfalls schrieb ich gestern den Satz, der genau das Gegenteil von dem sagte, was ich eigentlich sagen wollte, als ich mit diesem Thema loslief: „Damit kann man Protzen eindeutig als Profiteur des NS-Systems einordnen.“ Forschung. So überraschend!

Direkt nach diesem Satz fiel ich in das erste Depri-Loch des Tages, kämpfte mich aber wacker durch die Jahre 1946 bis 1956, dem Todesjahr des Herrn. Jetzt kommt noch der Schlussteil, der zu einem Großteil schon steht, aber zu dem hatte ich gestern keine Konzentration mehr. Ich bin nur noch aufs Sofa gekrochen und war traurig darüber, dass die Diss gefühlt fast fertig ist.

Natürlich bin ich noch nicht fertig. Ich brauche per Fernleihe noch die Kataloge zu vier Ausstellungen, die nicht in München sind. Einer davon war sogar schon mal hier, aber an irgendeinem Freitag im März meinte ich launig zu mir, ach, den hole ich mir Montag, und dann ging Montag gar nichts mehr. Die anderen drei haben sich nie auf den Weg gemacht, die muss ich nochmal anfordern. Die Unibibliothek beginnt in dieser Woche wieder langsam, ihren Ausleihbetrieb hochzufahren, die Lesesäle bleiben aber weiterhin geschlossen, daher weiß ich selbst noch nicht, ob die Fernleihe funktioniert, denn die so angeforderten Werke bekommt man ja eigentlich in einen Lesesaal geliefert.

Außerdem muss ich mir zwei Archivalien aus dem Staatsarchiv noch einmal ausheben lassen, da habe ich etwas schludrig zitiert, das würde ich doch gerne nochmal im Original vor mir haben und notfalls korrigieren. Dann fehlt noch total das Archiv des Deutschen Museums, in dem ich noch nie war, und in der dortigen Bibliothek wollte ich noch ein paar Jahrgänge technische Zeitschriften durchblättern. Und als Abschluss fahre ich nochmal ins Kunstarchiv in Nürnberg, um ein viertes und letztes Mal durch den kompletten Nachlass zu wühlen, ob ich was Entscheidendes übersehen habe, wovon ich nicht ausgehe.

Für das Abbildungsverzeichnis muss ich noch in diverse Bibliotheken und ebenfalls ins Kunstarchiv, weil viele von Protzens Gemälden dort immerhin als Schwarzweißfoto vorhanden sind, aber sonst nirgends. Und dann kommen natürlich noch die üblichen 17 weiteren Korrekturgänge, der erste war gestern durch. Ich habe also noch was zu tun, aber die großen Absätze und Erkenntnisse, auf die man 300 Seiten lang zuschreibt, die stehen jetzt.

Ich habe kein Schlusswort für diesen Eintrag. Ich war gestern seltsamerweise sehr traurig und gar nicht gut gelaunt.

Schnittlauchöl à la Nakamura

Als F. und ich vor einem Jahr im Werneckhof tafelten, fand ich nicht nur das 2-Sterne-Zeug toll, sondern auch das simple Schnittlauchöl, das den ganzen Abend auf dem Tisch stand und in das ich ungefähr drei Laibe Brot getunkt habe. Netterweise hat Tohru Nakamura im Dezember 2019 dem SZ-Magazin das Rezept verraten und seitdem will ich es nachbasteln. Samstagvormittag erledigt.

Ich habe das Rezept geviertelt und dann zweimal zubereitet, weil ich nicht wusste, wieviel Gewicht meine lustigen Spritzbeutel aushalten, in denen man die Masse eine Stunde lang abhängen lassen muss. Bei 250 ml Öl plus grünem Püree habe ich mich sicher genug gefühlt, danach nicht die Küche neu streichen zu müssen, falls was schief geht. Hat auch prima funktioniert. Hier stehen jetzt aber die Originalmengen, also die für einen Liter Öl. Enjoy.

5 Bund Schnittlauch und
100 g Blattspinat waschen, gut abtropfen lassen und fein hacken. Mit
1 l Traubenkernöl fein pürieren.

Eine Schüssel mit Eis füllen, eine zweite hineinstellen. In die kommt nach dem Erhitzen alles rein. Ein feines Sieb bereitlegen.

Schnittlauch, Spinat und Öl in einen Topf geben, vier Minuten bis auf 90 bis 100 Grad erhitzen und stets umrühren. Dabei trennt sich das helle Öl wieder ein bisschen vom Grünzeug – das muss so. Ich habe leider kein Thermometer, das man in den Topf hängen kann, also balancierte ich links das blöde Messinstrument, rechts rührte ich und mittig verfluchte ich mich für den leichten Topf, der ständig rumrutschte. Toller Tipp: einen schweren Topf nehmen. (Oder in meinem Fall endlich ein Thermometer kaufen, das man irgendwo am Topfrand befestigen kann.) Ich habe darauf geachtet, dass nichts kocht, ein bisschen rumsimmern war aber okay.

Nach ungefähr vier Minuten die Masse durch das Sieb in die Schüssel im Eisbad gießen, notfalls beim Durchsieben etwas mit Druck nachhelfen. Eventuell ein zweites Mal durchsieben – das ist mir aber erst zu spät eingefallen. Bei mir ist das Öl nicht hundertprozentig klar geworden, einige wenige Gemüsestückchen sind mitgekommen. Tut dem Geschmack nicht weh, aber klar sieht’s natürlich hübscher aus.

Die durchgesiebte, herrlich grüne Flüssigkeit nun in einen Spritzbeutel füllen und eine Stunde rumhängen lassen. Dabei setzen sich unten die wenigen Gemüsereste noch ab, alles darüber ist Öl. Nach gut einer Stunde den Beutel unten winzigklein aufschneiden oder anstechen, um das Gemüse abzulassen. Das Öl danach in schicke Fläschchen füllen. Hält sich kühl und dunkel für zwei bis drei Wochen und macht süchtig.

Tagebuch Samstag, 18. April 2020 – Fast normal

Morgens um 8.45 Uhr zur Packstation geradelt, wo ein winziges Päckchen mit Nähgarn und Stecknadeln auf mich wartete. Normalerweise würde ich diese Strecke zu Fuß erledigen, aber ich fühle mich auf dem Rad gerade wohler. Danach noch kurz zum Karstadt geradelt, der um 9 öffnete, wo ich in der Lebensmittelabteilung mein Lieblingsbrot erstand; ich wechsele mich gern ab, mal backe ich, mal lasse ich backen. Im Laden selbst sah ich geschätzt die Hälfte der Menschen mit Mundschutz. An der Fischtheke, wegen derer ich überhaupt in den Laden wollte, war ungefähr ein halber Meter vor der Auslage abgesperrt, so dass man nicht ganz so dicht an den Menschen dahinter herankam. Für mein Zanderpäckchen musste ich mich etwas lang machen.

