Donnerstag, 19. Januar 2023 – Den Boosterbooster geboostert

Meine fünfte Impfung gegen Corona – eigentlich schon Routine, aber diese Impfung war die erste, die nicht in einem der Impfzentren von München stattfand, denn die schlossen alle zum Jahresende 2022.

Meine ersten drei Impfungen hatte ich mir im extra hochgezogenen Impfzentrum auf dem Messegelände abgeholt, ich berichtete über die Erstimpfung, die mich überaus gefreut hatte, damals im April 2021, Sie erinnern sich noch an die große Angst, die inzwischen überwiegend einem „Muss halt weitergehen, ach, Maske nervt ja auch eigentlich“ gewichen ist, wovon ich mich selbst so ganz langsam auch nicht mehr freisprechen kann. Ende Mai 2021 bekam ich die zweite Impfung und damit die einzige, die mich etwas schädelte, ich lag einen halben Tag lang erschöpft flach. Alle anderen Impfungen hatten mir nichts ausgemacht, nur die Einstichstelle schmerzte manchmal, und auch heute habe ich einen kleinen blauen Fleck auf dem Oberarm.

Meine dritte Impfung, also den ersten Booster, von dem wir damals noch nicht wussten, dass es nicht der letzte sein würde, bekam ich zwei Wochen vor den eigentlich vorgeschriebenen sechs Monaten Abstand, denn es war November 2021, die Winterwelle baute sich auf, aber ich musste doch in den Norden, also fuhr ich ein drittes Mal aufs Messegelände, wurde natürlich geimpft, musste darüber ein bisschen aus Dankbarkeit weinen und setzte mich beruhigt in volle Züge.

Viertgeimpft wurde ich dann schon in einem anderen Impfzentrum, nämlich dem im Gasteig, das Messegelände gehörte schon wieder anderen Fachbesuchern. Das erledigte ich im Juli 2022, also nach über sechs Monaten, denn eigentlich hatte ich auf den Impfstoff warten wollen, der auf Omikron angepasst war. Der sollte, laut meines damaligen Blogeintrags, „im März erhältlich sein, dann im Juni, jetzt angeblich irgendwann im Herbst“, aber ich konnte und wollte nicht mehr warten. Uns war seit Ende Mai, Anfang Juni klar, dass Papas Reise nun in ihre letzte Phase getreten war, die schwarzen Klamotten lagen griffbereit, ich hätte jederzeit in den Norden fahren können müssen und dann auch ohne Angst, andere anzustecken, ins Heim gehen wollen. Also wartete ich nicht mehr auf den Omikronbooster, sondern ließ mich am 5. Juli 2022 viertimpfen. Papa starb Ende August – er hatte nie Corona bekommen, während um ihn herum das halbe Heim mal mehr, mal weniger stark infiziert war, teilweise waren ganze Stockwerke gesperrt, aber ihn hat der Virus nie erwischt.

Daher war ich bis gestern nur gegen Delta und all das andere Kroppzeug geschützt, aber eben nicht gegen Omikron. Ich merke an mir selbst, wie maskenmüde ich inzwischen leider auch bin. In Bus und Bahn trage ich sie noch, aber in der Stabi saß ich letzte Woche komplett ohne, in der Isarphilharmonie dann wieder komplett mit, es ergibt nicht mehr wirklich Sinn, vor allem, wenn man selbst in der vollen U-Bahn nur noch sehr vereinzelt Masken sieht. Dort ist mein Plan, noch bis mindestens Ende Februar Maske zu tragen, wenn hoffentlich alle ihre Erkältungen durchhaben, aber mich dann auch dort mal wieder, nach drei Jahren, ohne Mundschutz aufzuhalten. Wir werden sehen.

Jedenfalls war ich gestern bei meinem Hausarzt, wurde über die Risiken, aber vor allem die Vorteile einer Impfung aufgeklärt, ich nickte brav, dann fragte mich die medizinische Fachangestellte, ob sie mich im Stehen impfen dürfe, das ging leichter, ich nickte erneut – und kapierte dann erst, dass ich dabei auch stehen sollte. Haben wir das auch mal so erledigt. Keine Nebenwirkungen, mir geht’s gut, danke, Wissenschaft. Ich trauere noch ein wenig um die Impfzentren – das hat sich immer so wichtig und richtig angefühlt. Jetzt fühlt sich’s halt an wie die übliche Grippeimpfung, die ich mir schon im Oktober abgeholt hatte. Vermutlich werde ich das Ende diesen Jahres in einem Aufwasch erledigen können.

Mittwoch, 18. Januar 2023 – Radeln und Rauschen

Fahrrad vom Schrauber abgeholt. Mein Hinterreifen hat jetzt ein Dunlop-Ventil, weil ich für die blöden Sclaverands zu grobmotorisch bin (habe mir das Ventil beim letzten Aufpumpen total verbogen). Außerdem kann meine Klingel jetzt wieder klingeln. Bezahlt habe ich für diese guten Dienste 21 Euro, und wenn ich das auf meinen eigenen Stundenumsatz umrechne, die Kosten für Schlauch und Klingel, die ich anscheinend zum Einkaufspreis bekommen habe, und mein Talent für schlechte Laune bei DIY-Projekten, bin ich damit extrem zufrieden. Dinge, die nerven, auslagern zu können, ist ein großer Luxus.

Ich muss auf dem Fahrrad auch sehr oft an diesen Tweet von 2008 denken, als ich gerade in Berlin gebucht war:

Ich lese gerade „White Noise“ von Don DeLillo, weil ich durch die Verfilmung daran erinnert wurde, dass das Buch noch ungelesen in meinem Regal steht. Ich dachte so, na, das wirst du wohl vor zehn Jahren gekauft haben. Meine Amazon-Historie sagte mir aber: 2001. Upsi. So gelblich sieht es leider auch schon aus, aber egal, dann macht es nichts, wenn es im Rucksack ein paar Schrammen abbekommt. Ich transportiere meine Bücher immer in einer kleinen Plastiktüte im Rucksack, aber so irre viel hilft das auch nicht.

Jedenfalls: Bis jetzt lese ich es recht gerne, auch wenn ich mich die ersten 100 Seiten gefragt habe, wo das wohl alles hingehen soll. Einen Abschnitt fand ich sehr schön; dort wartet die Hauptperson, ein Familienvater, am Flughafen auf seine Tochter, als eine Gruppe Menschen auftaucht, die keinen guten Flug hatten. Ihr Flugzeug sackte kilometerweit ab, alle dachten, sie müssten sterben, Chaos an Bord, aber der Pilot konnte die Maschine noch herumreißen, sie überlebten und landeten quasi wie geplant, und nun erzählt einer der Passagiere dem Vater, was an Bord passiert ist. Um ihn herum stehen die anderen Passagiere.