Ich radelte keinen Umweg, weil ich den Rucksack teilweise mit Zeug gefüllt hatte, das in einen Kühlschrank wollte (Zander zum Beispiel). Zuhause erprobte ich ein neues Rezept und war damit sehr zufrieden. Keine Fotos gemacht, wie so ne Anfängerin.

Dann wollte ich eigentlich nur mal kurz an den Rechner. Immerhin in netter Begleitung.

Freitag hatte ich per Twitter von der herrlichen Datenbank Fold3.com erfahren, und durch einen Testzugang für Ancestry.de, der mir netterweise für lau vom Unternehmen zur Verfügung gestellt wurde, konnte ich darauf zugreifen. Ich kann immer noch nicht verstehen, wieso ich Fold3 nicht kannte – dort liegen nämlich auch die Unterlagen der sogenannten „Monuments Men“, also der Abteilung „Monuments, Fine Arts and Archives Section“ der US-Streitkräfte. Genau diese Abteilung war dafür verantwortlich, die ganzen geraubten Kunstschätze, aber auch den ganzen Nazikram (aka Werke von Protzen), der in Bergwerken und sonstwo eingelagert war, wieder zu verteilen.

Von den Werken, die mich interessieren, kamen einige am Central Collection Point Munich an. Die Datenbank, in der man die dort angelegten Property Cards einsehen kann, gehört zum Deutschen Historischen Museum in Berlin und ist seit Wochen nicht erreichbar. Damit konnte ich natürlich nicht rechnen, als ich mir die chronologische Herangehensweise an die ganzen Bilder überlegte und so den Datenbankabruf immer weiter hinauszögerte. Seit ein paar Wochen würde ich jetzt echt gerne die sogenannten Mü-Nummern nachgucken – kann ich aber nicht. Bzw. konnte ich nicht, denn die Property Cards sind auch über Fold3 abrufbar, ha!

Ich fand aber nicht nur die Mü-Nummern der von mir gesuchten Werke, sondern auch noch diversen Schriftverkehr, in denen Potzens Name auftauchte. Durch den konnte ich belegen, dass alle Werke, die Herr Protzen so stolz mit „angekauft vom Führer“ oder auch nur schnöde mit „Reichskanzlei“ im Verzeichnis annotierte, nie nach Berlin kamen, sondern nach den jeweiligen Großen Deutschen Kunstausstellungen im Depot des Hauses der Kunst rumstanden, bis sie dann ab 1943 nach Altaussee oder Kelheim kamen. Letzteres war mir neu, da habe ich noch keine Ahnung, wo in Kelheim was gesammelt wurde. Im Depotbuch des Hauses der Kunst waren nur drei Werke als Abgang verzeichnet, aber jetzt kann ich alle nachweisen, die dort von Protzen verkauft und irgendwann weitergereicht wurden. Aber eben nie in die Reichskanzlei, worüber ich dann doch sehr grinsen musste.

Zwischendurch musste ich mal was kochen. Am Freitag hatte ich bei Masterchef Australia gesehen, wie der Trick mit den Kartoffelschuppen auf einem Stück Fisch funktioniert: den Fisch mit leicht aufgeschlagenem Eiweiß bestreichen, dann hält das Zeug nämlich. Den Fisch in der Hand halten, eine heiße, logischerweise nicht geölte Pfanne vorsichtig drüberstülpen, so dass die Schuppen Pfannenkontakt haben, Fisch andrücken und mit Schwung umdrehen. Öl rein, lustige Kräuter rein, gerne auch noch einen Berg Butter und dann irgendwann vorsichtig wenden. Bis auf eine Schuppe hat das auch hervorragend geklappt. Yay! Die kleinen Erfolgserlebnisse.

Allerdings zu viel Paprika.

Der Tag gestern hat sich fast normal angefühlt. Halbwegs entspannt einkaufen gewesen, lustige Dinge gekocht, gut gearbeitet, wenn auch deutlich länger als geplant. Ich habe mich wie schon im letzten Jahr so sehr darüber gefreut, mir frische Kräuter vom Balkon holen zu können und wie herrlich nach deren Benutzung die Küche duftet. Der Wein zum Fisch war prima, ich habe Wäsche auf dem Balkon trocknen können und sie rechtzeitig vor dem kurzen Regenguss wieder reingeholt, es hat geregnet, yay, auch danach duftet es immer so gut und ich mag das Geräusch von Regen so gern. Versonnen auf dem Sofa gehockt und nach draußen geguckt.

Als Tagesabschluss wollte ich noch eine letzte Runde in der Datenbank drehen, mit den Protzen-Einträgen war ich durch, ich wühlte einfach nur noch so, und dann stolperte ich über eine der Transportlisten aus Aussee, die ich nur überflog, bevor ich den Rechner frustriert und wütend zuklappte. 90 Trucks. 3300 Gemälde. Aus französischem Besitz, aus niederländischem, aus belgischem. Ziel Jugoslawien. Ziel München. 40 Koffer. 3 Tische. 2 Sitzkissen, Besitzer Adolf Hitler.

Ich weiß das ja alles. Ich weiß, dass die Nazis den größten Kunstraub der Geschichte durchgeführt haben und das in schöner deutscher Gründlichkeit, ich kenne die Fotos aus Aussee und dem CCP, die reihenweise Gemälde hintereinander und Lastwagen voller Skulpturen, kenn ich doch, weiß ich doch. Und trotzdem reicht manchmal eine blöde Liste, um mir das Ausmaß in konzentrierter Form ganz kurz vor Augen zu führen. Und dann bin ich wieder pissig, dass ich 300 Seiten über einen Täter/Mitläufer geschrieben habe anstatt was Anständiges zu machen. Ja, ich weiß, dass wir auch die Gegenseite brauchen, um den Raubzug aufarbeiten zu können. Trotzdem.

Schokolade, Community, Hefeteig angesetzt. Und mit F. geredet, das hilft ja auch immer.

Tagebuch Freitag, 17. April 2020 – 1943 bis 1945 und blauer Stoff

Schreibtischtag. Nicht vor der Tür gewesen, Reste gegessen, ansonsten die Jahren 1943 bis 1945 korrekturgelesen. Etwas müde die Zeit des „Dritten Reichs“ vorerst hinter mir gelassen. Ab in die amerikanische Besatzungszone und zu den Kapiteln, die ich als letztes vor den Ausgangsbeschränkungen geschrieben habe: die ganzen Neu- und Wiedergründungen der Münchner Kunstvereine, die ersten Ausstellungen im nun umbenannten Haus der Kunst, Protzens neue und alte Motive im neuen und alten Stil, die bei dem Herrn dazu führten, dass er jegliche Richtung verlor, falls er jemals eine hatte (ich behaupte: eher nein).

Der Campuslieferdienst der LMU, der normalerweise bis zu 30 Seiten eines Buchs als pdf an seine Studierenden verschickt, falls die gerade nicht in die Bibliothek können, hat diese Beschränkung für LMU-Mitarbeitende und Promovierende geändert. Vorgestern landeten bei mir zwei Buchkapitel, die zusammen ungefähr 90 Seiten hatten. Mit denen wollte ich eigentlich anfangen, aber deren Inhalte gehören hauptsächlich ins Kapitel 1938 und daran war ich ja gerade vorbeigelaufen. Ich begann zwar zu lesen, merkte aber, dass ich mich nicht so recht konzentrieren konnte oder wollte, ließ das pdf daher liegen und las weiter im Jahr 1943 Korrektur.

Gestern zum ersten Mal im meinem Leben Stoff bestellt. So zum Nähen. Eine Tätigkeit, der ich bisher weiträumig ausgewichen bin. Ich muss aber gestehen, dass mir in letzter Zeit meine Klamotten auf den Zeiger gehen, weil sie halt nie *richtig* passen, sondern immer nur so ungefähr. Meine Figur ist nicht für die Massenware gemacht und ich habe mich damit arrangiert, dass ich nie perfekt angezogen aussehen werde, weswegen ich es irgendwann auch nicht mehr versucht habe. Das ist eine recht entspannende Art, morgens aus dem Haus zu gehen, aber, weiß der Geier warum, seit einiger Zeit nervt es.

Das Mundschutznähen neulich fand ich erstaunlich spannend und entspannend zugleich: Ich habe versucht, halbwegs präzise zu arbeiten, was natürlich von vornherein Quatsch ist, wenn man nicht mal Stecknadeln im Haus hat, aber ich mochte diese neue Art der Konzentration, die sich mal nicht mit akademischen Texten oder Werbedetails oder Hefemengen in Teigen befasst. Und da wir ja vermutlich noch ein paar Monate mit Mundschutz rumlaufen werden (ich jedenfalls), dachte ich mir, gönnste dir doch mal ein Stückchen schönen Stoff, der keine alte Serviette aus dem Schrank ist und dessen Farbe dir lieber ist. Ich habe nach einem Tipp hier bestellt und bin gespannt.

Gestern gab’s bei Herrn Levit Mussorgskis Bilder einer Ausstellung. Kann man ja auch mal in großer Besetzung hören.

Tagebuch Donnerstag, 16. April 2020 – 1941/1942

Den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen und die Jahre 1941 und 1942 Korrektur gelesen. Zufrieden gewesen.

Man merkte den beiden Jahren an, dass ich sie recht konzentriert formuliert hatte. Heißt: Bei den 1930er Jahren wusste ich noch nicht, wo ich hinwill, ich wühlte dauernd im Werkverzeichnis rum, entdeckte ständig neue Einträge bzw. konnte sie endlich zuordnen, musste dementsprechend etwas in der Arbeit weiter vorne ändern, hüpfte wieder nach hinten, fand wieder Zeug, hüpfte wieder nach vorn, ihr wisst schon. Die Kapitel lasen sich etwas fransig und deswegen dauerten die Korrekturen auch länger. Da die Gemälde der Reichsautobahn aber Anfang 1941 beendet wurden, konnte ich mich nun einem neuen Thema zuwenden. Bilder aus den eroberten Ostgebieten machen zwar noch weniger gute Laune als Bilder von Straßenbrücken, aber man merkte den beiden Kapiteln deutlich an, dass ich inzwischen einen guten Überblick über Protzen und sein Werk hatte und auch endlich wusste, was der Punkt meiner ganzen Arbeit war.

Nebenbei freute ich mich zum fünften und sechsten Mal über eine Mail aus dem Historischen Archiv vom Haus der Kunst, in der zu jeder GDK ein bisschen was über Protzen stand, das ich zwar nicht selber hatte rausfinden können, weil ich halt gerade nicht ins Archiv darf, aber das macht fast gar nicht. (Fast! gar nichts.) Seit der GDK 1937 konnte ich immer ein bisschen im Text anlegen, aber bei der GDK 1941 konnte ich RICHTIG was anlegen. In einem Buch hatte ich die Info gefunden, dass der Herr Reichskanzler Werke von 29 Künstlern wenige Tage vor der Eröffnung hatte entfernen lassen, weil ihm die „modern“ vorkamen. Auch Herr Protzen war dabei, aber ich hatte keine Ahnung, was von ihm wohl so modern gewesen sein könnte, dass Cheffe damit nicht klarkam. Durch die Archivalien im Haus der Kunst und dem Werkverzeichnis, das ich inzwischen auswendig kann, konnte ich nun aber belegen, welches Kunstwerk wohl so schlimm gewesen war. (Ne Autobahn.) Das war schön.

Lesezeichen für mich selbst: Jonas Schaible fragte nach den besten Geschichtspodcasts. Die Antworten werde ich mal durchhören.

Beim vorgestrigen Einkauf irgendwie Hackfleisch erworben, ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Eigentlich wollte ich gestern weiter am Bärlauchpesto rumschlabbern und hatte schon Smashed Potatoes mit Erbsen und Pesto im Kopf, aber dann fiel mir morgens beim Kühlschranköffnen (Milch für den Flat White) die Packung Hack auf und ich plante um. Denn netterweise hatte ich ja außerdem Hefe bekommen und deswegen wurde ich quasi gezwungen – GEZWUNGEN, SAG ICH –, Burger Buns zu backen und mir abends einen Cheeseburger zu bauen. Nichts Wildes, nur Salat, Tomate, Zwiebel, Käse und was immer die Gewürzflaschensektion in der Kühlschranktür hergab. Gut war’s.

F. gestern so per DM: „Ich habe mal Karten für Igor Levit im April 2021 angefragt.“
Ich so, nachdem ich die zwei Stücke im Programm gesehen hatte: „Pfft, hab ich beide schon im Hauskonzert gehört.“

(Bussi!)

Artistic Strategies for Co-Working in Tight Quarters

Der New Yorker über Künstler*innenpaare, die es mehr oder weniger miteinander aushielten.