„By the time the narrator reached this point in his account, many people were crowded around, not only people who’d just emerged from the tunnel [in the airport] but also those who’d been among the first to disembark. They’d come back to listen. They were not yet ready to disperse, to reinhabit their earthbound bodies, but wanted to linger with their terror, keep it separate and intact for just a while longer. More people drifted toward us, milled about, close to the entire planeload. They were content to let the capped and vested man speak on their behalf. No one disputed his account or tried to add individual testimony. It was as though they were being told of an event they hadn’t personally been involved in. They were interested in what he said, even curious, but also clearly detached. They trusted him to tell them what they’d said and felt. […]

I’d been pushed away from the narrator by people crowding in to listen, well over a hundred of them, dragging their shoulder bags and garment bags across the dusty floor. Just as I realized I was almost out of hearing range, I saw [my daughter] Bee standing next to me, her small face smooth and white in a mass of kinky hair. She jumped into my embrace, smelling of jet exhaust.

“Where’s the media?“ she said.
“There is no media in Iron City.”
“They went through all that for nothing?”“

Don DeLillo: „White Noise“, New York 1999, S. 91/92.

Dienstag, 17. Januar 2023 – Weiterhin getting things done

Der Job, von dem ich gestern erzählte, wurde mir drei Tage vor Weihnachten in den Schoß gelegt. Außerdem kam zur gleichen Zeit noch ein zweiter dazu, der noch nicht hundertpro spruchreif ist, aber der mich ähnlich beschäftigen wird, vermutlich ab spätestens Februar. Genau da geht aber nun der erste Job los, und alle Planungen, die ich müde und vom letzten Jahr erschöpft mal großzügig auf „Januar bis März“ gelegt hatte, müssen jetzt im Januar erledigt werden. Deswegen bin ich latent hektisch unterwegs, aber komischerweise bekomme ich mehr Zeug gebacken, wenn ich viel zu tun habe als wenn ich theoretisch halbtags auf dem Sofa liegen könnte.

Trotzdem merke ich, dass mein Kopf gerade über zu viele Dinge nachdenkt, weswegen ich eine Taktik anwende, die mir schon öfter geholfen hat, abends besser schlafen und morgens konzentrierter anfangen zu können. Kein großes Geheimnis, und ihr macht das wahrscheinlich alle schon, aber ich halt nicht so oft: Ich schreibe abends schlicht auf, was alles erledigt ist und womit ich mich morgen, übermorgen, in einer Woche beschäftigen muss. Termine stehen eh im Kalender auf dem Laptop – auch solche Dinge wie „Biokiste“, die am Freitag kommt, einfach damit ich es auf dem Schirm habe. Aber Kleinkram wie „Fahrrad zur Reparatur bringen“, wovor ich mich seit Wochen drücke und mir deswegen ewig Vorwürfe mache, stand eben gestern auf dem Notizzettel, den ich Montagabend angelegt hatte, und deswegen brachte ich gestern endlich mein Fahrrad in Joes Garage (Empfehlung).

Jetzt wo mein Vertrag mit der Stadt da ist, kann ich auch endlich die Künstlersozialkasse anrufen, über die ich als Freie krankenversichert bin. Ob ich die Mitgliedschaft dort für wenige Monate aussetzen kann, habe ich auf der Website nicht ganz kapiert, und deswegen muss ich leider nachfragen. Vor diesem Anruf graut es mir seit Dezember, aber watt mutt, datt mutt.

Mittags bereitete ich erneut den Korianderdip zu, den ich schon Montag auf mein Mittagessen gegeben hatte. Gestern gab es zur Handvoll Koriander neben Knoblauch, Chili und Tahini noch eine halbe grüne Paprika, die wegmusste. Ebenso mussten Pastinaken weg, aus denen ich Püree machte. Die rohen Möhren (Team Rohe Möhren forever!) konnte ich so gleich in zwei schlotzige Sachen dippen, auf denen noch eingelegte Zwiebeln lagen und, natürlich, zwei Esslöffel Crispy Chili. Dazu Tofu. Hervorragendes Essen.

Zur Belohnung für all die Dinge, die ich hingekriegt habe und die hier nicht stehen, und zur Feier des Vertragsabschlusses gingen F. und ich abends in die Schreiberei, wo wir uns fies mit dem Sommelier verquatschten, zwei Flaschen schönen deutschen Weißwein tranken, ich mit einer Auster haderte, aber sehr zufrieden ins Bett fiel. Zu spät und zu betrunken. Das wird ein interessanter Arbeitstag heute.

(Edit: F. reichte die Weine nach: Riesling Schwarzer Herrgott Großes Gewächs 2016 – mehr Frucht als Kieselsteine, bleibt lange, verändert sich quasi alle fünf Minuten im Glas. Desser- und Absackwein: Riesling Bernkasteler Badstube Auslese 2010, ordentlich Restsüße, aber nicht so viel, dass es sich wie Zuckerwatte anfühlt. Der ließ sich überraschend gut auch ohne Süßkram trinken.)

Montag, 16. Januar 2023 – Unterschrift und Werkverzeichnis

Morgens hatte ich einen Termin bei der Stadt München, die ich grundsätzlich norddeutsch S-tadt aus-spreche; Herr Buddenbohm erwähnte das gerade wieder und nannte es spitzes Hamburger S, ich kenne es von meiner Oma aus Oldenburg, dass man nicht „Schtatt“ sagt, sondern „Ss-tatt“.

Beim Termin unterschrieb ich dann diverse Dinge, die ich schon als PDF vorab bekommen und durchgelesen hatte, nämlich dass ich keinerlei extremistischen Organisationen angehöre (doch gut, dass ich damals mit 16 nicht der SDAJ beigetreten bin, die steht nämlich auf der Liste), dass ich kein Mitglied von Scientology bin, es gab Merkblätter zu Drogen, Gleichbehandlung und vermögenswirksamen Leistungen, und schließlich einen Arbeitsvertrag, wo ich folgenden Satz abnickte: „Die Beschäftigte muss sich durch ihr gesamtes Verhalten zur freiheitlich demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekennen.“ Das mache ich doch gern.

Ich übernehme ab Ende Januar eine Elternzeitvertretung in der Abteilung für Kommunikation im, ta-daa, Lenbachhaus, der städtischen Galerie. Dementsprechend ist der Job nur befristet, aber ich habe damit den ersten Festanstellungsvertrag seit 2006 unterschrieben. Der ist auch nur halbtags, das heißt, ich kann weiterhin launig Werbung für alle anderen machen oder tolle Vorträge zu Autobahnen halten. Bucht mich gerne weiter. Aber heute abend stoßen F. und ich erstmal auf diesen Vertrag an und auf den Job, auf den ich mich irre freue.

Nach dem Hochgefühl des „Yay, neuer, spannender Job“ ließ ich mich im Bus zur Stabi schaukeln, wo ich mir die gute Laune sofort wieder verdarb, indem ich fünf Jahrgänge der „Nationalsozialistischen Monatshefte“ durchblätterte, um Autobahnbilder zu finden, die ich dort vermutete. Richtig geraten.

Mal wieder die „Mangfallbrücke“ von Wilhelm Heise, was sonst, aus dem, wo sonst, Lenbachhaus. Ich fand auch noch andere, aber ich mag diese Brücke so gern.