„In the era of the coronavirus pandemic, obtaining a separate space outside the house is not really an option. A more actionable case study can be found in the artist Judy Chicago’s autobiography “Through the Flower,” where she described the challenges of trying to work in the same Los Angeles house as her second husband, the sculptor Lloyd Hamrol. Their problem was clashing schedules. Chicago wrote: „I liked to get up in the morning and go directly about my business, going into my studio without talking to anyone. Then I liked to work all day and go out at night. Lloyd, on the other hand, preferred to work at night, sleep later than I, and he loved to talk in the morning.“

To manage the conflict, the couple “worked out a system in which we could both have the psychic privacy we needed to do our work,” Chicago wrote. “We established ‘silent days,’ where we would pass each other and not speak. This allowed us to be in the house together without feeling that we had to be accessible to the other person’s needs all the time.” The key to the arrangement, Chicago continued, was to be “very straightforward with one another.” If one person needed some alone time, it was simply a matter of verbalizing that need—then the other person would say “Sure” and make separate plans.

What a simple yet ingenious arrangement! Indeed, it sounds so wonderful that we should not draw any conclusions from the fact that, within a year of this description, Chicago and Hamrol had split up.“

Mein gestriges Lieblingsfoto.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

One of these two women might be working from home here, but the other can't. Lilly Becker is a trainee in our Conservation Department, currently restoring a painting by Ottile W. Roederstein: the portrait of Elisabeth Winterhalter – Roederstein’s partner and, by the way, the first female surgeon in Germany 👩‍⚕! Of course Lilly can't take the painting home to finish her work (not that we don't trust her 😉). So today's story on ART OUT OF OFFICE is out of a different kind of office: our conservation studio, where Lilly shows us around. Have fun! . . #StaydelAtHome #behindthescene #homeoffice #womeninthearts #museumfromhome #conservation #restoration #surgeon #ottilieroederstein

Ein Beitrag geteilt von Städel Museum (@staedelmuseum) am

Tagebuch Dienstag/Mittwoch, 14./15. April 2020 – Zwischenfazit und Bärlauchpesto

Ich habe in den letzten beiden Tagen das Jahr 1940 der Dissertation abgeschlossen. Am Dienstag las ich Korrektur, und gestern stand das Fazit für die Jahre 1934 bis 1940 an, mit dem das Überkapitel, das diese Jahre umfasst, endet. Beim Schreiben fühlte ich mich an alle Dissertationen erinnert, die ich in den letzten Jahren in der Hand hatte und irgendetwas nachlesen wollte – natürlich liest man zuerst die Zusammenfassung, um zu begreifen, ob in den ewig langen und detailreichen Kapiteln davor überhaupt das zu finden ist, was man sucht.

Das erste Zwischenfazit meiner Arbeit kam nach dem Jahr 1933, und das schrieb sich deutlich einfacher; es war eher ein Anfang, der Auftakt, der Reinkommer in das große Narrativ. Ja, abgelutschtes Wort, aber ich mag das immer noch; ich will schließlich einen Punkt machen und dafür muss mein Text einen roten Faden haben. Aka ein Narrativ.

Bei diesem zweiten Zwischenfazit war ich im Gegensatz zum ersten quasi mittendrin, denn die nächsten Abschnitte in der Arbeit gehen bis 1945 und dann bis 1956, das Todesjahr des Malers. Ich meine aber, dass hier schon dringend ein weiteres Zwischenfazit hinmuss, denn die Arbeit an den Gemälden der Reichsautobahn endete, laut Werkverzeichnis, 1940. Okay, eigentlich 1941; das letzte RAB-Gemälde war das erste, das 1941 notiert wurde. Ich kann also hervorragend behaupten, dass das schon 1940 begonnen wurde und fertig. Ein schöner Cut, bevor sich der Herr den deutschen und nicht-deutschen Ostgebieten zuwandte. Damit fange ich dann heute an.

Das Kapitel der Reichsautobahnen umfasst Stand gestern 151 Seiten. Ein weiterer Grund, warum so ein kleines, einseitiges, niedliches Zwischenfazit ganz schlau ist. Das ist aber auch mit Abstand der dickste Brocken in der Arbeit. Hoffe ich. Weiß ich noch nicht. Ich gehe jetzt korrigieren.

Und wenn ich Glück habe, darf ich ab dem 4. Mai noch mehr Zeug in den Text ballern, denn eventuell darf ich dann wieder in die Archive. (Punkt 8.) Die Archive, die ich kenne, könnten das Abstandhalten relativ einfach machen: jede zweite Tischreihe absperren und gut ist. So irre voll waren diese kleinen Paradiese eh nie – wobei sich das natürlich nun ändern könnte, weil auf einmal alle Promovierenden wieder reinwollen. #EigeneNase

Ich freue mich jedenfalls schon auf das Abstandsballett bei der Aktenausgabe. Die Mitarbeiterin sieht mich kommen, tritt zwei Meter zurück, ich gehe an die Theke und lege meinen Ausweis hin, gehe zwei Meter zurück, sie kommt an die Theke, notiert meine Daten und geht nach hinten zur Ablage, ich gehe vor, nehme meinen Ausweis und trete zurück, sie legt die Akten ab und geht zurück, ich gehe nach vorne und nehme die Akten und so weiter und so niedlich. Vielleicht ein paar Walzerklänge dazu und alles wird gut.

Gestern morgen war der wöchentliche Einkauf angesagt. Ich merke, dass ich gerade Vorsätze wahrmache, die eigentlich wirklich nur vage Vorsätze waren, die ich aber vor Corona bei jedem Supermarktbesuch gekonnt ignoriert habe. Also: brav alles wegkochen, bevor was Neues gekauft wird. Endlich mal die Dosen da ganz hinten im Vorratsschrank benutzen. Nicht noch mehr Gewürze kaufen, herrgottnochmal! Danke, Corona, du Arschgesicht. Ich esse jetzt endlich das Dosensauerkraut (zu faul zum Selbermachen) und züchte Frühlingszwiebeln im Wasserglas.

Aber einmal die Woche muss ich dann doch raus, Milch, Eier, die Basics halt. Ich setzte erstmals meinen formschönen Mundschutz auf, den ich aus einer Stoffserviette gezaubert hatte und war nach dem Einkauf sehr von mir beeindruckt. Dafür dass ich keine Ahnung habe, wie man eine Nähnadel hält, war das ziemlich super. Ich konnte gut atmen, der Schutz lag recht eng an (vermutlich nicht eng genug, aber immerhin) und dank des tollen Bügels beschlug auch meine Brille nicht.

Ich entschied mich, nicht nach Sonderangeboten und Preisgünstigkeit zu gehen, sondern nach: schnell rein, schnell raus. Der Edeka ist näher an meiner Wohnung als der Lidl, also wurde es der. In dem Markt kenne ich mich auch weitaus besser aus, ich weiß, wo alles ist, was bedeutet, ich kann sehr schnell einkaufen und muss nicht lange rumirren. Außerdem ist er meist leerer als der Lidl.

Es waren gefühlt deutlich mehr Maskenträger im Markt als noch vor einer Woche. Auf der Straße sehe ich quasi nie jemand damit, aber gestern mehrere junge Männer, die einzeln einkauften sowie einen Vater mit seiner kleinen Tochter, beide mit Mundschutz. Die Plastikscheibe an der Kasse hat noch eine weitere, schräge Scheibe bekommen, so dass man die Kassierenden jetzt überhaupt nicht mehr anatmen kann. Sehr gut.

Alles bekommen, es gab Klopapier, das ich aber nicht brauchte und: HEFE! FRANZBRÖTCHEN FÜR ALLE!

In der Mittagspause gönnte ich mir die zweite Folge von Masterchef Australia, meiner allerliebsten Lieblingskochshow, ich schwärmte schon mal ausführlich. Sonntag begann die zwölfte Staffel, allerdings mit einigen Änderungen. Meine geliebten drei Juroren waren alle nicht mehr dabei, eine schnelle Googlesuche weist auf Vertragsprobleme hin. Zweite Änderung: Es gibt keine neuen Kandidat*innen, sondern laute alte, denn das Motto in diesem Jahr lautet „Back to win.“

Die Idee, das Publikum nicht völlig zu überfordern mit einer neuen Jury und 24 neuen Gesichtern, ist vermutlich gar nicht mal so doof. Aber im Moment bin ich noch nicht so recht überzeugt von den drei neuen Jurierenden, auch wenn jetzt immerhin eine Dame dabei ist. Die alten Kandidat*innen finde ich allerdings noch gewöhnungsbedürftiger. Bei einigen freue ich mich, sie noch einmal zu sehen, es sind aber auch durchaus welche dabei, bei denen ich froh war, als sie endlich rausgeflogen waren, weil sie mich so genervt haben. Aber gut, schauen wir mal weiter. Meine Güte, es ist Masterchef Australia, das wird schon gut werden. Pfft.

Mittagessen aka Late Lunch, wie immer, wenn ich am Schreibtisch sitze und erst gegen 16 Uhr davon aufstehe: Spaghetti mit Bärlauchpesto. Der Osterhase brachte nämlich auch noch Bärlauch mit. Davon steht jetzt ein kleines Gläschen im Kühlschrank und ich freue mich sehr.

Ich war zu hungrig, den herrlich-grünen Teller zu fotografieren. Wenn der Magen so richtig knurrt, sind die elf Minuten Kochzeit der Lieblingsnudeln aber auch echt eine Unverschämtheit.

Der Fotograf heißt Joshua Bickel. Hier steht mehr über die Pappnasen auf dem Bild: „Ohio Public Radio’s Karen Kasler posted about the protestors on her Twitter. You can see their signs proclaiming things like, “Open Ohio: We want our rights back” and “My inherent rights don’t end where your fear begins.”“

Orecchiette mit Brokkoli (One Pot)

Normalerweise bin ich ein großer Fan davon, Nudeln und Sauce getrennt zu kochen und erst kurz vor Schluss zusammenzuwerfen, aber dieses Rezept lachte mich auf Instagram an. Zu Recht.

Ich hatte nicht alles im Haus, notiere aber hier brav alles. Rauke werdet ihr auf dem Foto nicht entdecken, denn die landete nicht im Essen. Das Originalrezept von Herrn Ottolenghi beim Guardian ist für vier Personen, ich halbiere mal alles. Bei der gestrigen Zubereitung habe ich alles geviertelt, allerdings etwas mehr Flüssigkeit gebraucht. Daher gilt auch für die untenstehenden Mengen für zwei Personen: Ehe was anbrennt, Wasser oder Gemüsebrühe nachkippen. In den einzigen Topf, den man braucht, yay.

Einen großen Topf mit Deckel auf mittlere Hitze erwärmen.
3 Knoblauchzehen, in dünne Scheibchen geschnitten, in einem ordentlichen Schwapp Olivenöl ein paar Minuten braten, ab und zu umrühren. Der Knoblauch sollte leicht angebräunt sein. Wenn alles herrlich duftet,
1 Kopf Brokkoli, in Röschen geteilt, dazugeben plus
1 Anchovi, fein gehackt, und
die abgeriebene Schale einer halben Zitrone. Mit
ordentlich Salz und noch ordentlicher mit schwarzem Pfeffer würzen. Alles ein paar Minuten anbraten. Ich habe noch etwas Öl nachgekippt.

Wenn der Brokkoli weich zu werden beginnt,
125 g ungekochte Orecchiette,
1 TL Butter sowie
eine kleine Handvoll geriebenen Parmesan hinzugeben und alles mit
250 ml Gemüsebrühe,
50 ml Weißwein (einfach gleich 100 ml nehmen) und
150 ml Wasser aufgießen. Die Hitze erhöhen, bis alles simmert, dann den Deckel auf den Topf geben und alles zehn bis 15 Minuten köcheln lassen. Ab und zu nachschauen, ob auch nichts anbrennt, notfalls Flüssigkeit nachgießen. Mal kosten und notfalls nachsalzen.

In einer Schüssel
eine kleine Handvoll Basilikum,
eine kleine Handvoll glatte Petersilie und
eine kleine Handvoll Rauke fein hacken und mit
der abgeriebenen Schale einer halben Zitrone sowie
einer fein gehackten Knoblauchzehe mischen.

Wenn die Pasta al dente und aus Flüssigkeit und dem zerfallenden Brokkoli eine dickliche Sauce geworden ist, die Kräuter unter die Nudeln rühren, mit Zitronensaft, ein bisschen Olivenöl und Parmesan und ein paar Chiliflocken toppen und sofort servieren.

Tagebuch Montag, 13. April 2020 – Keine Diss, keine Callas (aber Arme und Kekse. Na fast)

Morgens den Plan umgesetzt, der für Sonntag gefasst war: gleich nach dem Aufstehen aufs Fahrrad setzen und losfahren. Es war ein Hauch mehr los als am Karfreitag, aber auch dieser Verkehr verdiente seinen Namen kaum. Wie am Freitag radelte ich sehr unbeschwert und nicht besonders schnell durch die stille und fast leere Stadt. Wie ich nachträglich erfuhr, wären F. und ich uns bei St. Sebastian fast begegnet, der Herr ging dort morgens spazieren, und wir haben uns vermutlich so um fünf Minuten verpasst. F. bog links an der Kirche in Richtung Innenstadt ab, ich ließ hingegen die Kirche rechts liegen und radelte zum Olympiagelände.