Völlig ausgehungert kam ich gegen 14.30 Uhr wieder zuhause an und wollte mich gerade an den Herd fürs Mittagessen stellen, als ich angerufen wurde: das Stadtarchiv, dem ich mich innerlich als nun städtische Angestellte gleich noch mehr verbunden fühlte als eh schon. Ich wurde im Dezember (von jemandem aus dem Lenbachhaus, wie sich das alles fügt!) auf ein kleines, unverzeichnetes Konvolut im Archiv aufmerksam gemacht: da befände sich anscheinend noch etwas zu Henny Protzen-Kundmüller. Ein paar Inhalte wurden mir auch schon mitgeteilt, einen davon – ihr online einsehbares Hochzeitsfoto – verlinkte ich gleich mal im Wiki-Artikel.

Den Rest wollte ich natürlich persönlich einsehen und bat genau darum, und gestern rief mich die betreffende Person aus dem Archiv an, wir vereinbarten einen Termin und ich bekam schon mal etwas genauer gesagt, was ich denn einsehen werde – unter anderem ein, ACHTUNG, ich habe sehr laut gequietscht, Werkverzeichnis von Protzen, das aus dem Diözesanmuseum im Archiv gelandet war. Ich wusste nicht, dass da irgendwas gelegen hatte und freute mich sehr lautstark (Lachen am anderen Ende) über dieses Verzeichnis, denn ich hatte in meiner Diss die Theorie aufgestellt, dass es noch ein zweites Verzeichnis geben müsse zusätzlich zu dem, das ich von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen kannte (S. 19 unter „Weitere Quellen“). Dort scheint Protzen seine Werke auf Papier verzeichnet zu haben, und ich kann nächste Woche schön abgleichen, ob alle meine wilden Ideen in der Diss stimmen. YEAH!

Gut gegessen, weil ich gleich zwei neue Rezepte von Nisha nachkochte. Zum Mittag gab’s zwei Scheibchen meines Sauerteigbrots vom Wochenende mit einem Dip aus Edamame, frischem Koriander und Zeug (ich hatte keine Avocado, schmeckte trotzdem), dazu ein kleines Omelette aus den zwei Eigelb, die vom Mandelhörnchen-Backen übrig geblieben waren sowie einem frischen ganzen Ei, dazu eingelegte rote Zwiebeln (neuerdings immer im Kühlschrank, haue ich auf alles, ähnlich wie Crispy Chilis). Abends kochte ich Vollkornnudeln mit einer Mandelcreme und Brokkoli und vergaß es zu fotografieren. Beide Rezepte kann ich absolut weiterempfehlen, wie eigentlich alles von Nisha.

Sonntag, 15. Januar 2023 – Staub und Mandelhörnchen

Meine uralte Anlage knarzt manchmal, wenn ich den Lautstärkeregler betätige. Erste Idee war: Die ebenfalls uralten Kabel, die jahrelang um die Boxen gewickelt waren in Umzugskartons, könnten etwas mitbekommen haben. Schlauberger F. meinte aber, wenn es nur knarzt, wenn ich am Regler rumschiebe, könnte da der Fehler sein – mal aufschrauben und nach Staub gucken?

Man ahnt es: Wir mussten nicht lange nach Staub suchen. Ähem. Faszinierend, was sich so in 40 Jahren ansammeln kann. Ich saugte liebevoll, so gut es ging, dann puschelten wir noch mit Q-Tips und Zahnstochern in den Eingeweiden des Sony-Klotzes rum, und dann war das Knarzen weg. Toll.

Mein einziger Neujahrsvorsatz: endlich meine Schränke und Vorratsgläser leerkochen. Wenn es nicht absolut lebensnotwendig ist, werden kein neuer Reis, keine Nudeln, keine Linsen, keine Kichererbsen und vor allem keine Konserven mehr gekauft, sondern es wird endlich mal alles weggefuttert, was bei mir rumsteht. Frische Lebensmittel kaufe ich weiter, sonst sterbe ich an Skorbut.

Zu den Vorräten gehören auch diverse Mehle, die beim letzten Anfall von „Ich backe mein Brot selbst, das wär ja gelacht“ angeschafft wurden. Seit ich Brantner quasi vor der Nase habe, war der Anfall aber sehr schnell vorbei, denn dort schmeckt mir einfach so viel, was ich nicht mal ansatzweise in ähnlicher Qualität produzieren kann. Aber so fürchterlich schlecht waren meine Brote nun auch nicht. Also gab ich mir vorläufiges Brantnerverbot, setzte vor einer Woche einen Roggensauerteig an, aus dem teilweise gerade auch noch ein Weizensauerteig wird, und begann wieder zu backen. Das erste Hefetopfbrot ist schon aufgegessen, das erste Vollkornbrot noch in Arbeit und gestern buk ich das erste Sauerteigmischbrot.

Das postete ich auch auf Insta, wo mir ein Beitrag von @bilsandbytes auffiel, die Mandelhörnchen gebacken hatte. Beim Aufräumen meines Backschrankfaches vor Kurzem war mir die Marzipanrohmasse aufgefallen, die ich beim letzten Umzug aus dem Stockwerk über mir in diese Wohnung schon in der Hand hatte. Die musste jetzt weg, ich googelte nach Rezepten, fand ein nettes auf Chefkoch und verarbeitete die Rohmasse (haltbar bis 2017), eine Tüte gehobelte Mandeln und eine Tüte gemahlene. Statt Kuvertüre, die ich natürlich im Haus habe, gab ich zwei angebrochene Packungen Raspelschokolade in die Schüssel über dem Wasserbad, die ich vermutlich mal in zwei Jahren angeschafft und geöffnet hatte, als ich mir zum Geburtstag meine geliebte kleine Schwarzwälder Kirsch gebacken hatte. Beim Schmelzen merkte ich: Das schmilzt ja gar nicht, blödes Zeug. Mit ein bisschen Öl wurde der Billokram immerhin streichfähig, und so verzierte ich meine Mandelhörnchen halt mit dem Messer anstatt sie elegant zu tunken.

Beim Aufräumen ist mir auch dieser Umschlag aufgefallen, in dem ich seit 2003 meine Eintrittskarten sammele, die im Jahresendbeitrag fotografiert (oder damals eingescannt) auftauchen. Sobald der Berg verbloggt ist, kommt alles in eine große Sichthülle, damit der Umschlag wieder ein Jahr gefüllt werden kann. #behindthescenes

Donnerstag bis Samstag, 12. bis 14. Januar 2023 – Zeug erledigen und Sojalack

*tippeditipp* Das war’s quasi.

Hande fragte netterweise für mich auf Insta bei den Münchner Philharmonikern nach, was denn die Zugabe am Mittwochabend gewesen war, nach der ich mir das Hirn zerrauft hatte. Auf die Idee hätte ich natürlich auch kommen können, aber wahrscheinlich hätte ich mich nicht getraut. Ich wusste, das Ding ist bekannt, ich wusste, ich kannte es aus einem Film, aber ich kam halt nicht drauf. Gefühlt war es spätestens Mozart, eher früher, wohl kein Bach, aber die zeitliche Ecke.

Inzwischen weiß ich: a) zeitlich richtig geraten und b) es war „Lascia ch’io pianga“ von Händel, das ich (vermutlich) erstmals in „Farinelli“ hörte. Das steht auch in der Online-Konzertbesprechung der SZ, aber Insta war in meinem Fall schneller.