Jedesmal, wenn ich da bin, staune ich über dieses Kleinod mitten in der Stadt, hier schrieb ich schon einmal darüber. Wer zu faul ist, zum Blogeintrag zu klicken, bekommt hier nochmal einen Ausschnitt aus meiner Hausarbeit über Sportstadien (2016), den ich auch drüben zitierte, weil ich den Gegensatz zwischen den Sportstätten 1936 und 1972 immer noch faszinierend finde. (Der Auszug steht auf den Seiten 6–8 und hat dort natürlich tolle Fußnoten.)

„In Amsterdam 1928 wurden die zusätzlichen Sportanlagen städtebaulich um das Stadion herum gruppiert; es entstand die erste olympische Gesamtanlage. Die Spiele in Berlin 1936 gingen über diese reine Sportanlage deutlich hinaus: Auf dem sogenannten Reichssportfeld entstanden zusätzlich zum Stadion für 100.000 Zuschauer noch „einer einheitlichen Pflege des deutschen Sports dienende[…] Bauten mit Gedächtnis- und Versammlungsstätten der Nation, mit Theater[n] und Denkmälern in einem Festraum vereinigt“.

Geplant wurde das Stadion bereits 1925 von Werner March (1894–1976); die Nationalsozialisten veränderten den modernen Entwurf während der Bauphase zu einem imperialen Monumentalbau im Sinne der staatlichen Überwältigungsarchitektur. Neben dem Stadion lag das Maifeld mit Tribüne, auf dem 250.000 Menschen aufmarschieren konnten. Das Marathontor im Stadion gab den Blick frei auf einen Glockenturm am westlichen Ende des Maifelds, der über der Langemarckhalle stand, in dem deutscher Toten des Ersten Weltkriegs gedacht wurde. Damit war erstmals ein Sportstadion der Neuzeit nicht nur Teil einer staatlichen Repräsentation, sondern seiner Ideologie: Die Spiele sollte nicht nur die Aufrüstung für einen neuen Weltkrieg verschleiern, sondern auch die angebliche Überlegenheit der „arischen Rasse“ demonstrieren. Die Monumentalarchitektur war die Bühne dieser Ideologie.

An den Spielen in München 1972 lässt sich gut ablesen, wie sehr sich das Selbstverständnis eines Staates ändern kann. Die „heiteren Spiele“, die „Spiele im Grünen“, waren architektonisch ein deutlicher Gegenentwurf zu Berlin: „Statt in geordneten Marschkolonnen und in geometrisierter Kanalisierung bewegten sich die Menschen im freien Fluss, im hügeligen Park, unter einer lichtdurchlässigen Zeltlandschaft, geleitet von heiteren Farben zur Orientierung.“ Bei den „heiteren Farben“ hatte man bewusst auf Rot verzichtet, um auch die letzten Assoziationen zu den Berliner Spielen zu tilgen. […]

Das Münchner Olympiagelände inklusive des Stadions war von Anfang an Teil einer zukunftsfähigen Stadtplanung. Zur Vorbereitung der Spiele wurde die Münchner Innenstadt fußgängerfreundlicher gestaltet, die öffentlichen Verkehrsmittel wurden verbessert, 233 neue Straßenkilometer gebaut sowie diverse Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen. Das Gelände ist bis heute ein beliebter und belebter Park, und aus dem Olympischen Dorf wurden begehrte Miet- und Eigentumswohnungen. Das Stadion selbst war zwar nicht als bauliche Ikone geplant, sein charakteristisches Zeltdach ist aber inzwischen aus der Stadtsilhouette nicht mehr wegzudenken. Das liegt auch daran, dass die Bürger und Bürgerinnen für den Erhalt der olympischen Anlagen kämpften. Nicht in jeder Stadt blieben die Stadien bestehen.“

Eine Fußnote dazu:

„Olympiagelände-Architekt Günter Behnisch schrieb 1987: „Im Bild des Olympiaparks hat sich die Überdachung stärker in den Vordergrund geschoben als dies zunächst geplant war. Ihrer sichtbaren, auffälligen Form wegen […] So übersieht man leicht, daß das Wesentliche unseres Entwurfes unter und neben dem Dach liegt; es ist die Sport- und Spiellandschaft, der Münchner Olympiapark.“

Und genau die begeisterte mich auch gestern wieder, obwohl ich nur im Schritttempo am Olympiasee entlangradelte, um möglichst lange übers Wasser gucken zu können, hinter dem sich hügeliges Grün erstreckt, das ständig von den verschiedenen Olympiabauten unterbrochen wird. Diese Kombination aus weichen, welligen Hügeln und der kantigen, aber leichten Architektur ist bis heute schlicht großartig. Und momentan ist das Gelände fest in der Hand von Joggenden und Radelnden, die alle halbwegs Abstand zueinander halten. Ich hatte Platz und Zeit, fand es ausgesprochen herrlich und wollte gar keine Fotos machen. Nur eins für Insta von meinem Lieblingsflutlichtmast am Stadion, was ich halt so mache.

Wieder zuhause wurde geduscht und endlich Kaffee getrunken, und während ich die Wohnung durchlüftete, um sie dann wieder vor den verdammten Birkenpollen aus dem Innenhof abzudichten, sortierte ich die Osterbeute von der Türklinke gestern.

Weil ich Samstag und Sonntag so brav gearbeitet hatte, ließ ich das gestern sein, die Diss darf ja auch mal ein bisschen Ruhe haben und holte stattdessen lieber das Backwerk nach, auf das ich Sonntag keine Lust gehabt hatte. Ist wie immer hervorragend geworden. Idiotensicheres Rezept. Das nächste Mal werde ich mich an tollere Flechtversionen wagen, aber gestern war ich mit drei Strängen zufrieden.

Abends hätten F. und ich eigentlich in der Oper gesessen. Mein Geburtstagsgeschenk, das ich ja auch schon nicht mehr bekommen hatte, weil wir uns schon brav selbst isolierten, wäre eine Karte für „7 Deaths of Maria Callas“ mit Marina Abramovich gewesen. Die Künstlerin war seit einigen Wochen in der Stadt, und es wurde sogar noch geprobt, weil nach der Live-Absage über einen Stream nachgedacht wurde, aber das hatte sich in der vergangenen Woche auch erledigt. In der NYT spricht Abramovich über ihr Projekt, was mein Fan-Sein kurz etwas erschüttert hat.

„In six of the videos, Mr. Dafoe plays Ms. Abramovic’s lover or assassin; in all of them, Ms. Abramovic dies. In one, Mr. Dafoe handles a python that strangles Ms. Abramovic, to the strains of the “Ave Maria” Desdemona sings shortly before being throttled by the title character in Verdi’s “Otello.”

“I’ve known her for years, and I like being part of her work,” Mr. Dafoe said. “If she wants me to kill her, well, that’s quite an honor.”

In another video, Mr. Dafoe stabs Ms. Abramovic to the Habanera from “Carmen.” Susan McClary, a professor of musicology at Case Western Reserve University in Cleveland, said in an interview that Bizet’s opera had established the trope of the tragic heroine who gets murdered onstage. Women had died in opera from the art form’s beginnings, she said, but the audience didn’t see it until the 19th century.

“After ‘Carmen,’ because it was such a hit, it became almost de rigueur,” Professor McClary said. “If a woman sings these high notes, and does all of this self-display, then, somehow or other, she’s going to have to be killed.”

“7 Deaths of Maria Callas” asks the audience to think about the ubiquity of the dying diva, but Ms. Abramovic said she did not want it to be seen as a critique of misogyny in opera. “I’m not a feminist, to start with,” she said; a woman’s death onstage was simply “more dramatic” and “more beautiful” than a man’s.“

Tagebuch Sonntag, 12. April 2020 – Fragwürdige Errungenschaft

Soviel zum Thema „Sonntag steh ich früh auf und fahre Fahrrad.“ Ich war um kurz vor 6 wach, was mir einfach zu früh war, also blieb ich liegen und schlief bis 8, und dann war es einfach zu spät, um noch vor den Massen an Osterspaziergängern wegzukommen. Jedenfalls war das meine innere Argumentation, als ich gemütlich aufs Sofa schlurfte, wo ich den Vormittag mit Serien und Schokomüsli verbrachte.

Nachmittags setzte ich mich brav an die Diss und merkte bei diesem Büchlein von 1941, wieviel ich in den letzten Jahren gelernt habe. Ich besitze inzwischen die Inselbegabung, Nazimaler zu erkennen, ohne das Gemälde vorher schon mal gesehen zu haben. Das ist super, weil damit wirklich niemand was anfangen kann. Kein Sammler braucht mich als Gutachterin, kein Museum als Kennerin, weil keiner den Kram aufhängen will. Aber ich hatte gestern immerhin ein paar gute Minuten, als ich langsam scrollte und Namen vor mich hinmurmelte: „Gerhardinger … Wissel … Amorbach – oh, doch nicht, Spiegel, stimmt … Junghanns … ach, der olle Padua … Peiner … ach Mist, Schmitz-Wiedenbrück hätte ich erkennen müssen … Schrimpf … oh, Protzen, yay, guter Fund … Hilz … Ziegler … meh, Erler hätte ich auch wissen können … ah, nochmal Gerhardinger, das kenne ich sogar …oh, Heise! Gleich zweimal, ts … das Petersenbild kenne ich, woher bloß … ach guck, Frau Troost … den Herrn Birnstengl kenne ich nicht, gleich mal googeln.“

1939 abgeschlossen. Und falls jemand von euch auf Taylor & Francis Zugriff hat, würde ich mich sehr über ein PDF dieses Buchkapitels freuen. (Ja, diese gewissen alternativen Möglichkeiten, an akademische Aufsätze zu kommen, habe ich schon probiert.) Hat sich erledigt, dankeschön, Universum!

Der moderne Osterhase hängt übrigens heutzutage was an die Wohnungstürklinke und schreibt dann aus sicherer Entfernung eine DM, dass was an der Wohnungstürklinke hängt. (Herzaugen-Emoji.)

Scrooge McMaulwurf. Der Maulwurf war nicht in der Tüte, den habe ich nachträglich reingesetzt, um mich per Bild beim OsterF. zu bedanken. Neuerdings schicken wir uns Fotos von unseren Tätigkeiten, damit der Tag nicht so langweilig ist, und ich inszeniere halt den kleinen Maulwurf, der am Rechner sitzt oder vor einem Teller Spargel oder in einer Tüte Ostereier, weil ich keine Lust auf Selfies habe. #nachrichtenausderquarantäne

Tagebuch Samstag, 11. April 2020 – „Straßen des Führers“

Ich bin in der Diss bei dem Werk angekommen, das als einziges von Protzens 29 Autobahngemälden ein eigenes Kapitel bekommt. Es ist das Werk, das von ihm in der Bundesrepublik am häufigsten gezeigt wurde und wozu immerhin ein winziger Forschungsstand besteht. Im „Dritten Reich“ selbst hing „Straßen des Führers“ nur auf der GDK 1940 und wurde an die Reichskanzlei verkauft.

Zu diesem Werk habe ich äußerst spannende Dinge herausgefunden, die ich hier leider noch nicht breittreten kann, und ich konnte auch gestern mein Problem nicht lösen, wo ich diese Dinge platziere. Ich spreche jetzt im Forschungsstand darüber, dann nochmal im eigentlichen Kapitel und ein weiteres Mal etwas ausführlicher im Schlussteil der Arbeit, wo ich mich unter anderem damit befasse, wo die ganzen Gemälde nach 1945 gelandet sind, wenn sie überhaupt noch existieren. Momentan favorisiere ich noch die chronologische und damit zerstückelte Fassung, aber ich ahne, dass ich darüber noch etwas länger nachdenken werde, denn eigentlich bin ich eine Freundin davon, alle Infos auf einmal zu bekommen.

Gestern arbeitete ich nur an diesem Bild – und ein bisschen Kleinkram – sieben Stunden herum, und dann wollte ich was essen und rumliegen.

Meine niedlichen kleinen uralten Holzostereier, die ich letztes Jahr aus der alten Heimat nach München tragen durfte, hängen dieses Jahr an Ikea-Plastikblumen, weil mein Blumenladen geschlossen ist und mein Edeka kein Dekozeug hat und ich mich nicht traue, auf irgendeinem Friedhof ein Zweiglein abzubrechen und das in eine Vase zu stellen. Das gehört ja nicht mir, sondern allen, also lasse ich die Zweiglein da, wo alle was von ihnen haben. Aber wie hier bereits erwähnt, gilt derzeit „Fuck it, wir haben Pandemie.“ Plastikblumen to the rescue!

Weil die Frage gestern auf Instagram kam: Der Holzklotz ist dieser hier von meinem Opa, und er war 2008 in der Tagebuchausstellung im Museum für Kommunikation in Frankfurt zu sehen. Da sieht man auch das Layout meines Blogs vor diesem hier.