Freitag war wie immer Date Night, und wir holten einen Gang des ausgefallenen Silvestermenüs nach. Es gab Wachteln mit Sojalack aus dem Kochbuch von Tohru Nakamura. Den dazu geplanten grünen Spargel hatte ich längst verzehrt, also kochte ich Bohnen und ganz kurz Brokkoli. Die Wachteln waren nur ausgelöst, also vom Skelett befreit worden, die Haut war noch dran, die ich nach kurzem Vorgrillen mit dem Lack bestrich. Sie wurde leider nicht knusprig, weil ich Honk vergessen hatte, sie mit Sesamöl zu bestreichen, aber der Lack war super.

Daher bereitete ich gestern das Essen zu, auf das ich beim Vögelchenverzehr deutlich mehr Lust bekommen hatte, nämlich festen Tofu mit Sojalack. Dieses Mal kochte ich die grünen Bohnen (und ein paar Edamames) nur kurz, gab sie aber nicht mit aufs Blech, wo sie Freitag deutlich zu matschig geworden waren. Auf dem Blech lag stattdessen der Brokkoli, ohne Öl oder irgendwas, der wurde auch so herrlich knackig und bekam die erhofften Röstaromen.

Um den Lack herzustellen,

4 EL braunen Zucker in einem kleinen Topf karamellisieren lassen. Mit
50 ml Reisessig,
100 ml Sake und
50 ml Mirin ablöschen, alles weiter köcheln lassen, damit der nun schlagartig feste Karamell wieder flüssig wird.
150 ml Koikuchi Shoyu einrühren.

In einem Schüsselchen
1 EL Speisestärke mit
wenig Wasser anrühren, beides in die Sojasauce geben und aufkochen, bis sie bindet.

Die Wachteln lagen bei mir „spatchcock“, also einfach platt auf dem Blech. Sie grillen, mit Sesamöl eingestrichen, bei 250° für ca. fünf Minuten, dann nimmt man sie raus, bestreicht sie mit dem Lack und grillt sie weitere drei bis vier Minuten. Mir haben drei gereicht, da zeigten sich schon die ersten sehr schwarzen Stellen. Das Fleisch war perfekt durch, fast schon einen Hauch drüber.

Auch den Tofu habe ich bei diesen Temperaturen gebacken. Er wird leider nicht so knusprig wie ich erhofft hatte, aber mir reicht bei Tofu auch das nicht-knusprige Mundgefühl, damit es mir schmeckt. Ich werde ihn trotzdem nächstes Mal einfach in der Pfanne braten und mit dem Lack servieren.

Die spezielle Sojasauce, die im Buch verlangt wird, unterzogen F. und ich am Samstagmorgen gleich mal einem geschmacklichen Vergleichstest mit der in meiner Küche üblichen Kikkoman; für philippinische Rezepte habe ich eine Sauce von Silver Swan und außerdem Ketjap Manis, nicht nur für indonesische Küche. Koikuchi Shoyu ist ein winziges bisschen viskoser als Kikkoman, schmeckt weitaus weniger sauer und bleibt deutlich länger am Gaumen. Feines Zeug.

„Alter Stil für neue Bauwerke“

Ich durfte für „Unser Bayern“, die Beilage der „Bayerischen Staatszeitung“, etwas zu den Gemälden zur Reichsautobahn schreiben. Wer gerade keine Zeit für meine 400-Seiten-Diss hat, hier entlang: Alter Stil für neue Bauwerke.

Im Artikel abgebildet sind auch die zwei Gemälde, die derzeit im Lenbachhaus in der Ausstellung „Kunst und Leben 1918–1955“ zu sehen sind: Heises „Mangfallbrücke“ (1935) und Protzens „Brücke bei Limburg“ (1938).

Christoph Bachmann vom Staatsarchiv München hat außerdem etwas zu RAB-Zeichnungen von Josef Ruep geschrieben, die mir vorher nicht bekannt waren: Im Vogelflug über die A8.

Mittwoch, 11. Januar 2023 – Solooboe
(das wollte ich einfach mal getippt sehen)

F. und ich waren mal wieder in der Isarphilharmonie. Ich freute mich auf Webern, Strauss und Sibelius, vor allem auf Strauss, weil es ein Oboenkonzert mit Solist war. Ich glaube, ich habe Oboe noch nie als Soloinstrument wahrgenommen.

Der Abend rauschte leider ein bisschen an mir vorbei. Weberns „Sechs Stücke für Orchester“ riefen bei der Uraufführung 1913 in Wien laut des netterweise online stehenden Programmhefts zwar Tumulte hervor, aber heute nickt man das halt nur noch ab, da hat man schon Sperrigeres gehört. Für mich interessant zu sehen: dass sich selbst Orchestermitglieder, die gerade nicht spielen, die Ohren zuhalten, weil sie direkt neben den lärmenden Percussionisten sitzen. Gerade zum Ende des 4. Satzes (?) war es schön laut. Also schön für mich in Reihe 17.

Auch Strauss’ „Konzert für Oboe und kleines Orchester“ war bemerkenswert arm an Höhepunkten, aber ich fand es spannend, einem Oboisten mal genauer bei der Arbeit zuschauen zu können. Solist Andrey Godik, in Russland geboren, widmete seine Zugabe sichtbar bewegt den Menschen in der Ukraine. Und ich überlege seitdem, was zum Henker diese Zugabe war und googele seit gestern „bekanntes Streichquartett“ mit allen mir einfallenden Komponisten. Mag die SZ bitte mal die Konzertbesprechung veröffentlichen, damit ich wieder schlafen kann?

Zu Sibelius’ „Lemminkäinen Suite“ kann ich auch nur Unqualifiziertes sagen, daher lasse ich das mal. Vielleicht noch als Anmerkung: Mit Susanna Mälkki stand eine Frau am Pult, was ja leider immer noch eher ungewöhnlich ist.

Es ist grunsätzlich schön, im Konzert zu sitzen und neue Musik zu hören, aber gestern konnte mich leider nichts so recht mitnehmen. Muss es ja auch nicht. Ich höre mir das alles nochmal entspannt auf YouTube an, vielleicht sogar in meinem Barbie-pinken Blazer, den ich gestern endlich mal länger ausführen konnte.

Dienstag, 10. Januar 2023 – Neue Brille

Ich hatte morgens einen Termin im Bürgerbüro. Man vereinbart dafür online einen Termin und bekommt schon sein Nümmerchen, auf dessen Erscheinen auf der Anzeigetafel man dann vor Ort wartet. Das System sagte mir als Termindauer voraus: fünf Minuten. Gedauert hat es dann: fünf Minuten. Top!

Mit der Steuerberaterin telefoniert. Mir wurde wenige Tage vor Weihnachten eine befristete Festanstellung in den Schoß gelegt und nun wollte ich wissen, ob ich gleichzeitig frei und fest arbeiten kann. Kann ich.

Der Job geht Ende Januar los und ich bin angemessen aufgeregt und vorfreudig und wenn alles so kommt, wie ich mir das wünsche, gibt das Insta-Material für Monate! Hach!

Danach ging ich spontan zum Optiker, von dem ich 2019 meine derzeitige wunderschöne Brille bekommen habe. Ich mag ihre Fernsicht ausgesprochen gern, merke aber seit Monaten, dass meine Nahsichtigkeit immer mieser wird. Inzwischen ist mein Arm nicht mehr lang genug, um noch lesen zu können, solange ich die Brille trage.

Bei meinen letzten Archiv- und Bibliotheksaufenthalten hatte ich immer meine alte Brille dabei, denn mit der kann ich noch lesen und das Gelesene dann am Laptop verschriftlichen, ohne ständig die Brille auf- und absetzen zu müssen, aber das ist ja kein Zustand. Daher informierte ich mich über Gleitsichtbrillen und ähnliches und ergab mich schließlich in mein Seniorenschicksal. Vor Ort wurde mir aber eine Arbeitsplatzbrille ans Herz gelegt, denn mit Gleitsicht würde ich quasi immer den Kopf in den Nacken legen müssen, um zu tippen, was ja bekanntlich meine Haupttätigkeit ist. Also wurde es eine Arbeitsplatzbrille, die mich mehr kostet als meine Fernsichtbrille, was mich etwas überforderte. Dieses Geld war so gar nicht eingeplant, aber das kommt jetzt schon mal auf die Jahresendliste unter den Punkt „teuerste Anschaffung“. Alter!

Beim Tofukauf aus Versehen Seidentofu erwischt (die Nahsicht!). Daraus wurde dann mit Sojasauce, Kurkuma und frisch erworbenen Hefeflocken aus dem Bioladen ein veganes „Rührei“. Beim Zusammensuchen der Zutaten griff ich in mein Vorratsfach mit den Eiern, bis mir einfiel, dass ich genau die gerade nicht brauche.

Wieder auf Twitter rumgehangen, totale Überraschung, ich weiß. Aber ihr fehlt mir alle so! Ich habe einige Accounts entfolgt und mal wieder aufgeräumt und gucke, wie lange es dauert, bis ich wieder genervt bin.

Montag, 9. Januar 2023 – Sauber, sage ich

Morgens bei der Zahnreinigung gewesen. Während Covid, das ja vorbei ist, wie wir alle wissen, hatte ich eine gute Ausrede, die Reinigung ausfallen zu lassen (habe aber brav die Kontrolltermine fürs Bonusheft erledigt), aber nun musste es mal wieder sein. Neu im Vergleich zu vor *hust* Jahren: Das Gesicht wird abgedeckt, damit man nicht so geduscht rauskommt wie sonst. Memo to me: nächstes Mal die Wimpern nicht tuschen, die stießen etwas nervig an die Gaze.

Ich habe es fünf Wochen durchgehalten, auf Twitter nichts zu posten bzw. überhaupt mal vorbeizugucken, aber da fast meine komplette Timeline sich bei Mastodon nur angemeldet hat, aber nie was schreibt, wollte ich mütterlich-besorgt mal gucken, wie’s ihr denn so geht. Dabei stieß ich auf diesen Thread, den ich dringend retweeten musste:

Außerdem mochte ich dieses Werk von Frau Stettheimer, was ich auch gleich gepostet habe. Der Gesichtsausdruck! Der Arm voller Blumen!

Falls man die Bildunterschrift nicht entziffern kann: „Georgette in fur lined coat“, ein Kostümentwurf für Stettheimers erste Oper „Orphée of the Quat-z-arts“, ca. 1912, Ölfarbe, Stoff, Pelz, Garn, Haar auf Leinwand, ca. 44 x 38 cm, Museum of Modern Art, New York. Abbildung aus: Barbara Bloemink: „Florine Stettheimer. A Biography“, München 2021, S. 85.

Sonntag, 8. Januar 2023 – Quasi letzter Urlaubstag

Ich hatte mir die erste Januarwoche freigenommen, nicht ahnend, dass ich mehr mit Gesundwerden als mit Erholen beschäftigt sein würde. So nutzte ich immerhin das regenfreie Wetter, um zum Lenbachhaus zu spazieren und mir endlich die Ausstellung von Etel Adnan anzuschauen. Hat mir gefallen, wobei ich die Biografie der Künstlerin ähnlich spannend fand wie ihre Werke.

Der Verband deutscher Kunsthistoriker hat sich umbenannt, damit auch die Kunsthistorikerinnen zu ihrem Recht kommen. Wir Mitglieder durften über den neuen Namen abstimmen, ich freue mich, dass es meine Wahl geworden und der Mitgliedsausweis eindeutig hübscher geworden ist. (Mitgliedsnummer rausgeshoppt.)

Die Jahreszahl ist ein Aufkleber, der einem am Jahresende zugeschickt wird. Dass die Zahlen leicht schräg stehen, ist keine Designentscheidung, sondern meine Unfähigkeit, Dinge exakt aufzukleben.

Jetzt wo ich wieder essen kann, will ich nichts lieber machen als am Herd zu stehen. Ich habe den Gemüseberg vom ausgefallenen Silvesteressen schon fast alleine bezwungen; jetzt beginne ich damit, endlich mal Schränke und Tiefkühler leerzuessen. Beim samstäglichen Backen hatte ich schon die Fächer für Backzutaten aufgeräumt und ausgemistet, jetzt ist der Rest der Küche dran – wobei es da wenig auszumisten gibt. Die drei Tiefkühlfächer hätte ich kurz vor Weihnachten abgetaut, da war nur eine Tüte zweifelhaften Inhalts dabeigewesen, die unfeierlich weggeschmissen wurde. Auch meine beiden Schrankfächer mit Dosen und länger haltbarem Kram (Nudeln aus allen Ländern Asiens sowie Algen) sind eigentlich auf dem neuesten Stand. Ich muss sie nur endlich mal essen.

Ich mag ja bekanntlich, wie Julien von Trois Etoiles über Essen schreibt. Über diesen Satz in seiner neuesten Rezension musste ich sehr grinsen: „Für einen ganz kleinen Moment fühle ich mich wie ein Holzwurm – und habe mich selten besser gefühlt.“

Montag bis Samstag, 2. bis 7. Januar 2023 – The week of blergh

So lange hatte ich noch nie mit Magen und Darm zu tun und ich würde mich freuen, wenn diese Woche die einzige in meinem Leben bliebe, in der ich so viel Zeit im Bad verbringen muss.

Team Reiskocher. Mit meinem Reiskocher kamen nicht nur Topf und Messbecher, wie es sich gehört, sondern auch ein Dämpfeinsatz für Gemüse. Bisher habe ich den noch nie verwendet, weil ich Gemüse lieber anbrate als matschig zu garen, aber was tut man nicht alles für die kleine Diva in der Körpermitte. (*googelt wo genau ist eigentlich der magen*) Meine erste Mahlzeit, nachdem ich das Gefühl hatte, jetzt ist WIRKLICH nichts mehr in mir drin, was aus irgendeiner Körperöffnung aus mir raus möchte, war ein Berg Reis mit gedämpften Karotten, beides elegant im Reiskocher zubereitet, während ich ermattet vom Karottenschneiden schwitzend auf dem Sofa lag. Mit einem Schwung Ketjap Manis gar nicht so übel. Ich habe selten Ingwer und Chili so vermisst, aber Google sagt, bei Magendarmkram vielleicht mal weniger scharf würzen. Meh.