Apropos Museum.

Auf der Website des Hauses der Kunst sind seit gestern (vorgestern?) nur noch bedeutungsschwere Sätze zu sehen und nicht nie normale Website. Da steckt bestimmt ein irre toller Gedanke dahinter – oder man spart sich in diesen Zeiten den Social-Media-Mensch ein, knurr –, aber ich bin, für mich selbst erstaunlich, seit gestern arg pissig auf diese Aktion. Es reicht doch, dass im nicht-virtuellen Leben fast überall kaum noch was geht. Müsst ihr jetzt auch noch im Internet die Rolläden runterlassen? Macht mehr, nicht weniger! Ihr hattet doch gerade euer tolles Blog gelauncht – ballert das voll, jetzt wo der nervige Publikumsverkehr nicht mehr stört.

Vermutlich ist das ne tolle Kunstaktion, die sich in wenigen Tagen auflöst und dann stehe ich wie die totale Kunstbenausin da. Dann lösche ich diesen Rant natürlich souverän-stillschweigend und fand das schon immer großartig, neue Kunstformen und so, hervorragend.

Nachtrag, 14.4.: Sag ich doch. Kunst. Fand ich schon immer großartig.

Nachmittags gab es Spargel mit Kartoffelgratin. Den Schinken hätte ich weglassen können, der störte eigentlich nur die mummelige Einheit. Überhaupt könnte ich mich nur von Kartoffelgratin ernähren.

Wie ich von Oliver Trific, dessen Restaurant ich schmerzlich vermisse, neulich auf Insta gelernt habe, serviert man den Spargel mit den Spitzen zu mir. Immer das beste zum Gast.

Apropos gutes Essen.

Celebrity Chefs Take to Instagram, and to the Pantry

Der New Yorker schreibt darüber, wie Profiköche während der Pandemie notgedrungen – aber anscheinend gern – auf Insta kochen und allen Beteiligten versichern, dass man gnadenlos alles mit allem ersetzen könne, wenn man es gerade nicht vorrätig habe. Sehr sympathisch.

„The other day, the chef Tom Colicchio, whose four restaurants in New York are currently closed, posted a short video on Instagram, demonstrating how he was using leftover roasted Brussels sprouts and carrots to make lunch. (Or was it breakfast? A fried egg was involved. The hours, and the meals, have begun to blur.) He started by drizzling some oil into a pan. “Does it matter what oil?” whispered the person behind the camera. “No. Right now, nothing matters!” Colicchio responded, chuckling.

Emma Bengtsson, the executive chef of Aquavit, in east midtown, filmed herself preparing an easy meat sauce for pasta. She had ordered a tripod online, she said, but it would take two weeks to arrive; in the meantime, she was using a head of broccoli to prop up her phone. She would normally add green olives to her sauce, but her grocery store had been cleaned out.“

Ich persönlich folge – natürlich – Herrn Trific, aber auch Jan Hartwig, dessen Zuhauseküche genauso toll aussieht wie seine Sterneküche.

Abends noch ein nettes Facetime-Gespräch mit einer Hamburger Dame geführt. Ich habe ihr per iPad meine Wohnung gezeigt und konnte im Gegenzug immer die gute alte U3 anschauen, die ab und zu durchs Fenster hinter ihr fuhr.

Tagebuch Freitag, 10. April 2020 – Ein Monat zuhause

Am 10. März war ich, bis auf den Besuch bei meiner Hausärztin zum Impfen am 13. März sowie vier oder fünf Supermarktbesuchen, das letzte Mal mit anderen Menschen in einem anderen Gebäude. Am 9. saß ich im Gasteig und durfte die Wiener Philharmoniker hören, am 10. war ich im Staatsarchiv und buddelte in Akten rum I MISS YOU SO MUCH und am 11. musste ich noch ein Buch in die Unibibliothek zurückbringen. Dabei hat man aber keinen Kontakt zu Menschen, man legt das Buch nur auf ein lustiges kleines Förderband und es verschwindet im Bibnirvana. Hätte ich gewusst, dass wenige Tage später alles geschlossen wird und alle Rückgaben ausgesetzt werden bis auf einen unbestimmten Zeitpunkt, hätte ich das Ding einfach behalten.

In den vergangenen vier Wochen hat es mir mehr und mehr gefehlt, einfach mal ein bisschen Bewegung zu kriegen. Die Riesensportlerin war ich nie, aber ich hatte immerhin die Radfahrten zum ZI oder zu den Bibliotheken, und weil ich so gerne radfahre, bin ich nach dem stundenlangen Rumbrüten am Platz auch gerne mal einen Umweg gefahren. Seit vier Wochen tigere ich nur noch in meiner Wohnung hin und her und ich ahne, dass meine schlechte Laune und Mutlosigkeit und Müdigkeit vom Donnerstag auch daher kamen, dass ich schlicht zu wenig Bewegung bekomme. Zeit hätte ich genug, aber meine derzeitige Panik vor Menschen macht es etwas kompliziert, einfach mal ein Stündchen entspannt spazierenzugehen.

Also nahm ich mir für Freitag morgen vor, direkt nach dem Aufwachen das Fahrrad aus dem Keller zu holen und strunzdumm loszufahren, egal wohin, einfach los. Genau das tat ich dann auch und seitdem geht es mir weitaus besser. Das mache ich morgen, wenn es hoffentlich auch wieder so schön leer ist draußen weil Feiertag und alles geschlossen, gleich nochmal.

Ich fuhr nicht lange und auch nicht irre schnell, ganz im Gegenteil. Ich konnte mich gar nicht sattsehen und -hören an der leeren, leisen Stadt. Wenn ich über große Kreuzungen fuhr, an denen kein einziges Auto stand und kein einziger Fußgänger wartete, rollte ich im Schritttempo über sie rüber, um den Anblick zu genießen. Ich trug auch keine Maske, sondern radelte einfach entspannt durch eine Stadt, die mir völlig unbekannt vorkam. Auch deswegen will ich morgen wieder eine kleine Runde drehen, aber wieder ohne Kamera oder so, einfach nur fahren, ein bisschen an der Luft sein und Bewegung kriegen.

Das Jahr 1938 Korrektur gelesen und vorerst abgeschlossen.

Telephone exchanges click while there’s nobody there
The Martians could land in the car park and no one would care
Closed-circuit cameras in department stores
Shoot the same movie every day
And the stars of these films neither die nor get killed
Just survive constant action replay

And nothing ever happens, nothing happens at all
The needle returns to the start of the song
And we all sing along like before
And we’ll all be lonely tonight and lonely tomorrow.