Bevor ich den Silvesterfisch einfror, teilte ich ihn in drei Stücke. Zwei aßen F. und ich am Montag, wobei seiner bei ihm blieb, während meiner … seufz. Am Donnerstag wagte ich mich an das dritte Stückchen, erneut mit Sobanudeln und einem Hauch Yuzudressing. DAS IST NICHT SCHARF! Blieb auch drin. Ich mag anscheinend Lachsforelle sehr gern.

Freitag war der erste Tag, an dem ich das Gefühl hatte, es ginge mir wieder fast wie früher. Nach einer Woche traute ich mich wieder vor die Tür aka weiter als 15 Meter von meinem Bad weg, um mal Müll runterzubringen. Außerdem ging ich für 30 Minuten Mobilitätstraining auf die Yogamatte, um nicht völlig einzurosten. Ging auch.

Dann hatte ich Lust auf Kuchenbacken, natürlich nur für die Seele. Carrot Cake ist schließlich quasi Rohkost und blieb auch brav drin. Ich betrachtete mich als geheilt.

Gestern ging ich daher endlich wieder etwas länger vor die Tür, nämlich in die Pinakothek der Moderne. F. und sahen uns Max Beckmann an; ich hadere noch ein bisschen mit der Ausstellung, muss ich mir nochmal anschauen.

Trauerkarte gekauft. Ich bin anscheinend jetzt in diesem Alter.

Heute habe ich ernsthaft Muskelkater vom Fußweg zur Pinakothek und zurück. Eine Woche rumliegen, keine Kondition mehr.

Ich lese gerade die Biografie von Barbara Bloemink über Florine Stettheimer; ich verlinke bewusst den englischen Wiki-Eintrag, denn der deutsche ist noch nicht so der Bringer. Es fehlen wichtige Details, zum Beispiel, dass Stettheimer die erste Künstlerin war, der das MoMA zu Lebzeiten 1946 eine Retrospektive widmete. Gerade der Abschnitt zu ihrer Rezeption ist im englischen Artikel empfehlenswert.

Bis jetzt mag ich die Biografie sehr gerne, auch wenn ich der Autorin unterstelle, einen Hauch zu viel Sympathie für ihr Subjekt zu haben. Gerade wenn Stettheimers Tagebücher oder Gedichte zitiert werden, schrecke ich manchmal vor einigen unhöflichen oder unverschämten Äußerungen zurück, die Bloemink als „scharfzüngig“ oder „freimütig“ beschreibt. Aber vielleicht bin ich inzwischen einfach eine Prusseliese.

Was allerdings nervt, sind die anscheinend heute üblichen Fehlerchen, weil kein Verlag mehr Geld für Lektorate ausgeben will; ich habe keine Ahnung, ich stelle das nur immer öfter fest, dass ich in immer mehr neuen Publikationen immer mehr Flüchtigkeitsfehler finde, mein eigenes Buch eingeschlossen, herrgottnochmal. Okay, hier wollte ICH kein Geld für ein Lektorat ausgeben, weil 7000 Euro genug waren für den Spaß, meinen Namen auf einem Buchdeckel zu sehen. Für das Korrektorat habe ich 1000 Euro springen lassen, und danach habe ich lustig weiterhin Fehler gefunden. So, haben wir darüber auch mal gesprochen.

Was ich sagen wollte: Es kann sein, dass es inzwischen an meiner NS-Brille liegt, wenn mir hier Fehler oder Auslassungen auffallen. Aber wenn Maler wie Raffael Schuster-Woldan erwähnt werden, den Stettheimer in ihren Tagebüchern kurz als Lehrer anführt, dann würde ich mir etwas mehr Infos zu ihm wünschen als diese Fußnote mit Schreibfehler: „Shuster-Woldan [sic] is best known for a mixture of painting styles between dark, warmish brown colored portraits in Rembrandt-like tones and mythical paintings of naked women and men.“ Hier taugt der deutsche Wiki-Eintrag was. Bitte keine Post wegen „DANN SCHREIB DOCH SELBER WIKI.“ Mach ich ja. Gerade zu diesem Thema.

Und wieder zurück zu was Schönem:

Momentan bin ich zwischen 1890 und 1915 unterwegs, die Zeit, die die Frauen Stettheimer überwiegend in Europa verbrachten, unter anderem in München. Florine nahm Mal- und Zeichenunterricht bei verschiedenen Lehrkräften, unter anderem bei jemandem, den sie in ihren Tagebucheinträgen und Gedichten „Herr Apotheker F.“ nannt. Ein Gedicht mochte ich sehr gerne; sie lernte gerade das Material Kasein kennen. Gerade über den ersten Absatz musste ich sehr lachen.

„Casein was once milk
And then it was cheese
And now it is pictures
How wonderful

At noon came my ‘Meister’
In white tie and tails
To look at my work
How wonderful

Casein looks like fresco
And Herr Apotheker F. said
‘red vill last foreffer’
How vonterfool

I shall paint the walls
For tout New York
On my return
Most wonderful“

Barbara Bloemink: Florine Stettheimer. A Biography, München 2021, S. 56.

Freitag bis Sonntag, Jahreswechsel, egal – Crappy new year

Eigentlich EIGENTLICH hatte ich sechs schöne Gänge mit zwei Aufstrichen fürs Brot geplant, die Champagnerflaschen lagen im Kühlschrank, alles war eingekauft, ich startete Freitag frohgemut in die Vorbereitung – und wurde dann von einem heimtückischen Magen-Darm-Virus niedergestreckt. Praktischerweise erwischte es F. auch, haha (FUCK!), so dass er mir nicht mal den halben Kühlschrank abnehmen und alleine essen konnte. Wir planten vorsichtig für Sonntag eine Neuauflage, entschieden uns aber schon Samstag dagegen, dann planten wir für heute, aber wir hängen beide noch in den Seilen.

Wie mies es mir ging, wenn ich gerade nicht im Bad war, und da war ich sehr, sehr, sehr lange, merkte ich, als ich bei Insta Futterfotos schnell weiterscrollte, weil mir schlecht wurde. Ich wusste nicht, wie genervt ich sein kann, wenn ich nichts essen kann – oder will. Oder sollte.

Ich werde heute, wenn ich meinen Würgereiz im Griff habe, sehr viel Gemüse eintuppern, einfrieren oder in andere haltbare Zustände überführen, Fleisch ist eh schon gefroren, vom Fisch werden wir uns wohl verabschieden müssen, und ob ich heute ernsthaft den Nachtisch essen möchte, den ich gestern mit rohem Ei angerührt habe, weiß ich auch noch nicht.

2023 ist momentan der beschissene Kumpel von 2022 und ich bin ETWAS verstimmt.

Fotorückblick 2022

Joel fragt wieder nach zwei Fotos pro Monat.

Januar


Die Blume im Wohnzimmer der Eltern, deren Name ich schon wieder vergessen habe.


Ich mache einen Videokurs und treibe mich auf dem Alten Nordfriedhof rum.

Februar


Mein Buch erscheint und bekommt natürlich seinen Stempel.


Es gibt erstmals Kentucky Butter Cake, der seitdem fest im Repertoire ist.

März


Ich stelle in der Bibliothek Regale um, streiche die Wände dunkelgrau und kaufe mir einen flauschigen Teppich. Inzwischen hängt auch der Leo von Welden, der hier noch auf dem Höckerchen neben der Tür steht.


Meine Promotionsurkunde, die ich mir nach der Buchveröffentlichung endlich aus dem Prüfungsamt abholen konnte, darunter BA- und MA-Zeugnisse. Jetzt darf ich mich Doktor nennen, was ich im Überschwang auch im Drop-Down-Menü der Website meines neuen Hausarztes tue und für eine Kollegin gehalten werde.

April


F. und ich sind das erste Mal in diesem Jahr in Wien und bestaunen unter anderem die österreichische Nationalbibliothek.


Bärlauchsaison. Und ich hatte anscheinend noch die FAZ im Abo, derzeit aus Kostengründen wieder auf Eis. Ich lese sie über das FAZ-Bibliotheksportal und meinen Stabi-Ausweis am Rechner.

Mai


Ich gratuliere Papa zum Geburtstag und besuche mit dem Mütterchen ein Konzert im NDR-Sendesaal am hannoverschen Maschsee.


Ich backe das tollste Ding ever.

Juni


Ich blogge einen ganzen Monat lang nicht, weil es Wichtigeres gibt. Ich bin wieder im Norden und fotografiere in Mamas Alben herum.


Weil ich nie planen konnte, wann ich zuhause bin, gab es noch keine Blümchen für den Balkon, um die sich jemand kümmern müsste. Ich kann immer noch nicht planen, brauchte aber dringend Blümchen.

Juli


Ich stehe im Nebel im Haus der Kunst …


… und kleide mich für eine Hochzeit neu ein.

August


Mein einziger Stadionbesuch in Augsburg in diesem Jahr.


Papa stirbt am 27. August.

September


Papas Beerdigung.


Der zweite Wien-Urlaub in diesem Jahr. Unter anderem besuchen wir das Belvedere, wo ich mich über ein recht hoch gehängtes „Stilleben mit Küchengeschirr, Zwiebel und Kohlrabi“ von Anna Maria Punz (1721–1794) freue.

Oktober


Herr Protzen ist wieder in der Pinakothek der Moderne zu sehen, wie ich überrascht feststelle. Möchte mich direkt bei Herrn Lehmbruck dafür entschuldigen.


Ich behaupte, mein endgültiges Bagelrezept gefunden zu haben.

November


Ich trage neuerdings wieder Goldschmuck, hier Kette und Ring von Omi …


… und gönne mir eine KitchenAid. (Das ganze gesparte FAZ-Geld!)

Dezember


F. und ich genießen bei Tohru eines der besten Essen nicht nur in diesem Jahr, sondern seitdem wir derartige Restaurants betreten.


Ich lasse neuen Schmuck aus altem machen und trage nun Ohrringe, die aus Gold aus China und Ägypten sowie Steinen, die Papa aus Saudi-Arabien (?) mitgebracht hatte, gefertigt wurden.

2022 revisited

(2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003.)

1. Der hirnrissigste Plan?

„2022 kann ja nur besser werden als die letzten beiden Jahre!“

Und: den Tod verstehen zu wollen. Es heißt ja immer, dass Kinder den Tod nicht verstehen, dass man ihnen nicht erklären könne, dass jemand nicht mehr da sei. Meine Großeltern sind seit über 20 Jahren tot, das habe ich kapiert, auch als Kind wusste ich, dass der eine Opa, den ich nie kennenlernen konnte, weil er 1943 bei Leningrad gefallen war, halt nicht da ist. Aber ich verstehe immer noch nicht, dass Papa nicht mehr da ist. Dass er einfach nicht mehr vorhanden ist. Dass nur Asche von ihm übrig ist. Aber das ist nicht mehr er. Wo ist er dann? Man kann doch nicht einfach nicht mehr da sein mit allem, was einen ausgemacht hat, mit allen Erinnerungen und dem ganzen Wissen und den Eigenarten und dem Einzigartigen. Ich verstehe es genau so wenig wie ich Lichtgeschwindigkeit verstehe oder die Unendlichkeit.

2. Die gefährlichste Unternehmung?

Einen Drei-Kilo-Kürbis mit einem Messer zerteilen zu wollen, das ich noch nie in der Hand gehabt habe. Es hat sehr geblutet und die Stelle, wo mir im August das Messer in den Daumen fuhr, tut immer noch weh.

3. Die teuerste Anschaffung?

Unglaublicherweise Kleidung und eine Handtasche. Das dürfte eine Premiere sein. Falls ich demnächst wieder bei Frau Rinaldi einkehren möchte, erinnert mich bitte daran, dass ich wirklich genug wunderschöne Dinge im Schrank habe.

4. Das leckerste Essen?

In Wien: Steirereck und Mraz & Sohn. In München: Tohru, Alois, Tantris, in dieser Reihenfolge, aber nur mit minimalen Sympathien voneinander unterschieden. Runner-up, weil wunderbare Abende: Mast in Wien und Brothers in München. Danach so ziemlich alles, was ich für mich selbst gekocht und mit Genuss auf dem Sofa verzehrt habe, während Netflix lief. Essen ist super und wird immer superer, vor allem, weil wir inzwischen Champagner für uns entdeckt haben. Das wird böse enden, aber herrlich werden.

Alle größeren Restaurantbesuche waren gesponsort von F., weil ich mit der Kunstgeschichte lächerlich wenig verdiene und nicht ganz so viel Werbung mehr mache. Umso mehr freue ich mich über jede Einladung, weil jede einzigartig ist und mich/uns sehr glücklich macht.

5. Das beeindruckendste Buch?

Sachbuch: Stephan Kühl: Ganz normale Organisationen. Soziologie des Holocaust, weil es meinen Blick auf die Gesamtheit sowie die Einzelnen der Täter und Täterinnen sehr erweitern konnte.
Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration, weil es gefühlt alles, was es zu diesem Thema gibt, kenntnisreich und lesbar zusammenfasst.
Andreas Kossert: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, weil es meinen Blick auf diese Gruppe, zu der ja auch meine Mutter gehört, sehr verändert hat. Mit am besten lesbar von allen Sachbüchern in diesem Jahr.

Fiktion: Sayaka Murata (Ursula Gräfe, Übers.): Die Ladenhüterin, weil es so herrlich schräg und gleichzeitig ergreifend schlicht war.
Gabrielle Zevin: Tomorrow, and tomorrow, and tomorrow, weil ich es in nur wenigen Stunden verschlungen habe und nicht aus der Hand legen wollte.
Regina Scheer: Machandel, weil es deutsche Geschichte über Jahrzehnte an glaubhaften (und sehr gut recherchierten) Figuren nachvollziehbar macht.

Comics las ich nur einen, deswegen ist Das Humboldt-Tier von Flix ganz oben auf der Liste. Wäre es vermutlich auch, wenn ich mehrere Comics gelesen hätte.

6. Der ergreifendste Film?

Ich war nur einmal im Kino, bei Igor Levits „No Fear“. Ergreifend waren nur ein paar Momente, aber generell fand ich den Film sehr gut.

Ansonsten gucke ich weiterhin Serien in einer Menge, dass ich schon gar nicht mehr weiß, was alles gut war. Im Kopf gelieben sind mir „Atlanta“, „The Good Fight“, wobei ich die letzte Season nicht mehr so richtig überzeugend fand, und „The Bear“.

7. Die beste Musik?

Ich höre quasi nur noch Klassik, außer im Zug, wo ich alte 1980er-Playlists auf Spotify leerhöre, um nach anstrengenden Tagen im Norden wieder runterzukommen. Diese Anstrengung hat sich seit August leider erledigt.

Die beste Musik ist die, die dafür sorgt, dass es mir besser geht. Das war in diesem Jahr Robert Schumanns Klavierkonzert in a-moll, op. 54, weil es mich sowohl in Wien unter den Händen von Martha Argerich und in München mit Igor Levit sehr glücklich gemacht hat. Und weil es in Spotify mit zu den meist angeklickten Stücken gehörte.

Meine Schwester und mein Schwager brachten mir vor Kurzem in ihrem geräumigen Auto einige meiner Umzugskisten nach München, die seit 2015 auf dem Dachboden meiner Eltern standen. (Ich schreibe weiterhin „Eltern“, weil mein Kopf verständnislos ist.) In einer der Kisten war meine uralte Anlage, also Verstärker, Tuner und Tapedeck, die ich mit dem Geld erworben hatte, das ich zur Konfirmation erhalten hatte. Schon vor meinem Umzug steckte sie in Kartons, weil ich Musik nur noch vom klirrenden Macbook hörte. Nun war sie aber in München – und meine Boxen noch im Norden. Die trug ich am zweiten Weihnachtstag in einer blauen Ikeatüte nach München und schloss alles an. Funktioniert noch wie eine Eins. Vor wenigen Tagen erwarb ich einen CD-Player und jetzt gerade erfreut mich Sol Gabetta mit, natürlich, Bohuslav Martinůs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 (1955). Die CD hatte mir F. geschenkt, nachdem wir die Dame mit diesem Werk 2018 erlebt hatten. Ich höre die CD zum ersten Mal.

8. Das schönste Konzert?

Wir waren in vielen sehr schönen Konzerten in diesem Jahr. Am besondersten waren vermutlich die Wiener Philharmoniker im Musikverein, denn dort hörten wir Bruckners Vierte – also an dem Ort, an dem diese Sinfonie uraufführt wurde. Und meine Güte, ist die Akustik irrwitzig gut. Wir saßen seitlich auf dem Balkon in der letzten Reihe, ungefähr auf halber Höhe des Saals und konnten nur ein Drittel der Bühne sehen. Aber klanglich saßen wir mitten im Orchester. Ein kleines Wunderwerk, dieser Raum.

Runner-up war Anna Thorvaldsdottir in der Isarphilharmonie, weil ihr Werk mich völlig aus dem Hier und Jetzt wegzerren konnte.

9. Die tollste Ausstellung?

Die tollste Ausstellung habe ich leider nicht verbloggt, weil ich in diesem Jahr zeitweilig sehr blogmüde war: „Lebensnah. Realistische Malerei von 1850 bis 1950“ im Wiener Belvedere. Auf Twitter veröffentlichte ich immerhin einen Thread. Für diesen Link habe ich den Account mal entsperrt, eigentlich hängt davor inzwischen ein Schloss.

Runner-up: „Kunst und Leben 1918 bis 1955“ im Lenbachhaus, auch weil ich im Katalog mit zwei Texten vertreten bin. Das ist nicht mein erster Ausstellungskatalog, aber der erste als erwachsene Kunsthistorikerin und ausgewiesene Expertin für dieses Thema. Über Protzen weiß auf der ganzen Welt niemand mehr als ich. (Na supi.)

10. Die meiste Zeit verbracht mit …?

Gefühlt mit meiner Familie im Norden, vor Ort, per WhatsApp, am Telefon, im Heim, auf dem Friedhof. Das war nicht so, aber es hat geistig und irgendwie auch körperlich den meisten Raum eingenommen.

11. Die schönste Zeit verbracht mit …?

… mir selbst. Und natürlich F. Ich wurde auf einer Hochzeit im Juli gefragt, wie lange wir eigentlich schon zusammen sind und musste nachrechnen. Das verflixte siebte Jahr haben wir trotz Pandemie und anderer Herausforderungen ganz gut hingekriegt, wie ich feststellen durfte.

12. Vorherrschendes Gefühl 2022?

Reicht jetzt. (Kam aber immer noch was nach.)


(In diesem Foto versteckt sich ein lange verschobenes Nachholkonzert.)

13. 2022 zum ersten Mal getan?

Ein Elternteil beerdigt. Einen Doktortitel getragen. Seeigel gegessen. Als veröffentlichte Wissenschaftlerin auf einer Konferenz gesprochen. Einen Videokurs belegt. Wikipedia-Einträge angelegt. Meinen Twitter-Account stillgelegt. Geld, das ich eigentlich gerade gar nicht übrig habe, für Kleidung ausgegeben, was überraschend gut getan hat. Ich gebe sonst nie Geld aus, das ich nicht habe; was ich mir nicht leisten kann, gibt’s halt nicht. Aber in diesem Jahr war vieles etwas anders als sonst.

14. 2022 nach langer Zeit wieder getan?

Um einen Verstorbenen im engen Umfeld getrauert. Ein Buch veröffentlicht. Die Wiener Philharmoniker live gehört (März 2020 zum letzten Mal). Im Kino gewesen (vermutlich 2019 das letzte Mal). Den Spaß an Mode, Schmuck und Make-up wiederentdeckt. Blogmüde gewesen.

15. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Eine globale Pandemie. Krieg in Europa. Papas Tod. (Hey, wisst ihr noch, als hier Dinge standen wie „Zensursula“ oder „Rückenschmerzen“? Das waren gute Zeiten.)

16. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Dass Papa gehen kann, weil er alles erledigt hat, was zu erledigen war, er alles gut bestellt zurückgelassen hat und es uns allen gut geht, auch dank seiner Lebensleistung.

17. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Wie schon 2019, 2020 und 2021: Zeit zu haben, in den Norden zu fahren und meiner Mutter wenigstens ein bisschen Arbeit abnehmen und meine Schwester/meinen Schwager entlasten zu können. Papas Pflege ist nun leider nicht mehr nötig, aber auch die Beerdigung und alles darum herum waren anstrengend für Mama. Und wenn es ihr und dem Schwesterherz hilft, dass ich 50 Trauerkarten beschrifte, Kürbissuppe koche und Busfahrpläne ergoogele, dann freue ich mich darüber, 50 Trauerkarten zu beschriften, mir den halben Daumen beim Kürbiszerkleinern abzusäbeln und die Google-Ergebnisse an die Schwester weiterzureichen, weil mein Macbook immer noch nicht mit dem Uraltdrucker bei meiner Mutter klarkommt.

18. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Jeder Restaurantbesuch mit und von F. Und die gute Beratung bei einer gewissen italienischen Modemarke.

19. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Ich liebe dich.“

20. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

„Ich hab dich lieb, Papa.“

21. 2022 war mit einem Wort …?

Kräftezehrend.